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«Es geht um den gemeinsamen Spass im Kino»

Tink.ch: Ronny, wie bist du auf die Idee für deinen Blog gekommen?

Ronny Kupferschmid: Das war im Dezember 2014. Ich wollte etwas kreieren, was ich gern und mit viel Hingabe mache. Durch meine Filmleidenschaft wusste ich, dass es etwas mit Filmen zu tun haben muss. Da ich im Zeitalter der VHS-Kassette aufwuchs, sollte es ein Blog mit einer gewissen «Trash-Quote» werden. Ich mag gute Filme und schaue mir solche gerne im Kino an. Schlechte Filme sind aber eine Nische, welche in der Schweiz noch niemand richtig besetzt hat und um diese Art Film geht es auf der Webseite. Die Idee ist, wie der Name es schon sagt, eine Art «Gang» aufzubauen, also mehrere Leute, die daran mitarbeiten. Deswegen suche ich noch Schreiber. Bei Interesse kann man sich per Mail an keinblatt@kultmoviegang.ch melden. Sämtliche Social-Media Kanäle, Promotion für die Screenings und sonstige Arbeiten werden von mir betrieben.

Apropos Screening: Wie hast du die Aufführung von «Shark Attack 3» erlebt?

Sehr positiv. Ich habe erwartet, dass weniger Leute kommen, da sich in den letzten Jahren eine gewisse Sättigung an Haifilmen eingestellt hat (Bekanntes Beispiel: Die «Sharknado» Reihe der Asylum Studios). Ein paar Kollegen, die bis jetzt bei jedem Screening dabei waren, haben mir explizit gesagt, dass sie deswegen nicht kommen werden. Von daher war ich überrascht, dass über 70 Nasen aufgetaucht sind. Die Stimmung war von Anfang bis Ende toll und die Leute sind richtig abgegangen. Trotz des grossen Kinosaals, in welchem 70 Leute schon etwas verloren wirken. Mein Ziel ist deshalb, entweder kleinere Kinosäle zu mieten oder die 300 Plätze im Kino Club auszuverkaufen.

Dann war es für dich von den vier bisherigen das beste Screening?

Aus finanzieller Sicht gesehen nein (lacht). Persönlich aber schon. Es war ein grosser Spass.

Gibt es einen oder mehrere Filme, die deine Leidenschaft für Trash geweckt haben?

Es gibt da ein Ereignis, welches die Passion wahrscheinlich insgeheim getriggert hat: Mit 14 Jahren habe ich mir in meinem Kinderzimmer die Comic-Verfilmung «The Punisher» mit Dolph Lundgren angeschaut. Nur schon die Tatsache, einen Film mit Altersfreigabe ab 18 Jahren zu sehen, hat mich wohl weggeblasen. Glücklicherweise hatten wir in Lyss einige coole Video-Stores. Ich habe mich rasch mit den Mitarbeitern angefreundet. Sie haben mich mit Filmen versorgt und ich konnte mir ein breites Wissen an Genres aneignen. Ein Film, den ich früher ziemlich oft gesehen habe ist die Komödie «Teen Wolf» mit Michael J. Fox. Kein wirklicher Trash, wobei, aus heutiger Sicht wahrscheinlich schon (grinst).

Wie läuft die Planung für einen solchen Kinoabend ab?

Mein Ziel ist es, alle zwei Monate einen Film in Bern ins Kino zu bringen. Ich brauche diese Vorlaufzeit, um potenzielle Filme anzuschauen, geeignete zu notieren und dann die Filmrechte zu sichern. Danach melde ich mich bei «Quinnie» mit den Details. Bei Zustimmung beginne ich die Promotion mit Facebook Postings, rezensiere den Film auf dem Blog, organisiere die Intro-Videos, kreiere die Gadgets für das Foyer und überlege mir den thematisch passenden Drink oder Shot, den wir für später an der Vorführung anbieten.

Klingt nach einer Menge Arbeit.

Ist es auch. Zum Glück unterstützt mich meine Frau und hilft beim Basteln mit. Ab und zu schauen wir einen schlechten Film zusammen, wobei sie eher «gute» Filme mag.

Nach welchen Kriterien wählst du die gezeigten Filme aus?

Ob der Regisseur einen ernsthaften Streifen im Sinn gehabt oder bewusst Quatsch gedreht hat, ist egal. Der Film muss einfach für ein Rahmenprogramm geeignet sein. Um ihn auf die Leinwand bringen zu können, muss die Bildqualität stimmen. Der Ton sollte, wenn möglich, in 5.1. vorliegen, damit man einen optimalen Kinosound hat und alles gut hörbar ist. Das Wichtigste ist, dass er nicht langweilt und während der gesamten Laufzeit unterhaltsam ist.

Wie konntest du deine Idee, solche Machwerke auf die Leinwand zu bringen verwirklichen?

Es ist recht simpel: Zuerst habe ich ein Konzept geschrieben und es dann verschiedenen Kinobetreibern vorgestellt. Kino REX in Bern hat beispielsweise Interesse gezeigt. Das Kino «Quinnie» hat dann aber den Zuschlag erhalten, da sie mir den Saal des »CineClub» zur Verfügung gestellt haben, einen der schönsten Säle in der Schweiz. Ausserdem hat es eine Bar. Zudem zeigten sie sich von Anfang an sehr offen gegenüber der Idee. Die Zusammenarbeit ist freundschaftlich und fair.

Lohnt sich dein Projekt überhaupt?

Bis jetzt halten sich die Einnahmen in Grenzen. Offengesagt: für die Rechte an «Shark Attack 3» gingen 150 Franken drauf, für andere habe ich sogar mal bis zu 400 Franken gezahlt. Dafür verdiene ich jeweils die Hälfte an den Eintritten. Da ich aber die Promotion, die Gadgets und sonstlichen Aufwände aus der eigenen Tasche bezahle, bin ich froh, wenn es am Ende des Tages eine Null-Rechnung ist. Es ist nicht das Ziel, Gewinn zu erzielen, dennoch will ich meine Familie nicht in den Ruin stürzen (lacht). Wenn es irgendwann gelingt, keine Unkosten mehr zu haben, ist das auch gut.

Wieso soll sich jemand einen schlechten Film im Kino anschauen?

Es geht darum, gemeinsam Spass im Kino zu haben und nicht nur still im Saal zu hocken und auf die Leinwand zu starren. Kino ist ein gemeinsames Erlebnis und solche Filme sind perfekt dafür geeignet.

Hast du Pläne für die Expansion (beispielsweise in einer anderen Stadt, weitere Kinos…)?

Momentan bestehen Verhandlungen mit weiteren Kinos für «Kultmoviegang»-Screenings. Der Hauptstandort bleibt in Bern.

Ist es möglich als Zuschauer bei dir Filmvorschläge abzugeben?

Sehr gerne. Ich bin für alles offen und man kann sich bei mir über die Webseite, per Mail oder Facebook melden.

Kann es nach «Birdemic 2» wirklich noch schlechter kommen? Dieser Film sieht ja schon vielversprechend aus mit seinen hölzernen Dialogen, der wirren Kameraführung und den Spezialeffekten.

Das wird eine schwierige Angelegenheit. Es kann sicherlich noch besser kommen, im Sinne von noch unterhaltsamer. Von den Effekten und dem Produktionswert her, also in seiner gesamten Machart, ist er schon einer der schlimmsten (schmunzelt).

Weitere Screenings: «Birdemic 2: Resurrection» am 31. März 2016 und «A Hard Ticket To Hawaii», 19. Mai 2016 jeweils im CineClub in Bern. Den Bericht zur jüngsten Aufführung gibt es hier.

Trash Attack

Tatort: Kino CineClub in Bern, Donnerstag 21. Januar 2016:

Eine Vorstellung tanzt aus der donnerstäglichen Kinoliste aus der Reihe. Der im Jahre 2002 gedrehte Haifisch-Horrorfilm Shark Attack 3: Megalodon wird gezeigt. Sogar in einem Kino, welches sich sonst dem Genre «Arthouse», also künstlerisch anspruchsvollen Filmen widmet.

Bereits vor Beginn der Vorstellung kommen Fans und Neugierige auf ihre Kosten. Vor dem Eingang wird man von einem Plüschhai begrüsst. Jeder Besucher kann sich im Foyer mit einer Gratis-Flosse als Kopfbedeckung ausrüsten. Für fünf Franken gibt es einen eigens entworfenen Megalo-Shot in passender blauer Farbe zu kaufen. Auf Videobildschirmen laufen zum jeweiligen Soundtrack Szenen aus bekannten Kultfilmen wie Fight Club oder Back to the Future ab.

Bevor es mit der Vorführung losgeht, hält Ronny Kupferschmid eine kurze Ansprache, bei dem er klarstellt, dass während des Films ruhig geklatscht, geredet und mit extra mitgebrachten Plüschhaien seines Sohnes geworfen werden darf, was vom Publikum dann auch befolgt wird. Mit Bedauern fügt Ronny an, dass die Stars des Films leider nicht kommen konnten, da sie «keine Zeit hätten oder zu beschäftigt mit Botox» wären. Zur Einstimmung werden drei ausgelesene Trailer gezeigt, unter anderem zu Birdemic 2, der zwei Monate später im gleichen Kino gezeigt wird.

Licht aus, Film an.

Hailige Scheisse!

Die Handlung von Shark Attack 3 ist schnell erzählt: Die mexikanische Küste wird von Hai-Angriffen heimgesucht. Ein dauergrinsender Rettungsschwimmer und eine Forscherin gehen der Sache auf den Grund. Interessanterweise wird die Hauptrolle von John Barrowman gespielt, welcher aktuell in den DC-Comics Serien Arrow und The Flash zu sehen ist und somit etwas Prominenz in den Cast bringt. Ansonsten bietet der Film das volle Programm eines B-Movies: Logiklöcher, lachhafte Effekte, schlechte schauspielerische Leistungen und mies geschriebene Dialoge, die einen wahlweise zum Lachen oder Kopfschütteln bringen.

Richtig amateurhaft: Die Attacken des Megalodon, der als grösste ausgestorbene Haifischart der Welt gilt, werden einfach aus Ausschnitten von Tierdokumentationen und Wackelkamera zusammengesetzt, Leute springen aus einer Yacht ins Wasser, um sich vor weiteren Angriffen zu schützen, ein kleines U-Boot verfügt über Torpedos und in der besten Szene dieses Machwerks versucht ein Bösewicht dem Hai zu entkommen, indem er mit seinem Jetski in das Maul des Hais fährt. Diese Szene muss man gesehen haben. Sie erntet an diesem Abend das lauteste Gelächter und Szenenapplaus. Danach folgt nicht mehr viel, der Megalodon wird erledigt und leitet somit das obligatorische Happy-End ein.

Nach kurzweiligen 99 Minuten geht es für die Zuschauer mit einem Grinsen nach Hause. Aus folgendem Filmzitat haben sie sogar an diesem Abend noch etwas gelernt: «Assholes are never happy.»

Für jene Leser, welche jetzt neugierig geworden sind, halbwegs gut Englisch verstehen und sich gerne mal trashige oder lustige Filme reinziehen, sei das nächste Screening empfohlen. Es findet am Donnerstag, 31.März 2016 um 20:45 Uhr im CineClub Bern statt. Gezeigt wird Birdemic 2: Resurrection. Der Trailer hat schon angedeutet, dass der Streifen seinem Vorbild Die Vögel qualitativ in nichts nachstehen wird.

Im Interview spricht Ronny Kupferschmid über den Aufwand, solche Filme ins Kino zu bringen.