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«Man weiss nie, wohin das Ganze führt»

Gerade an politischen Anlässen wie der Jugendsession ist das gegenseitige Verstehen aber sehr wichtig. Für eine einwandfreie Verständigung von Romand_e_s, Tessiner_innen und Deutschschweizer_innen sorgen im Bundeshaus die Simultandolmetscher_innen. Wir konnten einen von ihnen, Thomas Bernath, treffen und nach den Herausforderungen und Besonderheiten des Simultandolmetschens im Bundeshaus fragen.


Thomas Bernath arbeitet als Dolmetscher für die Parlamentsdienste. Er übersetzt vom Deutschen und Italienischen ins Französische. Als erste Sprache hat er Schweizerdeutsch gelernt, während der Schulzeit dann aber immer Französisch gesprochen. Er arbeitet auch für Privatkunden wie Banken oder Vereine, für das Europäische Patentamt in München und den zweisprachigen Fernsehsender ARTE.

Wir wissen es besser

Jedes Jahr treffen sich im Herbst junge Menschen aus allen Sprachregionen im Alter von 14 bis 21 Jahren im Bundehaus in Bern zu einem der wertvollsten politischen Anlässe für Jugendliche in der Schweiz: zur Jugendsession. Seit elf Jahren begleitet Tink als Medienpartner die Plattform. Sie ermöglicht Jugendlichen den niederschwelligen Zugang zu Politik und Engagement, und bietet einen Rahmen, um den Anliegen ihrer Generation auf einer politischen Ebene Gehör verschaffen zu können.

Dieses Konzept ist auch Tink nicht allzu fremd. Auch wir bieten jungen Menschen die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln in einem Bereich, in den sie normalerweise nicht ohne weiteres Zutritt erhalten.

Solche Plattformen sind enorm wichtig, wenn es darum geht, interessierten und engagierten Jugendlichen die nötigen Werkzeuge und Kompetenzen zu vermitteln, um in einer demokratischen Gesellschaft zu bestehen und ihrer eigenen Generation eine Stimme geben. Denn in einer Demokratie, die heute Entscheidungen für morgen trifft, muss die Stimme derer, die morgen mit diesen Entscheidungen zu leben haben, unbedingt gehört werden.

Wir mögen vielleicht noch nicht so viel Erfahrung haben wie gestandene Politikerinnen oder Journalisten,in einem Punkt kann uns aber niemand das Wasser reichen: Wenn es darum geht, die Anliegen und Meinungen unserer Generation herauszufiltern, in Worte zu fassen und lautstark zu vertreten, ist niemand besser als wir, die junge Generation.

Jugendliche stürmen das Bundeshaus

Während vier Tagen setzten sich rund 200 Jugendliche zwischen 14-21 Jahren mit verschiedensten Themen auseinander, über welche sich normalerweise gestandene Politiker den Kopf zerbrechen. In den ersten zwei Tagen werden sie in Arbeitsgruppen ihre eigenen Lösungsansätze mit der Unterstützung von Parlamentarier und Experten ausarbeiten. Dass die jugendliche Sicht auf die Dinge fruchtbar ist, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Immer wieder wurden ihre Vorschläge von National- oder Ständeräten aufgegriffen und weiterverfolgt.

Nachdem im letzten Jahr die Abwesenheit des Bundesrats, ausgerechnet im Jubiläumsjahr, für Enttäuschung und Kritik sorgte (Tink berichtete), wird dieses Jahr gar die Bundespräsidentin zu den Jungpolitiker*innen sprechen. Diese Gelegenheit will sich Tink natürlich nicht entgehen lassen und wird mit Doris Leuthard ein italienisch- und deutschsprachiges Interview führen.

Den Abschluss und das Highlight der Jugendsession bildet der Sonntag: Ganz wie bei den »Grossen« übertragen wir die Session im Parlament, live und unzensiert. Ausserdem wollen wir Teilnehmer*innen aus allen Sprachregionen in kurzen Interviews zu den Vorlagen befragen. Den Link zum Livestream findest du ab Sonntag, 08:50, hier: tink.ch/livestream.

Wo ist der Bundesrat?

Schon seit 25 Jahren engagieren sich jährlich rund 200 Jugendliche an der Jugendsession. Während vier Tagen diskutieren sie, planen und formulieren Petitionen und sprechen über wichtige Themen wie Waffenexporte, Landwirtschaft oder Fortpflanzungsmedizin.

Wie wichtig es ist, dass junge Menschen sich für die Politik und die Gesellschaft interessieren, hören wir von allen Seiten. Auch Bundesräte wie Didier Burkhalter und Johann Schneider-Ammann haben dies in den letzten fünf Jahren in ihren Eröffnungsreden der Juse immer wieder betont. Die Jungen sollen sich engagieren und mitreden. Und genau das machen die jungen Teilnehmenden wieder. Zum 25. Mal. Der Bundesrat jedoch fehlt.

Wichtigkeit der Jugend

Darüber sind viele Teilnehmende der Juse enttäuscht und fühlen sich in ihrem Engagement nicht mehr ernst genommen. Für einige von ihnen, die schon in den letzten Jahren dabei waren, sei das Treffen mit dem Bundesrat einer der Höhepunkte der Jugendsession gewesen. Ein 15-jähriger Teilnehmer aus der Gruppe «Landwirtschaft und Ernährung» sagt, der Besuch sei «zwar kein Muss, aber eine schöne symbolische Geste, die uns Jungen eine gewisse Wichtigkeit gibt.»

Aber was steckt eigentlich hinter der diesjährigen Abwesenheit des Bundesrates? Auf Anfrage beim Parlamentsdienst erhält Tink.ch dieselbe Mail wie das SRF, das gestern in der Tagesschau darüber berichtet hat.

Nun sitzen aber jedes Jahr auch viele Jugendliche im Nationalratssaal, die zum ersten Mal an der Juse teilnehmen. Auch sie hätten einen Empfang vom Bundesrat geschätzt. Eine Nacherzählung ersetzt eine solche Erfahrung nicht. Es sind jedes Jahr zahlreiche neue Jugendliche, die sich ein neues Bild vom Bundesrat und deren Prioritätenliste machen können. Eine 18-jährige Teilnehmerin meint: «Es wäre ein Zeichen der Jugendförderung gewesen, uns Jungen zuzuhören und sich erkenntlich dafür zu zeigen, was wir hier erreichen wollen.»

Keine Begründung

Auch die Projektleiterin Mathilde Hofer der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV) ist enttäuscht. Ihr Team und sie haben wie jedes Jahr eine Einladung an den Bundesrat gerichtet. Zu ihrem Erstaunen hat er dieses Jahr ohne Begründung abgesagt. Für Hofer sei das ein klares Zeichen dafür, dass die Stimme der Jugend von der «offiziellen Politik» nicht mehr so stark gehört und auch nicht mehr so ernstgenommen werde: «Ich möchte nicht im Namen der ganzen Jugend sprechen, doch immerhin ist die Jugendsession die wichtigste und grösste Partizipationsmöglichkeit für JungpolitikerInnen», sagt Hofer. Wo sonst kann der Bundesrat so eindeutig zeigen, dass ihm die Anliegen der Generation Y und Z wichtig sind?

Trotz der Absage werde die SAJV den Bundesrat im nächsten Jahr wieder einladen, sagt Hofer. «Uns ist wichtig, dass er den Jungen vermittelt, dass ihre Stimme sehr wohl gewichtet wird.»

Offene Ohren, bitte!

Die Generationenfrage ist eine wichtige und stets aktuelle. Die Politik ist jedoch offensichtlich keine Generationenfrage. Die Jungen politisieren sehr wohl, aber um gehört zu werden, braucht es immer auch ein offenes Ohr. So eines hat Lisa Mazzone (Grüne), die mit 28 Jahren jüngste Nationalrätin der Schweiz. Die SAJV hat sie nach der Absage des Bundesrats eingeladen, um das Parlament im Nationalratssaal zu vertreten. Eine gute Wahl, denn Mazzone weiss genau, wie es ist, ihrer Stimme als junge Politikerin Gehör zu verschaffen.

Im Gespräch mit Tink.ch betont Mazzone: «Die Abwesenheit des Bundesrats finde ich bedauernswert, denn die Jugendsession ist eine wertvolle Erfahrung, Politik auszuüben. Auch motiviert eine Teilnahme dazu, sich weiterhin politisch zu engagieren.»

Die Abwesenheit des Bundesrates sei ein negatives Zeichen an die Jugend, das im Widerspruch stehe mit dem, was von der Jugend erwartet würde. Nämlich, sich in der Politik anwesend zu zeigen. «Vor den Jugendlichen zu sprechen, ist deshalb das Mindeste, was der Bundesrat tun kann.» Auch die Idee, politische Themen greifbarer zu machen, könne durch eine Zugänglichkeit der Politikerinnen und Politikern vereinfacht werden. So würde die Jugend sehen: «Wir haben auch einen Platz in der Politik».

Wer sind die Jugendsessions-Teilnehmenden?

Samstag-Nachmittag im Freien Gymnasium Bern. In der Menge der Teilnehmenden entdeckt man müde, aber zufriedene Gesichter. Nach der Jubiläumsfeier nehmen sich Teilnehmende Zeit, um unsere Fragen zu beantworten. Die Meinungen unterscheiden sich stark. Während die eine sich gegen Militanz ausspricht, fordert der andere eine starke Armee. Doch alle kommen auf einen gemeinsamen Nenner: sie haben sich während den vier Tagen Jugendsession mit dem Thema «Waffenexporte» befasst.

Dominik (17), aus Rossrüti SG

Engagierst du dich in deiner Freizeit politisch – abgesehen von der Jugendsession?

Ja, ich bin seit fast zwei Jahren Mitglied der Jungen SVP St. Gallen, da sie sich unter anderem für eine unabhängige und neutrale Schweiz einsetzt. Ich bin dorthin gekommen, da bereits meine beiden Eltern bei der SVP sind.

Bei der Jugendsession treffen Jugendliche verschiedener politischer Meinungen aufeinander. Hat sich in der Diskussion mit den anderen Teilnehmenden deine Meinung verändert?

Ich gehe immer noch mit der gleichen Meinung nachhause, mit der ich angekommen bin. Aber man macht sich halt schon Gedanken, wenn man die Argumente der Andersdenkenden hört. Aber davon lasse ich mich nicht beeinflussen.
Bezüglich Waffenexporten finde ich, dass man an der derzeitigen Gesetzeslage nichts ändern muss.

Was ist dein grösstes politisches Anliegen?

Mir ist wichtig, dass die Schweiz weiterhin unabhängig bleibt. Sprich, dass sie nicht der Europäischen Union beitritt! So dass wir uns nicht vom Ausland vorschreiben lassen, was wir tun sollen und uns auch keine Gesetztesartikel vorschreiben lassen.

Olivia (19), aus dem Berner Oberland

Engagierst du dich in deiner Freizeit politisch – abgesehen von der Jugendsession?

Ja, das auch. Aber ich bin vor allem in der Freiwilligenarbeit tätig. In sozialen Bereichen wie zum Beispiel bei «Amnesty» oder bei «Young Caritas».

Bei der Jugendsession treffen Jugendliche verschiedener politischer Meinungen aufeinander. Hat sich in der Diskussion mit den anderen Teilnehmenden deine Meinung verändert?

Am Anfang der Jugendsession war ich recht illusorisch. Nun denke ich, dass ich mit einem realistischeren Bild nachhause gehe. Aber meine Grundhaltung hat sich nicht stark verändert.
Bei Waffenexporten finde ich die einzige Lösung gar keine zu exportieren. Aber wenn man es trotzdem machen muss, dann bitte mit strengen Regulierungen.

Was ist dein grösstes politisches Anliegen?

Das ist eine gute Frage (lacht). Ich möchte, dass jeder Mensch so leben kann, wie er es sich verdient hat – und alle Menschen haben sich das gleiche Leben verdient!

Vita (17), aus Bern

Engagierst du dich in deiner Freizeit politisch – abgesehen von der Jugendsession?

Ja, sehr oft sogar! Ich bin bei der JUSO im Vorstand der Stadt Bern. Dort organisiere ich Demonstrationen und Aktionen und kümmere mich auch um bürokratische Arbeiten, die anfallen. Ansonsten engagiere ich mich noch in der Schüler*innen-Organisation meiner Schule.

Bei der Jugendsession treffen Jugendliche verschiedener politischer Meinungen aufeinander. Hat sich in der Diskussion mit den anderen Teilnehmenden deine Meinung verändert?

Inhaltlich bin ich immer noch auf der gleichen Linie. Aber ich habe gelernt, dass eine gewisse Kompromissbereitschaft nötig ist – im Speziellen ist das im Parlament wichtig. Und deshalb denke ich auch, dass es wichtig ist, sich auch ausserparlamentarisch zu engagieren.
Waffenexporte machen nach meinem Wissen lediglich 0,1 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukt aus. Deshalb finde ich es nicht angemessen, dass wir für diesen Bruchteil Waffen in Länder wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Staaten oder den Oman exportieren, in denen es keine Garantie gibt, dass alle Menschenrechte eingehalten werden. Deswegen bin ich klar gegen den Export von Waffen, so wie auch im Allgemeinen gegen Militanz und Gewalt. Und wenn man doch Waffen exportiert, bitte nur in Länder, in denen es eine Garantie gibt, dass Standards eingehalten werden.

Was ist dein grösstes politisches Anliegen?

Alle Menschen dieser Welt sollen in allen Ebenen gleichberechtigt sein. Sei es in ökonomischer, sozialer, ethnischer oder kultureller Sicht. Ich bin auch ganz klar feministisch, da Menschen auch aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Sexualität gleichberechtigt sein sollen. Zudem vertrete ich eine antikapitalistische Linie.

Thomas (19), aus dem Bünderland

Engagierst du dich in deiner Freizeit politisch – abgesehen von der Jugendsession?

Momentan noch nicht, da es aufgrund meiner Ausbildung schwierig ist, alles unter einen Hut zu bringen. Jedoch versuche ich mein Pensum an politischem Engagement zu steigern, da ich Politik sehr spannend finde und man sich bei uns an der Hotelfachschule stark mit politischen Themen befasst, insbesondere mit Themen, die den Tourismus betreffen. Ich bin eher rechts orientiert und würde mich ganz klar für die SVP entscheiden.

Bei der Jugendsession treffen Jugendliche verschiedener politischer Meinungen aufeinander. Hat sich in der Diskussion mit den anderen Teilnehmenden deine Meinung verändert?

Bezüglich Waffenexporten habe ich durch die Jugendsession gemerkt, dass es gewisse Gesetzeslücken gibt, doch das Hauptproblem liegt beim Staat, welcher Fehler bei Kontrollen macht, oder teilweise nicht merkt, wenn ihm Steuergelder entgehen. Wirtschaftlich sind Waffenexporte ein grosser Absatzmarkt, welcher 1,78 Milliarden Franken des Bruttoinlandsprodukt ausmacht. Dementsprechend bin ich gegen ein Verbot von Waffenexporten, allerdings müsste man sie besser konzipieren.
Im Grunde genommen hat sich meine Meinung nicht verändert.

Was ist dein grösstes politisches Anliegen?

Wir brauchen eine Armee, deshalb sollte man diese unbedingt in Stand halten, um unsere Landesverteidigung zu sichern und um auch die Zivilbehörden zu unterstützen. Dafür sollte man die Aufgaben der Armee klar definieren.

Radikalisierung: Ein Schweizer Thema?

Am Donnerstag Nachmittag waren Corinne Wild und Marco Stricker von der Schweizerischen UNESCO Kommission sowie Flora Häfliger für den Sicherheitsverbund Schweiz zu Gast in dieser Arbeitsgruppe. Zwei Stunden lang stellten sich die Expert*innen den Fragen der rund 15 Jugendlichen zum Thema Extremismus: Wieso radikalisieren sich Jugendliche? Warum gehen junge Leute überhaupt nach Syrien? Welchen Einfluss hat die rechtspopulistische Wahlwerbung der SVP auf Dschihadismus in der Schweiz? Fragen, welche die grosse Bandbreite und Komplexität des Themas illustrieren. Fragen, deren offene Diskussion grosse Fortschritte im politischen Kampf gegen Extremismus bewirken könnten.

Marco Stricker betonte, dass Extremismus viele verschiedene Gründe haben könne. Oftmals spielen Wünsche nach einer besseren Welt eine grosse Rolle. Zudem herrschte Einigkeit darüber, dass der Bildung eine wichtige Aufgabe zukommt. Simplifiziert wurde hier die Gleichung mehr Bücher im Haus = weniger radikal aus dem alten Hut gezogen, und somit auf die Korrelation von mangelnder politischer Bildung und Extremismus verwiesen. Ebenso seien viele Biographien von Extremist*innen durch ein unsicheres familiäres Umfeld geformt, beispielsweise durch häusliche Gewalt oder alkoholabhängige Elternteile. Und so folgt die Schweiz mit ihren Strategien zur Extremismusbekämpfung europäischen Vorbildern, die ebenfalls die Präventionsarbeit in den Mittelpunkt stellen. Es wird geschult und bereits existierende Anlaufstellen wie die Fachstelle Gewaltprävention in Zürich beschäftigen sich mit neuen Herausforderungen wie der Radikalisierung. Neue Kommunikationsketten und lokale Austauschrunden verschiedener Akteur*innen der Bereiche Bildung, Politik, Sicherheit und Soziales werden durch den nationalen Aktionsplan gefördert, der im Sommer 2017 vom Sicherheitsverbund Schweiz herausgegeben wird. Dies sind Informationen, die den Teilnehmer*innen der Jugendsession anschliessend beim Formulieren des Ziels ihrer Arbeitsgruppe helfen werden.

Zur markantesten Erfahrung des Nachmittags wurde jedoch, dass die Gefühlslagen der Jugendlichen in den Arbeitsgruppen offen ausgedrückt wurden – ausserhalb von stets gleichen Freundeskreisen und angepassten Facebook-Feeds – was für manche Teilnehmenden eine gute und wichtige Erfahrung war. Als der islamistische Extremismus zum Mittelpunkt der Debatte wird, fällt schnell das Schlagwort Integration und der Bruchteil der Jugendlichen, der keine Hemmungen hat, meldet sich besorgt zu Wort. In der Schule schämen sich sogar manche, Schweizer zu sein, da es als langweilig gelte – Ausländer*innen würden sich über sie lustig machen und somit Radikalisierung unter den Schweizer*innen fördern, gemäß der Aussage eines Teilnehmers. Von der anderen Seite des Raumes wird bemerkt, dass arabische Länder wohl kaum Kirchen bauen würden, wenn wir dorthin fliehen müssten. Als Reaktionen riefen die Expert*innen zu Differenzierung, Empathie und Gedenken an die europäische Kolonialgeschichte auf. Ausserdem wurde die Offenheit der Beiträge freudig gelobt.

Was nun mit diesen ersten Debatten passiere, fragte Flora Häfliger zum Schluss. Doch während auch diese Frage noch offen blieb, haben die zwei Stunden in der Arbeitsgruppe den Bedarf an Austausch und Förderung offener Diskussionen verdeutlicht und die Wichtigkeit von Counterspeech-Kampagnen (on- und offline) illustriert. Laut Marco Stricker dürfe es nicht mehr passieren, dass ganze Nationen und Glaubensrichtungen ausgegrenzt und schlecht gemacht würden, auch nicht in populistischen Kampagnen, beispielsweise einer SVP. Und so stellte er schliesslich die Forderung, dass sich mehr junge Politiker*innen in der Schweiz den zunehmend simplifizierten und populistischen Wahlkampagnen und politischen Diskursen dieser Zeit entgegenstellen. Also los!

25 Jahre Jugendsession

Nun gibt es schon 25 Jahre die Jugendsession. Dort können Jugendliche zwischen 14-21 Jahre politische Forderungen erarbeiten. In Gruppen können sie über verschiedene Themen diskutieren und ihre Meinungen austauschen. Eine Jugendsession zu organisieren, ist ein grosser Aufwand. Es braucht dafür 1 Jahr. Es braucht viele Leute, die zu ihrem Gelingen beitragen: Die Projektleiter, das OK (Organisationskomitee), die Gruppenleiter und die Security sind nur einige davon.

Eine gelungene Jugendsession braucht gute Themen

Die Teilnehmenden können mit einer Online Routine die Themen mitbestimmen, die besprochen werden sollen. Wenn dann die Themen gewählt wurden, schreiben die Freiwilligen Texte dazu. Es ist schwierig, gute Themen zu finden und darüber zu schreiben, doch der Jugendsession sind gute und passende Themen wichtig.

Werbung – eine Herausforderung

Die Projektleiterin für die Jugendsession Mathilde Hofer wusste als sie in der Schule war noch gar nicht, dass es die Jugendsession gab. Auch heute gibt es Jugendliche die die Jugendsession nicht kennen. Deshalb versucht das SAJV so viel Werbung zu machen wie möglich. Insbesondere muss es mit Lehrerinnen und Lehrern zusammenarbeiten, damit sie die Schülerinnen und Schüler motivieren, mitzumachen.

Die Expertinnen und Experten

Für das Gelingen der Jugendsession braucht es ausserdem den Beitrag von Personen, die den Jugendlichen zur Seite stehen, um ihnen die Themen näherzubringen. Diese Expertinnen und Experten aber auch Politikerinnen und Politiker sind nicht immer einfach zu erreichen. Dann muss das SAJV mehrmals anrufen. Doch zum Glück gelingt es dem SAJV meistens Expertinnen und Experten und Politikerinnen und Politiker aufzutreiben. So waren dieses Jahr 25 Politikerinnen und Politiker anwesend.

Eine wichtige Veranstaltung

Mathilde Hofer ist überzeugt, dass die Jugendsession wichtig ist. Jugendliche sollen auch eine Stimme bekommen, um über politische Themen zu sprechen.


Tink.ch wollte wissen, wie zwei Gruppenleiter die Jugendsession erleben.

Interview mit Gruppenleiter Daniel Fernandez (23)

Hast du schon früher mal bei einer Jugendsession teilgenommen?

Ja, ich war schon mehrmals an der Jugendsession. Ich finde die Jugendsession sehr cool und ich schätze es.

Warum hast du dich als Gruppenleiter angemeldet?

Da ich nicht mehr mitmachen kann wegen dem Alter, aber ich trotzdem noch helfen wollte. Ich finde es auch wichtig, dass die Jugendliche an der Jugendsession teilnehmen.

Was genau ist deine Aufgabe?

Als Gruppenleiter ist es meine Aufgabe, möglichst vielen Teilnehmern in der Gruppe zu helfen. Nicht im Inhalt sondern sie sollten sich wirklich frei entscheiden, was sie wollen und welche Forderungen sie nehmen wollen. Ich leite und begleite sie.

Was ist schwierig an deiner Aufgabe?

Ich finde es schwierig, neutral zu bleiben, meine Meinung im Hintergrund zu lassen. Ich muss die Diskussionen nur anhören und sie leiten.

Hast du Spass an deiner Aufgabe?

Es macht sehr Spass und es ist sehr cool, die neuen jungen Leuten kennenzulernen und unsere Meinungen auszutauschen.

Denkst du, dass du nächstes Jahr wieder dabei sein wirst?

Ja, ich denke schon, entweder als Gruppenleiter oder als Mitglied des OK (Organisationskomitee). Ich bin auf jeden Fall wieder dabei!

Interview mit Gruppenleiter David Pavlu (18)

Hast du schon früher mal bei einer Jugendsession teilgenommen?

Ja, letztes Jahr als Teilnehmer. Ich fand es sehr spannend.

Warum hast du dich als Gruppenleiter angemeldet?

Ich finde es spannend, Neues zu erfahren, da ich es schon letztes Jahr sehr spannend fand, wollte ich dieses Mal die Jugendsession von der anderen Seite erleben.

Was genau ist deine Aufgabe?

Meine Aufgabe ist als Gruppenleiter, die Gruppe zu managen und moderieren. Mein Ziel ist: Dass die Teilnehmer ihre eigene Ideen aufnehmen.

Was ist schwierig an deiner Aufgabe?

Das Thema Schweiz 2041 ist recht schwierig, da es ein breites Thema ist. Es gibt viel Freiheit, um etwas zu fokussieren. Seit heute morgen probieren wir, uns auf etwas zu einigen. Etwas, das man in 2 Tagen zusammenfassen kann.

Hast du Spass an deiner Aufgabe?

Ja, es macht sehr Spass. Aber es ist auch anstrengend, eine Gruppe zuleiten.

Denkst du, dass du nächstes Jahr wieder dabei sein wirst?

Ich glaube schon.