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Gesellschaft

So schwarz wie der Freitag

Bild: zVg

Schwarz ist die Luft, der Baum, das Wasser – wenn aus Übersee die Schiffe kommen, mit Containern voll Glück. Genug für alle da, Überfülle in Farben, Formen und Funktionen, abgestimmt auf dich, denn du, du bist individuell.

Schwarz ist die Moral, ist die Hoffnung, ist der Verstand – wenn Glück so greifbar nah wird. Ein leichtes zu erfüllen, in einer Welt von Einsen und Nullen ist die Verbindung zur Welt der fehlende Wimpernschlag.

Schwarz ist die Sehnsucht, der Wunsch, die Liebe – wenn du und ich durch dieses miteinander in Verbindung treten. Schrei vor Glück, denn Geiz ist geil. Nichts ist unmöglich und ich bin doch nicht blöd. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Schwarz bin ich, unergründlich, nicht verstanden, stumpf, befriedigt, satt und nie gesättigt.


Kolumne: Die Begegnung

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Gesellschaft

Die Relevanz des einzelnen Menschenlebens

Was ist das einzelne Menschenleben wert im Verlauf einer Erdgeschichte? Diese Frage holt einen ein – spätestens am Lebensende, wenn die Erinnerung langsam erlischt und man sich überlegt, was man eigentlich hinterlässt. Das Bedürfnis auch nach dem Tod zu wirken, einen relevanten Beitrag für die Menschheit geleistet zu haben und das krampfhafte Festhalten an Fähigkeiten und Wissen, die man sich über Jahrzehnte angeeignet hat, sind Themen, die das Werk von Max Frisch zeitlos machen.

Herr Geiser, ein 73-jähriger Rentner aus Basel, verwitwet, wohnhaft in einem Tal im Tessin, erlebt einen nicht enden wollenden Regenfall. Er schaut aus dem Fenster, schneidet wissenswerte Passagen aus einer Enzyklopädie und heftet diese an die Wand. Hin und wieder getraut er sich aus dem Haus ins Dorf oder unternimmt eine Wanderung, bekommt kurze Gesellschaft von einem Nachbarn, einer Katze und einem Lurch, sowie zuletzt von der Tochter. Erinnerungen an seine Familie, Gedanken über das Tal und den Alltag, Kalkulationen zu seinem Essensvorrat beschäftigen ihn. Max Frisch thematisiert den Sinn des Lebens und die Auseinandersetzung mit dem Tod über Motive der Banalität, Monotonie und Einsamkeit, sodass die Zeit während der Lektüre still zu stehen scheint.

Dem Regisseur Thom Luz gelang es, alle Erwartungen an eine Inszenierung des Buches zu brechen und die vorgegebenen stilistischen Mittel Max Frischs – namentlich die Singularität oder Reduktion von Rollen, Räumen und Handlungssträngen – in ihrer expliziten Nichtverwendung zuzuspitzen.

Das Publikum erlebt eine atemberaubende Vielfalt an szenischer Darstellung: 13 Schauspielende und zwei Pianisten vertonen auf vier sich drehenden Klavieren die Ereignisse sprachlich als auch musikalisch, während das Spiel mit Licht und Dunkelheit auf einer Drehbühne die wirre Gedankenwelt des Protagonisten entfalten.

Eine traurige und gleichzeitig komödiantische Stimmung zieht sich durch das Stück; Dynamik in Sprache, Musik und Licht halten die Zuschauerinnen und Zuschauer in Atem. Klaviermusik untermalt die Ereignisse; mal dramatisch, mal verspielt, hier und da monoton oder dissonant, dort und hier mit italienischer Lebenslust, bis hin zu dramatischem Chorgesang. Immer schneller sprechende Stimmen, hastiges Erzählen, Vorlesen, Einprägen von Lexikoneinträgen, bis hin zu Angst, Aggression, Resignation und schliesslich Frieden, hinterlassen beim Publikum ein Gefühlschaos; zeigen die Absurdität und Irrelevanz des einzelnen Lebens und stellen Fragen nach dessen Sinn.

Was (auf der Bühne) bleibt, sind die Hinterbliebenen, während ein Netzvorhang nach dem anderen die einzelne Person, ihre Erinnerung, ihr Wirken und Leben nach und nach verschleiert und so verblassen lässt.


‹Der Mensch erscheint im Holozän› ist bis am 27. Dezember 2018 im Theater Basel zu sehen.

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Gesellschaft

Schöne heile Welt

Bild: Editors Choice

Ein roter Apfel – lockt aus deiner Herde, hinaus aus deiner Fläche.

Du – folgst in Vorfreude, in Vorahnung und Vertrauen.

Sie – die so gut zu dir waren, beschliessen wann du gehst.

Sie – die so gut zu dir waren, ihnen wirst du verzeihen und Erlösung geben.

Aus Respekt vor der Göttlichkeit in ihnen.

Aus Vertrauen, dass sie in Notwendigkeit und nur in Massen nehmen.

So süss. So saftig und frisch.

Die Hand auf der Stirn… sinkt streichelnd zart liebevoll zum Kiefer.

Ein Blick, Dank, Abschied.

Ein Schritt, ein Schuss; sinken zu Boden.

Ein Schnitt und der kalte sonnige Morgen – ertrinkt in rot.

Und der Frieden ist Aufgabe der Hinterbliebenen.


Kolumne: Die Begegnung

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Gesellschaft

Eine Wäscheklammer im Park

Mehmet Ali Uysal, ‹Mandalbuyuk›, 2010

Bild: mmarsupilami

Da steht sie:  So absurd wie ihr Antlitz, so absurd ist auch all jenes, das sie symbolisiert.  Ihre Form und ihre Funktion, bis ins Detail aufeinander abgestimmt, bis ins Minimste reduziert. Sie – ein Erzeugnis aus Natur und Kultur, klammernd an ihrem Ursprung, tief in Schuld und Treue gegenüber ihrem Schöpfer.

Unübersehbar ist ihr Anmut, denn sie ist sich ihrer Funktion bewusst. Kerzengerade, stolz und stramm, mit eiserner Ausdauer, tut sie, wie ihr befohlen; hält sie, was sie verspricht. Ein wenig überheblich, denn ohne sie, was wären wir? Sie ist der Fortschritt, das Denken, das Streben und Erschaffen, das Ausfehlernlernen oder Reproduzieren, der Pragmatismus und die Koexistenz. Sie ist der Grössenwahn zu beherrschen, in Form zu bringen und zu kontrollieren. Sie ist die Liebe zum Detail, die pure Existenz.

Sie, sie ist, wie wir –  einfach hier, stetig im Dienste, stetig auf der Suche nach dem Sinn desselben. Und ist die Verbundenheit noch so klar, stehen ihre Wurzeln doch im Hintergrund. Und doch ist die Abwandlung so gross, dass sie sich als etwas Eigenes definiert.

Und unter ihr ein Riese, dessen Nasenlöcher sie hält – eine Schildkröte, auf dessen Rücken der Elefant die Erde trägt.


Kolumne: Die Begegnung

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