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Das Treffen der Weltstars

Bilder: Matthias Käser

Wenn Pavel Nedved zentimetergenau einen Pass diagonal über das halbe Feld schlägt, Luis Figo diesen elegant in der Luft kontrolliert und nach ein paar Übersteigern präzise in den Strafraum flankt, wo Ronaldo direkt in den Abschluss geht, fühlt man sich zurückversetzt ins vergangene Jahrzehnt des Weltfussballs, als Nedved bei Juventus Turin, Figo und Ronaldo zusammen bei Real Madrid regelmässig solche Szenen auf den Platz zauberten. Oder wenn Zinédine Zidane zusammen mit Claude Makélélé das Mittelfeld orchestriert, wähnt man sich beinahe im Team von Real Madrid, das 2002 die Champions League gewann.

Für die Philippinen und Laureus

Beim 11. Spiel gegen Armut trafen sich Stars aus aller Welt im Berner Stade de Suisse für ein Benefizspiel zugunsten der Taifun Opfer auf den Philippinen, wo der Tropensturm Haiyan im November letzten Jahres grossen Schaden angerichtet hatte. „Ronaldo, Zidane & Friends“ massen sich mit der aktuellen Mannschaft des BSC Young Boys ergänzt durch Freunde und Klublegenden wie Gürkan Sermeter, Stéphane Chapuisat, Erich Hänzi, Hakan Yakin und Mario Raimondi. „Wir sind alle manchmal Egoisten, da tut es gut, einen Abend ganz im Zeichen der anderen zu verbringen,“ sagte Zidane, um mit einem Schmunzeln anzufügen: „So können wir alten Spieler in Form bleiben.“

Doch nicht nur Zidane und Co. waren hoch dekoriert mit Titeln und Auszeichnungen, auch das Heimteam hatte mit dem jetzigen YB-Chefscout Chapuisat einen Champions League Sieger in seinen Reihen. Dieser war es denn auch, der für die ersten Glanzlichter sorgte. Gleich drei Tore gelangen dem Waadtländer innert nur gerade 37 Minuten. Zweimal überlobbte er den griechischen Europameister von 2004 Antonios Nikopolidis frech. Hakan Yakin und Gürkan Sermeter bewiesen bei ihren feinen Zuspielen in die Spitze, dass ihnen der Spielwitz auch nach der Aktivkarriere nicht abhanden gekommen ist.

Fortes Wechsel aus Mitleid

YB konnte so lange den Dreitorevorsprung wahren, dass sich Trainer Uli Forte gezwungen sah, zu reagieren. Für den bis dahin überragend spielenden Torhüter David von Ballmoos, der fünf Minuten vor der Pause nacheinander gegen Figo, Bayern-Legende Giovanne Elber und die fünffache Weltfussballerin Marta auf der Linie klären konnte, brachte Forte Paolo Collaviti, der während sieben Jahren für die Berner spielte und jetzt als Goalie-Trainer amtet, in der Hoffnung, die Weltauswahl möge sich dann nicht mehr so schwer tun mit dem Toreschiessen.

Und tatsächlich. Nur zehn Minuten nach Wiederanpfiff hatte der italienische Stürmer Christian Vieri das Spiel mit zwei Toren ausgeglichen, als sich Gianluca Zambrotta mit Marta auf der linken Seite durchkombinierte und nachdem Zinédine Zidane das Skore für die Weltauswahl nur Sekunden nach der Torhüterrochade hatte eröffnen können.

Offensives Innenverteidiger-Duo

Bei den Young Boys fand in der Pause zudem ein Trainerwechsel statt. Der ehemalige YB-Trainer und zukünftige Nationalcoach Vladimir Petkovic hatte das Zepter übernommen, und nach kurzer Eingewöhnungszeit konnte YB wieder vorlegen. Erich Hänzi flankte in die Mitte, wo schliesslich Joel Magnin zum spektakulären Flugkopfball ansetzte und traf. Als Yuya Kubo nach einem Steilpass von Moreno Costanzo Torhüter Carlo Cudicini überlobbte, hatten die Berner wieder einen Zweitore-Vorsprung inne.

Und wie schon nach dem 3-0 reagierte man auf Seiten der Berner mit Wechseln, um den Weltstars nicht vollends davonzueilen. Chapuisat und Yakin, die offensiv brillierten, konnten sich nach einer knappen Stunde als Innenverteidiger versuchen. Das Experiment ging auf, „Ronaldo, Zidane & Friends“ konnten bis zur 87. Minute noch fünf Mal jubeln, obwohl Chapuisat durchaus Qualitäten als Torverhinderer bewies: Als sich Zidane zusammen mit Youri Djorkaeff durch die Reihen kombinierte wie einst 1998 bei der WM oder 2000 beim Gewinn des EM-Titels, wehrte Chapuisat zweimal auf der Linie ab, gegen den dritten Nachschuss von Djorkaeff war er allerdings chancenlos.

Collavitis Penalty

Nicht nur Chapuisat lieferte sich ein kleines Privatduell mit Zidane, sondern auch Torhüter Paolo Collaviti. Als Schiedsrichter Adrien Jaccottet der Weltauswahl einen Penalty zusprach, wollten die YB-Verantwortlichen wieder Nachwuchstorhüter David von Ballmoos ins Tor beordern. Collaviti signalisierte jedoch, im Tor bleiben zu wollen und so wurde er erst nach dem Elfmeter ausgewchselt, nachdem Zidane souverän in die linke Ecke getroffen und anschliessend Collaviti herzlich umarmt hatte.

So unterhaltsam und freundschaftlich die Partie war, so irrelevant war das Resultat. Die 20’128 Zuschauer sahen zwar das torreichste „Spiel gegen Armut,“ das es je gab, viel wichtiger wäre jedoch, dass es auch als dasjenige in die Geschichte eingeht, das am meisten Geld generieren konnte. Der bisherige Rekorderlös wurde bei der erstmaligen Austragung in Basel erzielt. Damals sammelten Zidane und Ronaldo eine Million US-Dollar.

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