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Gesellschaft

Sechzehnter Brief aus Deutschland

Liebespost nach Bier Nummer Sechzehn: Endlich kommt die Wahrheit ans Licht.

Bilder: Katharina Good

Hey Leute,

 

heute schreiben wir Euch Schweizern betrunken.

 

Oh, schockiert euch das jetzt irgendwie? Wir können das erklären: Es ist Donnerstagabend und wir haben morgen frei. Urlaub, wie der geneigte Deutsche es auch gerne nennt. Ja, wir haben uns erlaubt, von unseren uns zustehenden zwölf Urlaubstagen im Jahr morgen einen zu nehmen. Einfach so, weil wir hart arbeitende Deutsche sind.

 

ja, und so sitzen wir nun hier in unserer Stammkneipe im Norden Deutschlands – einen Tag früher als üblich – und trinken unser siebtes Pils, als uns plötzlich eine Mail von der Tink-Chefredaktion erreichte, die uns an unsere wöchentliche Pflicht erinnerte. Unseren Brief an die Schweiz, der von heute aus gesehen morgen raus soll.

 

Ja, herzlichen Dank. Und nun dürfen wir also doch noch arbeiten. Ok, mit Alkohol geht ja bekanntlich alles. Und oftmals viel einfacher als nüchtern. Wir hoffen, es stört Euch, Entschuldigung: Sie, nicht, dass wir nebenbei weitertrinken. Wie sagt man noch bei Ihnen? Egal, bei uns sagt man: Prost.

 

Jetzt versaut uns die Schweiz also auch noch die Ferien. Danke. Damit sinkt Euer Ansehen bei uns auf ungefähr „Ach, egal“. Aber wirklich egal, denn der für uns zuständige Tink-Redakteur ist doch tatsächlich ebenfalls im Urlaub.

 

Jetzt ein Kurve zu kriegen zu einem ernsthaften Thema ist echt nicht leicht nach dem Anfang. Und nach dem mittlerweile achten Bier. Moment, kurze Pinkelpause…

 

 

So, was war denn so los bei Euch in der Schweiz, hm? Ah ja, die Nati ist draußen Wir wollten eigentlich einen Witz machen mit „Nati raus“, in Anlehnung an eine in Deutschland bekannte Kampagne gegen Nazis. Aber die Kollegen vom Radiosender 1Live kamen uns zuvor, deshalb können wir leider nicht mehr so geschmacklos herum pöbeln.

 

Und eine andere Pointe fällt uns nun, beim zehnten Bier, nicht mehr ein. Vielleicht noch „Nati rausgeflogen gegen Argentinien“. Aber das ist nach mehrmaligem Lesen und dem inzwischen zwölften Bier auch nicht wirklich lustig. Moment, wir wurden gerade zu einem Tischfußballmatch herausgefordert.

 

 

So, wir haben verloren. Wie ihr. Wusset ihr…wusstet ihr eigentlich, dass es in vielen deutschen Städten keine Sperrstunde gibt? Hier kann man so lange in der Kneibe hocken wie manwill. Auch noch nach dem sechzehnten. Bier. Oh, wir müssen raus – nein, doch noch nicht. Alles gut.

 

Na, wie auch immer. Wir haben Euch lieb. Nein, wirklich. Wir haben euch sooooo lieb. Nicht zu fasen, WIE lieb wir euch habn. Wir sagn immer, die Schweitz un Deutsland. DAS passt einfach. Wir…

 

Guten Morgen, mein Name ist Ingeborg Leisner. Ich bin die Besitzerin der Kneipe „Zum Schweizer Giebel“ und ich möchte Sie kurz wissen lassen, dass ich die Herren Gahmert und Feldhusen soeben aus meinem Laden tragen musste. Ich weiß nicht, was das hier genau für ein Schreiben ist. Aber ich drücke nun auf „Absenden“.

 

Auf Wiederehen!

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