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Gesellschaft

Bis der Himmel leuchtet

Suchen bis es leuchtet. Sternschnuppen sind nur ganz kurz zu sehen.

Bilder: Michael Dette/youthmedia.eu

Es ist kalt und die Nacht ist klar. Ich sitze eingehüllt in Wolldecken und mit einer Tasse Tee auf dem Balkon und lege den Kopf in den Nacken. Die Mission: Eine Sternschnuppe entdecken. Ich habe nämlich noch nie eine gesehen. Kein Zustand, in dem die Welt untergehen darf. Also sitze ich da und starre in den Nachthimmel. Was ich sehe sind jedoch keine kleinen weiss-leuchtenden Punkte. Ich sehe nur eine grosse gelb-orangene Fläche. Die Beleuchtung der Stadt Basel. Kein Sternenhimmel, keine Sternschnuppen. Das war wohl nichts, ich muss raus aus der Stadt.

 

Graue Streifen

Ein paar Tage später, es ist wieder Nacht. Ich bin jetzt auf dem Land, weit und breit sind keine Stadtlichter zu sehen. Also lege ich mich in eine Wiese, eingehüllt in Schlafsack und Decken, und schaue zum Himmel empor. Doch wieder sehe ich keine kleinen weiss-leuchtenden Punkte. Ich sehe nur graue Schleier. Wolken. Um eine Sternschnuppe sehen zu können, muss ich also eine klare Nacht ausserhalb der Städte erwischen. Ich gehe nach Hause und schaue den Wetterbericht an: übermorgen.

 

Ist da jemand?

Aller guten Dinge sind drei. Endlich ist der Himmel klar und ich bin nur umgeben von Kühen, Wald und Wiese. Tausende Sterne, weiss-leuchtende Punkte, umgeben mich. Ich lege mich gemütlich hin und lasse meinen Blick über das unendliche Sternenzelt schweifen. Wie schön. Ob es irgendwo da draussen wohl Leben gibt? Leben, das nach dem Weltuntergang am 21. Dezember weiterleben wird? Meine Gedanken treiben ab, die Augenlider werden immer schwerer und das Unglaubliche passiert: Ich schlafe ein.

 

Wünsch dir was

Minuten oder Stunden später schrecke ich auf, durchnässt und durchgefroren. Innerlich verabschiede ich mich von dem Gedanken, vor dem Weltuntergang noch eine Sternschnuppe zu sehen und packe meine Sachen zusammen. Etwas traurig gestimmt werfe ich einen letzten Blick zum Himmel. Doch – was ist das? War das nicht ein schnelles Licht, das über das schwarze Nichts wischte? Schnell presse ich meine Augen zusammen und wünsche mir das. Das darf man, hat man mir gesagt. Der Stern ist dann sozusagen für den Wunsch gestorben. Glücklich gehe ich nach Hause – ein weiterer Punkt auf meiner Löffelliste kann abgehakt werden.

 

 

Zur Serie


Dieser Artikel ist der neunte aus der Serie „Das Ende ist nah“. Einmal im Monat legt Tink.ch-Autorin Veronika Henschel hier Dinge nahe, die man unbedingt noch tun sollte, bevor die Welt am 21. Dezember (vielleicht) untergeht.

 

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