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Gesellschaft

Treib gut, bald bin ich kein Wikinger mehr

Ein Wikinger schreibt sich durch.

Bild: Larissa Puma, Tink.ch

Scheinbar stamme ich aus Norwegen, eine Tatsache, aus der ich seither meine geballte Überwindungskraft ziehe. Ich stamme von norwegischen Wikingern ab. Ich bin die Tochter, die Enkelin, die Urenkelin, die Urururenkelin hartgesottener Eroberer.

„Lassen sie sich besser alle Weisheitszähne auf einmal ziehen, dann ist es vorbei“, sagte meine Zahnärztin. Und ich sagte ja und dachte an die Wikinger.

Daran dachte ich, als ich in der Schule eine Akrobatik- Choreo vorturnen musste, ich, bei der nach dem Purzelbaum Schluss ist. Der Gedanke begleitete mich in meiner ersten Nacht in der Wohngemeinschaft, weg von zuhause, beim Versuch, erwachsen zu werden, von einer Nacht auf die andere. Der Kühlschrank war leer, irgendein Geschäft, ohne Kühlregale hatte mir spätnachts, als mir beim Loch in meinem Bauch das Loch im Kühlschrank aufgefallen ist, noch einen Liter Mandelmilch und ein Zimtmüesli im Angebot. Ich dachte an die norwegischen Wikinger, die es sich auf hoher See nicht leisten konnten, zu verzweifeln oder sich zu fürchten. Dann ass ich um ein Uhr morgens mein Zimtmüesli mit Mandelmilch, liess die Worte „ich bin ein Wikinger “, in einer Dauerschlaufe durch meinen Kopf laufen und fühlte mich tapfer. Seither bin ich auf hoher See. 

Wir waren einmal Wikinger. Meine Vorfahren haben Amerika entdeckt. Ich sollte stark sein, stur, eigensinnig. Aber was ist von dem Wikinger tatsächlich noch übrig, ausser einem kleinen Stück Wickie und die starken Männer? 

Das wikingerähnlichste, was bei meinen Ururgrosseltern noch zurückzuverfolgen ist, sind ein paar wortkarge Eigenbrötler, die in Norddeutschland gelebt haben, ganz oben, an der Grenze. Künstler waren viele von ihnen, Wikinger waren sie keine mehr. Aber die sind jetzt auch weg.  

Ich bin, was von den Wikingern noch übrig bleibt. 

Macht mich das Schreiben vielleicht zum Wikinger? Erobere ich neue Ozeane, entdecke ich neue Länder? Ich suche schreibend nach kleinen unentdeckten Inseln. Womöglich gibt es da draussen Felsen, die noch keiner kennt und die ich finden werde, wenn ich mich Welle für Welle durchschwimme.

Wenn ich noch ein Wikinger bin, dann ein schiffbrüchiger. Ich lasse mich treiben. Meistens ist es schon zu spät, wenn ich die dreieckige Rückenflosse eines Haifischs aus dem Wasser ragen sehe. Dann gibt es kein Entkommen mehr. Der Räuber beisst ein paar Sätze weg, die gerne noch etwas weitergelebt hätten, aber der Mut hat gefehlt. Der starke, sture Seefahrer war plötzlich nirgendwo mehr. Wenn ich mich aufrappeln kann um weiter zu schwimmen, denke ich an den Wikinger, um mich aufzubauen. Aber immer wieder beissen die Haifische ein Stück ab. Die Eroberer kannten ihre Ozeane wie ihre Westentaschen. Ich kenne meinen Ozean überhaupt nicht. Ich weiss nicht, wie viele Haie noch da unten schlafen und wie viele noch beissen werden. Ein Wikinger kann nicht alleine neue Inseln entdecken. Es wird Zeit, dass ein neuer Wikingerclan die Meere unsicher macht. Zeit, ein neues Boot zu bauen und sich zu neuen Ufern aufzumachen. 

Denn Wikinger bleibt Wikinger. Zumindest das, was davon übrigbleibt. 

wikinger

literatur

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Gesellschaft

Mille Feuilles- Top oder Flop?

Französisch sprechen stellt für viele SchülerInnen ein Problem dar.

Bilder: Larissa Puma, Tink.ch

Das französische Lehrmittel Mille Feuilles ist seit 2011 in sechs Kantonen, unter anderem in der Hauptstadt Bern, im Einsatz. Das neue Ziel ist, dass die SchülerInnen ein „Sprachbad“ nehmen und nicht nur noch Grammatik und Vokabeln im Schulzimmer pauken. Die Lehrmittel sind nicht oft beliebt, jedoch wird das Mille Feuilles schon von Anfang an kritisiert. Den SchülerInnen fehlt wichtiges Basiswissen der Grammatik. Sie kommen mit ihrem Wissensstand schnell an ihre Grenzen, wodurch ihre Motivation stark sinkt. Die Eltern machen sich grosse Sorgen deswegen. Aber wie sehen es LehrereInnen und SchülerInnen, die direkt mit dem Mille Feuilles zu tun haben?

Andrea Eichelberger gibt seit 8 Jahren Französisch an der Schule Moos in Gümligen bei Bern. Ansprechend, anspruchsvoll und vielfältig. So beschreibt die Sprachlehrerin das Mille Feuilles. Tink hat sich mit ihr getroffen und über das Lehrmittel und die Kritik daran gesprochen.  

Frau Eichelberger, haben Sie das Mille Feuilles mit offenen Armen empfangen?  

Ich hatte gerade erst angefangen mit dem Lehrmittel Bonne Chance zu unterrichten und hätte das gerne noch ein paar Jahre gemacht. Aber ich unterrichte gerne Französisch, so dass es keine Rolle gespielt hat, mit welchem Schulmittel ich unterrichte. Ich habe mich auf die Herausforderung und das neuartige, moderne Lehrmittel gefreut. 

Was ist Ihre Meinung über das Lehrmittel Mille Feuilles?

Mille Feuilles ist inhaltlich ansprechend, lehrreich und beinhaltet Sachthemen, wie Tiere und Experimente, was viele Kinder interessiert. Es geht um mehr, als nur um das isolierte Sprachenlernen. So werden in den Magazines beispielsweise oft Kulturen und Sprachen verglichen. Auch das Layout ist sehr zeitgemäss. Kürzlich sagte mir ein Schüler: „Ich habe im Schrank das neue Magazine gesehen und dass es um die Entdeckung Amerikas geht! Darauf freue ich mich schon jetzt!“ So etwas wäre mit Bonne Chance nie passiert. Ich finde es zudem sehr praktisch, dass die SchülerInnen direkt in die Hefte hineinschreiben können. Die Kinder können aktiv werden indem sie Berichte schreiben, Poster präsentieren oder Witze vorspielen. Diese Schlussaufgabenkönnen sehr individuell gestaltet werden, so dass jedes Kind auf seinem Niveau angesprochen und gefördert wird. Leider hat Mille Feuilles oft den Anspruch, authentische Texte zu verwenden. Diese Texte stammen von einem französischen Buch oder Heft. Das macht es für die Kinder sehr schwierig, längere Texte zu verstehen oder Informationen herauszufiltern. Da geht für mich zu viel Energie und Zeit verloren. Meiner Meinung nach dürfte es auch einfachere, extra für den Sprachlernprozess geschriebene Texte und Dialoge und Übungen in den Magazines haben. Dies ist in der überarbeiteten Version nun etwas berücksichtigt worden.

Teilt das Kollegium Ihre Meinung?

In der Unterstufe benutzen sie es sehr gerne. Auch die Mittelstufe ist eher noch überzeugt als die Oberstufe. Die Oberstufenlehrer finden, die Kinder kommen und beherrschen weder die Grammatik noch können sie ein Verb konjugieren oder sich vorstellen. Früher, also mit Bonne Chance, war eine solidere Grundlagevorhanden. Die Oberstufenlehrer spüren auch den Druck vom Gymnasium. Ich weiss von einigen LehrerInnen, dass sie nebst dem Unterrichten mit Mille Feuilles noch viel eigenes Material zu Hilfe nehmen. Man ist sich aber im Kollegium grundsätzlich einig, dass Mille Feuilles interessante Themen bearbeitet und wichtige Kompetenzen zum Lernen einer Fremdsprache vermittelt.

Ich habe viel gelesen, dass sich die Eltern der Schülerinnen und Schüler sorgen über das Lehrmittel machen. Ist das in Ihrer Klasse auch so?

Es hat sich selten jemand gemeldet, der gemeint hat, das Kind lerne zu wenig. Die Eltern wissen vielleicht gar nicht mehr, was vorher anders war mit Bonne Chance. Ich glaube auch, dass es mehr bei den Oberstufen so ist, dass die Eltern den Anspruch haben, dass ihr Kind auf Französisch nach dem Weg fragen oder ein Hotel reservieren kann. Denn man lernt mit Mille Feuilles und Clin d‘oeil nicht wirklich Wörter, die man im Alltag braucht, sondern Wörter, die in den Sachthemen vorkommen. Das heisst zum Beispiel: kitzeln, sammeln und der Schmutzgeier, aber man kann kaum etwas im Restaurant bestellen. Die Eltern sind dankbar, wenn man die Wörter schriftlich verlangt und eigenes Unterrichts-Material einbaut. Wichtiger als das Lehrmittel ist für die Eltern aber die Lehrperson und deren Unterricht.

Das Ziel von Mille Feuilles ist, Französisch spielerisch zu entdecken, anstatt Grammatik zu lernen. Was halten Sie von dieser Idee?

Ich finde es gut, aber ich stelle auch fest, dass es nicht funktioniert ohne Grammatik. Eine Sprache zu lernen ohne die nötigen Grundlagen und Strukturen, ist schwierig. Man sollte schon von Anfang an mehr Grammatikthemen hineinnehmen und auch üben, so wie im englischen Lehrmittel New World. Die Autoren von Mille Feuilles sprechen von einem Sprachbad, was sich mit zwei bis drei Stunden pro Woche aber sehr schwierig gestaltet. Es bräuchte mehr Lektionen in der Woche, dann könnte man die Sprache spielerisch entdecken und wichtige Grundlagen erarbeiten.  

Wie fänden Sie es, wieder zum Bonne Chance zu wechseln?

Ich glaube, wenn ich jetzt wieder zurück zum Bonne Chance wechseln müsste, würde ich viele Themen und Ideen von Mille Feuilles mitnehmen. Ich finde Bonne Chance mit seinen konstruierten Dialogen einseitig und veraltet, vom Layout ganz zu schweigen. Das Englischlehrmittel New World kommt meiner Idealvorstellung eines Sprachlehrmittels sehr nahe: ein ansprechendes, unkompliziertes Buch und Übungsheft, das die SchülerInnen im Alltagswortschatz fördert und wichtige Sprachgrundlagen vermittelt und wo mit ebenfalls nur zwei Lektionen pro Woche auch immer wieder ein Spiel oder Lied Platz hat. Ich unterrichte sehr gerne Französisch und habe als Lehrperson zum Glück trotz des obligatorischen Lehrmittels Mille Feuilles viele Freiheiten, wie ich meinen Unterricht gestalte, was ich vertiefe, erweitere, weglasse oder ergänze.

Tink bedankt sich bei Andrea Eichelberger für das Gespräch!

Ich als Gymnastin hatte selbst mit diesem Lehrmittel zu tun. Ich bin auch der Meinung, dass eine Sprache nicht ohne Grammatik funktioniert. Nach vier Jahren Französisch habe ich nicht einmal in einem Text gesehen, dass ein konjugiertes Verb zum gleichen Verb gehört, das ich ja schon kenne, weil es in einer anderen Konjugations-Form war. In der 7. Klasse war es zum Glück anders. Wir mussten unendlich viele Verben auswendig lernen und konjugieren. Wie mühsam es auch sein mag, für eine Sprache ist dies einfach nötig. In diesen zwei Jahren habe ich mehr gelernt als in den gesamten Jahren, die ich nun schon mit Französisch zu tun habe. Und nur weil unser Lehrer alles selber zusammengesucht hat ohne Hilfe des Lehrmittels. Nun bin ich im Gymnasium und merke, dass mir deutlich mehr bekannt vorkommt als anderen. Erst kürzlich hatten wir einen Austausch mit einer französischen Schule. Wir hatten so unglaublich Mühe nur einen einfachen Satz zu bilden und das, obwohl wir nun schon seit 7 Jahren Französisch haben. Und so ein Ergebnis demotiviert einem so fest, dass ich dieses Fach jedes Jahr ein Stück weniger mag. Obwohl ich Sprachen liebe. Leider fehlt mir jedoch das Basiswissen. Ich muss schon sehr lange überlegen, nur um mich vorstellen zu können. Ich finde, dass man wie in anderen Lehrmitteln, erst mit „sich vorstellen“ anfangen soll und danach Farben, Kleidung und Essen. Ausserdem zeigen andere Lehrmittel wie auch im Spanisch auf, dass dies möglich ist. Also warum auch nicht für Französisch? Mir fehlt einfach der Wortschatz. Wörter, die man oft braucht und nicht Wörter wie „Schmutzgeier“. Sprachen sind wichtig und je besser man etwas beherrscht, desto grösser ist die Freude daran. Deshalb hoffe ich, dass man immer wie mehr wieder Grammatik und Vokabeln (die wichtig sind) im Schulzimmer Willkommen heisst. Denn so geht es nicht weiter und man braucht nur eines – eine Verbesserung! 

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Gesellschaft

“Mir einen Regenbogen vorzustellen ist sehr schwierig”

Daniela Moser auf dem Balkon ihres Zuhauses in Walkringen.

Bilder: Adrian Moser, Adrian Moser

Der Mensch verlässt sich meistens darauf, was er sieht. Aber nicht Daniela Moser – sie verlässt sich auf ihr Gehör und ihren Tastsinn, denn sie ist von Geburt an blind. Sie sitzt in der Küche ihres Elternhauses in Walkringen und schenkt sich ein Glas Wasser ein. Dabei hält sie ihren Finger ins Glas, um die Menge abzumessen. Einer der vielen kleinen Tricks, den sie für den Alltag ohne Augenlicht braucht. 

Die 26-jährige Bernerin wirkt sehr lebensfroh. Doch als Kind hatte sie eine schwere Zeit. Sie wurde dutzende Male an den Augen operiert und musste viel Zeit im Spital verbringen. Statt auf dem Hof herumzutollen musste sie dann oft im Haus bleiben. Seit sie fünf Jahre alt ist, ist sie auf dem linken Auge komplett blind. Mit dem rechten Auge kann sie Farben erkennen und zwischen hell und dunkel unterscheiden. Moser erkennt zum Beispiel einen Fussgängerstreifen als gelben verschwommenen Fleck am Boden. Die Ampel hingegen ist zu weit weg, um die Lichtsignale zu sehen. Personen, die ganz nahe neben ihr sitzen, erkennt sie als dunkle Kontur. In der Blindenschule Zollikofen und in der Lehre als Kauffrau nagte die Frage “Warum gerade ich”, manchmal an ihr. Andererseits kenne sie nichts anderes. “Für jemanden, der erst im Laufe seines Lebens erblindet, muss es viel schlimmer sein.” 

Obwohl Moser nichts sehen kann, zeichnet sie für ihr Leben gern. “Wenn Sie wollen, zeichne ich Ihnen ein Pferd”, sagt sie. Ein Tier könne sie anfassen und gewinne dadurch eine gewisse Vorstellung davon. Auf dem Papier sehe das Pferd zwar etwas abstrakt aus, aber das sei für sie nicht wichtig. “Ich habe meinen eigenen Weg gefunden, wie ich zeichne.” Schwierig wird es bei Motiven, die Moser nicht berühren kann. “Mir einen Regenbogen vorzustellen ist sehr schwierig.” Ihn zu zeichnen sei eine Herausforderung, die sie jedoch mit Freude angehe. Nebst dem Zeichnen hört sie sehr gerne Hörbücher, liest und singt in zwei Jodlervereinen. Im Winter stehe sie gerne auf die Ski. Dabei wird sie von einer eigens dafür ausgebildeten Person begleitet, die  hinter ihr fährt und ihr Anweisungen gibt. Dafür brauche es viel Vertrauen in die Begleitperson. Auch zum Joggen habe sie endlich jemanden gefunden, der sie begleitet. Die Suche dauerte lange, weil nur wenige es sich zutrauen, mit einer blinden Person joggen zu gehen. 

Heute arbeitet Moser beim Blinden- und Sehbehindertenverband. Für blinde Menschen sei es nicht einfach, eine Arbeitsstelle zu finden, so Moser. Arbeitgeber könnten sich oft nicht vorstellen, dass eine blinde Person eine Tätigkeit genauso zufriedenstellend ausüben könnte wie eine sehende Person. “Bei den Arbeitgebern herrscht noch eine grosse Berührungsangst”, so Moser. Der Arbeitgeber habe auch keinen zusätzlichen Aufwand, eine blinde Person anzustellen, denn die Beschaffung der Hilfsmittel, wie die Sprachausgabe auf dem Computer oder die Braillezeile, die liege beim blinden Arbeitnehmer und werde von der Invalidenversicherung übernommen.

Der Bauernhof der Familie Moser, der seit zwanzig Jahren nicht mehr betrieben wird, liegt etwas abgelegen auf einem Hügel oberhalb von Walkringen. Wäre es für Moser nicht praktischer, in der Stadt zu wohnen, wo sie auch arbeitet? “Ich bin in Walkringen aufgewachsen und kenne das Haus sehr gut”, sagt Moser. Sich hier zu orientieren ist für sie kein Problem. In einer neuen Wohnung müsste sie zuerst lernen, sich zurechtzufinden. Dafür gibt es eigens Dienstleistungen, die Blinde in Anspruch nehmen können. Während solchen Trainings lernt die blinde Person zudem, wo sie in der Nähe einkaufen kann und wo die Verkehrsanschlüsse sind. “Es ist alles lernbar”, sagt Moser.   

Moser ist beruflich oft mit dem Zug unterwegs. Ihre wichtigsten Hilfsmittel sind dabei der Blindenstock und ihr IPhone. Durch die Sprachausgabe auf dem Handy lässt sie sich alle wichtigen Informationen vorlesen, zum Beispiel die Gleisnummer ihres Zuges auf der SBB-App. Früher musste sie fremde Leute am Bahnhof ansprechen, damit sie ihr auf der Anzeigetafel die Gleisnummer ablesen konnten. Der Bahnhof Bern sei mit dem Leitliniensystem am Boden sehr gut ausgerüstet, findet Moser. Aber sie bedauert, dass Passanten oft nicht wüssten, dass blinde Personen diese Linien zur Orientierung benötigen. “Oft stehen Leute auf den Linien oder stellen ihre Tasche darauf ab”, sagt sie. 

Um Nachrichten auf dem Handy zu schreiben, braucht Moser die Brailleschrift. Dabei erscheinen die sechs Punkte der Blindenschrift auf dem Bildschirm anstatt der herkömmlichen Buchstaben. Am Küchentisch lässt sie sich ein SMS vorlesen und stellt ihr geübtes Gehör unter Beweis. Die Sprachausgabe ist so schnell eingestellt, dass nur Moser etwas versteht. Über das verblüffte Gesicht der Autorin muss sie lachen. Sie glaube nicht, dass sehbehinderte Menschen besser hörten. “Wer gut sehen kann, braucht das Gehör einfach zu wenig.”

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Gesellschaft

So schwarz wie der Freitag

Bild: zVg

Schwarz ist die Luft, der Baum, das Wasser – wenn aus Übersee die Schiffe kommen, mit Containern voll Glück. Genug für alle da, Überfülle in Farben, Formen und Funktionen, abgestimmt auf dich, denn du, du bist individuell.

Schwarz ist die Moral, ist die Hoffnung, ist der Verstand – wenn Glück so greifbar nah wird. Ein leichtes zu erfüllen, in einer Welt von Einsen und Nullen ist die Verbindung zur Welt der fehlende Wimpernschlag.

Schwarz ist die Sehnsucht, der Wunsch, die Liebe – wenn du und ich durch dieses miteinander in Verbindung treten. Schrei vor Glück, denn Geiz ist geil. Nichts ist unmöglich und ich bin doch nicht blöd. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Schwarz bin ich, unergründlich, nicht verstanden, stumpf, befriedigt, satt und nie gesättigt.


Kolumne: Die Begegnung

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