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«Hauptsache ist, man empfindet etwas»

5 Arten von Schülern, 5 Arten von Lehrern, der Eröffnungsfilm des Filmblocks der Kategorie C (U19), brachte einen zum Schmunzeln. Man war versucht, sich mit selber mit einer Schüler-Art zu identifizieren. Auch Regisseur Dominic Iseli hat sich geoutet: Er wäre einerseits der «coole» Schüler, andererseits aber auch der «professionelle».

Weiter ging es mit einem schaurigen Film. Besonders der Anfang bewegte sich qualitativ auf dem Niveau eines Horrorfilmes aus Hollywood. Im schauspielerischen Bereich konnte sich Céline Bourgeois beweisen. Mit Lift gelang Loïc Hobi ein Film von hoher Qualität, der auf einer guten Idee basiert. Gegenüber tink.ch verriet der Nachwuchsregisseur seine Zukunftspläne: Filmemachen. «Mein grösster Traum wäre es, an einer Filmschule in Paris zu studieren. Die Schweizer Jugendfilmtage haben mir einen super Einstieg in die Filmwelt ermöglicht», meinte Hobi motiviert.

Die anderen Spieler

In Mehr als 11 – Ein Blick hinter die Kulissen, einem Dokumentarfilm über den Fussballclub Basel, waren die Hauptpersonen nicht die Spieler selbst, sondern die «Spieler» hinter den Kulissen. Regisseur David Meury hatte eine klare Vision: «Das Ziel war eben nicht, Fussballfans von dem Dokumentarfilm zu überzeugen, sondern aussenstehenden Personen einen Blick in das Geschehen zu verleihen.»

Der nächste Regisseur, Samuel Zerbato, mag Dinge, die schwarz auf weiss stehen. Genau das Gleiche beim Film: schwarz-weiss. Mit The Blood Waltz schickt er uns zurück in die Vergangenheit. Seinen Film hatte er für die Maturarbeit gedreht. Er erhielt die Bestnote. Wenn das nicht Zeichen genug dafür wäre, dass er ein Jungtalent ist. Auch die Schauspielerin Sandra Zellweger war verblüfft, wie «begabt und geschickt» Zerbato ist.

Eigenartig und verwirrend schön

Ganz anders ist der Film von Arber Destani. Auf den Spuren meiner Muse ist ein auf den ersten Blick verwirrender Film, aber die unterschiedlichen schönen Bilder laden zum Träumen ein. Ein Kunstfilm, dessen Geschehen jeder anders interpretiert. «Es ist ein sehr persönlicher Film für mich. Er ist ziemlich surrealistisch und es ist wohl Geschmackssache, ob man ihn gut findet», so Destani.

Für Liebhaber von extrem eigenartigen Filmen ist jener des Regisseurs Birdjan Kadriov zu empfehlen. Solace (dt.: Trost) ist unbeschreiblich. Der Hauptdarsteller lehnt die Anschuldigung, er sei verrückt, ab. Nur weil er denke, dass sein Kühlschrank lebe und Gefühle habe, heisse dies noch lange nicht, dass er nicht mehr alle Tassen im Schrank habe, meint der Protagonist. Das Publikum hat nach dem Film sichtlich gemischte Gefühle, doch Birdjan Kadriov sagt: «Es spielt keine Rolle, was man während des Films empfindet, Hauptsache ist, man empfindet etwas.»

Von der Idee zum Drehbuch

Filmemachen ist mehr als eine Aneinanderreihung toller Bilder und spannender Dialoge. Dem Aufbau, der zielführenden Handlung und der Umsetzung der Themen liegt eine Logik zugrunde, die gelernt sein will. Im Workshop Von der Idee zum Drehbuch lehrt der Drehbuchautor Ken Zumstein, wie Ideen strukturiert in Form eines Drehbuchs zum Ausdruck kommen.

Mathe oder Film?

Die Notiztafel neben Kursleiter Ken erinnert eher an eine Mathestunde zu Funktionsgraphen, als an die Sammlung kreativer Ideen. «Ein klassischer Langspielfilm dauert etwa 1.5 Stunden und ist in drei Akte eingeteilt. Akt 1, auch Expositionsphase genannt, dauert gut zehn Minuten, strebt eine Steigerung an und führt die Zuschauenden in das Geschehen ein», erklärt Ken.

Wichtige Figuren

«Die Produzenten lesen meist nur die wichtigsten Punkte, die in einem dramatischen Drehbuch vorgegeben sind: Exposition, Konfrontation und Auflösung», sagt Ken. Er versuche daher, diese Punkte zu Beginn jedes Entstehungsprozesses jeweils durchzudenken. Dies klingt nach einem starren, einengenden Gerüst. Doch im Verlauf der Arbeit, durch eigene Einfälle und Ansprüche von Produzenten und Regisseuren würden sich die Höhe- und Wendepunkte der Geschichte immer wieder verändern. Dass die Wendepunkte stimmen, sei nur ein Teil, wie Ken meint. «Fast am wichtigsten ist, dass die Figuren spannend sind.»

Spass am Schreiben

Die Kreativität ist denn auch kein grosses Problem für Ken und seine Kursteilnehmenden. «Ideen habe ich immer» und «Ich habe eine geflügelte Fantasie», lauten die Antworten auf die Frage nach kreativen Phasen. Guy, einer der Teilnehmer, hat jeweils eine bestimmte Figur, eine Szene im Kopf, um die er dann eine Geschichte zu spinnen versucht. Eine andere Teilnehmerin, Lola, möchte ihre eigene Geschichte auf die Leinwand bringen: «Mehr für mich, als Verarbeitung meiner Erlebnisse» Überhaupt steht bei den Teilnehmenden das eigene Ausprobieren, die Freude am Geschichten Schreiben, der Spass am Filmen im Vordergrund. «Natürlich wäre es schön, einmal ein grosses Projekt mit einer wichtigen Botschaft zu realisieren», meint Guy. Dies verlangte aber mehr Energie und Zeit, und bis dahin versteht er das Filmemachen als spannende und kreative Beschäftigung neben dem «vernünftigen» Naturwissenschaftsstudium.

Auf den Grund gekommen

Ken selber sagt von sich, er habe schon immer geschrieben, sei jedoch «nie richtig an die Menschen rangekommen». So begann er, eigene Figuren zu erfinden – und kam zum Drehbuchschreiben. «Durch diese fiktionalen Geschichten kann ich den Menschen und Geschehnissen erst richtig auf den Grund gehen.» In Ateliers wie diesem möchte er seine Erfahrung nun weitergeben und interessierten jugendlichen Filmemachern eine erste Übersicht über das Drehbuchschreiben vermitteln.

Kleine grosse Talente

Die Preise des Festivals sind vergeben. 1000 Franken und natürlich den springenden Panther – die Trophäe im neuen Design – dürfen die Gewinnerinnen und Gewinner mit nach Hause nehmen. Samuel Morris hat mit seinem Kurzspielfilm Doug & Walter die Kategorie D (20-25 Jährige, die Filme ausserhalb eines Ausbildungsrahmens realisiert haben)gewonnen. Doug & Walter ist ein Film über zwei Männer, die nochmals richtig Gas geben wollen. Der Amerikaner Doug leidet unter einem Burnout und wurde kürzlich entlassen. Zusammen mit seinem ehemaligen Arbeitskollegen Walter macht er die Schweizer Landstrassen unsicher. Sie rutschen von einem Abenteuer ins nächste, bis der Film eine dramatische Wendung nimmt. «Für mich ist dieser Preis eine Bestätigung dafür, dass ich und die gesamte Crew gut gearbeitet haben,» sagt Morris gegenüber tink.ch. Er freue sich umso mehr, weil er dieses Gefühl der Freude mit seinem Team teilen könne.

Angeknüpft

Mit seinem ersten Film, 14, gewann Samuel Morris 2011 bereits den zweiten Platz. «Als ich gemerkt habe, dass mir das Filmemachen nicht nur Spass macht, sondern auch auf Resonanz stösst, habe ich weitergemacht.» 2013 schaffte er es mit seiner Kurzdokumentation Schritt für Schritt auf den ersten Platz. An diesen Erfolg knüpfte Samuel an und stellte vor drei Jahren der Produktionsfirma Filmgerberei sein Drehbuch für den Film Doug & Walter vor. Der Filmgerberei gefiel das Drehbuch und man nahm das Projekt gemeinsam in die Hand. Die Produktionsfirma half Samuel unter anderem, die passenden Schauspieler und Schauspielerinnen zu finden.

Filme als Momentaufnahmen

Der Film ist Samuels Leidenschaft. Die Verbindung zwischen Musik, Bild und einer Geschichte gefällt ihm. «Filme vermitteln Gefühle und geben eine Stimmung wieder.» Sie sind für Samuel «Momentaufnahmen der Gesellschaft». In seinen Filmen ist das ersichtlich, denn er geht den Gefühlen der Menschen auf den Grund, er sieht genau hin.

Ohne Preis

Neben den glücklichen Gewinnerinnen und Gewinnern gibt es viele junge FilmemacherInnen, die ohne Preis nach Hause gehen. «Wichtig ist, dass die jungen Talente dranbleiben und die Freude nicht verlieren,» sagt Festivalleiterin Selina Wenger. Das Filmbusiness sei ein steiniger und langer Weg, ergänzt Festivalleiterin Laura Walde. So habe zum Bespiel Kaya Inan, der Gewinner des Schweizer Filmpreises für den besten Schnitt 2016, als Jugendlicher immer wieder Filme an den Jugendfilmtagen eingereicht und sei nie aufgenommen worden. «Heute ist er wahnsinnig erfolgreich.» Laura und Selina geben den Preislosen mit auf den Weg: «Benutzt den Film als Medium, Geschichten zu erzählen, die euch bewegen. Von unserer Seite gilt grosser Respekt für alle, die überhaupt einen Film machen und diesen einreichen.»

 

Animation wie anno dazumal

Die Kinder im Publikum warten gespannt auf den Beginn der Vorstellung. Doch bevor es losgeht, stellen die Veranstalterinnen noch kurz ihr Projekt vor. In Kooperation mit dem Lausanner Festival Cinéma Jeune Public präsentiert das Jugendfilmfestival neun Trickfilme, von denen jeder mit einer anderen Animationstechnik hergestellt wurde. Es geht darum zu zeigen, dass Animation weit mehr sein kann als rein digitale Computerkunst.

Eine Katze aus Sand

Im Saal wird es dunkel und der erste Film beginnt. Von der Leinwand starren den Zuschauern zwei riesige blaue Katzenaugen entgegen. Sie gehören der magischen Chamäleonkatze, die zusammen mit dem Hirtenjungen Hansi einen bösen Fürsten besiegen muss. Für diesen Film aus dem Jahre 1975 haben die Regisseure Gisèle und Ernest Ansorge eine ganz besondere Technik verwendet. Sie zeichneten ihre Figuren mithilfe von Sand auf den bunten Hintergrund.

Knetgummi, Stoff und mehr

Auch andere aussergewöhnliche Techniken sind im Programm zu sehen. Im Film Gumbasia aus dem Jahre 1955 formieren sich immer neue Landschaften aus rosarotem Knetgummi. In Chemin Faisant entsteht mit Hilfe grober Pinselstriche eine melancholische Herbstlandschaft. In Le poisson arc-en-ciel erzählt die iranische Regisseurin Farkhondeh Torabi die allseits beliebte Geschichte vom Regenbogenfisch mithilfe von Stoffresten. Ein langer Reissverschluss dient dabei als Maul eines gefährlichen Raubfisches, der versucht den Regenbogenfisch zu fressen.

 

"Les Kiriki - Acrobats Japonais" (Frankreich, 1907) überzeugt auch heute noch mit seinenbeeindruckenden Spezialeffekten.
“Les Kiriki – Acrobats Japonais” (Frankreich, 1907) überzeugt auch heute noch mit seinen beeindruckenden Spezialeffekten.

Hundert Jahre und immer noch top

Ein Highlight der Veranstaltung ist der Kurzfilm Les Kiriki – Acrobats Japonais des Filmpioniers Segundo de Chomón. Eine Gruppe Akrobaten führt in diesem frühen Film von 1907 waghalsige Kunststücke vor. Die Spezialeffekte wirken auch nach über hundert Jahren noch beeindruckend.

Doch nicht nur alte Filme sind im Programm zu sehen. Gezeigt werden auch neuere Filme von Schweizer Filmschaffenden. Ganz lustig ist der Film Punkt & Striche von Jesus Pérez, in dem ein Strichmännchen und ein Strichfrauchen versuchen, sich gegenseitig auszuradieren. Der Film kombiniert gekonnt Animation und reale Elemente und zeigt, dass die Trickfilmkunst bis heute lebendig ist.

Auf den Geschmack gekommen

Den vorwiegend jungen Gästen scheint das Programm zu gefallen. Fasziniert beobachten sie die Geschehnisse auf der Leinwand. Am Schluss gibt es für alle noch einen Snack und ein kleines Geschenk. Stolz zeigt mir eine Gruppe Kinder ihre Instant Tattoos mit dem Festivallogo. Wer weiss, vielleicht sind einige von ihnen heute inspiriert worden und werden in ein paar Jahren selber einen Film am Jugendfilmfestival präsentieren.


Das Partnerfestival Cinéma Jeune Public in Lausanne findet ihr unter: http://www.festivalcinemajeunepublic.ch

Den über hundert Jahre alten Film mit den Akrobaten könnt ihr euch hier anschauen: http://cinema.arte.tv/de/die-kiriki-japanische-akrobaten

Die Kinder von morgen

Die Kategorie B (U19) sprudelte an den diesjährigen Jugendfilmtagen vor lauter guter Ideen. Alle Filme widmeten sich dem gleichen Thema: 2056 – ein Blick in die Zukunft. Vierzig Jahre in die Zukunft blicken, das hat viele Ideen in den Jugendlichen geweckt.

Angst vor der Digitalisierung

Als ein brisantes Thema in vielen Filmen zeigen sich die digitalen Fortschritte. Im Film Robokid haben die Kinder der Zukunft das Spielen verlernt. So können die Eltern ein Roboterkind für nur 150 Franken pro Monat mieten, das ihre Kinder von deren Computersucht befreit. In Chipstories haben Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder rund um die Uhr zu überwachen und  zu kontrollieren. Kinder wollen dann plötzlich kein Taschengeld mehr, essen lieber Lauch als Süsses, erledigen liebend gern ihre Hausaufgaben. Doch Achtung, die Kinder sind schlau genug und drehen den Spiess um. Wo Eltern das Kinderzimmer aufräumen, tonnenweise Süssigkeiten einkaufen und die Kinder spielen lassen solange sie wollen, da gehen Kinderträume in Erfüllung.

Wenn Kinder die Weltmacht hätten

In Schule der Zukunft zeigt eine fünfte Klasse aus Zürich, was passiert, wenn Kernkraftwerke weiterhin in Gebrauch bleiben. Bis 2056 haben diese infolge atomarer Unfälle alle radioaktives Material freigesetzt und die Menschen sind zu Zombies mutiert. Ausser die Kinder, die bleiben Kinder und werden von den Zombies als Arbeitskräfte missbraucht. Bis sie schlussendlich die Menschheit retten. Hätten Kinder die Weltmacht, würde das nicht gut rauskommen, wie ein junger Filmemacher auf der Bühne meint. Sie würden sich wegen unnötigen Dingen zu oft streiten und das würde dann zu grossem Unfrieden führen. Deshalb fände er es besser, wenn die Erwachsenen die Welt regieren.

Der Nerv der Zeit

Wach sind sie auf jeden Fall, diese jungen, kreativen Denkerinnen und Denker. Alle Filme treffen den Nerv der Zeit, die MacherInnen zeigen heutige Probleme auf, Unzufriedenheit aus ihrem Alltag und Ängste oder Erwartungen an die Zukunft. Looking down und Die Auswanderung, zwei Animationsfilme, beschäftigen sich mit dem Thema der Überbevölkerung. In Morgen ist heute Gestern wendet sich eine sechste Klasse der Gesundheit, dem Fremdenhass und der Armut zu. Durch einen Blick in ihre eigene, düstere Zukunft ändern die Kinder im Film ihre Ansichten und ihren Lebensstil.

Hinhören

Eine Gruppe schwerhöriger Jugendlicher nutzt die Jugendfilmtage, um anderen ihre Beeinträchtigung näherzubringen. Die erste Sekundarschule präsentiert den Dokumentarfilm Hörgeräte 2056. Darin schildern sie ihre Wünsche an ein futuristisches Hörgerät. Es soll leistungsfähiger und wasserdicht werden, beim Sport nicht stören, kleiner sein. Es soll sich gut im Ohr verstecken lassen oder sich als Schmuckstück tarnen, sodass die Trägerin oder der Träger nicht anders sind als die anderen Kinder. Doch zwei gute Eigenschaften hat auch das “Hörgerät 2016” schon, wie einer der Schüler sagt: «Natürlich hilft es mir beim Hören. Und wenn meine Eltern mich anschreien, kann ich es einfach ausziehen.»

Und so geht’s weiter:
http://jugendfilmtage.ch/festival2016/programmuebersicht-2016/

Von der kleinen Kammer auf die grosse Leinwand

Namhafte Schweizer Filmemacher wie Alain Gsponer (Lila, Lila, Heidi) und Anna Thommen (Neuland) haben hier ihre ersten Gehversuche gemacht. Ja, die Schweizer Jugendfilmtage bezeichnen sich zu Recht als Sprungbrett für Nachwuchstalente. Doch zum Springen braucht es Mut. Gar nicht so leicht, «frisch und frei von der Leber weg etwas auf die Leinwand zu bringen und das dann noch jurieren zu lassen», meinte Moderatorin Susanne Kunz am Eröffnungsanlass im Zürcher Stall 6 anerkennend. Aus rund 300 eingereichten Beiträgen schaffen es jedes Jahr 50-60 Filme ins Wettbewerbsprogramm. Die meisten der jugendlichen Teilnehmer zeigen zum ersten Mal einen Film vor grösserem Publikum. Für Herbstzeitlosen-Regisseurin Bettina Oberli, 1999 selber Teilnehmerin, war dies eine zentrale Erfahrung in ihrer Entwicklung. Nachdem sie sich an der Filmschule lange «in einer kleinen Kammer» bewegt habe, habe sie an den Jugendfilmtagen zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, «dass es auch ein Publikum gibt und dass man Filme nicht nur für sich selber macht.»

Experimentierlabor für alle Disziplinen

Gross geschrieben wird an der diesjährigen Jubiläumsausgabe die Funktion der Jugendfilmtage als unkomplizierte Experimentier- und Lernplattform. So zeigt das Festival nicht nur Filme von Nachwuchstalenten, sondern wird in den verschiedenen Aufgabenbereichen ebenso von Nachwuchstalenten geplant und durchgeführt. «Wir sind ein sehr junges, experimentierfreudiges Team», sagt Co-Festivalleiterin Laura Walder. Mit ihr und Selina Wenger besteht die neue Festivalleitung aus zwei jungen Filmwissenschaftsabsolventinnen, die die Jugendfilmtage zuvor bereits mehrere Jahre als freiwillige Helferinnen unterstützt und kennengelernt hatten. Der Trailer zur diesjährigen Jubiläumsausgabe wurde von Paula Schenkel, der letztjährigen Gewinnerin in der Kategorie C (U20) umgesetzt. Auch der neu eingeführte Livestream, der den Jugendfilmtagen auch in den anderen Landesteilen mehr Reichweite verschaffen soll, wird nicht von Profis, sondern von Studierenden des Bachelor-Studiengangs CAST/Audiovisuelle Medien (ZHdK) realisiert.

«Improvisieren und aus wenig viel machen»

Aus dem Rahmen fällt die Moderation am Eröffnungsabend: Susanne Kunz, langjährige Moderatorin beim Schweizer Fernsehen, geht kaum mehr als jugendliches Nachwuchstalent durch. Gut ins Konzept passt hingegen ihr frischer, unkomplizierter und stellenweise etwas improvisierter Auftritt. Eigenschaften, die die Jugendfilmtage samt den Filmen und der Organisation ausmachen. Gerade etwas «fragmentierte, unfertige» Filme von Jugendlichen steckten oft voller «kreativer Kraft», meint Regisseur und Produzent Marcel Ramsay (Der Meister und Max). Sein Rat an die jungen Teilnehmenden: «Improvisieren und aus wenig viel machen sind Fähigkeiten, die ihr euch bewahren sollt.»

Und das diesjährige Programm?

An der Eröffnung lag der Schwerpunkt auf dem Jubiläum und somit auf einem Rückblick und den geladenen Ehemaligen. Das war interessant, lustig und hat dem Festival dank all der Erfolgsgeschichten mehr Gewicht verliehen. Leider kamen dabei die Filme des diesjährigen Wettbewerbs, die kaum angeteasert wurden, zu kurz. Vielleicht hat das auch Co-Leiterin Wenger gespürt, in dem Moment, als sie sagte: «Der Anlass hier ist cool, aber bitte kommt auch die Filme schauen!» Der Blick ins Programmheft und die fünf Wettbewerbskategorien ist auf jeden Fall vielversprechend.

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Das Programm in Kürze:

Kernstück sind wie jedes Jahr die Filme aus den fünf Wettbewerbskategorien, die am Freitag und Samstag gezeigt werden. Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm aus Ateliers, Konzerten und Kurzfilmen aus der Romandie begleitet den Wettbewerb. An der Preisverleihung am Sonntag lockt neben der Bekanntgabe der Gewinner die Enthüllung des neu gestalteten springenden Panthers. http://jugendfilmtage.ch/festival2016/programmuebersicht-2016/

Ein Jugendfilmfestival wird 40

Einmal im Jahr erhalten junge Filmbegeisterte unter 30 während vier Tagen Platz und Zeit, ihre Filme einem interessierten Publikum vorzuführen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen – seit 40 Jahren. Die Schweizer Jugendfilmtage, ein lebendiges und dynamisches junges Filmfestival, leben seit jeher von ihren Teilnehmenden und den vielen filmbegeisterten Freiwilligen: “Das Filmfestival ist das, was die  jungen Filmbegeisterten daraus machen”, betonen auch die diesjährigen Co-Festivalleiterinnen Laura Walde und Selina Wenger. Die Bandbreite der Filme und Teilnehmer variiert von Jahr zu Jahr, ist aber stets beeindruckend gross: Vom Lego-Animationsfilm bis zum Musikvideo, vom Regiestudenten bis zur Sekschülerin ist alles immer wieder mit dabei.

Trainingslager nicht nur für FilmemacherInnen

Die Jugendfilmtage sollen jungen FilmemacherInnen einen niederschwelligen Einstieg in die professionelle Filmwelt ermöglichen. Hier werden kleine Filme zum ersten Mal auf Grossleinwand gezeigt, hier wird konstruktive Kritik erteilt, hier entstehen Austausch zwischen Jungtalenten, Kontakte und Verknüpfungen. Und all dies auf offener und freundschaftlicher Ebene, ohne Zeit- und Gelddruck.
Doch nicht nur junge Filmtalente, auch die vielen Helfer und Helferinnen, die das Festival jedes Jahr auf die Beine stellen, dürfen sich ausgiebig ausprobieren und entfalten. Das aktuellste Beispiel: Die mehrjährigen OK-Mitglieder Wenger und Walde, die letztes Jahr die Chance ergriffen und pünktlich zum vierzigjährigen Geburtstag der Jugendfilmtage gemeinsam die Festivalleitung übernahmen.

Tor in die Filmwelt

Wenger und Walde wünschen sich, dass die in Zürich ansässigen Filmtage schweizweit in immer mehr Regionen Interessierte erreichen. Deshalb setzen sie dieses Jahr erstmals auf einen Livestream im Internet. Eine weitere Vision der beiden: Die Jugendfilmtage sollen noch mehr zum «Pilgerort» des Ausprobierens werden und mehr komplette Anfänger anziehen und motivieren.

Die beiden Festivalleiterinnen berichten, dass ehemalige PreisträgerInnen, Mitwirkende und Jurymitglieder die Jugendfilmtage meist positiv in Erinnerung behalten würden. Nicht wenige seien sogar überzeugt, dass das Festival ein bedeutender Moment für den Beginn ihrer Filmkarriere gewesen sei.

Steter Wandel als Chance

Da die Jugendfilmtage sich jedes Jahr an die «neuen Jungen» richtet und alle Mitwirkenden schnell wieder herauswachsen, ist der Aufbau eines Stammpublikums fast unmöglich.  «Und das soll auch so sein», kommentiert Walde.  Die beiden Co-Leiterinnen sehen den steten und schnellen Wandel als grosse Chance, denn jedes Jahr könnten sich so neue Nachwuchstalente zeigen und ausprobieren. Da alle Kinder und Jugendlichen ähnliche Phasen durchliefen, kämen in den Filmen inhaltlich zwar immer wieder ähnliche Themen auf. Doch im Vergleich zu Erwachsenen, schwärmen Walde und Wenger, warteten die jungen FilmemacherInnen oft mit besonders überraschenden und spannenden Ideen auf, fernab von Regeln und zu langem Hinterfragen.


Die Schweizer Jugendfilmtage finden vom 7. bis 10. April in Zürich statt. Sei live dabei mit unserer Berichterstattung. Ab dem 7. April auf tink.ch.
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