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«Eine Provokation könnte die Versöhnungsprozesse erschüttern»

Die Vergangenheit jagt uns immer. Einigen mehr als anderen, wie das albanische (historische und persönliche) Gedächtnis. Im Zuge der Kontroverse während der Weltmeisterschaft hat der Sekretär des Schweizerischen Fussballverbandes, Alex Miescher, erklärt, dass man die doppelte Staatsbürgerschaft für die Spitzensportler verboten sollte. Nationalität. Nationalismus. Nation. Der Wortschatz steht gerade auf dem Spiel. Die Versöhnung (vor allem aus Europa auf den juristische Ebene gefahren, wie zum Beispiel der Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien, geschlossen in 2017, oder das Eulex-Programm) ist schon seit Jahren auf den Weg; aber welche Erinnerung an den Krieg im Kosovo bleibt? Wir haben versucht, eine Bilanz der Situation mit Cecile Blaser, Doktorandin an den Europastudien Departement der Universität Freiburg, zu ziehen, die derzeit den Begriff der Versöhnung in dieser Region in Vergleich zu dem Bespiel der deutsch-französischen Jugendwerks studiert.

Warum war Shaqiris Geste eine Beleidigung für das serbische Team?

Es handelt sich dabei um eine nationalistische Geste. Shaqiri, Xhaka und Lichtsteiner haben den Doppeladler gezeigt, welcher das Wappentier der Albaner und somit auch der Kosovoalbaner ist. Aufgrund des Konfliktes zwischen Serbien und Kosovo – wobei auch ein Teil von Kosovo von Serben und ein Teil von Serbien von einer albanischen Minderheit bevölkert ist – führt jede provokative Geste zu einer möglichen Eskalation/Erwärmung der noch nicht gelösten politischen, ethnischen und nationalistischen Auseinandersetzung. Insofern und aus Sicht der Serben, war die Geste der schweizerischen Nationalspieler eine nicht hinnehmbare Provokation, die auf einem Fussballplatz nichts zu suchen hat. Dass die schweizerisch-kosovarischen Nationalspieler, die traditionell sehr stark mit dem Kosovo verbunden sind, in einem Moment der Entspannung und des Triumphes diese Geste zeigen, ist zwar nachvollziehen, gerade wenn man sich der starken albanischen Kultur und des Stolzes bewusst ist. Die Geste ist dennoch zu verurteilen, unter anderem auch, da in der Schweizer Nationalmannschaft sowie in der Schweizer Bevölkerung und somit unter den Fans der Schweizer Nationalmannschaft einige Menschen mit serbischem Hintergrund sind. Die Schweiz steht nicht für den Kosovo, sondern für viel mehr. Zudem ist daran zu erinnern, dass bereits 2014, bei einem Qualifikationsspiel zwischen Serbien und Albanien für die Europameisterschaft 2016, in der 42. Minute mit einer Drohne die albanische Flagge ins Fussballstadion in Belgrad geflogen wurde. Dies führte zu heftigen Protesten. Die Schweizer Nationalmannschaft sollte nicht als Plattform für diesen Konflikt missbraucht werden.

Sollte die internationale Gemeinschaft Identitätsgesten in Bezug auf eine Vergangenheit von Konflikten, Kriegen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verbieten?

Die Frage mag mit Ja beantwortet werden. Jedoch gilt es sich zu fragen, wer genau die „internationale Gemeinschaft “ ist. Wer soll das verbieten? Durch welche Instanz? Mit welchen Druckmitteln? Auf diese Fragen gibt es keine eindeutigen Antworten.

Welche Erinnerung an den Krieg im Kosovo steht heute in Europa?

Es hängt sehr von den jeweiligen Ländern ab. In der Schweiz ist der Kosovo-Konflikt mit der Einwanderung vieler Kosovoalbaner verbunden, deswegen ist die Schweiz der Geschichte der Unabhängigkeit Kosovos sehr nahe. Es sei dabei an die Vorreiterrolle von der ehemaligen EDA-Chefin Micheline Calmy-Rey zu erinnern. In Deutschland geht der Kosovo-Konflikt auf eine prägende Entscheidung der damaligen rot-grünen Regierung zurück, als die grüne, traditionell pazifistische Partei mit ihrem amtierenden Aussenminister Joschka Fischer den historischen Beschluss fasste, die Bombardierung serbischer Militärziele mit deutscher Beteiligung zu billigen. In anderen europäischen Ländern ist die Erinnerung an den Kosovo-Krieg weniger präsent im Vergleich zu den Jugoslavienkriegen der Jahre 1992-1995.

Welche Erinnerung an den Krieg im Kosovo steht heute in Kosovo, Serbien und Albanien?

Die Wunden sind weitgehend noch nicht geheilt. Serbien steht vor der Türe zur EU und Albanien wurde gleichzeitig mit Mazedonien vor einigen Wochen – anlässlich des EU-Gipfels unter bulgarischer Ratspräsidentschaft – als Beitrittskandidat von der EU aufgenommen. Das Hauptproblem liegt in der ungelösten und heiklen Frage eines Grossalbaniens, das nicht nur aus serbischer Sicht als nicht wünschenswert angesehen wird – ein Grossalbanien könnte die ohnehin sehr fragile Lage in dieser Region aus der Balance bringen.

In welchem Stadium ist die Versöhnung heute?

“Der politische Willen zu Versöhnungsprozessen mag zwar vorhanden sein, bleibt aber von vielen Komponenten und Ereignissen abhängig, wie beispielsweise nationalistische Provokationen, die das ohnehin sehr wacklige Gerüst dieser eben genannten Versöhnungsprozesse ins Wanken bringen können. Deswegen ist bei dieser Frage Vorsicht geboten, um nicht zu optimistische Rückschlüsse zu ziehen. » Das Eulex-Programm der EU beispielsweise war ein europäisches Programm, das dem neu ausgerufenen unabhängigen Staat Kosovo helfen sollte, eine Rechtsstaatlichkeit zu schaffen. “Ich möchte nicht zu viel zu Eulex sagen, da die EU-Kosovo-Mission gerade erst zu einem Ende kam und noch offen ist, was sie der Region tatsächlich gebracht hat”, sagt Cecile. “Eulex sollte als Garantie für einen rechtlichen Rahmen im Kosovo dienen, damit die Sicherheit der Bevölkerung und des Territoriums gewährleistet ist. Eulex war als Instrument, nicht als Endziel gedacht und sollte dem vorhandenen Frieden dienen und nicht als Modell für eine Friedenslösung.”

Was denkst du persönlich über das Gewissen des Konflikts?

Im Allgemeinen wird in Serbien und besonders im Kosovo die Geschichte des Konflikts in den Schulen nicht gelernt. Die Erinnerung daran wird von Generation zu Generation durch Familienbanden weitergegeben. Auch wenn in Europa immer wieder vergessen geht, dass nach 1945 nochmals sehr blutige Kriege auf unseren Kontinenten getobt haben, hat sich die die Forschung in den letzten fünf Jahren mehr und mehr den Jugoslawienkriegen angenommen. Mich überrascht aber immer wieder, wie wenig Wissen über die serbokroatische oder albanische Kultur und Vergangenheit in der Schweiz vorhanden ist, obwohl wir in unserem Alltag doch so stark mit Menschen aus dieser Region verbunden sind.

Ali Madad, citoyen d’un monde (dés)intégré

« Penses-tu t’être intégré ? » je demande à Ali Madad. « Qu’est-ce que signifie intégré ? » me répond-il. Sa question n’est pas due à une incompréhension linguistique. En seulement trois ans, Ali a appris le français mieux que moi qui le pratique depuis quatre. J’essaie de lui expliquer : « l’intégration est quand un individu s’insère dans une collectivité en s’adaptant à ses standard ». « Alors je ne suis pas intégré, parce que je n’ai pas changé ma religion ». Je souris. En effet, ma question était infondée, tout comme le concept d’intégration précédemment expliqué. Il s’agit encore une fois d’une connotation négative injustifiée. Une terminologie utilisée pour légitimer une idéologie stéréotypée, motivée par ce qui nous semble être étrange.

De l’Afghanistan au Pakistan

Ses yeux foncés et bridés rappellent l’Asie orientale, et pourtant Ali est afghan, même s’il est né et a grandi à Quetta (Pakistan). Cette caractéristique physionomique est typique de son peuple : les Hazara, dont les origines sont dites liées à Gengis Khan. Depuis des siècles leur héritage génétique et leur croyance religieuse – chiite plutôt que sunnite – représentent un prétexte pour les Talibans pour les persécuter, les torturer et les tuer. Voici pourquoi Ali a dû s’enfuir au Pakistan, où il n’a jamais trouvé d’abri. « Au Pakistan je vivais dans l’illégalité, je ne pouvais pas conduire, ni avoir une maison ou un travail ». Et comme si cela ne suffisait pas, il était aussi menacé par des gangs religieux. « A 16 ans j’ai donc décidé de partir ».

Du Pakistan jusqu’en Suisse

Sur son voyage nous n’allons pas nous arrêter. Il me raconte seulement qu’au moment du départ sa destination lui était inconnue. La volonté d’une meilleure vie a été sa boussole. « J’ai entendu parler de la Suisse en Turquie. Ils m’ont dit que j’allais trouver un travail et je serais accueilli à bras ouverts ». Ensorcelé par ces histoires, Ali est entré en Suisse en tant que mineur non accompagné. Au début, il a été hébergé dans le Foyer de Kruezlingen et ensuite transféré à Fribourg, où il vit à présent. Pendant une année il a suivi les cours d’intégration à l’EPAI de Fribourg. Il a appris le français, pratiqué un peu d’informatique et acquis quelques notions de mathématique. De plus, il vient d’obtenir le permis F (pour les étrangers admis provisoirement) et il est donc à la recherche d’un travail.

Ali apprécie beaucoup la Suisse. Il admet : « où j’ai grandi on ne peut pas parler en public avec des filles », une réponse qui ajoute une touche d’illégalité à notre interview. « Au Pakistan j’étais couturier, les habits que je portais je les cousais tout seul » me raconte-il.

Je suis étonnée. Je lui confis que « de mon côté, je n’arrive même pas à coudre un bouton ». Il trouve surprenant le fait de trouver les vêtements déjà tout prêts en Suisse « il faut seulement entrer dans un centre commercial et on y trouve tout ce qu’il nous faut ».

Cependant, il me clarifie que « ce n’est pas tout à fait comme ils m’avaient dit ». Son visage s’assombrit. « Quand j’attend le bus à côté du Foyer, souvent le conducteur n’ouvre pas les portes et une fois dans le bus les gens m’observent bizarrement ». En outre, « quand je marche dans la rue j’entends souvent crier depuis les voitures des choses qui sont mauvaises ». Pour cette raison, Ali a peur et il ne se sent pas à sa place et justifie sa présence en disant : « je suis venu ici, parce que dans mon pays j’aurais trouvé la mort ».

Pour conclure je demande à Ali ce qu’il répond aux personnes qui l’accusent d’être « entretenu et de ne rien faire ». « Un jour je redonnerai chaque chose, l’assistance on la repaye tous » est sa réponse. Je crois Ali, surtout quand, au moment de sortir du bar dans lequel nous nous sommes rencontrés, il prend timidement une petite chips sur la table où reposent apéritifs à grignoter et, dans la mesure du possible, il la divise en deux. Une partie pour lui et une pour moi : « je partage ce que j’ai », semble-t-il vouloir me dire.

Citoyen du monde

Ali Madad rêve de trouver un travail, s’acheter une maison et d’avoir une voiture. Son rêve est le même que celui d’autres jeunes de son âge. Par contre, ses aspirations semblent être moins possibles à réaliser. Cela parce qu’après 18 ans, il n’a pas encore réussi à obtenir un morceau de papier attestant son identité.

Probablement Ali ne sait pas que la lutte suisse est notre sport national, moi-même, je n’étais pas au courant de cela. Néanmoins, personne n’a pas encore dit à Ali qu’il est intégré tout comme moi, même s’il croit en Allah, a les yeux bridés et n’a pas pu grandir en tant que personne libre.

Dans le fond nous sommes tous citoyens de ce monde par le simple fait d’être humain.

Traduction : Enrica Mengozzi