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Kultur

«Hauptsache ist, man empfindet etwas»

Das Publikum schaut und geniesst.

Bilder: Christof Kleger

5 Arten von Schülern, 5 Arten von Lehrern, der Eröffnungsfilm des Filmblocks der Kategorie C (U19), brachte einen zum Schmunzeln. Man war versucht, sich mit selber mit einer Schüler-Art zu identifizieren. Auch Regisseur Dominic Iseli hat sich geoutet: Er wäre einerseits der «coole» Schüler, andererseits aber auch der «professionelle».

Weiter ging es mit einem schaurigen Film. Besonders der Anfang bewegte sich qualitativ auf dem Niveau eines Horrorfilmes aus Hollywood. Im schauspielerischen Bereich konnte sich Céline Bourgeois beweisen. Mit Lift gelang Loïc Hobi ein Film von hoher Qualität, der auf einer guten Idee basiert. Gegenüber tink.ch verriet der Nachwuchsregisseur seine Zukunftspläne: Filmemachen. «Mein grösster Traum wäre es, an einer Filmschule in Paris zu studieren. Die Schweizer Jugendfilmtage haben mir einen super Einstieg in die Filmwelt ermöglicht», meinte Hobi motiviert.

Die anderen Spieler

In Mehr als 11 – Ein Blick hinter die Kulissen, einem Dokumentarfilm über den Fussballclub Basel, waren die Hauptpersonen nicht die Spieler selbst, sondern die «Spieler» hinter den Kulissen. Regisseur David Meury hatte eine klare Vision: «Das Ziel war eben nicht, Fussballfans von dem Dokumentarfilm zu überzeugen, sondern aussenstehenden Personen einen Blick in das Geschehen zu verleihen.»

Der nächste Regisseur, Samuel Zerbato, mag Dinge, die schwarz auf weiss stehen. Genau das Gleiche beim Film: schwarz-weiss. Mit The Blood Waltz schickt er uns zurück in die Vergangenheit. Seinen Film hatte er für die Maturarbeit gedreht. Er erhielt die Bestnote. Wenn das nicht Zeichen genug dafür wäre, dass er ein Jungtalent ist. Auch die Schauspielerin Sandra Zellweger war verblüfft, wie «begabt und geschickt» Zerbato ist.

Eigenartig und verwirrend schön

Ganz anders ist der Film von Arber Destani. Auf den Spuren meiner Muse ist ein auf den ersten Blick verwirrender Film, aber die unterschiedlichen schönen Bilder laden zum Träumen ein. Ein Kunstfilm, dessen Geschehen jeder anders interpretiert. «Es ist ein sehr persönlicher Film für mich. Er ist ziemlich surrealistisch und es ist wohl Geschmackssache, ob man ihn gut findet», so Destani.

Für Liebhaber von extrem eigenartigen Filmen ist jener des Regisseurs Birdjan Kadriov zu empfehlen. Solace (dt.: Trost) ist unbeschreiblich. Der Hauptdarsteller lehnt die Anschuldigung, er sei verrückt, ab. Nur weil er denke, dass sein Kühlschrank lebe und Gefühle habe, heisse dies noch lange nicht, dass er nicht mehr alle Tassen im Schrank habe, meint der Protagonist. Das Publikum hat nach dem Film sichtlich gemischte Gefühle, doch Birdjan Kadriov sagt: «Es spielt keine Rolle, was man während des Films empfindet, Hauptsache ist, man empfindet etwas.»

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Gesellschaft

Von der Idee zum Drehbuch

Drehbuchschreiben will gelernt sein.

Bilder: Anna Renner

Filmemachen ist mehr als eine Aneinanderreihung toller Bilder und spannender Dialoge. Dem Aufbau, der zielführenden Handlung und der Umsetzung der Themen liegt eine Logik zugrunde, die gelernt sein will. Im Workshop Von der Idee zum Drehbuch lehrt der Drehbuchautor Ken Zumstein, wie Ideen strukturiert in Form eines Drehbuchs zum Ausdruck kommen.

Mathe oder Film?

Die Notiztafel neben Kursleiter Ken erinnert eher an eine Mathestunde zu Funktionsgraphen, als an die Sammlung kreativer Ideen. «Ein klassischer Langspielfilm dauert etwa 1.5 Stunden und ist in drei Akte eingeteilt. Akt 1, auch Expositionsphase genannt, dauert gut zehn Minuten, strebt eine Steigerung an und führt die Zuschauenden in das Geschehen ein», erklärt Ken.

Wichtige Figuren

«Die Produzenten lesen meist nur die wichtigsten Punkte, die in einem dramatischen Drehbuch vorgegeben sind: Exposition, Konfrontation und Auflösung», sagt Ken. Er versuche daher, diese Punkte zu Beginn jedes Entstehungsprozesses jeweils durchzudenken. Dies klingt nach einem starren, einengenden Gerüst. Doch im Verlauf der Arbeit, durch eigene Einfälle und Ansprüche von Produzenten und Regisseuren würden sich die Höhe- und Wendepunkte der Geschichte immer wieder verändern. Dass die Wendepunkte stimmen, sei nur ein Teil, wie Ken meint. «Fast am wichtigsten ist, dass die Figuren spannend sind.»

Spass am Schreiben

Die Kreativität ist denn auch kein grosses Problem für Ken und seine Kursteilnehmenden. «Ideen habe ich immer» und «Ich habe eine geflügelte Fantasie», lauten die Antworten auf die Frage nach kreativen Phasen. Guy, einer der Teilnehmer, hat jeweils eine bestimmte Figur, eine Szene im Kopf, um die er dann eine Geschichte zu spinnen versucht. Eine andere Teilnehmerin, Lola, möchte ihre eigene Geschichte auf die Leinwand bringen: «Mehr für mich, als Verarbeitung meiner Erlebnisse» Überhaupt steht bei den Teilnehmenden das eigene Ausprobieren, die Freude am Geschichten Schreiben, der Spass am Filmen im Vordergrund. «Natürlich wäre es schön, einmal ein grosses Projekt mit einer wichtigen Botschaft zu realisieren», meint Guy. Dies verlangte aber mehr Energie und Zeit, und bis dahin versteht er das Filmemachen als spannende und kreative Beschäftigung neben dem «vernünftigen» Naturwissenschaftsstudium.

Auf den Grund gekommen

Ken selber sagt von sich, er habe schon immer geschrieben, sei jedoch «nie richtig an die Menschen rangekommen». So begann er, eigene Figuren zu erfinden – und kam zum Drehbuchschreiben. «Durch diese fiktionalen Geschichten kann ich den Menschen und Geschehnissen erst richtig auf den Grund gehen.» In Ateliers wie diesem möchte er seine Erfahrung nun weitergeben und interessierten jugendlichen Filmemachern eine erste Übersicht über das Drehbuchschreiben vermitteln.

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Gesellschaft

Kleine grosse Talente

Der springende Panther

Bilder: Christof Kleger

Die Preise des Festivals sind vergeben. 1000 Franken und natürlich den springenden Panther – die Trophäe im neuen Design – dürfen die Gewinnerinnen und Gewinner mit nach Hause nehmen. Samuel Morris hat mit seinem Kurzspielfilm Doug & Walter die Kategorie D (20-25 Jährige, die Filme ausserhalb eines Ausbildungsrahmens realisiert haben)gewonnen. Doug & Walter ist ein Film über zwei Männer, die nochmals richtig Gas geben wollen. Der Amerikaner Doug leidet unter einem Burnout und wurde kürzlich entlassen. Zusammen mit seinem ehemaligen Arbeitskollegen Walter macht er die Schweizer Landstrassen unsicher. Sie rutschen von einem Abenteuer ins nächste, bis der Film eine dramatische Wendung nimmt. «Für mich ist dieser Preis eine Bestätigung dafür, dass ich und die gesamte Crew gut gearbeitet haben,» sagt Morris gegenüber tink.ch. Er freue sich umso mehr, weil er dieses Gefühl der Freude mit seinem Team teilen könne.

Angeknüpft

Mit seinem ersten Film, 14, gewann Samuel Morris 2011 bereits den zweiten Platz. «Als ich gemerkt habe, dass mir das Filmemachen nicht nur Spass macht, sondern auch auf Resonanz stösst, habe ich weitergemacht.» 2013 schaffte er es mit seiner Kurzdokumentation Schritt für Schritt auf den ersten Platz. An diesen Erfolg knüpfte Samuel an und stellte vor drei Jahren der Produktionsfirma Filmgerberei sein Drehbuch für den Film Doug & Walter vor. Der Filmgerberei gefiel das Drehbuch und man nahm das Projekt gemeinsam in die Hand. Die Produktionsfirma half Samuel unter anderem, die passenden Schauspieler und Schauspielerinnen zu finden.

Filme als Momentaufnahmen

Der Film ist Samuels Leidenschaft. Die Verbindung zwischen Musik, Bild und einer Geschichte gefällt ihm. «Filme vermitteln Gefühle und geben eine Stimmung wieder.» Sie sind für Samuel «Momentaufnahmen der Gesellschaft». In seinen Filmen ist das ersichtlich, denn er geht den Gefühlen der Menschen auf den Grund, er sieht genau hin.

Ohne Preis

Neben den glücklichen Gewinnerinnen und Gewinnern gibt es viele junge FilmemacherInnen, die ohne Preis nach Hause gehen. «Wichtig ist, dass die jungen Talente dranbleiben und die Freude nicht verlieren,» sagt Festivalleiterin Selina Wenger. Das Filmbusiness sei ein steiniger und langer Weg, ergänzt Festivalleiterin Laura Walde. So habe zum Bespiel Kaya Inan, der Gewinner des Schweizer Filmpreises für den besten Schnitt 2016, als Jugendlicher immer wieder Filme an den Jugendfilmtagen eingereicht und sei nie aufgenommen worden. «Heute ist er wahnsinnig erfolgreich.» Laura und Selina geben den Preislosen mit auf den Weg: «Benutzt den Film als Medium, Geschichten zu erzählen, die euch bewegen. Von unserer Seite gilt grosser Respekt für alle, die überhaupt einen Film machen und diesen einreichen.»

 

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Gesellschaft

Animation wie anno dazumal

Farbenfrohe Szene aus "Le poisson arc-en-ciel" (Iran, 1998)

Bilder: zVg

Die Kinder im Publikum warten gespannt auf den Beginn der Vorstellung. Doch bevor es losgeht, stellen die Veranstalterinnen noch kurz ihr Projekt vor. In Kooperation mit dem Lausanner Festival Cinéma Jeune Public präsentiert das Jugendfilmfestival neun Trickfilme, von denen jeder mit einer anderen Animationstechnik hergestellt wurde. Es geht darum zu zeigen, dass Animation weit mehr sein kann als rein digitale Computerkunst.

Eine Katze aus Sand

Im Saal wird es dunkel und der erste Film beginnt. Von der Leinwand starren den Zuschauern zwei riesige blaue Katzenaugen entgegen. Sie gehören der magischen Chamäleonkatze, die zusammen mit dem Hirtenjungen Hansi einen bösen Fürsten besiegen muss. Für diesen Film aus dem Jahre 1975 haben die Regisseure Gisèle und Ernest Ansorge eine ganz besondere Technik verwendet. Sie zeichneten ihre Figuren mithilfe von Sand auf den bunten Hintergrund.

Knetgummi, Stoff und mehr

Auch andere aussergewöhnliche Techniken sind im Programm zu sehen. Im Film Gumbasia aus dem Jahre 1955 formieren sich immer neue Landschaften aus rosarotem Knetgummi. In Chemin Faisant entsteht mit Hilfe grober Pinselstriche eine melancholische Herbstlandschaft. In Le poisson arc-en-ciel erzählt die iranische Regisseurin Farkhondeh Torabi die allseits beliebte Geschichte vom Regenbogenfisch mithilfe von Stoffresten. Ein langer Reissverschluss dient dabei als Maul eines gefährlichen Raubfisches, der versucht den Regenbogenfisch zu fressen.

 

"Les Kiriki - Acrobats Japonais" (Frankreich, 1907) überzeugt auch heute noch mit seinenbeeindruckenden Spezialeffekten.
„Les Kiriki – Acrobats Japonais“ (Frankreich, 1907) überzeugt auch heute noch mit seinen beeindruckenden Spezialeffekten.

Hundert Jahre und immer noch top

Ein Highlight der Veranstaltung ist der Kurzfilm Les Kiriki – Acrobats Japonais des Filmpioniers Segundo de Chomón. Eine Gruppe Akrobaten führt in diesem frühen Film von 1907 waghalsige Kunststücke vor. Die Spezialeffekte wirken auch nach über hundert Jahren noch beeindruckend.

Doch nicht nur alte Filme sind im Programm zu sehen. Gezeigt werden auch neuere Filme von Schweizer Filmschaffenden. Ganz lustig ist der Film Punkt & Striche von Jesus Pérez, in dem ein Strichmännchen und ein Strichfrauchen versuchen, sich gegenseitig auszuradieren. Der Film kombiniert gekonnt Animation und reale Elemente und zeigt, dass die Trickfilmkunst bis heute lebendig ist.

Auf den Geschmack gekommen

Den vorwiegend jungen Gästen scheint das Programm zu gefallen. Fasziniert beobachten sie die Geschehnisse auf der Leinwand. Am Schluss gibt es für alle noch einen Snack und ein kleines Geschenk. Stolz zeigt mir eine Gruppe Kinder ihre Instant Tattoos mit dem Festivallogo. Wer weiss, vielleicht sind einige von ihnen heute inspiriert worden und werden in ein paar Jahren selber einen Film am Jugendfilmfestival präsentieren.


Das Partnerfestival Cinéma Jeune Public in Lausanne findet ihr unter: http://www.festivalcinemajeunepublic.ch

Den über hundert Jahre alten Film mit den Akrobaten könnt ihr euch hier anschauen: http://cinema.arte.tv/de/die-kiriki-japanische-akrobaten

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