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Gesellschaft

Killerspiele

Bilder: Nathalie Kornoski

Ja, früher war wirklich noch alles besser. Die Kinder spielten friedlich draussen im Garten, der Nachbar lag auf dem Liegestuhl in der Sonne, und die Frischluft war noch frisch. Heute randaliert die junge Generation in und um öffentliche Einrichtungen, fährt betrunken und viel zu schnell in Hauswände oder lässt sich am Computer zu Killern ausbilden. Die steigenden Absatzzahlen von blutrünstigen Computergames sowie gleichzeitig stattfindende Amokläufe an Schulen schockieren seit Mitte der Neunziger Jahre Politiker, Pädagogen und Eltern. Es wird verboten, politisiert und geforscht, um die sogenannten Killerspiele endlich aus dem Verkehr zu ziehen.

Für alle Nichteingeweihten: Bei Killerspielen handelt es sich nicht um ein friedliches Zusammenkommen unter Auftragsmördern, sondern um das Erschiessen, Zerhacken oder Sprengen von virtuellen Gegnern. Beim Wort „Killerspiel“ handelt es sich um ein so genanntes politisches Schlagwort. Es wird also oft und gerne von Politikern gebraucht, die sich gar nicht erst die Mühe machen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, und mit diesem Begriff dafür sorgen, dass auch in den langweiligsten Debatten mördergute Stimmung aufkommt. Ein Argument der Politik ist, dass junge Killerspieler die Realität schnell mit dem Computerspiel vermischen, was zu entsetzlichen Szenen führen kann. Wenn es nach dem bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein gehen würde, müsste der Konsum von „Killerspielen“ gar gleich bestraft werden wie der Konsum von Kinderpornografie, denn für ihn ist klar, dass Computerspiele an den Amokläufen schuld sind. Dieses Argument hinkt: Bereits 1966 lief der 25-jährige Student und US-Soldat Charles Joseph Witman als einer der Ersten in der Universität von Texas Amok, lange bevor 1993 das erste Killerspiel mit dem Namen „Doom“ auf den Mark kam. Wie es nun weitergeht für die Killerspiele, ist offen. Aber ein bisschen mehr Vorsicht im Umgang mit dem Begriff wäre sicher nicht schlecht.

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