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Gesellschaft

Kopf über, Hand unter

Im Central Park vergessen, wo oben und unten ist.

Bilder: Melanie Müller

In den Semesterferien schlenderte ich durch den Central Park in New York. Vögel zwitscherten, die Sonne schien, es fühlte sich wie Frühling an. Im Frühling erwache ich immer neu zum Leben. Da überkommt mich ein Energieschub, dass ich nur noch hüpfen und tanzen und lachen und Rad schlagen könnte. Rad schlagen. Das würde ich jetzt gerne tun, dachte ich. Aber nein, ich will mich ja nicht lächerlich machen. Ich kann gar kein richtiges Rad schlagen. Und Erwachsene machen das sowieso nicht. Schon gar nicht im Januar im Central Park. Ich wollte schon weiterlaufen, als ich mich an die zwölf „Must Do’s“ erinnerte, die ich vor dem drohenden Weltuntergang noch erledigen wollte.

 

Vom grossen Denken zum kleinen Handeln

Auf einmal wurde mir klar, dass es nicht immer die grossen, aussergewöhnlichen Sachen sein müssen. Es gibt auch so viele kleine Dinge, die man aus Scham oder Angst nicht tut. Man kann sich auch ganz einfach einmal überwinden, genau das zu tun, was man gerade tun will – ohne darauf zu achten, wie das wohl auf die Mitwelt wirkt.

Also lief ich mit glänzenden Augen auf die Wiese und schlug ein Rad. Und dann noch ein zweites. Ein drittes, viertes und fünftes folgten. Ich hatte keine Ahnung mehr, wo oben und unten war. Ich wusste nicht mehr, wo oder was Himmel und Erde sind. Ich war einfach, drehte mich und fühlte mich so frei wie schon lange nicht mehr. Ja, Rad schlagen im Central Park. Impulsivität. Ein würdiger Anfang für zwölf Monate voller neuer Erfahrungen und Wagnisse, finde ich.

 

Dieser Artikel ist der erste aus der Serie „Das Ende ist nah“. Einmal im Monat legen die Tink.ch-Autoren hier Dinge nahe, die man unbedingt noch tun sollte, bevor die Welt am 20. Dezember (vielleicht) untergeht.

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