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Kultur

Künstler versus Publikum

Bilder: Oliver Hochstrasser

Junge Frauen und Männer, verliebte Paare und sogar Familien mit Kindern. Alle hatten sich in Zürich eingefunden, um Mike Rosenberg zuzuhören. Das Interesse am britischen Musiker mit der nasalen Stimme schien gross zu sein. Normalerweise vermag er es, alleine mit seiner Gitarre und den Texten seine Zuhörerinnen und Zuhörer in Trance zu versetzten. Beim Konzert in Zürich machte es ihm das Publikum aber schwer.

Vorband ohne Beachtung

Vor Mike Rosenberg alias Passenger trat Stu Larsen als Vorband auf. Mit der Gitarre und seiner reinen Stimme schaffte er eine Intimität zwischen sich und den Zuhörern.

Volle Aufmerksamkeit erhielt der junge Australier jedoch nur bei einem Coldplay-Cover.

Der Rest des Vorkonzertes war mit einem Klangteppich aus Zuschauergesprächen unterlegt. An der Musik von Stu Larsen kann es kaum gelegen haben. Sie ähnelt in ihrem Folk-Pop-Stil Passenger und offenbarte das musikalische Talent des Australiers.

Hauptact – Aufmerksamkeit auf sicher?

Als dann Passenger auf der Bühne erschien, setzte grosser Jubel und Kamerageblitze ein. Mike Rosenberg stimmte zum ersten Lied an und begann mit seinem musikalischem Zauber. Aber auch er hatte Mühe, das Zürcher Publikum an seine Manieren zu erinnern. Er blieb professionell, hielt Smalltalk, machte Witze und erzählte Geschichten. Bei seinem grossen Hit Let her go verschwand der ständige Geräuschpegel aus dem Zuschauerraum. Das Publikum taute langsam auf, allerdings etwas spät.

Zum grossen Finale standen die beiden Freunde Stu und Mike dann gemeinsam auf der Bühne. Das Konzert war trotz der unruhigen Konzertmeute ein voller Erfolg. Nach den ehrlich gemeinten Songzeilen von Passenger: „I hate ignorant folks who pay money to see gigs and talk through every fucking song“, ging ein verhaltenes, etwas unsicheres Lachen durch das Publikum.

Einen Live-Auftritt eines Künstlers zu besuchen heisst, die Musik zu entdecken, den Bass in den Füssen spüren, vielleicht sogar die Augen zu schliessen und den Klängen zu folgen. Und mit seinem Satz, dass er Leute hasse, die viel Geld für Auftritte ausgeben und dann doch während jedem Song sprechen, sprach Passenger einigen aus der Seele.

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