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«Einisch Gampel, immer Gampel»

Fährt man mit dem Auto von Bern in Richtung Wallis, so hat man oft Probleme mit dem Verkehr. Die Walliser haben aber genau für diese Situationen einen wunderbaren Ausblick auf eine idyllische Bergwelt zu bieten. Fährt man noch etwas weiter durch das Wallis, so kommt man irgendwann in Gampel an.

Riesen Andrang

Um 08:00 Uhr öffnete das Gelände des Open Air Gampel. Wer meinte, er wäre genug früh losgefahren, war jedoch nicht allein. Bereits kurz nach der Öffnung standen die Festivalbesucher vor den Toren des Geländes Schlange. Das Gampel ist bekannt dafür, dass viele nicht nur wegen des Line-Ups herkommen, sondern wegen der gesamten Party, die hier auch als «iischi Party» bekannt ist.

Der Zeltplatz war schnell gefüllt und mit der Zeit strömten die Besucher auf das Konzertgelände. Die Schweizer Rockband Redeem eröffnete das Festival. Viele der bereits am Donnerstag angereisten Besucher freuten sich auf den Headliner Lil Wayne. Diese wurden jedoch derbe enttäuscht.

Party trotz kurzfristiger Absage

Nach über einer Stunde Verspätung nahm das Warten auf den US-Rapper ein apruptes Ende. Bei einer medizinischen Untersuchung empfahl man ihm, nicht aufzutreten. Es hagelte von einigen Fans scharfe Kritik, da man für nichts gewartet habe, anstatt dass die Absage kommuniziert worden wäre. Der grösste Teil der Festivalbesucher machte jedoch dem Gampel wieder alle Ehre und liess sich den ersten Abend nicht vermiesen. Die Partyzelte füllten sich rasch und für die Rockfans traten The Kills auf der White Stage auf. Ein weiterer Höhepunkt stand um 23:00 Uhr auf dem Programm, als der Tomorrowland-DJ Paul Kalkbrenner auf der Red Stage auflegte.

Endlich Die Toten Hosen

Bereits vor zwei Jahren hätten Die Toten Hosen am Gampel auftreten sollen. Damals musste die deutsche Punk- und Rockband kurzfristig absagen, da der Leadsänger Campino erkrankt war. Für viele Besucher ging dieses Jahr also eine Wartezeit von zwei Jahren zu Ende. Die Band hatte vor kurzer Zeit ihr neues Album «Laune der Natur» veröffentlicht und dieses stürmte auf Platz eins der deutschen Charts. Viele Festivalgänger, die bereits einige Jahre dabei sind, meinten, dass dies der beste Act seit Jahren war. Am Samstag stand vor allem Hip-Hop und Rap auf dem Programm. Headliner war Cro und dieser wusste seine Fans mit einer spektakulären Performance zu begeistern. Auch die Broilers spielten Hits wie «Bitteres Manifest» und «Ist da jemand».

Wie bereits auf dem Heitere standen auch Nemo und Lo & Leduc auf der Red Stage. Auch dieses Wochenende konnten die Schweizer Musiker überzeugen.

Viele Traditionen

Das Gampel ist für die fantastische Stimmung unter den Besuchern bekannt. Tink.ch wollte die Traditionen der Festivalbesucher kennenlernen. Für einige, isst man vor einem Schweizer Act ein Raclette. Andere nehmen um 11 Uhr morgens in die Rockstr-Bar den traditionellen «11i Schuss». Eine Gruppe Männer vertreibt ihre Zeit mit einem Kartenspiel, wobei dabei «Alli trinke!», wohl der meistgesagte Satz ist. Was wie an vielen anderen OpenAirs auch nicht fehlen durfte, waren die Sticker der Band «KaButt». Wo man am Gampel auch hinging, fand man Sticker mit einer gelben Badeente drauf. Das Logo der Band KaButt wurde dadurch bekannter als deren Musik.

Die 32. Ausgabe des Gampel war ein voller Erfolg. Oder wie ein Festivalbesucher am Ausgang meinte: «Einisch Gampel, immer Gampel! Iischi Party!»

Ein erfolgreiches Heitere Open Air geht zu Ende

Familiär und dennoch ein grosses Fest

Das Heitere ist bestimmt keines der ganz grossen Open Airs in der Schweiz. Neben Festivals wie das Frauenfeld, Gampel, oder Gurten scheint das Heitere ein kleines Dorffest zu sein.
Das Heitere trotzt diesen Vorurteilen jedoch alle Jahre: Bereits Monate vor dem Festival sind die Tickets ausverkauft. Das Open Air erhielt 2016 den SRF-Festivalaward und dies kam nicht aus heiterem Himmel. Das Festival zeichnet sich durch seine grosse Vielfältigkeit aus. So sieht man Besucher jeglichen Alters auf dem Gelände, hört Musik jeglicher Richtungen auf den Bühnen und tritt auf dem Zeltplatz mit Menschen verschiedenster Charakterzüge in Kontakt.

Grenzwärtiger Auftritt von KIZ

Die deutsche Rap-Band, die am Samstagabend auftrat, vermochte mit ihrer klassischen Auftrittsart nicht bei allen zu überzeugen. So gehen die Meinungen über die Vorstellung bei den Festivalbesuchern weit auseinander. In den vordersten Reihen gaben die sogenannten Takatuka-Ultras alles und feierten den Auftritt ihrer Band. In den hinteren Reihen liefen die Leute jedoch reihenweise davon. Ganz anders war das bei Mark Forster, der mit Hits wie Chöre und Sowieso das gesamte Publikum zu begeistern vermochte. Auch Silbermond, die bereits 2010 am Heitere auftraten, liessen ihre Kritiker verstummen und lieferten ein grandioses Konzert ab.

Viele nationale Acts am Sonntag

Am Sonntag standen viele Schweizer auf der Bühne. Den Anfang machte die Band Traktorkestar, welche vor allem aus Bläsern besteht. Unterstützt wurden diese von Perkussionsinstrumenten. Sie coverten unter anderem Lieder von Rammstein und begeisterten das Publikum. Auch Nemo zeigte eine tolle Show und es ertönten Songs wie Ke Bock, Himalaya und Blockbuster aus den Boxen der Lindenbühne.

Lo&Leduc bildeten den Abschluss der Schweizer Acts. Die Berner Musiker zogen das Publikum bei heissem Sommerwetter gekonnt mit und spielten einige Lieder des neuen Albums Ingwer und Ewig sowie altbekannte Lieder wie «Räuber und Poli» und «Blaui Peperoni».

Das OpenAir verlief sehr erfolgreich und friedlich, so wie man es sich gewohnt ist vom Heitere. Hoffen wir auf viele weitere tolle Festivals am Zofinger Hausberg.

Zwitschernd wie ein Vogel

Bühne frei für eine Künstlerin, die es bereits in jungen Jahren geschafft hat, Hunderte von Menschen mit ihrer Musik zu berühren. In ihren Liedern spricht sie von Herzschmerz und dem Sinn des Lebens. Erstaunlich wie schon die Sängerin Birdy mit 20 Jahren ein so grosses Publikum mit Songtexten erreicht und berührt. Doch wer steckt eigentlich hinter dieser Sängerin mit den hohen Tönen?

Früh übt sich der kleine Vogel

Birdy bekam ihren Künstlernamen durch ihre Eltern, die sie schon als kleines Mädchen Birdy nannten, weil sie beim Essen den Mund wie einen Schnabel aufhielt. Ihr gebürtiger Name ist Jasmine van den Begaerde. Anders als man auf Grund ihres Namens denken könnte, kommt sie weder aus Belgien oder Holland sondern aus dem Süden Englands. Ihre Mutter brachte ihr das Klavierspielen bei und kurz daraufhin begann Birdy, ihre eigenen Songtexte zu schreiben. Mit nur 12 Jahren heimste sie an einem Musikwettbewerb gleich zwei Preise ein: Den Hauptgewinn und zusätzlich den Preis in der Kategorie der U18-Jährigen. Von da an ging es auf ihrer Karriereleiter immer weiter nach oben. Der Durchbruch gelang ihr mit dem Lied Skinny Love. Was viele jedoch nicht wissen: Das Lied stammt ursprünglich nicht aus ihrer Feder. Das Original wurde von Bon Iver geschrieben. Auch andere ihrer Lieder wie zum Beispiel Shelter oder People help the People sind Coverversionen, was ihrem Erfolg jedoch keinen Abbruch tat. Der Durchbruch im deutschsprachigen Raum gelang ihr im Jahre 2012, kurz vor ihrem Fernsehauftritt bei The Voice of Germany. Mit der Finalistin Isabell Schmidt sang sie gemeinsam das Lied People help the People. In diesem Jahr erschien ihr drittes Album und sie begab sich erneut auf Tournee.

Traurig und doch schön

Birdy trat am 27. September 2016 im Kongresshaus Zürich auf. Ihr Publikum begeisterte sie mit ihrer Vielfältigkeit. Ob am Klavier, mit Gitarre in der Hand oder einfach nur singend: Sie bietet ihrem Publikum von allem etwas an. Doch die meisten Momente während ihres Konzertes verbrachte sie, wie auch schon in vielen ihrer Musikvideos, am Klavier. Was macht ihre Musik eigentlich so besonders? Die Gegensätzlichkeit, die die Lieder in sich haben. Trotz sanften Tönen verbergen die Texte eine tiefere Bedeutung, die einen berührt. Beispielweise Skinny Love, das von Liebe handelt oder People help the People, das davon handelt, dass Gott weiss, was sich hinter all unseren Fassaden, Taten und Tränen verbirgt. Dieses Lied vermittelt auch, dass wir uns in traurigen Zeiten helfen sollen – manchmal sind es kleine Dinge, die helfen, wie das Händehalten, wenn das Heimweh einem aufsucht. In dem Musikvideo ihres Liedes Wings scheint sie mit einer Leichtigkeit durch die Welt zu schweben, die angesichts der düsteren und doch berührenden Melodie überrascht. In ihren Videos wirkt sie oft traurig und nachdenklich. Wer kann ihr das schon verübeln – bei Texten über Engel, Herzschmerz und in denen Wörter sich in Waffen verwandeln?

Taktlos in Zürich

«Wann haben Sie das letzte Mal etwas zum ersten Mal gehört?», dieses Motto hat Taktlos des Ensembles Collegium Novum ausgeliehen und zu seinem gemacht. Beim Festival geht es um Musik, die fast niemand kennt und viele entdecken wollen. Die nächsten vier Tage kommen MusikerInnen aus 17 Ländern in der Roten Fabrik in Zürich zusammen, um ihre Stücke zu präsentieren. Einiges wird schräg, neu und alles bestimmt anders sein, denn genau um das geht es bei Taktlos: um Musik, die Neues wagt.

Heute Abend spielt die slowenische Komponistin Kaja Draksler mit ihrem Oktett die ersten Töne. Die multinationale Gruppe übt in Amsterdam, wo erfolgreich für Kulturförderung gekämpft wird und experimentelle Projekte unterstützt werden. In ihrem Stück «Canto XII» erklingen zu zeitgenössischer Musik Texte des chilenischen Dichters Pablo Neruda. Die acht MusikerInnen teilen sich einen klassischen-jazzigen Hintergrund und spielen mutig mit unkonventionellen Formen. Der Donnerstag wird von Amok Amor in die Dunkelheit begleitet, virtuosen Jazz, lebendige Sechziger und Furchtlosigkeit treiben die vier Männer voran.

Dieses Jahr wird es auch neben der Musik Neuheiten geben. Fredi Bosshard, der Taktlos im Jahre 1984 mit dem Verein Jazzfabrik mitgegründet hat und seit daher jedes Jahr organisiert, gibt das Projekt in neue Hände. Er ist nun 68 Jahre alt und denkt, dass dem Festival ein frischer Wind bestimmt guttun wird. Ab 2018 wird der neue, junge Verein Taktlos das Festival leiten. Fredi Bosshard hat keine Angst vor Veränderungen, im Gegenteil: «Ich hoffe schwer, dass sie neue Ideen, neue Musik und ihren Groove mitbringen.» Das Festival müsse ja ihrem Zeitgeist entsprechen. Als Bosshard das Festival in den 80er Jahren gegründet hat, war Zürich in Aufbruchstimmung, die Jugend hat für ihren Platz gekämpft. Die Musikszene war klein: «Wir haben die ersten Konzerte in der Roten Fabrik organisiert, daneben gab es noch den Plattenladen recrec und das Radio Lora. Das war’s.» Heute sei Zürich eine ganz andere Stadt mit vielen gut Ausgebildeten MusikerInnen und wahnsinnig vielen Angeboten. Und so meint Bosshard, «ist das Festival schon noch von unserer Zeit etwas geprägt». Das dürfe sich heute gerne ändern. Die Gegenwart hat wieder andere Geschichten zu erzählen.

Fredi Bosshard hat einige Kontakte in Deutschland und reist regelmässig an verschiedenste Festivals. Dort entdeckt er spannende Bands und fragt sie für Taktlos an. Wichtig ist den OrganisatorInnen so einiges, und sie halten sich streng an ihre Prinzipien: «Fünf von zehn Bands wurden von Frauen initiiert», das war Bosshard schon von Beginn ein Anliegen. Zudem möchten sie den MusikerInnen faire Löhne bezahlen, ihnen einen anständigen Rahmen bieten und das könnten sie, dank den Subventionen der Stadt Zürich. Damit würden auch überrissene Eintrittspreise vermieden. «Das mussten wir uns alles erarbeiten, mussten der Stadt beweisen, dass wir wirklich etwas Richtiges machen wollen.» In den Anfängen haben sie noch Sandwiches verkauft und wenn wenig Publikum kam, «mussten wir eine Woche nach dem Festival noch Sandwiches essen.» Nur so hätten sie gelernt, wie es funktioniert. Zudem haben sie starke Beziehungen mit der Roten Fabrik gepflegt, sich auch gegenseitig unterstützt. Genau deshalb will Bosshard dem neuen Verein Taktlos auch alle Freiheiten lassen.

Am Freitag geht es mit dem Lisa Ullén Quartett zärtlich weiter. Die Norwegerin Lisa Ullén improvisierte schon während ihres Pianostudiums mit den Innereien des Klaviers. Um 22.30 Uhr wird es dann mit dem Hedvi Mollestad Trio richtig laut. Die Band vermischt Jazz, Rock und Metal mit allem, was ihnen sonst noch in den Sinn kommt. Auch am Samstag wird ein spannendes Programm erwartet. Die Altsaxofonistin Julie Kjaer lebt seit einigen Jahren in London und hat dort mit zwei 80er-Jahre-Musikern ein Trio gegründet. Die drei sind in der «Powerhouse-Rhytmusszene» in London erfolgreich und spielen am Samstag um 20 Uhr in der Roten Fabrik. Kjaer reist danach alleine nach Japan weiter.

Fredi Bosshards «Perle» können wir am Sonntag um 17 Uhr bestaunen. Flury und die Nachgeborenen sind neun MusikerInnen, die alle aus einem anderen Bereich kommen. Da vermischen sich etwa zwei Sängerinnen, ein DJ, ein Pianist und zwei Perkussionisten und stellen den Jazz auf den Kopf. Aber das ist gut so, mein Fredi Bosshard: «wir wollen gerne aus dem Rahmen fallen.»