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Gesellschaft

Wenn Kinder über Trump, Flüchtlinge und Anschläge schreiben

Sofiya Miroshnyk von Tink.ch führt die Kinder und Jugendliche in die Welt der Interviews ein.

Bilder: Mélanie Baierlé

Wir von tink.ch erwarteten Themen wie Freizeit und Freundschaft, aber unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Workshop «Journalismus» erstaunten uns mit ihrem Wissen über und Interesse an aktuellen Themen. Die 10- bis 14-jährigen Kinder und Jugendliche gingen auf die berner Strassen und befragten Passanten zu brisanten Themen. Hier können Sie eine Auswahl der Interviews unserer «Cooltourer» lesen.

Hanna und Josephine befragten die Passanten über die Flüchtlingsthematik.

Andreas Müller über Flüchtlinge. (Bild: Sofiya Miroshnyk)
Wie heissen Sie?

Andreas Müller

Was denken Sie über Flüchtlinge?

Flüchtlinge sind Menschen, die aus irgendeinem Grund nicht in ihrem Land bleiben können.

Würden Sie die Flüchtlingshilfe in Lesbos unterstützen?

Ja, ich würde sehr gerne dort helfen.

Wenn ein Flüchtling bei ihnen klingeln würde, was würden Sie tun? Was würden Sie empfinden?

Ich würde den Flüchtling fragen was er will. Ich empfinde dabei Freude, weil ich jemanden helfen kann.

Was denken Sie darüber, dass wir Kinder uns damit befassen?

Es ist ein aktuelles Thema und sollte jeden interessieren.

Randi und unsere Reporterinnen in der Aarbergergasse in Bern. (Bild: Sofiya Miroshnyk)
Wie heissen Sie?

Randi, und ich komme aus Norwegen.

Was denken Sie über Flüchtlinge?

Es ist sehr schade, dass Flüchtlinge flüchten müssen. Ich wünsche mir, dass die Flüchtlinge hier ein gutes Zuhause finden.

Würden Sie der Flüchtlingshilfe in Lesbos unterstützen?

Ja, ich würde gerne helfen.

Wenn ein Flüchtling bei ihnen klingeln würde, was würden Sie tun? Was würden Sie empfinden?

Ich würde ihm helfen, doch ich hätte ein bisschen Angst.

Jessi, Cheyenne und Alice wollten wissen, wie die aktuellen Anschläge wahrgenommen werden.

Was meinen Lena und Lea zu den Anschlägen? (Bild: Mélanie Baierlé)
Wie heissen Sie?

Lena und Lea.

Verbinden Sie die Anschläge direkt mit dem IS?

Nein, ich finde es gefährlich, wenn man alles direkt als Terroranschlag bezeichnet, denn das bestärkt einen bestimmten Diskurs, obwohl es vielleicht gar nicht der Wahrheit entspricht.

Was denken Sie will der IS oder andere Organisationen mit den Anschlägen erreichen?

Es ist alles viel komplizierter als wie es in den Medien und in der Gesellschaft dargestellt wird. Es gibt auch Einzeltäter, die einfach sonst Probleme in ihrem Leben haben oder die sich dem IS bekennen, ohne wirklich Teil davon zu sein. Der IS ist keine klar definierte Organisation, aber vor allem darf man die Gründe nicht vergessen, welche solche Organisationen entstehen lassen.

Was wären diese Gründe?

Der IS entstand nicht einfach aus dem Nichts, sondern es geht um Probleme, die es schon seit Jahrzehnten oder länger gibt. Es gibt viel Frustration und in diesen Ländern werden Minderheiten schon lange diskriminiert. Da entsteht einfach Radikalisierung. Ich glaube, oft haben sie gar kein richtiges Ziel, sondern sie profitieren vom Chaos. Die meisten Anschläge passieren ja nicht bei uns. Sie wollen damit einfach das ganze System destabilisieren. IS ist nicht die einzige Organisation mit solchen Zielen. Es geht aber immer um dieselben Probleme. Die Welt funktioniert auf eine Art und Weise, welche so etwas entstehen lässt.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie daran denken?

Klar: es macht einem Angst, denn sie machen keinen Unterschied zwischen den Verantwortlichen ihrer Probleme und unschuldigen Menschen.

Wie viele Anschläge gab es weltweit 2016?

Es kommt darauf an, wie man Anschläge definiert. Man könnte auch jede Bombe in Syrien als Anschlag bezeichnen.

Reisen Sie wegen den Anschlägen weniger herum?

– Ich schon ja, wegen der politischen Lage werde ich nicht nach Istanbul reisen.

– Nein eigentlich nicht, ich reise weiterhin herum. Ich glaube, es kann überall etwas passieren.

Anna, Nairah, Rafaela und Basil hörten sich Meinungen über Donald Trump an.

Trump oder Hillary? (Bild: Mélanie Baierlé)
Donald Trump oder Hillary Clinton: wen würden Sie wählen?

Ich würde Clinton wählen, weil Trump zu konservativ ist.

Wenn Donald Trump gewählt würde, was würde passieren?

Ich glaube, es wäre sehr schlecht fürs Land.

Was finden Sie schlecht an Donald Trump?

Trump finde ich sehr schlecht in Bezug auf die Aussenpolitik. Er ist für militärische Angriffe, das finde ich sehr problematisch. Im Moment sagt er, dass er die Armen unterstützt, aber ich glaube, mit der Zeit wird er sie vergessen.

Was finden Sie gut an Hillary Clinton?

Ich glaube, sie hat sehr gute Ideen für den Mittelstand. Sie hat einen guten Blick fürs Wesentlichste. Allein schon durch die Erfahrung, welche ihr Mann Bill Clinton gemacht hat, kennt sie sich mit Politik gut aus.

Was denken Sie, steckt hinter Donald Trumps Erfolg?

Er macht sehr viel Werbung und trifft im Moment den Nerv der Armen.

Was möchte Donald Trump eigentlich erreichen?

Er will die Gesamtbevölkerung erreichen und sie umpolen. Er möchte zurück auf die alte Schiene.

Kinder

cooltour

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Gesellschaft

«Sei Picasso, sei du selbst»

Bild: Ice Simon Graf, Ice Simon Graf

Tink.ch: In euren Liedern besingt ihr wiederholt die Freiheit. Was bedeutet Freiheit? Wann fühlt ihr euch frei?

Silvan: Obwohl wir in der Schweiz aufwachsen und eigentlich alles haben, uns also frei entfalten können, kritisieren unsere Texte ebendiese vermeintliche Freiheit. Schau die Welt von oben an, aber male auch die Ruinen an, singe ich. Male sie an mit dem, was du hast! Und Wellensurfen, das ist auch Freiheit.

 

Freiheit ist immer dann, wenn man seinem Instinkt folgt und sich nicht zu viel dabei überlegt.

Beim Wellenreiten muss du spüren, wie das Wasser dich mitreisst, genau das passiert auch bei Musik. Solche Gedankenblitze beim Songschreiben gibt es aber leider viel zu selten.

Tink.ch: Wer oder was schränkt eure Freiheit ein?

Silvan: Die Bussen und Strafbefehle, die an unserem Bandbus kleben. Ich muss dann immer Briefe an die Polizei schreiben. (Samuel lacht argwöhnisch)

 

Tink.ch: Silvan, du singst «schau dir die Welt von oben an», wie sieht St. Gallen von oben aus?

Silvan: Wunderschön! Wir hätten nicht gedacht, dass so viele Menschen kommen und vor allem, dass sie so euphorisch sind. Ich habe es vorhin noch nicht so realisiert und muss zu Hause unbedingt die Videos schauen, damit ich diesen Tag verdauen kann.

Tink.ch: Ein weiteres Zitat, «den Koffer voller Träume»: was steckt bei euch im Koffer, nachdem ihr die grosse OpenAir Bühne erobert habt?

Silvan: Wir wollen uns vor allem immer wieder neu erfinden. Wobei es in diesem Song nicht um uns, sondern ums Kollektiv geht, er soll uns alle vereinen, wie ein Lagerfeuer. Ich weiss aber nicht, ob mir das Vereinen auf der Bühne so gut gelungen ist. (Neigt den Kopf zur Seite und zieht die Augenbrauen hoch)

Tink.ch: Es sah aber ganz danach aus.  Im Lied «In Richtung Norden» singt ihr «es kommt wie es kommt». Glaubt ihr an das Schicksal? Oder an den Determinismus?

Silvan: Spannende Frage. Es gibt Phasen, da fliegt mir alles zu. Ich glaube daran, dass man mit offenen Armen durchs Leben gehen sollte, dann fliegt einem auch mal was zu.

(Blickt zu Samuel rüber) Und du?
Samuel: Ich sehe das ähnlich. Wenn sich Optionen fast aufdrängen, weil sie so offensichtlich logisch sind, dann sollte man seinem Instinkt folgen und diese wahrnehmen.

Tink.ch: Weil sie logisch sind, oder des Instinkts wegen?

Samuel: (überlegt)

Silvan: Wahrscheinlich macht´s die Kombination.

Samuel: Wobei es nicht immer logisch sein muss.

Silvan: Stimmt, die Tatsache, dass ich mein Medienwissenschaftsstudium abgebrochen habe, hatte wenig mit Logik am Hut. Naja, von uns glaubt jedenfalls keiner so richtig ans Schicksal. Wobei, ich geh nächstes Semester ins Yoga, vielleicht werde ich doch noch zum Esoteriker. (Fährt mit väterlicher Stimme fort…) Alles ist vorbestimmt, die Energie fliesst.. (…und fängt mitten im Satz zu lachen an)

Tink.ch: Noch ein Liedzitat: Sei Picasso, sei du selbst. In der heutigen Welt von Instagram und co. scheint das gar nicht so einfach. Was haltet ihr von den «sozialen» Medien?

Silvan: Zuerst möchte ich aufs Zitat eingehen. Das sind genau die Gedankenblitze, von denen ich eben gesprochen habe.

Die Band aus Rorschach.

Zuerst schreibst du. Im Nachhinein erkennst du die Bedeutung der Worte.

Zuerst sag ich «sei das!» und dann «sei du selbst», genau das beschreibt für mich soziale Medien. Wobei ich soziale Netzwerke eigentlich ganz cool finde.

Tink.ch: Und wie wird man denn überhaupt zu dem, der man ist?

Silvan: Das weiss ich bis jetzt noch nicht.

Samuel: Das ist man einfach.

Silvan: Heute war ich einen Moment lang ich selbst. Auf der Bühne.

Tink.ch: «Ich arbeite hart, ein Leben nur fürs Geld» und dann fragt ihr, wo denn die Träume geblieben sind. Aber ganz ehrlich, Geld braucht es doch, um Träume zu erfüllen?

Da bewege ich mich als Student, der von seinen Eltern abhängig ist, auf sehr dünnem Eis. Hier will ich dennoch etwas ansprechen, das mir oft auffällt:

Es ist manchmal besser, seinem Instinkt zu folgen, als eine Dritte Säule einzurichten.

Tink.ch: Eure Songinhalte sind teilweise widersprüchlich. Von «ich hab den Koffer voller Träume» zu «ich hasse diese Träume», was denn nun?

Silvan: Das ist Absicht. Der Song «Jung» ist zweitgeteilt. In Jung 1 lautet die Message: Ey, lebe deinen Traum. In Jung 2 relativiere ich alles wieder. Hier spiele ich auf soziale Medien an und stelle fest:

Das alles ist inszeniert, die ganze Träumerei.

Den Traum willst du nur, damit du ihn auf Facebook posten kannst. Das ist nicht real! Leider gibt es Menschen, die bei Teil 1 hängenbleiben. Wir empfehlen beide zu hören.

Tink.ch: Wie sieht für euch die perfekte Welt aus?

Samuel: Gerade jetzt ist alles perfekt.
Silvan: Was die Band angeht, läuft alles super. Doch wenn ich mir die aktuelle politische Lage ansehe, vor allem all die Kriegsinszenierungen – Russland, NATO – finde ich es sehr (zögert) schade. Dass so viele Menschen umgebracht werden, macht mich manchmal fertig, die Welt ist keineswegs perfekt. Doch für unsere Band ist sie es in diesem Moment.


 

 [AM2]http://www.srf.ch/radio-srf-3/festival-player/openair-st-gallen-panda-lux-machen-den-islaendischen-haka

pandalux

st.gallen

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Gesellschaft

Wer ist Cyrill Pürro?

Cyrill Puerro

Bilder: Anne-Lea Berger

Eigentlich wollte er nur seine Freizeit sinnvoller gestalten und dem Traum vom Journalistendasein etwas näherkommen. Im Zuge einer Recherche hat er sich dann aber mächtig verlaufen. Das war an der diesjährigen Eventreportage der Jugendsession. «Ich habe Passanten nach dem Weg gefragt. Leider hatten sie keine Ahnung von der Stadt Bern», sagt der 17-jährige Schüler Cyrill Pürro.

In der Schule beschäftigt sich Cyrill am liebsten mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts. In seinem blaukarierten Hemd wirkt er, obschon grossgewachsen, noch nicht ganz angekommen. Das selbe Kleidungsstück hatte er an der Jugendsession liegengelassen, als er sich nach einer viertägigen Eventreportage von allen verabschiedet hatte. Er bewundert den Ehrgeiz von J.K. Rowling. Doch wenn man sich seine Projekte anschaut, scheint er ihr dicht auf den Fersen zu sein. Wenn er nicht für Tink.ch schreibt, verfasst er Fantasygeschichten und arbeitet an seiner Abschlussarbeit, einer Schülerzeitung. «Platz für einen Artikel über Tink.ch ist darin schon reserviert.» Nebenbei posaunt Cyrill  in einer Guggenmusik, fährt Fahrrad und geht gerne an Partys. Er kann sich nicht mehr erinnern, worum es im ersten von ihm gelesenen Artikel auf Tink.ch ging. Doch er weiss, dass er nach dem Lesen überzeugt davon war, bei Tink.ch mitmachen zu wollen. Er hat erwartet, dass der Verein straffer organisiert sei, ist aber froh darum, dass dem nicht so ist. Sein Ziel ist es, erfolgreich im Journalismus Fuss zu fassen. Dabei will er objektiv, kritisch, unbestechlich und vor allem fair bleiben. Mag sein, dass er sich auf dem Weg dorthin noch ein paarmal verlaufen wird. Zum Workshop hat Cyrill dann doch noch gefunden. Und er war sogar zu früh.

10Jahre

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Wer ist Annina Häusli?

Annina Häusli

Bilder: Anne-Lea Berger

Ihr erster Einsatz für Tink.ch ging unter die Haut. In der Blindenhundeschule Allschwil (BL) wurde Annina Häusli (23) brutal von jungen Welpen angegriffen und an der Wade gebissen. Das war vor zwei Jahren. Doch alleine die Tatsache, dass sie bis heute nicht ausgestiegen ist beweist, dass bei Tink gute Arbeit geleistet wird. Tink hat ihr dabei geholfen, sich definitiv für den Journalismus zu entscheiden. Für die Zukunft hat Annina bereits einen Plan: sich von Praktikum zu Praktikum zu hangeln, bis sie eine Festanstellung gefunden hat.

Mit ihrem Lieblingssatz wird sie bei ihrem Praktikum regelmässig konfrontiert: «Wir können das momentan weder dementieren noch bestätigen.» So gehört bei der Berner Kantonspolizei. Und diese Rhetorik übernimmt sie auch gleich selbst, wenn eine Prognose über Tink in fünf Jahren geben soll: «Ich kann zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussage machen.»

Statt Sätze übers Papier jagt sie manchmal Bälle über den Tisch. Aber auch im Tischtennisclub kann sie die Finger nicht vom Schreiben lassen und verfasst für Tischtennisclub Burgdorf die Medienmitteilungen. Der Club profitiert von ihrer Erfahrung.

Nach ihrem Lieblingsautoren gefragt, erwähnt sie Terry Goodkind, den Verfasser einer zwölfteiligen Fantasy-Serie (Tendenz steigend), welcher ein Universum im Stile Tolkiens erschaffen hat — «nur ohne Orks». Vor fünf Jahren habe sie die Bücher verschlungen, inzwischen sei sie sich aber der Qualität nicht mehr so sicher: «Der Held ist zu perfekt, das stört mich heute.»

10Jahre

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