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Der Klick in die falsche Richtung

Ein Klick auf ein sehr buntes Werbebild mit Fotos von zwei lachenden Kindern und ihren Eltern. Dazu der Text: «Iranians, we will never bomb your country / We ♥ You Iranians». Weiss und Blau, die Farben Israels. Grün und Weiss für den Iran. Dazu noch Rosa und Orange. Das Bild fällt sofort auf, weil es so einfach gemacht ist und die Farben nicht so recht zu einander passen wollen.
Bis vor Kurzem führte ein Klick darauf direkt auf eine Pornoseite. Na und? Schliesslich ist mehr als die Hälfte des Internets sexualisiert. Ein normaler Tag im verrückten Netz .Nicht ganz.

Zeitsprung ins Jahr 2012

Der Israelische Grafikdesigner Ronny Edry will ein Zeichen gegen den Hass setzten. Auslöser dafür ist der Konflikt zwischen Israel und dem Iran wegen dessen Atomprogramm. Viele Israelis fühlen sich bedroht. Die israelfeindliche Stimmung im Iran nimmt stark zu, befeuert vom damaligen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Ronny und seine Frau machen Fotos von sich und ihren Kindern. Damit entwerfen entwerfen sie bunte, fröhliche Poster, die sie bald darauf auf Facebook teilen. Auf der Internetseite Israelovesiran.com können Israelis und Iraner ihre eigenen Bilder für die Aktion einsenden. Der Aufruf wird international wahrgenommen (www.stern.de).

Die Dynamik des Internets

Genau dieses erste Bild von Ronny und seiner Familie findet sich heute auf der Seite www.info8.ch. Die ist laut eigenen Angaben ein «investigatives, unabhängiges Internetmedium aus dem Kanton Luzern, im Herzen der Schweiz». Betreiber ist der Luzerner Politiker und ehemalige Präsident der JSVP-Luzern, Anian Liebrand. Laut ihm ist «info8.ch» stillgelegt. Es seien auch nie Werbegelder geflossen. Das Banner sei wohl wegen eines Vortrags geschaltet worden, dessen Thema der Iran war. Man habe damals auf diese Aktion aufmerksam machen wollen.

Bunt und fröhlich: Das Banner (rechts) auf info8.ch.

Dieses eigentlich harmlose Bild verlinkt auf zwielichtige Erotik. Wieso? Die Antwort ist: das Internet gleicht einem Marktplatz. Domains, also die Namen und somit Adressen von Seiten, werden von zahllosen Firmen global gehandelt. Eine Domain ist – je nach Namen – für sehr wenig Geld zu haben. Auch der Name israelovesiran.com wurde gekauft und für einen anderen Zweck gebraucht.

Das Problem im freien Netz

An sich wäre dies kein Problem. Allerdings bleiben alte Links weiterhin intakt. Jeder Blog, jede Website, die bisher auf die «originiale» Seite von Israelovesiran.com verlinkt hat, tut das auch weiterhin. Vom Bild mit Kindergesichtern zum Porno. Nicht gerade passend. Das betrifft die, die eine eigene Seite betreiben und alle die einen Blog haben. Jeden geteilten Link auf Facebook.
Auch Anian Liebrand betont, dieses Beispiel zeige genau die Problematik des Netztes auf. Da könne irgendjemand eine Domain ändern. Wenn man diese Links nicht anpasse, verlinke man dann immer noch drauf.
Mittlerweile lässt sich die URL israelovesiran.com nicht mehr aufrufen. Gibt man sie heute im Browser ein, wird man neu auf eine andere Seite namens lokth.net. Die neue Seite ist weniger pikant bebildert. Wer allerdings kurz mit dem Google-Übersetzer spielt (oder Arabisch versteht), merkt, auch hier geht es am Ende wieder um das Eine.