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Der nachhaltige Filmtipp – Chasing Coral

«Das Problem mit den Ozeanen ist: Aus den Augen, aus dem Sinn», sagt Richard Vevers (Mitinitiator Chasing Coral). Vielen Menschen bleibt die Unterwasserwelt verborgen und so ist ihre Motivation gering, dieses Ökosystem zu schützen. Aber warum bleichen die Korallen aus und sterben dann ab? «Der Ozean hat Fieber», erklärt Vevers. Die Wassertemperaturen steigen, da der Ozean beinahe die ganze durch den Klimawandel entstehende Wärme absorbiert. Wie bei Menschen: wenn das Fieber zu lange zu hoch ist, stirbt man. Zwei Grad mehr reichen auch bei Korallen schon aus und an vielen Orten ist die Wassertemperatur sogar noch höher. Die Auswirkungen des Korallensterbens sind auch für den Menschen verheerend. Korallenriffe bilden einen natürlichen Schutz vor Überschwemmungen, sie filtern CO2 aus der Luft, sie bieten tausenden von Fischarten ein Zuhause und stellen somit sicher, dass rund 100 Millionen Menschen mit Nahrung versorgt sind.

Zusammen mit Jeff Orlowski, dem Regisseur von «Chasing Ice», dokumentieren Vevers und sein Team mit 360°-Aufnahmen die Schönheit der Korallenriffe. Sie setzen sich zum Ziel, erstmals eine Korallenbleiche im Zeitraffer zu dokumentieren. Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten und einigen Rückschlägen, entschloss sich das Team, die Korallenbleiche auf dem Great Barrier Reef in Zeitraffer-Aufnahmen von Hand festzuhalten. Dazu machte jede Person bis zu 25 Tauchgänge pro Tag und verbrachte über 4 Stunden täglich unter Wasser – und das während eines ganzen Monats. Die Aufnahmen brachten die Mitglieder des Teams körperlich und emotional an ihre Grenzen. Doch ihre Mühe wurde belohnt: Es gelingt ihnen erstmals mit eindrücklichen Aufnahmen die weltweite Korallenbleiche im Zeitraffer zu dokumentieren.

Der Verein Filme für die Erde freut sich sehr, «Chasing Coral» am 22. September 2017 in 17 Standorten der Schweiz und in Liechtenstein am Filme für die Erde Festival zu zeigen. Eintritt ist frei. Mehr Infos und alle Austragungsorte unter: www.FILMEfürdieERDE.org/festival

Dieser Film sowie weitere Filme zu diesem Thema sind auf der Filmseite Ökosystem Meer aufgelistet.

Der monatliche Filmtipp wird von Filme für die Erde präsentiert. www.FILMEfürdieERDE.org ist die weltweit grösste Website zu Film und Nachhaltigkeit, mit über 100 Filmen, die direkt online angeschaut werden können.

Mit dem Abfall in den Wald

Als Abschlussarbeit des Propädeutikums an der Schule für Gestaltung habe ich ein Video zum Thema Littering gedreht. Der Begriff Littering stammt aus dem Englischen, er bezeichnet das achtlose Wegwerfen von Abfall im öffentlichen Raum und im Wald. Mein Auftrag war es, ein Video zu machen, welches Kinder, möglicherweise auch Erwachsene, dazu animieren soll, Littering im Wald zu vermeiden. In der Umsetzung dazu, wie ich vorgehe, welche Technik ich benütze, war ich frei. Ich zeichnete kein detailliertes Drehbuch, sondern schleppte einen Sack voller Abfall in den Wald, um dort mit ersten Animationsversuchen beginnen zu können. Ich inszenierte jegliche Abfallgegenstände, teste verschiedene Standorte und Kameraeinstellungen. Schliesslich fügte ich die entstandenen Filmfrequenzen am Computer zusammen und unterlegte sie mit Geräuschen und Musik.

Entstanden ist ein Stop-Motion Film, welcher die Botschaft des Naturschutzes auf eine kreative und hoffentlich bleibende Weise vermitteln sollte.

Dieses Video ist im Auftrag von WWF Bern entstanden.

Der nachhaltige Filmtipp – The Borneo Case

Fast 90 Prozent des Primärregenwaldes auf Sarawak, Malaysia, wurden abgeholzt und als Rohstoff in alle Welt verkauft. Damit wurde nicht nur ein einzigartiges Ökosystem zerstört, sondern auch die Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung. Dagegen kämpfte Bruno Manser bis zum Zeitpunkt seines Verschwindens. Die Abholzung des Regenwaldes ging danach ungebremst weiter.

Schnitt zur Gegenwart: Das unabhängige Radio «Radio Free Sarawak» gibt den Menschen auf Borneo seit 2010 eine Stimme und kritisiert die lokale Regierung. Kopf und Gründerin des Radios ist die auf Sarawak geborene britische Journalistin Clare Rewcastle Brown. Zusammen mit dem Schweizer Lukas Straumann, dem Geschäftsführer des Bruno-Manser-Fonds, recherchiert sie über die weltweiten Verstrickungen der Regierung auf Sarawak. Sie entdecken, dass sich der Regierungschef von Sarawak, Taib Mahmud, mit Korruption und Geldwäsche am illegalen Abbau des Regendwaldes bereichert und ein milliardenschweres Vermögen angehäuft hat. Trotz Morddrohungen veröffentlicht Rewcastle die Resultate der Recherchen auf ihrem Blog «Sarawak Report».

Dieser Film zeigt eindrücklich, wie sich Aktivisten dank Hartnäckigkeit und guter Recherche international Gehör verschaffen und einen Diktator in die Knie zwingen können.

Der Verein Filme für die Erde freut sich sehr, «The Borneo Case» am 22. September 2017 in 17 Standorten der Schweiz und in Liechtenstein am Filme-für-die-Erde-Festival zu zeigen. Mehr Infos und alle Austragungsorte unter: www.FILMEfürdieERDE.org/festival

Dieser Film sowie weitere Filme zu diesem Thema sind auf der Filmseite Ressourcen-Abbau aufgelistet.

Der monatliche Filmtipp wird von Filme für die Erde präsentiert. www.FILMEfürdieERDE.org ist die weltweit grösste Website zu Film und Nachhaltigkeit, mit über 100 Filmen, die direkt online angeschaut werden können.

Dieser Eintrag erschien am 02.08.2017 auf dem Blog von unserem Partner Filme für die Erde.

Ich will die Grenzen des Teilens hinterfragen

Was genau ist mit der Bezeichnung «co-» gemeint?

Grundsätzlich ist «co-» einfach ein Präfix mit der Bedeutung «zusammen mit, gegenseitig oder gemeinsam». Mir gefällt der Name für eine Gemeinschaft, weil er so einfach ist. Er verinnerlicht das Wesentliche der Idee des Teilens und lässt Platz für alles, was daraus organisch wächst: co-arbeiten, co-leben, co-spielen, usw.

Was ist die Philosophie hinter dem Projekt co-?

Das Projekt ist ein Experiment. Es ist gemeinschaftliches Zusammenleben gepaart mit einer nicht monetären Wirtschaft, die auf bedingungslosem Geben aufbaut. Alle Beteiligten sind frei, gemäss ihrer Motivation und ihren Fähigkeiten mitzuwirken. Dadurch können wir hoffentlich unsere Bedürfnisse gegenseitig stillen und glücklicher und erfüllter leben. Die Idee ist, dass wir die Gemeinschaft durch wechselseitige Verbindungen und Achtsamkeit stärken. So können wir vielleicht die Saat säen, aus der wir später die Antworten auf die grossen Fragen unserer Gesellschaft ernten können. Mir gefällt es, als Teil einer Graswurzelbewegung zu wirken – in direktem Austausch mit anderen Menschen. Skalierbarkeit, Wachstum und impact sind nicht so wichtige Faktoren, es sei denn sie entwickeln sich natürlich.

Welche Dinge werden beim Projekt geteilt?

Ganz unterschiedliche Sachen. Zum einen alle möglichen materiellen Gegenstände, wie zum Beispiel Haushaltsgeräte, Outdoor Material, Kleider. Zusätzlich aber auch Dienstleistungen wie Veloreparatur, Haare schneiden, Kochen oder Nähen. Und schliesslich diverse Aktivitäten, die wir gemeinsam tun möchten: Kochen und Lesegruppen, Musik und Unterhaltung, Meditationsgruppen. Einfach alles, was wir sinnvoll teilen können. Idealerweise hinterfragen wir die herkömmlichen Grenzen dessen, was das bedeuten könnte und eröffnen dadurch neue Perspektiven.

Wie ist die Gemeinschaft organisiert?

Der primäre Fokus ist auf der Gemeinschaft rund um das Individuum: Freund*innen, Familie, Nachbar*innen, Arbeitskolleg*innen. Aber im Prinzip ist jede*r willkommen, beim Projekt mitzumachen. Natürlich wäre es auch schön, wenn es Zusammenarbeit mit anderen Gemeinschaften mit ähnlichen Ideen geben würde. Wie erwähnt, interessiert mich die Skalierbarkeit aber nicht primär. Aber wenn ich mal darüber nachdenke, dann stelle ich mir eher ein Netzwerk von kleinen co-Knotenpunkten vor als eine einzige riesige co-Gruppe.

Woher kommt die Faszination für diese radikale Art des Teilens?

Nachdem ich meinen bequemen IT Job aufgegeben habe, nahm ich vor einigen Jahren einen abenteuerlicheren und ungewisseren Weg im Bereich der veganen Gastronomie in Angriff. Dabei stiess ich auf Fragen wie: Wie bewerten und belohnen wir in unserer Gesellschaft eigentlich unsere Arbeit? Wie viel und auf welche Ziele hin arbeiten wir? Arbeiten wir mit Leidenschaft oder bloss um durchzukommen? Mir fiel auf, dass vieles für mich keinen Sinn ergab. Es gibt riesige Lohngefälle und das ganze Lohnsystem ist auf den Kopf gestellt. Sollten die Menschen mit den schlechtesten Jobs nicht eigentlich am besten bezahlt werden? Und schliesslich hatte ich auch das unangenehme Gefühl, dass wir immer mehr und immer härter arbeiten, aber immer weniger glücklich und erfüllt sind.

Wie hängt deine Arbeit in der veganen Gastronomie mit diesen Einsichten zusammen?

Ursprünglich war das mit dem veganen Catering ein Hobby. Doch schon bald realisierte ich, dass es sich in eine echte Leidenschaft verwandelt hatte. Und die musste ich einfach richtig verfolgen. Die Erfahrungen, die ich in meiner Zeit in Berlin machte, haben mich unsere Gesellschaft und Wirtschaft mit neuen Augen sehen lassen. Ich wollte so leben, wie es für mich Sinn ergibt. Ich wollte nicht mehr einfach möglichst viel abstrakten Wohlstand akkumulieren. Stattdessen wollte ich mit der Herkunft und dem Wert unserer Waren und Dienstleistungen in Kontakt kommen. Ich wollte ein Leben, das sich direkt mit den echten Bedürfnissen von Menschen befasst.

Was würdest dem Vorwurf entgegnen, dass co- bloss ein verrücktes Nischenprojekt ist?

Mein Ansatz ist: Wenn du eine scheinbar verrückte oder unmögliche Veränderung in der Welt sehen möchtest, starte mit einer Transformation im täglichen Leben. Dadurch schlägt die Idee Wurzeln und wird von ganz allein ein eigenständiges Leben in unserer Gesellschaft entwickeln. Menschen sind in erster Linie komplizierte, emotionale Wesen und weniger rationale, analytische Maschinen. Willst du also einen Wandel erreichen, musst du aufs Herz zielen. Oder wie Antoine de Saint-Exupery schon meinte: «Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer.»

Das Interview wurde schriftlich und auf Englisch geführt.

Der nachhaltige Filmtipp – Planet Erde II

Zehn Jahre nach der Veröffentlichung von «Planet Erde» doppelt die BBC nach und stellt mit «Planet Erde II» bisherige Naturdokumentarfilme in den Schatten. Dank neuer Filmtechnik bringen die Kameraleute Aufnahmen auf die Leinwand, die überraschen und berühren. Das Publikum schaut nicht nur zu, sondern ist mittendrin.

Ein Film zum Staunen und Bibbern

«Planet Erde II» betört mit Detailaufnahmen von einmaliger Schönheit. Wenn sich eine Löwin an ihre Beute anschleicht, ihre Pfoten auf den Wüstenboden aufsetzt und dabei Kralle um Kralle in den Sand gräbt, vergisst man für einen Moment die Welt um sich herum.

Doch es sind nicht nur Szenen wie diese, die «Planet Erde II» einzigartig machen. Es sind auch solche wie die, in der eine junge Iguana-Echse von Dutzenden Schlangen über den Strand und die Felsen gejagt wird und nur mit knapper Not entkommt. Oder jene, in der sich Languren-Affen auf den Dächern von Jodhpur einen temporeichen Revierkampf liefern – Parkour at its best.

Neu: das Leben von Tieren in Städten

«Planet Erde II» bietet aber nicht nur neue Blicke auf Altbekanntes, sondern ist der erste Naturdokumentarfilm, der einen neuen Lebensraum porträtiert: derjenige von Tieren in Städten. Das Publikum wird Zeuge, wie Leoparden mitten in der Millionenstadt Mumbai domestizierte Schweine erlegen. Und als wäre das nicht genug, erläutert Sir David Attenborough, der auch diese BBC-Produktion kommentiert, dass die weltweit dichteste Leopardenpopulation ebendort in Mumbai lebt. Und das Gebiet mit der weltweit grössten Dichte nistender Wanderfalken? Nicht in der Wildnis, sondern – ach ja – in den Häuserschluchten in New York City.

Der Verein Filme für die Erde freut sich sehr, diese fantastische Doku-Reihe am Filme für die Erde-Festival rund 9`000 Schulkindern zu zeigen. Interessierte Lehrpersonen können sich hier für dieses gratis Angebot am 22. September 2017 in 20 Städten anmelden.

Dieser Film sowie weitere Filme zu diesem Thema sind auf der Filmseite Planet Erde aufgelistet.

Die DVD des Films mit allen 6 Episoden ist hier erhältlich.

Der monatliche Filmtipp wird von Filme für die Erde präsentiert. www.FILMEfürdieERDE.org ist die weltweit grösste Website zu Film und Nachhaltigkeit, mit über 100 Filmen, die direkt online angeschaut werden können.

Dieser Eintrag erschien am 04.07.2017 auf dem Blog von unserem Partner Filme für die Erde.

Die Velopumpe von nebenan

Am Briefkasten gesellen sich neben dem Namensschild noch mehrere hellblaue Quadrate mit Zeichnungen darauf: eine Pastamaschine, ein Schlitten, ein Velo, Bücher, ein Zelt, eine Velopumpe und das allen bekannte WLAN Symbol. Sie zeigen der Besucher*in: das alles kannst du hier ausleihen. Einfach klingeln, und schon hat dein Velo wieder Luft.

Die Sticker werden vom Verein Pumpipumpe seit einigen Jahren vertrieben. Die Idee dahinter ist einfach: In jedem Haushalt gibt es viele Dinge, die wir nur selten brauchen. Ein Rasenmäher oder ein Akkubohrer hat bei den meisten fast immer Pause. Statt sie im Keller vermotten oder im Gestell Staub ansammeln zu lassen, könnten sie von anderen gebraucht werden. Wenn ich selber mal etwas brauche, kann ich entweder beim Rundgang durch die Stadt nach den bunten Klebern Ausschau halten oder mich auf der Onlinekarte schlau machen, wo es das nächste Schlauchboot gibt.

Ausleihen für eine schönere Nachbarschaft

Pumpipumpe möchte sich für einen bewussteren Umgang mit unseren Konsumgütern einsetzen. Statt dass sich jede*r eine eigene Nähmaschine kauft, könnte sich die nähere Nachbarschaft auch eine teilen. Das spart nicht nur Geld und reduziert den unweigerlich anfallenden Abfall. Es belebt auch die soziale Interaktion. Die Sticker sollen nämlich auch dazu animieren, mal wieder bei der Nachbar*in zu klingeln und dadurch gemeinsam ins Gespräch zu kommen.

Funktioniert das auch? Gemäss Onlinekarte gibt es in Bern etwa 300 Orte, wo Menschen ihr Werkzeug oder ihre Küchengeräte zur Ausleihe anbieten. Ramon ist einer davon und seit drei Jahren dabei. In seiner WG kann man fast alles ausleihen: von Brettspielen über einen Racletteofen bis hin zum Hammer. Leider kommen nur selten spontan Menschen vorbei, die etwas brauchen. «Ich fände es schön, wenn mehr Menschen bei mir klingeln würden», meint er darum. Er selbst leiht sich meistens Sachen bei Bekannten oder im Haus aus.

Teilen ist nicht gleich teilen

Sharing-Communities wie Pumpipumpe gibt es viele. Zu den bekanntesten gehören sicherlich Airbnb und Couchsurfing. Airbnb und ähnliche Sharing-Plattformen wie das Schweizer Projekt Sharely möchten aus dem Prinzip des Teilens eine alternative Form der Ökonomie erschaffen. Was ich nicht brauche, kann ich gegen Bezahlung mit anderen teilen. So lässt sich mit der leeren Wohnung im Sommer, der jährlich gebrauchten Digitalkamera und den Tourenskis im Keller nebenbei etwas Geld machen. Dadurch werden unsere Gebrauchsgegenstände auch wirklich gebraucht. Fraglich ist, ob solche Plattformen überhaupt zum Teilen da sind. «Wenn das «Teilen» marktgesteuert ist, dann können wir nicht mehr von Teilen sprechen» schreiben zum Beispiel Giana Eckhardt und Fleura Bardhi, zwei Professorinnen aus London im Harvard Business Review.

Bei Couchsurfing soll deswegen alles ohne Geld funktionieren. So steht auch nicht die optimale ökonomische Nutzung im Vordergrund, sondern das Teilen als Ideal: Es soll eine Gemeinschaft entstehen, in der Insiderwissen, Zeit und natürlich Sofas ohne notwendige Gegenleistung einander zur Verfügung gestellt werden. Im Vordergrund steht das gemeinsame Erlebnis, die verbrachte Zeit oder einfach nur die Idee des bedingungslosen Teilens. Für viele Couchsurfer*innen ist der Austausch menschlicher und gemeinschaftlicher, wenn Geld aus dem Spiel gelassen wird.

Eine Gemeinschaft aufbauen

Es gibt aber auch Sharing-Communities, die noch weiter gehen: Ohne Geld soll auf dem Prinzip des Teilens eine ganze Gemeinschaft aufgebaut werden. Nebst materiellen Dingen – Sofas, Parkplätze, Saugglocke – lassen sich nämlich auch Dienstleistungen, Wissen oder Aktivitäten teilen. Gemeinsames Yoga und Radfahren stehen genau so auf dem Programm wie der Wissensaustausch beim Erstellen einer eigenen Webseite. Auf der Grundlage dieser Idee hat Kremena Diatchka mit einigen anderen Berner*innen kürzlich das Projekt co- ins Leben gerufen. Dort vereinen sich Menschen, die das unentgeltliche Teilen zur Lebensphilosophie machen wollen.

Der Wunsch zum Teilen entsteht oft aus einer Unzufriedenheit mit gegenwärtigen Gesellschaftsstrukturen. An die Stelle eines «race to the top» wird eine Gemeinschaft gesetzt, deren Mitglieder nach ihren Möglichkeiten beitragen und gemäss ihren Bedürfnissen profitieren. Nicht zuletzt basiert diese Vision auf die Überzeugung, dass wir zwar immer mehr besitzen und arbeiten, deshalb aber nicht glücklicher und zufriedener sind. Vielleicht hilft das Teilen dabei, wieder vermehrt mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen.

Trotzdem finden solche Initiativen eher im Kleinen statt. Es besteht die Gefahr, dass das Teilen nicht so richtig in die Gänge kommt, weil das Modell «Geld gegen Ware» zu sehr in unseren Köpfen verhaftet ist. Entsprechend können auch Ressentiments entstehen, wenn sich manche nicht gleich stark wie andere engagieren und scheinbar bloss profitieren. Doch auch hier versprechen Sharing-Communities wie co- oder Pumpipumpe eine neue Perspektive. Sie wollen die Herzen und Köpfe von Menschen erreichen; nicht unsere Portemonnaies. Das Teilen soll zum Nachdenken anregen – über unsere Prioritäten, unsere Beziehungen und unser Geld. Darum leihe ich mir jetzt schnell ein Waffeleisen von gegenüber aus.

Eine Welt voll Plastik

In einer Zeitschrift habe ich gelesen, dass wir auf der Welt viel zu viel Plastik brauchen. Im Mathematikunterricht grübelte ich über eine Aufgabe und da kam mir plötzlich die Idee: «Ich mache einen Selbstversuch. Eine Woche (möglichst) ohne Plastik, und zwar mit Freunden. Zum Glück haben Luna*, Auline, Gioia und meine Familie zugestimmt. Es war schwieriger als gedacht.

Am ersten Morgen früh stand ich auf und schlurfte hinunter in die Küche. Ich sah mein Yoghurt an. «Mist!», dachte ich, «heute beginnt doch meine plastikfreie Woche. Fängt ja super an.» Während dem Tag war ich nicht die einzige, die viel Plastik benutzte. Auch meine Familie hatte Mühe. Am Abend hatten wir schon fast einen Müllsack mit Plastik gefüllt. Am nächsten Tag sagte mein Vater, ich solle selber einkaufen gehen – ich sage meinem Vater immer, er soll beim Kochen weniger Plastik gebrauchen. Also schnappte ich mir meine Stoffasche und fuhr zum Coop.

Einkaufen

Als ich durch den Supermarkt lief, fand ich nur wenige Esswaren, die nicht mit Plastik verpackt sind. An der Kasse fiel mir auf, wie viele Plastiksäckli dort hängen. Seit kurzem bezahlt man für die Plastiksäckli. Meine Einkaufliste war lang und mein Einkaufskorb fast leer. Ich kaufte nur drei Dinge: Eier,Teigwaren und eine Büchse mit Erbsen. Im Migros, Coop, Denner & co. wimmelt es nur so von Plastikverpackungen. Heutzutage gibt es auch andere Möglichkeiten, damit man den Plastikverpackungen aus dem Weg gehen kann. Frisches Gemüse und Käse gibt es frisch auf dem Märit. Eine andere Möglichkeit sind Läden wie der Bachsermärt in Zürich oder die berühmten Tante-Emma-Läden. In diesen Läden gibt es Esswaren, die keine Plastikverpackungen haben. Frischer Käse auf dem Tresen, Teigwaren abgefüllt in Gläsern und anstatt Plastiksäcke hat jeder eine Stofftasche zum Tragen. So spart man viel Plastik. Warum kaufen dann Leute immer noch im Coop und Migros? Meine Freundin Luna denkt, dass es mit dem Preis zusammenhängt: «Orte wie die Tante-Emma-Läden sind teurer als der herkömmliche Supermarkt. Ich zum Beispiel kann mir in meiner momentanen Lebenslage einfach nicht leisten, dort einzukaufen.» Ausserdem sei sie viel beschäftigt, und kann nicht so viel Zeit investieren, wie es das plastikfreie Leben verlangen würde. Als Vegetarierin merkt sie ausserdem, dass ihre Fleischersatzprodukte oft in Plastik verpackt sind.

«Ich verstehe das auch nicht» antwortet mein Vater. «Im Coop zahlt man für eine Plastiktasche 5 Rappen. Ich verstehe das, da man Plastik sparen will. Doch was ist mit den Emoji, die es ab 20.- gibt für die Kinder? Die kleine Emoji sind mit Plastik verpackt. Auch die Esswaren sind mit viel Plastik verpackt. Deshalb verstehe ich es nicht. Wollen die Supermärkte nun Plastik sparen oder nicht?“

Was ist überhaupt Plastik?

Immer spricht man von Plastik. Doch was ist eigentlich Plastik genau? Plastik ist der umgangssprachliche Begriff für Kunststoff und steht für ein Material, das in der Natur so nicht vorkommt. Ausgangsstoff für die chemische Herstellung von Plastik ist Erdöl. Plastik bereitet auch bei der Entsorgung Probleme. Es wird verbrennt, und dadurch entstehen Gase, die aus den Kaminen von der Verbrennfabrik herausströmen. So schadet das Plastik unserer Luft. Plastik verschmutzt auch unsere Ozeanen. Wie denn genau?

Plastik im Meer

Das Plastik ist eine grosse Gefahr für die Gewässer. Forscher schätzen, dass sich 100 Millionen Tonnen Kunststoff in den Weltmeeren angesammelt haben. Mehr als zwei Drittel davon sinkt an den Meeresgrund. Das restliche Drittel treibt hunderte von Kilometern durch die Ozeane. Die Kunststoffpartikel sammeln sich in riesen Wirbeln an, so enstehen ganze Inseln aus Plastik. Die «Plastik-Insel» im Pazifischen Ozean wurde durch Strömungen zu einem Haufen gesammelt. Auf dieser Insel sind 3 Millionen Tonnen Plastik angehäuft. Solche Inseln bleiben wohl noch länger bestehen, da Plastik nicht wie Kompost verrottet. Eine Plastikflasche braucht 450 Jahren, bis sie vollständig zersetzt ist. Plastik ist auch eine Gefahr für die Tierwelt. Die Tiere fressen Plastik, weil sie es mit Futter verwechseln. Schildkröten etwa verwechseln die Plastiksäcke mit Quallen und fressen sie. Die Müllteile blockieren den Magen und den Darm der Tiere. Werden sie nicht von Menschen gerettet, sterben die Tiere. Doch wer macht etwas dagegen?

Es wäre wichtig, sich politisch einzusetzen

«Man müsste auf der politischen Ebene handeln», denkt meine Freundin Luna. Die Politik stuft das Müll im Meer als Umweltgefahr ein. Doch die Regierungen dieser Welt machen nicht viel, da sich niemand richtig verantwortlich fühlt, weil die Ozeane zu keinem Staat gehören. Deshalb müssen die Umweltorganisationen aktiv werden. Wie z.B die Surfrider Foundation, welche weltweit aktiv ist. Eines deren Vorzeigeprogramme ist die Ocean Initiatives. Seit 20 Jahren vereinen die Ocean Initiatives weltweit Tausende von Freiwilligen für ein gemeinsames Ziel: den Kampf gegen die Zunahme von Abfällen, die die Ozeane, Seen, Flüsse und Meeresböden verschmutzen. Wer nicht zu diesen Freiwilligen gehört, kann auch zuhause etwas bewirken. Aber es hilft auch schon, wenn jeder Mensch etwas kleines gegen Plastik macht. Viel Kleines wird zusammen zu etwas Grossem. Zum Beispiel können wir in der Zukunft versuchen, weniger Plastik zu verwenden. Wie meine Freunde und ich im Experiment. Zum Beispiel macht Luna ihr Deo selbst und bewahrt es in einem Glas auf.

Der Selbstversuch war jedoch nicht immer einfach: «Die Woche hat mir sehr Spass gemacht, aber manchmal bin ich fast verzweifelt», sagt Auline aus Zürich. «Trotzdem fand ich schlussendlich immer eine Lösung. Ich habe meine Ernährung dem Plastik angepasst und auf gewisse Sachen verzichtet und neue Sachen ausprobiert. Ich backe mir selber Brot. Beim Takeaway gibt es Plastiksäckli und Plastikbesteck. Deshalb habe ich mir immer selber Besteck mitgenommen. Wo ich eingekauft habe? Auf dem Bächsermärit in Zürich.»

«Das Experiment war schwieriger als gedacht», gibt Gioia zu. «Für mich war es einfacher, Esswaren ohne Plastikverpackungen im Supermarkt zu kaufen als in der Küche zu verwenden. Ich habe ein paar Tipps für euch: Ich verwendete Petflaschen mehrmals. Die eingekauften Esswaren habe ich in Stofftaschen eingepackt und so mit nach Hause genommen. Das spart schon sehr viel Plastik.»

Während der Woche füllten sich die Müllsäcke immer wie mehr. Es war sehr schwierig, vor allem, weil meine ganze Familie arbeitetete oder in der Schule lernte. So hatten wir keine Zeit, um auf dem Markt einkaufen zu gehen. Meine Familie hat das Experiment zwar nicht besonders gut gemeistert und wir waren ehrlich gesagt froh, als endlich Sonntag war. Doch wir haben viel gelernt und werden in Zukunft mehr darauf achten, weniger Plastik zu kaufen.

*Name von der Redaktion geändert.

Der nachhaltige Filmtipp – Code of Survival

«Eigentlich sollte man den besten Anzug anziehen, wenn man auf den Acker geht. Man muss Ehrfurcht vor dem Boden haben, denn er ist unsere Lebensgrundlage», sagt Bio-Bauer Franz Aunkofer im Film. Er war einer der ersten Bio-Bauern Deutschlands und erwirtschaftet inzwischen praktisch denselben Ertrag wie im konventionellen Anbau – ohne Gift und im Einklang mit der Natur. Der Alltag in der industriellen Landwirtschaft sieht anders aus. Dort bauen die Landwirte seit vielen Jahren Gentech-Pflanzen an und behandeln sie mit Glyphosat-haltigen Herbiziden wie Roundup. Die Resultate: resistentes Unkraut, das sich unkontrolliert vermehrt und harte Böden, auf denen nichts mehr wächst.

Regisseur Bertram Verhaag stellt der industriellen Landwirtschaft in den USA drei Beispiele aus Deutschland, Ägypten und Indien gegenüber. Er zeigt, wie die biologische Landwirtschaft dort aus kaputten Böden fruchtbare Äcker macht, welche hohe Qualität produzieren und die Artenvielfalt steigern. Die Formel des Überlebens – der Code of Survival – liegt in der nachhaltigen und biologischen Bewirtschaftung des Bodens, wie es Jane Goodall am Ende des Films formuliert: «Wir sollten mit der Natur zusammenarbeiten, nicht gegen sie. Nur dann können wir es schaffen, die Natur und das Land wiederherzustellen»

Dieser Film sowie weitere Filme zu diesem Thema sind auf der Filmseite Gentech + Saatgut aufgelistet.

Die DVD des Films ist hier erhältlich.

Dieser Eintrag erschien am 06.06.2017 auf dem Blog von unserem Partner Filme für die Erde.

Energiestrategie 2050 – ein breit abgestütztes Ja

Nachdem in der Vergangenheit mehrere Initiativen zum Atomausstieg und für mehr Nachhaltigkeit abgelehnt wurden, beschloss das Schweizer Volk am vergangenen Sonntag einen Schritt in diese Richtung zu machen. Nur vier Kantone haben die Vorlage abgelehnt. Mit diesem neuen Beschluss wird mehr Geld in erneuerbare Energien investiert. Gleichzeitig dürfen keine neuen Atomkraftwerke mehr gebaut werden. Dafür werden Grosswasserkraftwerke subventioniert, um sie wieder wirtschaftlich zu machen.

Mit Annahme der ersten Etappe der Energiestrategie 2050 wurde ein Neubauverbot für Atomkraftwerke im Gesetz verankert. Die bestehenden Atomkraftwerke haben aber – im Gegensatz zur Forderung der Atomausstiegsinitiative im vergangen Herbst – kein definiertes Ablaufdatum. Sie dürfen so lange am Netz bleiben, wie sie das eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) als sicher einstuft oder die Betreiber aus wirtschaftlichen Gründen den Betrieb einstellen wollen. Mühleberg wird 2019 vom Netz gehen – bei allen anderen wurde noch kein Datum festgelegt. Da es sich bei Beznau I um das älteste Kernkraftwerk der Welt handelt und es gehäuft zu Problemen kommt, ist die endgültige Abschaltung nur noch eine Frage der Zeit.

Im Durchschnitt war die Zustimmung in den Kantonen zur Energiestrategie 2050 um zwölf Prozentpunkte höher als bei der Atomausstiegsinitiative. Nicht in allen Kantonen war die Zunahme jedoch gleich stark. Am stärksten war die Zunahme in Appenzell Innerrhoden mit 21,8 Prozentpunkten. Das könnte möglicherweise an den Landwirten liegen, welche häufig nicht grundsätzlich gegen Atomkraftwerke sind, jedoch von den Subventionen für Solaranlagen bei der Energiestrategie 2050 profitieren können, da sie häufig auf den Ställen grösse Flächen zur Verfügung haben. So hat die Landwirtschaftskammer des Schweizer Bauernverbands die Ja-Parole gefasst. Auch könnte das Argument gefruchtet haben, dass einheimische Energie gefördert wird und dadurch das lokale Gewerbe gestärkt wird. So kann fast 13 Prozent des Unterschieds zwischen den beiden Abstimmungen in den Kantonen mit dem Anteil der Beschäftigten im primären Sektor erklärt werden. Damit ist aber auch klar, dass nicht Landwirte alleine den Ausschlag gaben.

Luzern, Waadt und das Wallis haben ebenfalls stark zugelegt mit knapp unter 20 Prozentpunkten. Beim Wallis dürfte die Subventionierung der Wasserkraft bei der Energiestrategie 2050 den Ausschlag gegeben haben. Das Wallis hat viele Stausee, darunter beispielsweise die Grande Dixence Staumauer, welche zu den höchsten der Welt gehört. Kaum zugenommen hat der Ja-Anteil hingegen in Basel-Stadt. Er ist nur um 2,9 Prozentpunkte gestiegen. Auch in Basel-Landschaft sind es nur 3 Prozentpunkt mehr.

Generell war die Zustimmung in der Romandie höher als in der Deutschschweiz und im Tessin, wobei Basel-Stadt wie so oft eine Ausnahme bildet und sich im Ja-Anteil im Bereich der Westschweizer Kantone aufhält. Die Westschweiz hat sich in den letzten Jahrzehnten was ökologische Themen anbelangt stark verändert.

Im Gegensatz zur Atomausstiegsinitiative war die Energiestrategie breiter abgestützt. Ein Paket aus mehreren Massnahmen überzeugte die Bevölkerung, welche noch im Herbst die einseitige Atomausstiegsinitiative abgelehnt hat. Das dürfte dazu geführt haben, dass aus einem Nein ein solides Ja wurde.

Der nachhaltige Filmtipp – Tomorrow

Wer die Filme Racing Extinction und Bikes vs Cars kennt, die im vergangenen Jahr beim Filme für die Erde Festival gezeigt wurden, wird Parallelen zu Tomorrow erkennen: »Wir haben nicht viel Zeit, um die absehbare Klimakatastrophe zu verhindern. Darum müssen wir die grundlegenden Veränderungen jetzt herbeiführen«, heisst es an einer Stelle. Aber wie? Warnungen vor Katastrophen rauben den Menschen Energie, darin sind sich Dion und Laurent einig – stattdessen wollen sie die Zuschauer inspirieren selbst tätig zu werden.

Also machen sie sich auf den Weg, um nach Menschen zu suchen, die kreative Lösungen für sich und ihre Umwelt gefunden haben. Die Reise führt sie etwa auf einen Bio-Bauernhof in der Normandie, der auf Selbstversorgung ausgelegt ist, in eine englische Kleinstadt, die eine eigene Währung hat, um die lokalen Geschäfte zu stärken und nach San Francisco, in die Stadt, die es geschafft hat innerhalb weniger Jahre 80 Prozent seiner Abfälle weiter zu verwerten. Selbst die Schweiz ist in dem Film mit einem guten Beispiel aus Basel vertreten. Während des Films wird einem deutlich, dass es nicht nur einen Weg in eine grünere Zukunft gibt, sondern es vieler unterschiedlicher Ansätze bedarf. Der Film hinterlässt nicht nur Hoffnung, sondern auch eine gehörige Portion Motivation, dass man auch als Einzelperson etwas bewirken kann.

Erleben Sie »Tomorrow« am schweizweiten Pop-up Kino

Die Filme für die Erde Community lädt zum schweizweiten gratis Pop-up Kino mit »Tomorrow« am 22. April ein. Erleben Sie einen gratis Filmabend in der Nähe. Alle öffentlichen Filmvorführungen sind hier aufgelistet.

Wir danken den Eventsponsoren EPEA Switzerland, sanu future learning ag und FLAWA Consumer AG für die wertvolle Unterstützung des Pop-up Kinos!

Dieser Film sowie weitere Filme zu diesem Thema sind auf der Filmseite Konsum und Alternativen aufgelistet.

Die DVD des Films ist hier erhältlich.

Der monatliche Filmtipp wird von Filme für die Erde präsentiert. www.FILMEfürdieERDE.org ist die weltweit grösste Website zu Film und Nachhaltigkeit, mit über 100 Filmen, die direkt online angeschaut werden können.

Dieser Eintrag erschien am 05.04.2017 auf dem Blog von unserem Partner Filme für die Erde.