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Kultur

18 Alternativen zur Hitparade 2018

Von Hip-Hop bis Flamenco: Die Musiker/innen unserer Hitparade haben keine Berührungsängste und experimentieren mit unterschliedlichsten Klängen und Stilrichtungen.

Bilder: Christoph Weibel

Shame – Songs of Praise
Post-Punk

Den Auftakt macht eines der besten Debütalben 2018. Von den Gitarren über die Vocals bis zu den Lyrics: die Musik der fünf Jungs von Shame aus dem Süden Londons ist ruppig, harsch, direkt und dementsprechend ein Gegenentwurf zum braven Gitarrenpop, welcher von zahlreichen weissen Männergroups im vergangenen Jahrzehnt bis zur Unerträglichkeit kultiviert worden ist. Eröffnet wird mit einem exzellenten Eins-Zwei-Schlag: Die nahtlos verbundenen Tracks „Dust on Trial“ und „Concrete“ etablieren den düsteren Unterton, welcher die gesamte Platte prägt. Perspektivlosigkeit ist zentrales Thema des Fan-Favorits „One Rizla“ und gewissermassen des gesamten Albums, was „Songs of Praise“ den Ruf einer „Brexit“-Platte eingehandelt hat. Zwar würde das Album als musikalisches Zeitdokument allemal taugen, allerdings würde es „Songs of Praise“ nicht gerecht, die Platte darauf zu reduzieren: die Ode an „Angie“, mit welcher die Platte ausklingt, hallt auch ohne jeglichen Brexit-Kontext noch lange nach.

Anspieltipps: „One Rizla“, „Angie“


Alela Diane – Cusp
Singer/Songwriter

Lange Zeit galt in der Musikindustrie das ungeschriebene Gesetz, dass Frauen nicht über Schwangerschaft, Mutterglück (bzw. -unglück), geschweige denn die Geburt ihrer Kinder singen sollten – für die Männerwelt sei man sodann aus sexueller, für die Labels aus kommerzieller Sicht nicht mehr attraktiv. Dieser peinliche Missstand wird glücklicherweise zunehmend behoben – dank Künstlerinnen wie Alela Diane, welche mit der Authentizität ihres Schaffens die Aufmerksamkeit einfordert, welche ihr zweifelsohne zusteht. „Cusp“ ist ein berührendes Manifest über eine Geburt mit schweren Komplikationen und deren Folgen für Mutter und Kind. Beschäftigen tut sich Diane aber nicht nur mit den eigenen Kindern: die Bilder ertrunkener Kinder aus der internationalen Flüchtlingskrise liegen „Emigré“ zugrunde, in welchem Diane mit ihrer kennzeichnenden rhythmischen Phrasierung uns bewegt.

Anspieltipps: „Emigré“, „Albatross“


Let’s Eat Grandma – I’m All Ears
Art Pop

Was hast du, liebe/r Leser/in, bitteschön mit 16 Jahren gemacht? Wohl dasselbe wie wir, und sicherlich nicht dasselbe wie Let’s Eat Grandma: im Jahr 2016 haben die beiden jungen Frauen mit eigenwilligem Bandnahmen mit „I, Gemini“ ein Debutalbüm vorgelegt, welches mit seiner Experimentierfreudigkeit den erfahreneren Branchenkolleginnen und -kollegen das Fürchten lehrte. Der deutsche musikexpress bezeichnete „I, Gemini“ passenderweise als „Grusel-Seemannsjazz“. Davon kann beim 2018 erschienenen Nachfolger „I’m All Ears“ keine Rede mehr sein, denn „Let’s Eat Grandma“ haben sich die Popmusik zur Brust genommen. Das heisst aber keinesfalls, dass man der Experimentierfreudigkeit Einhalt geboten hätte: Stampfende Industrial-Beats, (bereitgestellt von Produzentin der Stunde SOPHIE), Post-Punk im Sinne der 70er, Saxophon-Soli, Science-Fiction-Touchstones und sogar Katzenschnurren gehören zu den vielen Details, welche Let’s Eat Grandma in ihren Popentwurf eingebaut haben. Dieser erfreut sich auch einer gewissen Masslosigkeit: Wem der knapp sechs-minütige Prog-Pop-Opus „Falling Into Me“ zu kurz ist, kann’s mit „Cool & Collected“ und „Donnie Darko“ versuchen, welche an der 10-Minuten-Marke kratzen respektive diese überschreiten.

Anspieltipps: „Falling Into Me“, „Hot Pink“


47 Soul – Balfron Promise
Shamstep

Die Musiker von 47 Soul haben ihre Wurzeln in Palästina, besitzen aber alle unterschiedliche Reisepässe. Auch musikalisch sind diverse Einflüsse erkennbar, welche 47 Soul zu einem einzigartigen Sound, genannt Shamstep, vereint haben: traditioneller orientalischer Dabke wird verbunden mit Eletronica, Reaggae, Hip-Hop-Beats und harschen Synthesizern; gesungen und gerappt wird auf Arabisch und Englisch. Es ist ein vollständiger Sound, welcher bereits durch die 2015 erschiene EP „Shamstep“ und insbesondere der „Hit“-Single „Intro To Shamstep“ etabliert wurde und der Band eine treue Anhängerschaft unterschiedlichster Alters-, Religions- und Staatszugehörigkeit einhandelte. Nun liegt das Debütalbum vor, und der Titel spricht bereits Bände: einerseits eine Anspielung auf die Balfour Deklaration 1917, mit welcher England der jüdischen Diaspora die Errichtung einer Heimstätte in Palästina versprach, wobei die Rechte der arabischen Bevölkerung nicht tangiert werden sollten. Andererseits ein Bezug zum ikonischen Balfron Tower in London, der zweiten Heimat der fünf Herren von 47 Soul, bevor die Gentrifizierung Einhalt fand. Folglich steht „Balfron Promise“ im Zeichen der Heimat und Vertreibung aus eben dieser. Ein hochpolitisches und relevantes Album mit tanzbarem Sound, welches Kraft aus seinem thematischen und musikalischen Mut zieht.

Anspieltipps: „Moved Around“, „Mo Light“


Rosalía – El Mal Querer
Alternative R&B / Flamenco

Rosalía hat in Spanien regelrecht ein Erdbeben ausgelöst: mit ihrer eigenwilligen Fusion aus Alternative R&B und klassischem Flamenco hat die 25-jährige Katalanin quasi eine musikalische Marktlücke entdeckt und sorgt mit ihrem im November erschienenen zweiten Album „El Mal Querer“ für Begeisterungsstürme bei Fans und Kritikern gleichermassen. „El Mal Querer“ ist ein Konzeptalbum, welches durch den okzitanischen Roman „Flamenca“ aus dem 13. Jahrhundert inspiriert wurde und entsprechend eine Liebestragödie in 11 Kapiteln erzählt. Das Album beginnt gleich mit dem Überhit „Malamente“, welcher mit knapp 50 Millionen Klicks auf Spofity und fünf Latin-Grammys massgeblich zum Erfolg Rosalías beigetragen hat. Der Song bleibt – zur Freude oder zum Leidwesen der Fans – gemeinsam mit „Pienso En Tu Mirá“ die offensichtlichste Annäherung an den modernen R&B-Pop. Denn Rosalía zeigt auch andere Seiten: In „Que No Salga La Luna“ überzeugt die Kombination von leidenschaftlichem Gesang, Gitarre, Männerchor und den Palmas, dem klassischen Händeklatschen, welche im Mix clever zwischen Vorder- und Hintergrund pendeln. In „Reniego“ klingen Rosalía und die Streicher wunderbar dramatisch. Die Gegner sind wenige, und sie befinden sich im eigenen Lager: Flamenco-Künstler aus Andalusien tun sich schwer damit, was die junge Andalusierin mit dem Flamenco, dem immateriellen Kulturerbe mit unterschiedlichen Einflüssen, angestellt hat. Dazu gäbe es viel zu sagen – nicht aber im Rahmen dieser Rezension. Nur so viel: mit „El Mal Querer“ klatschen wir mit.

Anspieltipps: „Malamente“, „Que No Salga La Luna“


Tamino – Amir
Singer/Songwriter

Der belgisch-ägyptische Singer/Songwriter Tamino hat mit dem Song „Habibi“ im Jahr 2017 für Aufsehen gesorgt: das hypnotische Liebeslied aus der Schule Leonard Cohens hat eine fesselnde Wirkung und verzaubert jeden; insbesondere dann, wenn Tamino im letzten Viertel des Tracks in seine unglaubliche Falsettstimme wechselt. Der Song hat das Potenzial, eine Karriere zu lancieren – so geschehen mit Tamino. Diesen Herbst veröffentlichte er nun sein Debütalbum „Amir“, welches er gleich mit „Habibi“ eröffnet. Befürchtungen, dass Tamino damit sein Pulver zu früh verschossen haben könnte, erweisen sich als falsch. Das Album erweitert die Stimmung, welche der Opener beschwört, und nimmt dabei etwa in Tracks wie „So It Goes“, in welchem das aus Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak bestehende Firka Orchester mitwirkt, auch Bezug auf Taminos orientalische Wurzeln. Das Album bewegt sich behutsam vorwärts, doch in der Ruhe liegt die Kraft. Tamino lässt allen Instrumenten inklusive seiner Stimme den nötigen Raum und findet in dem von der griechischen Sage inspirierten „Persephone“ einen atmosphärischen Abschluss. Wir wollen mehr davon!

Anspieltipps: „Habibi“, „Indigo Nights“


Oneohtrix Point Never – Age Of
Electronic

Oneohtrix Point Never a.k.a. Daniel Lopatin ist eine Koryphäe der elektronischen experimentellen Musik. Unter Vertrag beim renommierten Label Warp Records hat er in der jüngeren Vergangenheit nicht zuletzt durch seine Arbeit mit den Pop- und R&B-Futuristinnen Ahnoni und fka twigs sowie seinen mit Iggy Pop erstellten Soundtrack für den Film „Good Time“, welcher an den Filmfestspielen in Cannes mit dem Soundtrack Award ausgezeichnet wurde, an Bekanntheit gewonnen. Es wäre aber grundlegend falsch, nur seine Kooperationen und Arbeit für andere in den Vordergrund zu stellen. In erster Linie hat Oneohtrix Point Never in seinem eigenen Namen eine beeindruckende Diskografie im Bereich der Ambient- und Drone-Music aufgebaut, welcher er im 2018 das Album „Age Of“ hinzugefügt hat. Kennzeichnend ist dabei nicht nur die Verwendung von Spinett, Cembalo und erstmalig sogar seiner eigenen Stimme, sondern auch eine neu gewonnene Zugänglichkeit. Das ist aber nicht falsch zu verstehen: einzig „Babylon“ könnte fast als Pop-Song durchgehen; weitere Highlights sind der Titeltrack sowie „Toys 2“, welches Lopatin als seinen Beitrag für einen Disney-Soundtrack verstanden haben will. Diese Disney-Filme wollen wir sehen!

Anspieltipps: „Babylon“, „Toys 2“


Melody’s Echo Chamber – Bon Voyage
Neo-Psychedelia

Das Debütalbum von Melody Prochet aus dem Jahre 2012, welches von Tame Impala-Mastermind und damaligem Lebenspartner Kevin Parker produziert wurde, gehört zu den besten Neo-Psychedelia-Alben der Dekade. Das bekanntlich schwierige zweite Album wurde für Prochet tatsächlich zur Herkulesaufgabe: die Suche nach ihrer eigenen, von Parker unabhängigen musikalischen Vision führte zu einem massiven finanziellen Verschleiss; die spätere Trennung von Parker sowie ein schwerer Unfall führten zu weiteren Verzögerungen. Ihren Frieden fand die Französin schliesslich in Schweden, wo sie die Arbeit an „Bon Voyage“ vollendete und das Album diesen Sommer, sechs Jahre nach dem Debut, veröffentlichte. Dass das Album eine Zangengeburt gewesen sei, ist deutlich zu hören. Es dauert auch nur eine gute halbe Stunde, die genügt aber bei Weitem. „Bon Voyage“ ist ein psychedelisches Gruselkabinett, dessen Songs zerstückelt und in Frankenstein-Manier zusammengesetzt wurden. Doch Prochet beweist, dass sie die Songs nicht nur zusammensetzen, sondern auch zum Leben erwecken kann. Das Album ist ein absolutes Unikat und ein mustergültiges Beispiel, wie sich Psychedelic-Music im Jahr 2018 anhören sollte. Gerade die erste Hälfte des Albums ist ein wilder Ritt mit zahlreichen unerwarteten aber sehr willkommenen Richtungswechseln, eindrücklich umgesetzt im Opener „Cross My Heart“ mit Folk-Intro, Hip-Hop-Breakdown, Flötensolo und String-Finale. Wer den übersteht, kann sich an das grandiose „Desert Horse“ wagen…

Anspieltipps: „Cross My Heart“, „Desert Horse“


Parcels – Parcels
Indietronica

Nun zu etwas Spassigem: Parcels stammen aus Byron Bay, Australien, und haben wegen der Musik ihre Heimat verlassen. Wer Byron Bay verlässt, muss es ernst meinen. Berlin sollte es richten mit der Musikerkarriere und das Experiment ist aufgegangen: rasch zogen die Australier das Interesse der französischen House-Könige Daft Punk auf sich. Dass Daft Punk begeistert sind, überrascht nicht, denn bei Parcels wackelt bereits nach wenigen Sekunden der grosse Zeh. Nach zwei EPs erschien im Oktober endlich das eponyme Debütalbum, in dessen ersten Hälfte sich ein Highlight ans nächste reiht: nachdem „Comedown“ aufzeigt, wohin die Reise klanglich führt, begeistern „Lightenup“ und der Electro-Surf-Rock von „Tape“ mit cleverem Flöteneinsatz. Doch auch punkto Songwriting haben Parcels einiges zu bieten: die achtminütige, mit Spoken-Word-Einsätzen gespickte Synthodyssee „Everyroad“ bildet das Herz des Albums. Auch die zweite Hälfte gefällt, gelingt auch hier die Fusion zwischen alt und neu, vertraut und überraschend nahezu perfekt. Ein Album, welches den perfekten Sommer-Soundtrack abgegeben hätte, nun aber stattdessen dem Winter einheizen muss. Wir freuen uns darauf, bei einem Becher Glühwein zu Parcels zu tanzen!

Anspieltipps: „Lightenup“, „Withorwithout“


Julia Holter – Aviary
Progressive Pop

Julia Holter lieferte 2018 ein absolutes Opus: „Aviary“ (zu Deutsch „Vogelhaus“), das fünfte Album der Art-Pop-Meisterin, ist überbordend (und überfordernd) in jeglicher Hinsicht. Während Holter ihren Art Pop 2015 im exzellenten „Have You In My Wilderness“ noch in konventionelle(re) Songstrukturen fliessen liess, lässt sie mit „Aviary“ einen regelrechten Kammerpop-Orkan aufkommen, welcher den Hörer auch mal peitscht. Insbesondere der Beginn wütet: „Turn the Light On“ hört sich an wie das Kind von Velvet Underground zu ihren lautesten und Björk zu ihren sperrigsten Zeiten. „Chaitus“ ist ein achtminüter Barockpop-Opus mit wirren Lyrics; „Everyday is an Emergency“ macht seinem Namen alle Ehre, sofern man diesen Song täglich hört. Dennoch lassen bereits die ersten Songs Licht durchschimmern, bevor sich dann die zweite Hälfte des Albums als Ruhe nach dem Sturm offenbart. Und die könnte schöner nicht sein. „I Shall Love 2“ ist bester Dream-Pop, „Underneath The Moon“ zeigt die spielerische Seite Holters und die String-Arragements auf „Words I Heard“ sind – sogar für Holter-Verhältnisse – schlicht atemberaubend und erhaben. Für Interessierte eignet sich sicherlich ein Einstieg via die vorangegangenen Alben „Have You In My Wildnerness“ und „Loud City Song“, denn „Aviary“ fordert vom Hörer ordentlich Geduld – belohnt diese aber auch reichlich. Der Albumtitel bezog seine Inspiration – wie so oft bei Holter – aus der Literatur: eine Kurzgeschichte der libanesischen Schriftstellerin Etel Adnan mit der Zeile “Ich befand mich in einer Voliere voller kreischender Vögel“ faszinierte Holter. Wer das Album hört, versteht die Inspiration, hört die Vögel aber nicht zur kreischen, sondern auch singen.

Anspieltipps: „Words I Heard“, „Underneath The Moon“


Noname – Room 25
Hip-Hop

Das beste Hip-Hop-Album 2018 kommt von einer Frau. Entstanden ist es, weil Fatimah Nyeema Warner a.k.a. Noname ihre Miete nicht mehr bezahlen konnte, gleichzeitig aber nicht mehr mit ihren alten Songs touren wollte. Nun hat sie aus der Not eine Tugend gemacht: Room 25 ist ein fantastisches Hip-Hop-Album im Neo-Soul-Setting, stark wie verletzlich. Es ermutigt, die eigene Geschichte ehrlich zu erzählen, und nicht – wie im HipHop nicht selten der Fall – einfach auf dicke Hose zu machen. Zur Geschichte von Noname gehören etwa ihr erstes Mal mit 25 Jahren und die Chemotherapie ihrer Mutter. Letztere wird im fantastischen „Don’t Forget About Me“ brutal kreativ dargelegt: „All her hair gone / feeling fishy, finding chemo / smoking seaweed for calm / these Disney movies too close“. Darin wird nicht der einzige Anhaltspunkte für Disney geschaffen: die Instrumentalisierung mit Streichern, Harfen und Gitarren erinnert oft an die wunderschönen Kinderfilme, so etwa in „Window“ oder „Regal“. Zwar bringt uns Noname auch zum Schmunzeln, Room 25 ist aber keinesfalls leicht verdaulich. Es ist ein berührendes Coming-of-age-Album und ein sprachliches Meisterwerk, welches die Stärke hat, einer neuen Generation von Hip-Hop-Künstlern den Weg zu ebnen.

Anspieltipps: „Window“, „Don’t Forget About Me“


LUMP – LUMP
Folktronica

Laura Marling ist beängstigend: Mit nur 28 Jahren hat sich die Britin eine beeindruckende Diskografie erarbeitet; sechs Studioalben, davon eines besser als das andere, von Ausrutschern weit und breit Fehlanzeige. Sie muss sich lediglich gegen jene verteidigen, die sie gelegentlich als spröde bezeichnen. Doch Angriff ist bekanntlich die beste Verteidigung: aus einem lockeren Gespräch mit TUNNG-Frontmann Mike Lindsay ist das gemeinsame Projekt „LUMP“ hervorgegangen, verkörpert durch eine tanzende Yeti-Figur. Lindsay lieferte die Musik, Marling die Texte – daraus entstanden ist ein Mini-Album, in welchem Marling lockerer denn je wirkt. Mit dem Projekt „LUMP“ und der Folktronica-Soundpalette von Lindsay bietet sich Marling der perfekte Rahmen, um zu experimentieren und die Konzertgitarre mal beiseite zu legen. Diese Entspanntheit steht ihr ausserordentlich gut. Es ist ein Album wie aus einem Guss, angefangen mit dem atmosphärischen „Late To The Flight“ läuft jedes Lied ins nächste. Höhepunkt bildet das fantastische „Curse of the Contemporary“, worin Marling ihrem –zu selten benutzten – hohen Stimmregeister freien Lauf lässt. Auf den Boden geholt wird man spätestens im letzten Track, in welchem Marling trocken deklariert „LUMP is a Product“ und in aller Seelenruhe die Namen aller am Album Beteiligten verliest. Eine Art Kompensation für das fehlende Booklet im Zeitalter des Musikstreamings.

Anspieltipps: „Curse Of The Contemporary“, „May I Be The Light“


serpentwithfeet – Soil
Alternative R&B

Wenn diese Dekade musikalisch in Erinnerung bleiben soll, dann hoffentlich für die zahlreichen starken Alben schwarzer Künstler/-innen, welche die Grenzen ihrer Genres sprengen und aufzeigen, mit welchen Herausforderung die schwarze Bevölkerung im 21. Jahrhundert zu kämpfen hat. Kendrick Lamar, Frank Ocean, Beyonce, Solange, Sampha – sie alle haben in den vergangenen Jahren unglaubliche Werke vorgelegt. 2018 hat nun Josiah Wise, welcher unter dem Pseudonym serpentwithfeet musiziert, ein komplexes und eigenwilliges Debüt abgeliefert. Dass seine Vorgeschichte als schwuler, streng religiös erzogener Afroamerikaner keine einfache ist, liegt auf der Hand. Mit „Soil“ erschafft er ein eigenes Universum, in welchem Glaube, Okkult, Theatralik, Drama, Lust und Sex verschmelzen – teilweise in einzelnen Zeilen, etwa „I get to devote my life to him“ in „Cherubim“. Mit der Produktion braucht er sich nicht hinter R&B-Futuristen fka twigs, Kelela und James Blake zu verstecken; der Gospel-Einfluss räumt ihm gar ein Alleinstellungsmerkmal ein. Am stärksten geraten der Ein- und Ausstieg: „Whisper“ verschwendet keine Zeit und praktiziert innert Kürze den ersten Exorzismus. In „Bless Your Heart“ fragt Wise „When I give these books away will my ink betray me?”. Wir hoffen es nicht für Wise und sind froh, dass er mit diesen Büchern herausgerückt hat.

Anspieltipps: „Whisper“, „Bless Your Heart“


Rae Morris – Someone Out There
Pop

Die Popmusik-Landschaft 2018 wurde vor allem geprägt von starken Frauen mit Bezug zur LGTBQI+-Community: Janelle Monáe, Christine and the Queens, Kacey Musgraves und nichtzuletzt Robyn, welche mit „Honey“ ein fantastisches Comeback gefeiert hat. Ganz in deren Schatten hat bereits zu Jahresbeginn die Engländerin Rae Morris mit „Someone Out There“ ein kleines Popfeuerwerk gezündet, welches all jenen zu empfehlen ist, die sich an Popmusik erfreuen, welche entgegen der überwiegenden Mehrheit der Chartstürmer nicht frei von Substanz ist. Das Album wird mit „Push Me To My Limits“ behutsam eingeleitet, bevor „Reborn“ eine erste Kostprobe der bombastischen Produktion und Refrains liefert, welche auch den Rest der Songs dominieren. Dabei wirkt das Album keinesfalls wie beliebiger Pop-Plastik: die Songs sind gespickt mit cleveren Details (etwa den elektrisierenden Key Changes in „Do It“ und „Dip My Toe“) und Morris drückt mit ihrer ausdrucksstarken Stimme den Songs einen eigenen Stempel auf. Das Highlight folgt kurz vor Schluss: „Rose Garden“ – eine Hymne zur Hilflosigkeit bei Panikattacken – klingt wie Björk zu ihren besten Zeiten.

Anspieltipps: „Rose Garden“, „Reborn“


Allan Rayman – Harry Hard On
Grunge / Alternative R&B

Eines vorweg: was es mit diesem Albumtitel auf sich hat, können wir uns beim besten Willen nicht erklären… Allan Rayman wird es uns auch nicht verraten. Der Kanadier hat kein Interesse daran, sich oder seine Musik zu erklären und gilt als medienscheu. Entsprechend wird er wohl auch nicht auf den Jahresend-Listen der grossen Musikrezensenten landen. Dabei hätte er das durchaus verdient. Seit seiner ersten EP „Hotel Allan“ und dem Debutalbum „Roadhouse 01“ bearbeitet Allan Rayman eine eigenwillige Nische irgendwo zwischen Grunge und Alternative R&B, stets getragen von seiner kontrolliert rauen, fast kratzigen Stimme. Während das Debütalbum, ein Konzeptalbum über sein Alter Ego, noch deutlich seine R&B- und Hip-Hop-Wurzeln offenlegte, lässt Rayman auf „Harry Hard On“ nun ordentlich die Gitarren knallen. Opener „Peach“ begeistert mit dröhnendem Bass, die erste Single-Auskopplung „Rose“ als thematische Auseinandersetzung mit der dunklen Seite der eigenen Fangemeinde. Gerade wenn man beginnt, sich etwas zu wohl mit dem Sound Raymans zu fühlen, setzt er kurz vor Schluss mit dem organischen, mit Perkussion und Orgel ausstaffierten „Might Get Strange“ noch zu einen unerwarteten Leftturn an. Etwas irritierend schliesst er das Album mit einer alternativen Version von „Rose“ im akustischen Gewand ab – aber Rayman mag’s halt unkonventionell.

Anspieltipps: „Peach”, “Rose”


Kali Uchis – Isolation
Neo-Soul

Thundercat, DJ Dahi, Damon Albarn, Kevin Parker, Greg Kurstin und BadBadNotGood: der Blick auf die Credits von „Isolation“ verrät, dass sich für Kali Uchis‘ Debütalbum die angesagtesten Topproduzenten ein Stehdichein gaben. Hinzu kommen Gastauftritte von Hip-Hop-König Kendrick Lamar, den Gorillaz und R&B-Newcomerin Jorja Smith. Überdies flirtet die Kolumbianerin mit unterschiedlichsten Genres, was die Kategorisierung der Platte erfreulicherweise erschwert. Vom erotischen Bossa-Nova-Traum „Body Language“ über den Alternative R&B von „Miami“, Retro-Pop „Flight 22“, Vampir-Jazz „ Your Teeth In My Neck“ hin zur exzellenten Zuckerpop-Nummer „In My Dreams“ gelingt beinahe jedes Experiment. Ausgerechnet der einzige spanische Track, der Reggaeton-Flirt „Nuestro Planeta“, bringt die Stimmung nicht zum Kochen. Auch braucht Uchis (noch) keinen Waffenschein für ihre Stimme im Gegensatz zu Kollegin Jorja Smith, welche nach der 2-Minuten-Marke „Tyrant“ zum Leben erwachen lässt. Die Stärken Uchis liegen indes in der Kuration: Trotz Produzenten-, Gäste- und Genre-Vielfalt spinnt sie einen roten Faden, wodurch das Album zu keinem Zeitpunkt inkohärent wirkt und der Qualitätsanspruch während 15 (!) Tracks beeindruckend hoch gehalten wird. Klare Sache: „079“ zum Trotz liefert Kali Uchis mit „Isolation“ den Sommer-Soundtrack 2018.

Anspieltipps: „After The Storm”, “In My Dreams”


Everything Is Recorded – Everything Is Recorded by Richard Russell
Alternative R&B

Wer beim angesehenen Label XL Recordings unter Vertrag genommen wird, hat quasi Excalibur aus dem Stein gezogen. Die Aufgabe ist wahrlich keine leichte – wer dabei sein will, muss Strippenzieher Richard Russell überzeugen. Dieser führt seit 30 Jahren ein sorgfältig kuratiertes Roster und legt für seine Künstler/-innen gerne auch mal selber Hand an den Reglern an. 2018 trat er nun aus dem Schatten und legte ein eigenes Album vor, welches inspiriert wurde von unzähligen Stunden an Studioarbeit mit diversen Musikerinnen und Musikern. Dabei übernimmt Russell die Rolle des Regisseurs, seine Schützlinge jene der Schauspieler. Entstanden ist eine R&B/Electronica-Sammlung mit Afrobeat- und Hip-Hop-Einflüssen. Das Intro liefert eine erste Collage an Sounds, welche sich im Verlauf des Albums wiederfinden. „Mountains of Gold“ glänzt mit psychedelischem Groove, einem Grace Jones-Sample und Beiträgen von Sampha, Ibeyi, Wiki und Kamasi Washington(!). Auch das sinnliche, von Sampha und Syd getragene „Show Love“ überzeugt auf ganzer Linie. Trotz der grossen Kaliber, welche auf sich auf „Everything Is Recorded“ versammeln, sorgt ein gänzlich unbeschriebenes Blatt für den Höhepunkt: Infinite beeindruckt mit ergreifenden Vocals auf Neo-Soul-Ballade „Bloodshot Red Eyes“. Ob Russell nochmals ein ähnliches Projekt in Angriff nehmen wird, wird nur die Zukunft zeigen. Mit den neuen XL-Schützlingen sieht diese mehr als rosig aus.

Anspieltipps: „Bloodshot Red Eyes“, „Mountains of Gold“


Nina Kinert – Romantic
Chamber Pop / Dream Pop

Abschliessend noch eine Überraschung. Während Nina Kinert vor rund 10 Jahren noch zu einer jungen, vielversprechenden Generation neuer skandinavischer Songschreiberinnen gehörte, welchen man eine grosse Zukunft prophezeite, sieht 2018 alles anders aus. Nach dem im Jahr 2010 erschienenen Konzeptalbum „Red Leader Dream“ (und der fantastischen Leadsingle „Moonwalker“) fühlte sich Kinert gefangen in der Tretmühle der Musikindustrie und legte ihre Musikkarriere auf Eis. „On Ice“ lautete sodann der Titel ihres Comeback-Albums, welches 2015 erschien und sich als gehöriger Schuss in den Ofen entpuppte. Man hätte meinen können, der Schwedin bliebe nichts anderes übrig, als die Scherben ihrer Karriere aufzuwischen. Doch nicht so Kinert – dieses Jahr legte sie unerwartet ein neues Album vor, mit welchem sie in einem Paralleluniversum hätte den Schnee schmelzen und die Blumen erblühen lassen. Tatsache ist, dass auch „Romantic“ von Presse und Fans weitestgehend unbemerkt blieb. Dabei ist dieser Chamber-Pop-Tagtraum absolut hörenswert. Eingebettet in Piano, Flöten, Harfen und Gitarren besinnt sich Kinert auf ihre Stärken – ihr hervorragender Sinn für Melodie und ihre glasklare Stimme. Von „Love Is Just Stuff“ bis „On A Meadows Ledge“ gelingt ein himmlischer Lauf, welcher jeden Höllenhund besänftigen könnte; richtig gut wird’s auch wenn der Drumcomputer mitmischen darf, etwa im Duett mit Future Islands Frontmann Samuel T. Herring „Chapped Lips“ und dem Rausschmeisser „One Desire“. Captain, wir sind wieder auf Kurs!

Anspieltipps: „Chapped Lips“, „Oh What A Dream“


Die komplette Spotify-Liste mit allen Anspieltipps findet ihr hier:

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Gesellschaft

Der Klick in die falsche Richtung

Der Markt mit den Domains kann zu abenteuerlichen Links im Netz führen.

Bild: pixabay.com

Ein Klick auf ein sehr buntes Werbebild mit Fotos von zwei lachenden Kindern und ihren Eltern. Dazu der Text: «Iranians, we will never bomb your country / We ♥ You Iranians». Weiss und Blau, die Farben Israels. Grün und Weiss für den Iran. Dazu noch Rosa und Orange. Das Bild fällt sofort auf, weil es so einfach gemacht ist und die Farben nicht so recht zu einander passen wollen.
Bis vor Kurzem führte ein Klick darauf direkt auf eine Pornoseite. Na und? Schliesslich ist mehr als die Hälfte des Internets sexualisiert. Ein normaler Tag im verrückten Netz .Nicht ganz.

Zeitsprung ins Jahr 2012

Der Israelische Grafikdesigner Ronny Edry will ein Zeichen gegen den Hass setzten. Auslöser dafür ist der Konflikt zwischen Israel und dem Iran wegen dessen Atomprogramm. Viele Israelis fühlen sich bedroht. Die israelfeindliche Stimmung im Iran nimmt stark zu, befeuert vom damaligen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Ronny und seine Frau machen Fotos von sich und ihren Kindern. Damit entwerfen entwerfen sie bunte, fröhliche Poster, die sie bald darauf auf Facebook teilen. Auf der Internetseite Israelovesiran.com können Israelis und Iraner ihre eigenen Bilder für die Aktion einsenden. Der Aufruf wird international wahrgenommen (www.stern.de).

Die Dynamik des Internets

Genau dieses erste Bild von Ronny und seiner Familie findet sich heute auf der Seite www.info8.ch. Die ist laut eigenen Angaben ein «investigatives, unabhängiges Internetmedium aus dem Kanton Luzern, im Herzen der Schweiz». Betreiber ist der Luzerner Politiker und ehemalige Präsident der JSVP-Luzern, Anian Liebrand. Laut ihm ist «info8.ch» stillgelegt. Es seien auch nie Werbegelder geflossen. Das Banner sei wohl wegen eines Vortrags geschaltet worden, dessen Thema der Iran war. Man habe damals auf diese Aktion aufmerksam machen wollen.

Bunt und fröhlich: Das Banner (rechts) auf info8.ch.

Dieses eigentlich harmlose Bild verlinkt auf zwielichtige Erotik. Wieso? Die Antwort ist: das Internet gleicht einem Marktplatz. Domains, also die Namen und somit Adressen von Seiten, werden von zahllosen Firmen global gehandelt. Eine Domain ist – je nach Namen – für sehr wenig Geld zu haben. Auch der Name israelovesiran.com wurde gekauft und für einen anderen Zweck gebraucht.

Das Problem im freien Netz

An sich wäre dies kein Problem. Allerdings bleiben alte Links weiterhin intakt. Jeder Blog, jede Website, die bisher auf die «originiale» Seite von Israelovesiran.com verlinkt hat, tut das auch weiterhin. Vom Bild mit Kindergesichtern zum Porno. Nicht gerade passend. Das betrifft die, die eine eigene Seite betreiben und alle die einen Blog haben. Jeden geteilten Link auf Facebook.
Auch Anian Liebrand betont, dieses Beispiel zeige genau die Problematik des Netztes auf. Da könne irgendjemand eine Domain ändern. Wenn man diese Links nicht anpasse, verlinke man dann immer noch drauf.
Mittlerweile lässt sich die URL israelovesiran.com nicht mehr aufrufen. Gibt man sie heute im Browser ein, wird man neu auf eine andere Seite namens lokth.net. Die neue Seite ist weniger pikant bebildert. Wer allerdings kurz mit dem Google-Übersetzer spielt (oder Arabisch versteht), merkt, auch hier geht es am Ende wieder um das Eine.

Internet

Domains

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Gesellschaft

Alles beginnt mit einem Kinderwunsch

Alles beginnt mit einem Kinderwunsch- doch am Ende ist das Kindswohl entscheidend.

Bilder: Muriel Kilchenmann

Immer wieder wird über das Adoptionsrecht gesprochen und über Veränderungen debattiert. Aber wie verlief eine Adoption vor knapp einem halben Jahrhundert Jahren? Desirée und ihr mittlerweile verstorbener Mann haben vor 47 Jahren ein Kind adoptiert. Desirée erzählt.

Erzähl mir von eurer Entscheidung, ein Kind zu adoptieren.

Es stand schon früh fest, dass ich und mein Partner keine eigenen Kinder bekommen konnten. Wir wollten aber unbedingt ein Kind. So war für uns klar, dass wir ein Kind adoptieren möchten.

Was geschah bis zum ersten Treffen?

Zuerst haben wir uns beim entsprechenden Amt in Zürich angemeldet. Nach etwa zwei Jahren haben wir durch Zufall erfahren, dass unser Antrag beiseitegelegt wurde, da mein Mann katholisch und ich reformiert war. Das sah man im Jahr 1970 nicht gerne. Da es seinerzeit so war, dass auf ein Kind fünf Ehepaare fallen, dauerte die Adoption in unserem Fall viel länger. Das Amt hat unsere Akte schliesslich doch wieder hervorgeholt und dann hiess es plötzlich, dass wir unser Kind besuchen gehen können.

Was waren die Schritte bis zur Adoption?

Nach dem Treffen konnten wir entscheiden, ob wir Cyril adoptieren möchten. Wir fanden es gut. Wir haben Cyril so aufgenommen, als wäre er unser leiblicher Sohn. Es ist eigenartig, wir hatten beide keine Probleme damit. Damals war er bei Pflegeeltern untergebracht. Wir haben Cyril mit zwei Monaten kennengelernt. Wir, also vor allem ich, haben ihn jeden Tag besucht, gewickelt, gefüttert und so weiter, damit wir uns kennenlernen konnten. Als künftige Eltern wurden wir auf Herz und Nieren geprüft, ob wir fähig sind, ein Kind zu erziehen. Mein Mann und ich mussten viele schriftliche Fragen beantworten, und wir wurden ständig kontrolliert, bis die Adoption zustande gekommen ist. Nach etwa vier Monaten konnten wir unseren Sohn zu uns nach Hause holen. Es lief von Anfang an sehr gut, aber wir hatten zwischendurch auch harte Zeiten.

Sollten die Eltern bei einer Adoption ein gewisses Alter haben?

Wir waren damals seit fünf Jahren verheiratet. Ich war 32 Jahre alt und mein Mann 39 Jahre alt. Ein gewisses Alter ist sicher eine gute Voraussetzung. Aber meiner Meinung nach kann man auch mit 30 Jahren ein Kind adoptieren. Diese Adoption hatte uns nicht nur einen Sohn gebracht, sondern auch eine grosse Erfahrung.

Tinkjunior dankt Desirée für das Gespräch.


Adoption- noch ein Trend?

Die Adoptionsanfrage geht stark zurück zum Vergleich von den letzten Jahren- Schweizer adoptieren immer weniger.

Voraussetzungen für eine Adoption in der Schweiz:

  • Adoptionsinteressierte müssen mindestens 28 Jahre alt sein sowie 16 Jahre älter als das zu adoptierende Kind.
  • Ehegatten können nur gemeinschaftlich adoptieren.
  • Sie müssen seit mindestens drei Jahren einen gemeinsamen Haushalt führen. Geschwistern ist die gemeinschaftliche Adoption nicht erlaubt.
  • Gleichgeschlechtlichen Paaren ist in der Schweiz nur die Stiefkindadoption erlaubt.

Adoption

Adoptionsrecht

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Gesellschaft

Der nachhaltige Filmtipp – Minimalism

Sich auf das wirklich Wichtige fokussieren- muss man dafür alles andere loswerden?

Bild: zVg

Die heutige Gesellschaft ist ständig auf der Jagd. Auf der Jagd nach dem neuesten Smartphone, dem neuen Paar Nikes, dem grösseren Auto. Viel Zeit wird damit verbracht, Produkten nachzujagen, in der Hoffnung, dass sie zu einem glücklicheren Leben führen. Das Problem ist nur, wir ertrinken in unseren Besitztümern und streben trotzdem ständig nach mehr. Es entsteht ein Teufelskreis aus Arbeit und sinnlosem Konsum. Wie kann man es schaffen aus diesem Sog auszubrechen?

Stell dir ein Leben vor mit weniger Stress, weniger Ablenkung, weniger Gegenständen. Ein Leben mit mehr Leidenschaft, mehr Beziehungen, mehr Zeit für die wesentlichen Dinge im Leben. Die beiden Amerikaner Joshua Fields Millburn und Ryan Nicodemus haben sich von fast all ihrem Besitz getrennt, um ein einfacheres, minimalistisches Leben zu führen. Ihre Erfahrungen haben sie im Dokumentarfilm «Minimalism» festgehalten. Dieser wurde zurecht als bester Indiefilm 2016 ausgezeichnet.

Ungestilltes Verlangen

Die meisten Menschen haben eine Vorstellung davon oder glauben zu wissen, wie ihr Leben sein sollte und was sie glücklich macht. Geprägt werden wir alle durch Filme, Bücher und aus der Werbung, der wir uns nur schwer entziehen können. Die Werbeindustrie sorgt dafür, dass wir immer mehr wollen und das Verlangen nach mehr nie aufhört. Und der ganze Konsum ist nicht ohne verheerende Folgen, denn ein Amerikaner produziert durchschnittlich zwei Kilogramm Abfall pro Tag.

Weniger ist Mehr

«Minimalism» nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise zu Menschen, welche mit wenig Besitz und wenig Platz auskommen. Der Film inspiriert, sich von Dingen zu trennen, die man nicht braucht und herauszufinden, was das Leben wirklich bereichert. Ein starker und mutmachender Film, der lange nachhallt und uns daran erinnert, was wirklich wichtig ist. Denn weniger ist mehr.


Dieser Artikel wurde verfassung von Filme für die Erde.

Der Film kann als Video on Demand auf der Filmseite Minimalism angeschaut werden.

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