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Mit dem Abfall in den Wald

Als Abschlussarbeit des Propädeutikums an der Schule für Gestaltung habe ich ein Video zum Thema Littering gedreht. Der Begriff Littering stammt aus dem Englischen, er bezeichnet das achtlose Wegwerfen von Abfall im öffentlichen Raum und im Wald. Mein Auftrag war es, ein Video zu machen, welches Kinder, möglicherweise auch Erwachsene, dazu animieren soll, Littering im Wald zu vermeiden. In der Umsetzung dazu, wie ich vorgehe, welche Technik ich benütze, war ich frei. Ich zeichnete kein detailliertes Drehbuch, sondern schleppte einen Sack voller Abfall in den Wald, um dort mit ersten Animationsversuchen beginnen zu können. Ich inszenierte jegliche Abfallgegenstände, teste verschiedene Standorte und Kameraeinstellungen. Schliesslich fügte ich die entstandenen Filmfrequenzen am Computer zusammen und unterlegte sie mit Geräuschen und Musik.

Entstanden ist ein Stop-Motion Film, welcher die Botschaft des Naturschutzes auf eine kreative und hoffentlich bleibende Weise vermitteln sollte.

Dieses Video ist im Auftrag von WWF Bern entstanden.

Menschliche und skulpturale Migrationsströme

Nicht als «white cube» sondern als «grey cube» präsentiert sich der Raum der Ausstellung «Migration – Bewegte Welt» im obersten Stockwerk des Museums der Kulturen Basel, für deren Konzeption sich die Direktorin Anna Schmid und die Co- Kuratorin von Kathrin Schwarz verantwortlich zeichnen. Eine graue Stellwand, deren Form und gewagte Inklination womöglich nicht ganz zufällig Assoziationen an Lärmschutzwände und Grenzwälle weckt, zieht beim Betreten des Ausstellungsraumes sogleich die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Den Auftakt bildet eine indonesische Skulpturengruppe aus zwölf Ahnenfiguren, von denen sich unter anderem Reisende Schutz erhofften. Dahinter eine aktuelle Installation «Migration» des Glaskünstlers Matteo Gonet: Eine mäandrierende Reihe durchsichtiger Glaszylinder mit blauem Kern in unterschiedlichen Grössen, deren prozessionsartige Anordnung Ahnungen von Flüchtlingsströmen evoziert. Die gläserne Arbeit korrespondiert auf reizvolle Weise mit der bunt durchmischten Anordnung ethnographischer Skulpturen aus unterschiedlichen Erdteilen auf der anderen Seite der Stellwand. Sie verdeutlichen, dass nicht nur Menschen sondern in gewissem Sinne auch Objekte den Status von Migranten tragen können.

Migration als Bereicherung

In thematisch locker miteinander verbundenen Stationen sucht die Ausstellung anhand von 120 ausgewählten Objekten unterschiedliche Facetten eines Themas von hoher Aktualität und Brisanz herauszustreichen, welches in medialen Repräsentationen vermehrt eine Reduktion auf seine rein negativen Aspekte erfährt. So handelt es sich bei dem Phänomen der Migration nicht um einen Ausnahmezustand, sondern um eine historische und soziale Konstante, die sich mitunter in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht auch als Bereicherung herausstellen kann. Die kleine aber feine Ausstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert einzelne Schlaglichter, die in der Zeitspanne vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart angesiedelt sind und in mehreren Fällen einen lokalen Bezug aufweisen. Protestantische Religionsflüchtlinge aus Frankreich zeichneten sich beispielsweise im 17. Jahrhundert für die Einführung des Gewerbes der Seidenbandfabrikation in Basel verantwortlich. Dieses verhalf zeitgleich dem Färberhandwerk zu einem Aufschwung, aus dem sich schliesslich die chemische und die pharmazeutische Industrie entwickelten.

Vom Krieg gezeichnet

Die tragischen Seiten der Migration werden jedoch keineswegs ausgeblendet oder schöngefärbt. Wahrhaft verstörend mutet der afghanische Kriegsteppich aus dem 20. Jahrhundert an – einerseits Überlieferungsträger einer traditionsreichen Handwerkskunst, andererseits bildhaftes Zeugnis von nahezu vierzig Jahre andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen, welche die Bewohner immer wieder zur Flucht in die benachbarten Länder und nach Europa zwangen. Entsprechend schöpft sein ikonographisches Programm nicht aus dem Fundus bewährter Motive, sondern aus dem zeitgenössischen Waffenarsenal: Handgranaten, Helikopter, Panzer und eine Kalaschnikow beanspruchen nun den Platz für sich.

Ethnologie wird fassbar gemacht

Komplementär zu den einzelnen Ausstellungen bietet das Museum der Kulturen thematisch verwandte Programmpunkte an, darunter das jeden ersten Mittwoch im Monat stattfindende Vermittlungsformat «Ethnologie fassbar», welches einem interessierten Publikum ethnologische und kulturwissenschaftliche Fragestellungen auf leicht verständliche Weise nahezubringen sucht. Im Rahmen dieser Reihe fand auch die Veranstaltung «Typically Swiss?» statt, bestehend aus einer kurzen dialogischen Führung, einem ebenfalls dialogisch gestalteten Vortrag und einer Gesprächsrunde. Tabea Buri, Kuratorin der Abteilung Europa im Museum der Kulturen, Eleonore Wettstein von der Fachstelle GGG Migration und Sabine Rotach, Leiterin Bildung und Vermittlung im Museum der Kulturen verhandelten mit dem Publikum die Fragen nach «typisch schweizerischen» Eigenschaften, nach der Eigen- und Fremdwahrnehmung von Schweizern, nach dem Einfluss stereotypischer Zuschreibungen und dem Bild, welches Auslandschweizer von ihrer ursprünglichen Heimat mit sich tragen.

Die Macht der Symbole

Als Aufhänger diente dabei jene Station der Ausstellung, welche der sogenannten «fünften Schweiz» gewidmet ist, also den Schweizer Staatsbürgern, die sich bewusst und aus vorwiegend positiven Beweggründen zur Auswanderung entschieden haben. Bei den Exponaten handelt es sich um Objekte, welche einzelne Auslandschweizer mit ihrer Heimatnation verbinden. Die Biederkeit der Auswahl überrascht einerseits, andererseits wiederum auch nicht: Neben der unverwüstlichen Kuhglocke finden sich auf dem Sockel auch das altbewährte Schweizer Taschenmesser, ein Fondue- Caquelon sowie eine Reihe hölzerner Spielzeugkühe. Tabea Buri betonte, dass der starke Symbolgehalt dieser archetypischen Repräsentanten von «Swissness» nicht unterschätzt werden darf. Gegenstände können als Träger von Kindheitserinnerungen fungieren und Vorstellungen erzeugen, welche mit der Realität zum Teil nur noch am Rande übereinstimmen.

Stereotype als Problem

Ähnlich machtvoll und problematisch erweisen sich stereotypische Zuschreibungen an eine bestimmte Menschengruppe. Dass Stereotypen eine menschliche Konstante und in allen Kulturen verbreitet sind, wurde in der von Sabine Rotach moderierten Diskussionsrunde herausgehoben. Zwar erleichtern sie die Kommunikation, tragen jedoch das Potential zur Ausgrenzung bestimmter Personen oder Personengruppen mit sich, wie Tabea Buri erklärt. Und Eleonore Wettstein spielt auf die Vermischung von Eigen- und Fremdzuschreibungen an, wenn sie verrät, dass Migranten in gewissen Fällen die mit ihrer Ethnie in Verbindung gebrachten Zuschreibungen auch akzeptieren und ihrerseits in Gesprächen darauf zurückgreifen.

Die Ausstellung «Migration – Bewegte Welt» läuft noch bis zum 21. Januar 2018 im Museum der Kulturen Basel.

Von Fremdenhass, technisch überforderten Senioren und adoleszenter Sexualität

Kategorie B – Jugendliche bis 19 Jahre

Noch schnell ein Bild für Instagram knipsen, die Snapchat Story updaten und im Whatsapp-Gruppenchat mitschreiben: Die Jugend von heute ist mit der täglichen Informationsflut gross geworden. Dass diese Schnelllebigkeit auch Kehrseiten hat, beweisen uns die jungen Filmemacher und Filmemacherinnen an den Jugendfilmtagen. Die Werke der Kategorie B (U19) drehen sich um das Thema Spielraum und überzeugen durch Vielfalt und Echtheit.

Mit einer grossen Prise Selbstironie – «Schulraum»

Eine junge Journalistin dokumentiert den neuen, ungewöhnlichen Alltag an ihrer Schule.

Eine junge Journalistin dokumentiert den neuen, ungewöhnlichen Alltag an ihrer Schule. (Bild: Jugendfilmtage)

Keine Altersgruppe verbarrikadiert sich so extrem wie pubertäre Jugendliche. Eltern, Geschwistern oder Lehrern fällt es oftmals schwer, mit den Gewohnheiten ihrer Schützlinge Schritt zu halten. Der erfrischende Film «Schulraum» bietet Abhilfe: Jugendliche übernehmen für vier Wochen den Unterricht an ihrer Schule und geben den «uncoolen» Erwachsenen wertvolle Tipps zu Themen wie Selfies, Kleidung, Beschimpfungen und Feiern. Beide Altersstufen werden dabei liebevoll aufs Korn genommen.

Das harte Leben eines Smartphones – «Frontcam»

Auch Handys haben Gefühle: Ein iPhone beobachtet seine Besitzerin beim Frühstück.

Auch Handys haben Gefühle: Ein iPhone beobachtet seine Besitzerin beim Frühstück. (Bild: Jugendfilmtage)

Im Werk «Frontcam» nervt eine unkultivierte Benutzerin ihr Smartphone, indem sie es ständig dazu missbraucht, Schminktutorials anzuschauen und unzählige Fotos auf Instagram hochzuladen. Als das iPhone schliesslich von einer Gruppe Jungs gestohlen wird, entpuppen sich diese als noch idiotischer als die ursprüngliche Besitzerin und das Smartphone beginnt, die alten Zeiten zu vermissen.

Der Film führt uns aus einer interessanten Perspektive vor, wie abhängig wir von unserem Telefon sind und wie viel Aufmerksamkeit wir ihm schenken. Gleichzeitig sehen wir es als selbstverständliche und austauschbare Ware an.

«To a Place Far Beyond»

Ein depressiver Junge flieht in eine paradiesische Parallelwelt.

Ein depressiver Junge flieht in eine paradiesische Parallelwelt. (Bild Jugendfilmtage)

Im wunderschönen Animationsfilm «To a Place Far Beyond» träumt sich ein depressiver Junge in eine neue, surreale Welt hinein, die den Druck des Alltags zu lindern vermag. Ohne Dialoge, dafür mit verträumter Musik, regt das Geschehen zum Nachdenken an. Mit ihrem Werk schaffen es die talentierte Zeichnerin Joëlle Rieder und die Regisseurin Yuchen Chang, uns auf eine emotionale Reise durch die Abgründe einer depressiven Seele mitzunehmen. Für Tink.ch ist klar: Der erste Platz für «To a Place Far Beyond in der Kategorie B ist wohlverdient.

Kategorie E: Erwachsene unter 30 Jahren

Von Fussballspielen und Integration – «Abseits»

Im Film «Abseits» spielen kulturelle Unterschiede eine entscheidende Rolle.

Im Film «Abseits» spielen kulturelle Unterschiede eine entscheidende Rolle. (Bild: Jugendfilmtage)

«Warum machst du das immer?!», schreit Dastan seine kopftuchtragende Mutter an. «Warum mischst du dich immer in Dinge ein, die dich nichts angehen?!» Dieser Wutausbruch folgt einer Szene im beschaulichen und ländlichen Rümlang ZH: Die Mutter von Dastan fällt in dieser Umgebung mit ihrem lilafarbenen Kopftuch auf. Im Laden entdeckt ein grimmiger, blonder Junge die beiden und schreit «Allahu Akbar!». Dastan verliert die Beherrschung, rennt dem Jungen hinterher. Die beiden prügeln sich vor dem Dorfladen. Die Mutter geht dazwischen. «Schon mal was von Ehre gehört?!», fragt Dastan seine Mutter rhetorisch.

Ken Zumstein, der Drehbuchautor des Films «Abseits», habe vor allem etwas zum aktuellen Thema Migration und Flüchtlingskrise machen wollen. «Ich selber bin halb Japaner und wollte den Unterschied zwischen zwei verschiedenen Kulturen aufzeigen», erzählt der 35-Jährige.

Die Veranschaulichung der kulturellen Unterschiede ist dem Team um den Kurzfilm gelungen. Die beiden Hauptprotagonisten überzeugen, auch wenn die Dialoge teilweise ein bisschen holprig wirken und die Thematik mittlerweile schon etwas abgegriffen ist.

«Digital Immigrants»

«Digital Immigrants» überzeugt mit Humor und einem einfachen Konzept.

«Digital Immigrants» überzeugt mit Humor und einem einfachen Konzept. (Bild: Jugendfilmtage)

«Ich weiss gar nicht, wie mein Telefon tönt, wenn es läutet.» – «Ob man sich denn selber anrufen kann?», fragt die betagte Dame den etwas jüngeren, aber ebenfalls in die Jahre gekommenen Herrn neben ihr. Beide starren angestrengt und konzentriert auf den Bildschirm eines Smartphones. Ein Objekt, mit dem viele sogenannte «Digital Immigrants», wie auch der Kurzfilm heisst, tagtäglich zu kämpfen haben. Die Dokumentation zeigt Szenen, die innerhalb von zwei Jahren in den «Computerias» der Schweiz entstanden sind. Computerias sind Clubs, in welchen ältere Menschen sich von anderen älteren Menschen mit den technischen Errungenschaften unserer Zeit helfen lassen können. Auf eine amüsante und doch auch faszinierende Art und Weise zeigt der zwanzigminütige Film die Schwierigkeiten, die die älteren Generationen mit der heutigen Technik haben. Gleichzeitig werden immer wieder Medienbeiträge aus den Anfängen der Digitalen Revolution gezeigt: Arbeitnehmer klagten über Kopfschmerzen und Verspannungen infolge der Arbeit am Computer und die Arbeitgeber versicherten, dass nie mehr als 4 Stunden am Bildschirm gearbeitet werden dürfe.

Dennis Stauffer, Co-Regisseur des Films, sei die Idee gekommen, weil die älteren Generationen seiner Familie ihn ständig um Rat gefragt hätten, wenn es um technische Belange gegangen sei. «Ich wollte die Schwierigkeiten mit der Technik aufzeigen, welche die Generation erlebt, die noch vor den ersten prägenden digitalen Errungenschaften geboren wurde.»

Der Solothurner und sein Team haben einen erstklassigen Job gemacht. Der Film fasziniert mit dem Mix aus Nachrichtenbeiträgen aus den 50ern bis 80ern, in denen der Digitale Fortschritt stets ungläubig in Frage gestellt wurde und den urkomischen Szenen aus den Computerias. Ist es heutzutage für «Digital Natives» unvorstellbar, ohne technische Gadgets zu leben, zeigt uns dieser Film doch eindrücklich die Schattenseite der Digitalisierung auf.

«Sei keine Pussy!» – «Millimeterle»

In «Millimeterle» geht es um die sexuelle Selbstfindung von Jungen.

In «Millimeterle» geht es um die sexuelle Selbstfindung von Jungen. (Bild: Jugendfilmtage)

Ein Hallenbad bei Nacht: Vier Jungen zwischen 12 und 14 Jahren haben sich kurz vor Schliessung in der Garderobe versteckt. Sie wollen die Nacht im geschlossenen Hallenbad verbringen. Im Kurzfilm »Millimeterle» spielen die Jungen das gleichnamige Spiel, das darin besteht, dass man vom 5-Meter-Turm möglichst nahe zu einem Jungen ins Wasser springt. Remmie, ein kleiner dicklicher Junge, zögert. «Mach schon!», ruft ein dunkelhaariger hochgewachsener Junge, «Sei keine Pussy!»

Pascal Reinmann erzählt an den Jugendfilmtagen über die Schwierigkeiten des Drehs: «Wir haben 4 Nächte in dem Hallenbad gedreht, die Luft war so feucht, das forderte das Team und insbesondere die frierenden Schauspieler ungemein.» Um die Dialoge der Jugendlichen so wirklichkeitsnah wie möglich darzustellen, habe der Solothurner Jugendliche an Schulen intensiv beobachtet und deren Sprechweise und Wortschatz analysiert. Maurice Schnieper, Hauptdarsteller des Films, erlebte unterschiedliche Reaktionen von seinen Kollegen: «Den meisten hat der Film nicht so gut gefallen.»

Angesichts von sexueller Gewalt, Folter und Machtspielen ist das auch nicht weiter verwunderlich. Der Kurzfilm erstaunt mit einer ungemeinen Spannung, der realitätsnahen Abbildung von Gruppendynamiken und dem faszinierenden Set des nächtlichen Hallenbades. Der Film beschreibt unter anderem die sexuelle Selbstfindung und die Gruppendynamiken der pubertären Jungen.

Den Trailer von «Millimeterle» findet ihr hier.

Hochkomplexe Industrieverfahren einfach erklärt – «Sunnämilch»

"Sunnämilch" lüftet das Geheimnis der Gewinnung von Sonnenmilch.

„Sunnämilch“ lüftet das Geheimnis der Gewinnung von Sonnenmilch. (Bild: Jugendfilmtage)

Wir befinden uns auf einer einsamen, beschaulichen Insel mitten im Meer, darauf sind Tannen, die sich mit ihren Schnäbeln gegenseitig zu essen versuchen und eine Nasenhandschnecke, die italienische Opern-Klassiker zum Besten gibt. Nicht weit davon entfernt tuckert ein Fischerboot langsam über das Wasser. Der Kapitän, drei Viertel Mensch und ein Viertel rechteckiger Vogel, sitzt an einer Maschine und macht das, was man als Mitarbeiter eines Sonnenmilchherstellers im Aussendienst halt so macht: Die Sonne melken. Was nach deiner ersten Magic-Mushroom-Erfahrung in den Amsterdam-Ferien letzten Sommer tönt, ist in Wahrheit Teil eines gut gehüteten Geheimnisses zur Herstellung von Sonnencreme.

Nachdem man einen Film wie «Sunnämilch» gesehen hat, ist man sich nicht mehr sicher, ob die Welt wirklich eine Kugel ist oder nicht doch eine Sammlermurmel des etwas introvertierten Aliens Herbert aus einer der Galaxien des Naktronh-Pasch. Was? Genau. Der experimentelle Film von Silvan Zweifel überzeugt in bester avantgardistischer Manier mit viel Kreativität und Liebe zum Detail. Nach seinen Intentionen gefragt meint Silvan: «Ich hegte keine Beabsichtigungen mit diesem Film. Was auch immer die Leute in den Film reininterpretieren, passt für mich». Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Architektur ohne Vorwissen, ein No-Go?

Heute probiert man, offen für alles zu sein. Fremdes sollte akzeptiert und mit Vergnügen ausprobiert werden. Doch ist es auch so einfach? Kann man überall teilnehmen, ohne sich verloren zu fühlen? Tink wollte es an der eigenen Haut erfahren und nahm am zürcher Architektur-Event Open House teil, um zu testen, ob man dort auch ohne Vorwissen mithalten kann.

Architektur – nur schöne Fassaden?

Architektur ist eine Branche, in der viele Disziplinen aufeinander treffen und für ein gemeinsames Resultat zusammenarbeiten. Es geht nicht nur um hübsche Gebäude, es geht auch um deren Planung; es geht um Ideen und deren Ausführung. Viele schrecken zurück, wenn sie erfahren, dass hinter der Architektur auch viel Theorie steckt. Wenn man ein beeindruckendes Gebäude anschaut, möchte man sich nicht überlegen müssen, wie es entstanden ist. In der Baukunst geht es aber auch um Symbolik: Nur die Architekt*in kann die Bedeutung ihres oder seines Werkes erklären, jedoch kann jede*r sich überlegen, weshalb zum Beispiel ein Haus grün ist oder weshalb es so schräg ist – und das ist genau das Prickelnde. Doch darf Mann und Frau Vermutungen zur versteckten Bedeutung eines Gebäudes äussern, oder dürfen es nur die Profis? Muss man auf den Architekturgenuss verzichten, wenn man das Gefühl hat, dass die Theorie dazu zu verdichtet ist? Open House Zürich zeigte uns, dass man Architektur auch ohne Vorwissen geniessen kann. Bei dieser Veranstaltung konnte Mann, Frau und Kind über 60 Gebäude in Zürich kostenlos besuchen: Spannend auf höchstem Niveau! Führungen erlaubten dem Publikum, nähere Informationen zu den Häusern zu erhalten. Doch was wenn jemand mitmachen wollte, der absolut keine Ahnung von Architektur hat?

Eine Veranstaltung für alle

Die Führungen wurden so gestaltet, dass auch die Kleinsten daran teilhaben konnten. Niemand kam zu kurz: Die Kenner*innen erhielten ihren Architekturschnaps und die Neulinge bekamen Architekturdurst. Alles lief bestens. Laut einer der 130 Helfer*innen spazierten am Wochenende allein durch das Tamedia Haus über 2000 Besucher*innen. Wenn man sich am Open House umschaut, sieht man unterschiedliche Menschen, welche uns zeigen, dass jedermann dorthin gehen kann, wo er will. Das hat sich jetzt geklärt. Doch muss man trotzdem ein gewisses Flair dafür haben?

Wir stellten genau diese Frage einem Architekten, den wir vor Ort trafen. Er musste schmunzeln: « Ihnen muss einfach ein Haus gefallen oder eben nicht. Das ist die einzige Voraussetzung. Vorwissen existiert nicht. Sie müssen sich nur eine eigene Meinung bilden können und schon gehören Sie dazu.» Da blieb noch eine letzte Frage übrig: Dürfen wir über die Bedeutung eines Gebäudes philosophieren oder ist dies ein Tabu? Der Architekt sah uns perplex an und sagte: «Was wäre denn der Zweck der Symbolik, wenn sie uns nicht anregt, nachzudenken?»

Über blaue Farbe und depressive Architekten

Auf einmal machte alles Sinn. Die Reise ging für uns weiter – eine architektonisch-fantastische Reise. Und so stellten auch wir eine Theorie auf: Architekten sind ein wenig depressiv, wenn sie ein Gebäude dunkelblau anmalen lassen. Das ist nur ein Beispiel, wir können gerne darüber streiten, ob das stimmt oder nicht. Auf jeden Fall ziehen wir jetzt ein Fazit: Bleibt offen für Neues, scheut euch nicht vor Unbekanntem und philosophiert, bitte!