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Wenn Kinder über Trump, Flüchtlinge und Anschläge schreiben

Wir von tink.ch erwarteten Themen wie Freizeit und Freundschaft, aber unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Workshop «Journalismus» erstaunten uns mit ihrem Wissen über und Interesse an aktuellen Themen. Die 10- bis 14-jährigen Kinder und Jugendliche gingen auf die berner Strassen und befragten Passanten zu brisanten Themen. Hier können Sie eine Auswahl der Interviews unserer «Cooltourer» lesen.

Hanna und Josephine befragten die Passanten über die Flüchtlingsthematik.

Andreas Müller über Flüchtlinge. (Bild: Sofiya Miroshnyk)
Wie heissen Sie?

Andreas Müller

Was denken Sie über Flüchtlinge?

Flüchtlinge sind Menschen, die aus irgendeinem Grund nicht in ihrem Land bleiben können.

Würden Sie die Flüchtlingshilfe in Lesbos unterstützen?

Ja, ich würde sehr gerne dort helfen.

Wenn ein Flüchtling bei ihnen klingeln würde, was würden Sie tun? Was würden Sie empfinden?

Ich würde den Flüchtling fragen was er will. Ich empfinde dabei Freude, weil ich jemanden helfen kann.

Was denken Sie darüber, dass wir Kinder uns damit befassen?

Es ist ein aktuelles Thema und sollte jeden interessieren.

Randi und unsere Reporterinnen in der Aarbergergasse in Bern. (Bild: Sofiya Miroshnyk)
Wie heissen Sie?

Randi, und ich komme aus Norwegen.

Was denken Sie über Flüchtlinge?

Es ist sehr schade, dass Flüchtlinge flüchten müssen. Ich wünsche mir, dass die Flüchtlinge hier ein gutes Zuhause finden.

Würden Sie der Flüchtlingshilfe in Lesbos unterstützen?

Ja, ich würde gerne helfen.

Wenn ein Flüchtling bei ihnen klingeln würde, was würden Sie tun? Was würden Sie empfinden?

Ich würde ihm helfen, doch ich hätte ein bisschen Angst.

Jessi, Cheyenne und Alice wollten wissen, wie die aktuellen Anschläge wahrgenommen werden.

Was meinen Lena und Lea zu den Anschlägen? (Bild: Mélanie Baierlé)
Wie heissen Sie?

Lena und Lea.

Verbinden Sie die Anschläge direkt mit dem IS?

Nein, ich finde es gefährlich, wenn man alles direkt als Terroranschlag bezeichnet, denn das bestärkt einen bestimmten Diskurs, obwohl es vielleicht gar nicht der Wahrheit entspricht.

Was denken Sie will der IS oder andere Organisationen mit den Anschlägen erreichen?

Es ist alles viel komplizierter als wie es in den Medien und in der Gesellschaft dargestellt wird. Es gibt auch Einzeltäter, die einfach sonst Probleme in ihrem Leben haben oder die sich dem IS bekennen, ohne wirklich Teil davon zu sein. Der IS ist keine klar definierte Organisation, aber vor allem darf man die Gründe nicht vergessen, welche solche Organisationen entstehen lassen.

Was wären diese Gründe?

Der IS entstand nicht einfach aus dem Nichts, sondern es geht um Probleme, die es schon seit Jahrzehnten oder länger gibt. Es gibt viel Frustration und in diesen Ländern werden Minderheiten schon lange diskriminiert. Da entsteht einfach Radikalisierung. Ich glaube, oft haben sie gar kein richtiges Ziel, sondern sie profitieren vom Chaos. Die meisten Anschläge passieren ja nicht bei uns. Sie wollen damit einfach das ganze System destabilisieren. IS ist nicht die einzige Organisation mit solchen Zielen. Es geht aber immer um dieselben Probleme. Die Welt funktioniert auf eine Art und Weise, welche so etwas entstehen lässt.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie daran denken?

Klar: es macht einem Angst, denn sie machen keinen Unterschied zwischen den Verantwortlichen ihrer Probleme und unschuldigen Menschen.

Wie viele Anschläge gab es weltweit 2016?

Es kommt darauf an, wie man Anschläge definiert. Man könnte auch jede Bombe in Syrien als Anschlag bezeichnen.

Reisen Sie wegen den Anschlägen weniger herum?

– Ich schon ja, wegen der politischen Lage werde ich nicht nach Istanbul reisen.

– Nein eigentlich nicht, ich reise weiterhin herum. Ich glaube, es kann überall etwas passieren.

Anna, Nairah, Rafaela und Basil hörten sich Meinungen über Donald Trump an.

Trump oder Hillary? (Bild: Mélanie Baierlé)
Donald Trump oder Hillary Clinton: wen würden Sie wählen?

Ich würde Clinton wählen, weil Trump zu konservativ ist.

Wenn Donald Trump gewählt würde, was würde passieren?

Ich glaube, es wäre sehr schlecht fürs Land.

Was finden Sie schlecht an Donald Trump?

Trump finde ich sehr schlecht in Bezug auf die Aussenpolitik. Er ist für militärische Angriffe, das finde ich sehr problematisch. Im Moment sagt er, dass er die Armen unterstützt, aber ich glaube, mit der Zeit wird er sie vergessen.

Was finden Sie gut an Hillary Clinton?

Ich glaube, sie hat sehr gute Ideen für den Mittelstand. Sie hat einen guten Blick fürs Wesentlichste. Allein schon durch die Erfahrung, welche ihr Mann Bill Clinton gemacht hat, kennt sie sich mit Politik gut aus.

Was denken Sie, steckt hinter Donald Trumps Erfolg?

Er macht sehr viel Werbung und trifft im Moment den Nerv der Armen.

Was möchte Donald Trump eigentlich erreichen?

Er will die Gesamtbevölkerung erreichen und sie umpolen. Er möchte zurück auf die alte Schiene.

«Sei Picasso, sei du selbst»

Tink.ch: In euren Liedern besingt ihr wiederholt die Freiheit. Was bedeutet Freiheit? Wann fühlt ihr euch frei?

Silvan: Obwohl wir in der Schweiz aufwachsen und eigentlich alles haben, uns also frei entfalten können, kritisieren unsere Texte ebendiese vermeintliche Freiheit. Schau die Welt von oben an, aber male auch die Ruinen an, singe ich. Male sie an mit dem, was du hast! Und Wellensurfen, das ist auch Freiheit.

 

Freiheit ist immer dann, wenn man seinem Instinkt folgt und sich nicht zu viel dabei überlegt.

Beim Wellenreiten muss du spüren, wie das Wasser dich mitreisst, genau das passiert auch bei Musik. Solche Gedankenblitze beim Songschreiben gibt es aber leider viel zu selten.

Tink.ch: Wer oder was schränkt eure Freiheit ein?

Silvan: Die Bussen und Strafbefehle, die an unserem Bandbus kleben. Ich muss dann immer Briefe an die Polizei schreiben. (Samuel lacht argwöhnisch)

 

Tink.ch: Silvan, du singst «schau dir die Welt von oben an», wie sieht St. Gallen von oben aus?

Silvan: Wunderschön! Wir hätten nicht gedacht, dass so viele Menschen kommen und vor allem, dass sie so euphorisch sind. Ich habe es vorhin noch nicht so realisiert und muss zu Hause unbedingt die Videos schauen, damit ich diesen Tag verdauen kann.

Tink.ch: Ein weiteres Zitat, «den Koffer voller Träume»: was steckt bei euch im Koffer, nachdem ihr die grosse OpenAir Bühne erobert habt?

Silvan: Wir wollen uns vor allem immer wieder neu erfinden. Wobei es in diesem Song nicht um uns, sondern ums Kollektiv geht, er soll uns alle vereinen, wie ein Lagerfeuer. Ich weiss aber nicht, ob mir das Vereinen auf der Bühne so gut gelungen ist. (Neigt den Kopf zur Seite und zieht die Augenbrauen hoch)

Tink.ch: Es sah aber ganz danach aus.  Im Lied «In Richtung Norden» singt ihr «es kommt wie es kommt». Glaubt ihr an das Schicksal? Oder an den Determinismus?

Silvan: Spannende Frage. Es gibt Phasen, da fliegt mir alles zu. Ich glaube daran, dass man mit offenen Armen durchs Leben gehen sollte, dann fliegt einem auch mal was zu.

(Blickt zu Samuel rüber) Und du?
Samuel: Ich sehe das ähnlich. Wenn sich Optionen fast aufdrängen, weil sie so offensichtlich logisch sind, dann sollte man seinem Instinkt folgen und diese wahrnehmen.

Tink.ch: Weil sie logisch sind, oder des Instinkts wegen?

Samuel: (überlegt)

Silvan: Wahrscheinlich macht´s die Kombination.

Samuel: Wobei es nicht immer logisch sein muss.

Silvan: Stimmt, die Tatsache, dass ich mein Medienwissenschaftsstudium abgebrochen habe, hatte wenig mit Logik am Hut. Naja, von uns glaubt jedenfalls keiner so richtig ans Schicksal. Wobei, ich geh nächstes Semester ins Yoga, vielleicht werde ich doch noch zum Esoteriker. (Fährt mit väterlicher Stimme fort…) Alles ist vorbestimmt, die Energie fliesst.. (…und fängt mitten im Satz zu lachen an)

Tink.ch: Noch ein Liedzitat: Sei Picasso, sei du selbst. In der heutigen Welt von Instagram und co. scheint das gar nicht so einfach. Was haltet ihr von den «sozialen» Medien?

Silvan: Zuerst möchte ich aufs Zitat eingehen. Das sind genau die Gedankenblitze, von denen ich eben gesprochen habe.

Die Band aus Rorschach.

Zuerst schreibst du. Im Nachhinein erkennst du die Bedeutung der Worte.

Zuerst sag ich «sei das!» und dann «sei du selbst», genau das beschreibt für mich soziale Medien. Wobei ich soziale Netzwerke eigentlich ganz cool finde.

Tink.ch: Und wie wird man denn überhaupt zu dem, der man ist?

Silvan: Das weiss ich bis jetzt noch nicht.

Samuel: Das ist man einfach.

Silvan: Heute war ich einen Moment lang ich selbst. Auf der Bühne.

Tink.ch: «Ich arbeite hart, ein Leben nur fürs Geld» und dann fragt ihr, wo denn die Träume geblieben sind. Aber ganz ehrlich, Geld braucht es doch, um Träume zu erfüllen?

Da bewege ich mich als Student, der von seinen Eltern abhängig ist, auf sehr dünnem Eis. Hier will ich dennoch etwas ansprechen, das mir oft auffällt:

Es ist manchmal besser, seinem Instinkt zu folgen, als eine Dritte Säule einzurichten.

Tink.ch: Eure Songinhalte sind teilweise widersprüchlich. Von «ich hab den Koffer voller Träume» zu «ich hasse diese Träume», was denn nun?

Silvan: Das ist Absicht. Der Song «Jung» ist zweitgeteilt. In Jung 1 lautet die Message: Ey, lebe deinen Traum. In Jung 2 relativiere ich alles wieder. Hier spiele ich auf soziale Medien an und stelle fest:

Das alles ist inszeniert, die ganze Träumerei.

Den Traum willst du nur, damit du ihn auf Facebook posten kannst. Das ist nicht real! Leider gibt es Menschen, die bei Teil 1 hängenbleiben. Wir empfehlen beide zu hören.

Tink.ch: Wie sieht für euch die perfekte Welt aus?

Samuel: Gerade jetzt ist alles perfekt.
Silvan: Was die Band angeht, läuft alles super. Doch wenn ich mir die aktuelle politische Lage ansehe, vor allem all die Kriegsinszenierungen – Russland, NATO – finde ich es sehr (zögert) schade. Dass so viele Menschen umgebracht werden, macht mich manchmal fertig, die Welt ist keineswegs perfekt. Doch für unsere Band ist sie es in diesem Moment.


 

 [AM2]http://www.srf.ch/radio-srf-3/festival-player/openair-st-gallen-panda-lux-machen-den-islaendischen-haka

Wer ist Cyrill Pürro?

Eigentlich wollte er nur seine Freizeit sinnvoller gestalten und dem Traum vom Journalistendasein etwas näherkommen. Im Zuge einer Recherche hat er sich dann aber mächtig verlaufen. Das war an der diesjährigen Eventreportage der Jugendsession. «Ich habe Passanten nach dem Weg gefragt. Leider hatten sie keine Ahnung von der Stadt Bern», sagt der 17-jährige Schüler Cyrill Pürro.

In der Schule beschäftigt sich Cyrill am liebsten mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts. In seinem blaukarierten Hemd wirkt er, obschon grossgewachsen, noch nicht ganz angekommen. Das selbe Kleidungsstück hatte er an der Jugendsession liegengelassen, als er sich nach einer viertägigen Eventreportage von allen verabschiedet hatte. Er bewundert den Ehrgeiz von J.K. Rowling. Doch wenn man sich seine Projekte anschaut, scheint er ihr dicht auf den Fersen zu sein. Wenn er nicht für Tink.ch schreibt, verfasst er Fantasygeschichten und arbeitet an seiner Abschlussarbeit, einer Schülerzeitung. «Platz für einen Artikel über Tink.ch ist darin schon reserviert.» Nebenbei posaunt Cyrill  in einer Guggenmusik, fährt Fahrrad und geht gerne an Partys. Er kann sich nicht mehr erinnern, worum es im ersten von ihm gelesenen Artikel auf Tink.ch ging. Doch er weiss, dass er nach dem Lesen überzeugt davon war, bei Tink.ch mitmachen zu wollen. Er hat erwartet, dass der Verein straffer organisiert sei, ist aber froh darum, dass dem nicht so ist. Sein Ziel ist es, erfolgreich im Journalismus Fuss zu fassen. Dabei will er objektiv, kritisch, unbestechlich und vor allem fair bleiben. Mag sein, dass er sich auf dem Weg dorthin noch ein paarmal verlaufen wird. Zum Workshop hat Cyrill dann doch noch gefunden. Und er war sogar zu früh.

Wer ist Annina Häusli?

Ihr erster Einsatz für Tink.ch ging unter die Haut. In der Blindenhundeschule Allschwil (BL) wurde Annina Häusli (23) brutal von jungen Welpen angegriffen und an der Wade gebissen. Das war vor zwei Jahren. Doch alleine die Tatsache, dass sie bis heute nicht ausgestiegen ist beweist, dass bei Tink gute Arbeit geleistet wird. Tink hat ihr dabei geholfen, sich definitiv für den Journalismus zu entscheiden. Für die Zukunft hat Annina bereits einen Plan: sich von Praktikum zu Praktikum zu hangeln, bis sie eine Festanstellung gefunden hat.

Mit ihrem Lieblingssatz wird sie bei ihrem Praktikum regelmässig konfrontiert: «Wir können das momentan weder dementieren noch bestätigen.» So gehört bei der Berner Kantonspolizei. Und diese Rhetorik übernimmt sie auch gleich selbst, wenn eine Prognose über Tink in fünf Jahren geben soll: «Ich kann zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussage machen.»

Statt Sätze übers Papier jagt sie manchmal Bälle über den Tisch. Aber auch im Tischtennisclub kann sie die Finger nicht vom Schreiben lassen und verfasst für Tischtennisclub Burgdorf die Medienmitteilungen. Der Club profitiert von ihrer Erfahrung.

Nach ihrem Lieblingsautoren gefragt, erwähnt sie Terry Goodkind, den Verfasser einer zwölfteiligen Fantasy-Serie (Tendenz steigend), welcher ein Universum im Stile Tolkiens erschaffen hat — «nur ohne Orks». Vor fünf Jahren habe sie die Bücher verschlungen, inzwischen sei sie sich aber der Qualität nicht mehr so sicher: «Der Held ist zu perfekt, das stört mich heute.»

Von der Durchsetzungsinitiative zur Selbsthilfegruppe

Es hätte eine Debatte zu der wohl brisantesten Vorlage vom 28. Februar werden sollen, die am vergangenen Donnerstagabend im Berner Jugend- und Kulturzentrum Gaskessel stattfand. Auf dem Programm stand die Durchsetzungsinitiative der SVP, Vertreter aus beiden Lagern waren gekommen, um ihre Argumente zum Besten zu geben. Doch lange hatte die Runde nicht Bestand.

Brücken schlagen

Die Fronten waren bereits zu Beginn der Diskussionsrunde verhärtet. Eine prüfende Umfrage des Moderators Beni Lehmann bestätigte dies in aller Klarheit. Niemand im Saal wollte sich noch von Adrian Spahr zu einem Ja für die Durchsetzungsinitiative umstimmen lassen. Der Vertreter der JSVP stand auf verlorenem Posten.

Grund genug für Lehmann, der auch Herausgeber des Magazins «Helvezin» ist, die Auseinandersetzung zu beenden und auf ein neues Thema zu sprechen zu kommen. Ganz nach dem Motto seiner Zeitschrift versuchte er, Brücken zu schlagen zwischen den beiden Lagern, zwischen denen sich ganz offensichtlich eine tiefe Kluft aufgetan hat.

«Hier gibt es keine Stimmen mehr zu gewinnen», stellte er sehr rasch fest. Und dennoch machte er eines klar: «Nach diesem Sonntag müssen wir auch weiterhin miteinander auskommen.» Eine gespaltene Schweiz, zwei Lager, die in ihrer Meinung unterschiedlicher nicht sein könnten. Und zumindest bei einem der beiden werde man am kommenden Sonntag ein langes Gesicht machen müssen.

Ideologie weicht der Lösungsfindung

Von da an lenkte Lehmann die Diskussion hin zu einer anderen Frage: Was müsse man tun, um den Zusammenhalt in der Gesellschaft auch nach dieser Abstimmung zu stärken? Aus dem anfänglich erbittert geführten Kampf der Ideen und Ideologien wurde eine Art Selbsthilfegruppe.

Der Einfall eines versöhnlichen Dialogs sei ihm spontan gekommen, erklärte Lehmann nach der Diskussion. Im Vorfeld dachte er, die Debatte um die SVP-Initiative sei easy zu managen. Doch schnell sei ihm klargeworden, dass das Thema mehr Zündstoff liefere, als angenommen. «Zwischen Elite und dem Volk auf dem Land besteht ein grosser Graben.» Dies führe auch einmal zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Lagern, so Lehmann.

Als ihm dann aber aufgefallen sei, dass sich alle gegen den einzigen Befürworter der Initiative aufbauten, kam ihm die Idee zum Umentscheid. «Ich dachte, fragst du mal, wie so die Stimmung im Publikum ist.» Da wurde ihm klar, dass die Debatte zu nichts führte. Und so wandte er die Diskussion von der Initiative ab.

Die diametral entgegengesetzten Ansichten wichen einer Lösungsfindung, an der sich alle beteiligten. Die geäusserten Vorschläge fanden Beifall und man schien sich wieder zusammengerauft zu haben, um gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten.

Auch der ans Podium geladene Staatsrechtler Markus Müller appellierte an die anwesenden Diskussionsteilnehmenden: «Bleibt sachlich, sucht nach Lösungen!» Zuvor kritisierte er den Griff zur Initiative – sowohl bei der Durchsetzungsinitiative der SVP als auch bei der Initiative «Raus aus der Sackgasse» – als Rechtsmissbrauch und als schädlich für unsere demokratische Kultur.

Nicht nur Schwarz und Weiss

Den Abschluss machte wiederum eine spontane Wortmeldung. Joy Schenk, eine Zuhörerin aus dem Publikum, liess die Diskussion nicht locker: Sie schrieb anlässlich der Debatte völlig spontan ein Gedicht, welches sie am Schluss allen vortrug. «Monate mit einer Initiative beschäftigt, aber die wahren Probleme vernachlässigt», sagte die 17-jährige Gymnasiastin.

Sie zählte gleich selbst auf, mit welchen Herausforderungen sie sich konfrontiert sieht: «Energiewende, Krieg, Hunger und Geld. Das Überleben der Spezies Mensch auf dieser Welt.» Es gebe nicht nur Gut und Schlecht, nicht nur Schwarz und Weiss. Ihre poetische Auseinandersetzung wurde vom Publikum schliesslich mit Applaus bedacht.


Zur Veranstaltung

Die Podiumsdiskussion wurde weitgehend selbständig organisiert von Jugendlichen des Jugend- und Kulturzentrums Gaskessel. Durch die Diskussion von Abstimmungsthemen sollen junge Bernerinnen und Berner für politische Themen sensibilisiert und in ihrer Willensbildung unterstützt werden. Es ist geplant, auch in Zukunft vor den Abstimmungen solche Podien mit Experten und Politikern durchzuführen. (abe)

«Viele haben ein falsches Bild von der Kirche.»

Tink.ch: Sie sind jetzt schon seit über 20 Jahren als Pfarrer tätig. Nachdem Sie Ihr Thelogiestudium beendet haben, waren Sie in der Kirchgemeinde Halden im Kanton St. Gallen tätig. Nun sind Sie schon seit über drei Jahren in der Heiliggeistkirche in Bern. Inwiefern hat sich Ihre Arbeit als Pfarrer im Laufe der Zeit verändert?

Pfr. Andreas Nufer: Es hat sich sehr viel verändert durch das Aufkommen von Computer, Telefonbeantworter und Handy. Die Kommunikation läuft heute viel schneller ab als früher. Das ist praktisch, da ich in meinem Beruf sehr viel mit Menschen kommunizieren muss.

Die Gesellschaft ist insgesamt viel heterogener geworden, das heisst, dass zunehmend verschiedene Lebensstile sowie Anforderungen nebeneinander bestehen. Für mich bedeutet dies, dass ich  immer mehr Angebote für immer kleinere Gruppen entwickeln muss. Zwar waren schon immer die Angebote auf eine bestimmte Zielgruppe ausgerichtet, es gab demnach noch nie ein Angebot für alle, jedoch hat die Anzahl kirchlicher Projekte, wie themenspezifische Gottesdienste, Kinderlager oder Konzerte, zugenommen.

Laut der Kirchenstatistik sind im Jahre 2014 4‘710 Personen aus den reformierten Kirchen im Gebiet Bern-Jura-Solothurn ausgetreten (bei 331 Eintritten). Was machen Ihrer Meinung nach die Kirchen falsch, so dass die Mitgliederzahl stetig sinkt?

Offenbar sind wir nicht relevant genug.

Zudem glaube ich, dass wir ein sehr schlechtes Image haben. Die Vorstellungen Vieler über die Kirche stimmen nicht mehr.

Das grösste Problem meiner Meinung nach ist, dass die Kirche eine Sprache spricht, welche viele Leute nicht richtig verstehen. Die meisten stellen sich die Dinge wie zum Beispiel die Auferstehung von Jesus kindlich-bildlich vor. Darüber hinaus ist das aber eine sehr sinnstiftende und lebensbejahende Geschichte, bei der jede und jeder herausfinden kann, was sie für sich bedeutet.

Die Schuld für die Kirchenaustritte liege also bei den Anhängern und nicht bei der Kirche selber.

Überhaupt nicht! Ich würde eher sagen, die Kirche hat es nicht geschafft, eine Sprache zu finden, welche die Leute verstehen. Das ist das Problem der Kirche, nicht der Kirchengänger.

Wie könnte man dieses Problem lösen?

Indem man immer wieder versucht, die Texte in die heutige Sprache zu übersetzen oder mitteilt, was die jeweilige Geschichte für eine Bedeutung für das heutige Leben hat.

Die Kirchliche Unterweisung (kurz KUW) ist ein freiwilliger Kirchenunterricht für Kinder und Jugendliche. Was ist das Ziel dieser KUW?

Der Unterricht war schon immer freiwillig und muss auch freiwillig bleiben. Das ist eine Grundbedingung der Religion.

Die KUW besteht aus vier Säulen: Wissensvermittlung, das Entdecken und Einüben der eigenen Spiritualität, kreative Arbeit und das Pflegen der Gemeinschaft. Die Themen bauen aufeinander auf.

Das Ziel ist, dass man die eigene Religion erklärt bekommt und dann mit der Konfirmation bestätigt, ob man diese Religion will oder nicht.

Und wenn man diese Religion nicht will? Was haben die Jugendlichen für Möglichkeiten?

Im Unterricht zeigen und besuchen wir selbstverständlich auch die anderen Religionen. Immer behandelt werden das Judentum, der Islam, der Hinduismus und der Buddhismus. Je nach Reise, wie dem Konfirmationslager, beprechen und besuchen wir noch andere Religionen. Mit dem Erwachsenwerden sollen sich die Jugendlichen dann entscheiden, ob sie Christ werden wollen, keine Religion oder eine andere Religion annehmen wollen. Das muss eine freie Entscheidung sein!

Was müssen die Jugendlichen tun, um die Religion zu wechseln?

Für das Konvertieren, also den Wechsel in eine andere Religion, gibt es bei jeder Religion andere Regeln. Es ist aber bei allen Religionen so, dass man die Religion zuerst kennenlernen muss, bevor man Mitglied werden kann. Das ist ja auch logisch.

Wie erleben Sie die Beziehung zwischen den verschiedenen Religionen in Bern?

Bern ist ein Paradebeispiel von einem sehr guten Dialog zwischen den Religionen.

Nicht aus irgendeinem Grund gibt es in Bern das «Haus der Religionen», welches europaweit einzigartig ist.

Bei uns in der Kirche gibt es das Programm «Heiliggeist interreligiös», bei welchem sich Vertreter aus acht verschiedenen Religionen regelmässig treffen, sich austauschen, zusammen diskutieren und beten.

Was für eine Haltung sollte die Kirche bei aktuellen Diskussionen wie der Flüchtlingskrise einnehmen?

Meiner Meinung nach sollte sich die Kirche immer auf die Seite der Schwächeren stellen, da Gott sich immer auf die Seite der Schwachen gestellt hat, sich immer auf die Seite der Schwachen stellt.

Beim Thema Flüchtlinge sollte sich die Kirche deshalb dafür einsetzen, dass die Schweiz offene Grenzen hat und dass Flüchtlinge, in ihrer Heimat an Leib und Leben bedroht, nach ihrer Flucht schnell und unkompliziert bei uns aufgenommen und anständig behandelt werden.

Welche Tipps würden Sie neuen, am Anfang ihres Berufs stehenden Pfarrerinnen und Pfarrern, auf den Weg gehen?

Schön ist, wenn sie Freude an den verschiedenen Personen und an der Arbeit haben. Und sie müssen eine gute Balance zwischen Arbeit und Ausruhen finden. Das ist bei unserem Beruf besonders wichtig.

Transparenzhinweis: Pfr. Andreas Nufer und der Autor Riccardo Schmidlin kennen sich persönlich.

«Gleichberechtigung ist spirituell»

Quelle des Friedens

Der Vortragsabend trägt den starken Namen «Der Islam – Bedrohung oder Quelle des Friedens», wobei wohl jedem klar ist, in welche Richtung sich die Meinung am Ende entwickeln soll. Der erste Eindruck von Abdul Wahab Tayyab ist erfreulich. Lächelnd reicht er mir die Hand, als er mich an seinem Vortrag im Berner Wylerhuus begrüsst. Bevor die Rede des 25-jährigen Imams beginnt, werden wir per Power Point über die Überzeugungen der Ahmadiya Muslim Jamad (AMJ) Gemeinde aufgeklärt. (Siehe Infobox)

Die Ahmadiyya Muslim Jamad (AMJ) ist eine sunnitische Minderheit, die in den 1880-er Jahren in Britisch-Indien gegründet wurde. Gründer war Mirza Ghulam Ahmad, der von den Anhängern der AMJ als Messias verehrt wird. Die Gemeinde bemüht sich, den Islam in der Öffentlichkeit als Religion der Nächstenliebe und Toleranz zu etablieren. Das momentan gewählte Oberhaupt lebt im Londoner Exil, weil die Gemeinde aufgrund von Lehrunterschieden, unter anderem die Rolle Ahmads als Messias, in vielen muslimischen Ländern stark diskriminiert oder sogar verfolgt wird. Weltweit gibt es nach eigenen Angaben mehrere 10 Mio. Mitglieder, in der Schweiz werden rund 800 aktive Mitglieder gezählt. Abdul Wahab Tayyab ist Imam der Ahmadiyya-Gemeinde in der Region Bern und Solothurn.

Beim eigentlichen Vortrag bemerkt man, wie gut Wahab, trotz eines hörbaren Akzents, Deutsch beherrscht. Der Satzbau ist tadellos, seine Sätze sind ausgeschmückt und wirken leicht altertümlich. Wahab ist von eher kleiner, kompakter Statur, scheint jedoch, während er hinter dem Rednerpult steht, zu wachsen. Er trägt eine Kopfbedeckung, die entfernt an die Form eines Schiffes erinnert. Seine Rede, man könnte es auch Predigt nennen, beginnt mit einer klaren Distanzierung der Attentate von Paris.

«Diese Anschläge sind auf das Schärfste zu verurteilen.»

Trotzdem will am Ende der Veranstaltung ein Mann wissen, der erst später auftaucht, ob sich der Imam von den Anschlägen distanziert. Darauf reagiert der Imam mit einer beeindruckenden Seelenruhe und wiederholt seine Worte.

 

 

Wahab erzählt zuvor von der Friedfertigkeit des Propheten, seiner frohen Botschaft und der Erleuchtung der Ungläubigen. Er betont die Stellen im Koran, in denen geschrieben steht, dass es keinen Zwang zum Glauben gibt und spricht davon, dass laut der heiligen Schrift nur der Verteidigungskrieg erlaubt ist. Selbst dann jedoch, dürften weder Frauen noch Kinder geschädigt werden. Zudem herrsche im wahren Islam absolute Glaubensfreiheit. Die anschliessende Fragerunde wird sachlich und trotzdem angespannt geführt. Vor allem die Verschleierung der Frau polarisiert die Anwesenden, da der Imam dies als Bestandteil des Islams ansieht.

 

Wichtige Bescheidenheit

Eine Woche später bin ich mit Wahab zum Gespräch in seiner Wohnung eingeladen. Bevor ich jedoch in die Blockwohnung im nebligen Zuchwil bei Solothurn eintreten darf, muss ich mich gedulden, denn seine Frau ist Zuhause nicht verschleiert, und nur die Familie und er dürfen sie unverschleiert sehen. Kurz darauf zeigt er mir mit einer Handbewegung, dass ich es mir im Wohnzimmer gemütlich machen soll. Das Wohnzimmer ist schlicht und modern eingerichtet. Sofa, Fernseher, Tisch, Lampe. Bei der Ahmadiyya Gemeinschaft ist es üblich, mindestens 1/16 seines Einkommens der Gemeinde zu spenden. Gemäss Islam entstünden viele Probleme, weil «der Mensch gierig, nie zufrieden ist», sagt er. Finanzielle Opferbereitschaft sei daher sehr wichtig. Mit seiner Frau ist der Imam erst seit kurzem verheiratet. «Sie ist perfekt für mich.» Und wenn sich das ändert? Scheidung ist nicht verboten, aber laut Koran müsse man zuvor mit Gebeten versuchen, den Weg wieder zurück zu finden.

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Wahab spricht sehr offen und trotzdem wirkt es so, als ob er lieber nicht zu viel von seinem Privatleben erzählen würde. Abdul Wahab Tayyab wurde in Pakistan geboren. Sein Vater war lange im Gefängnis, weil die Ahmadiyya Gemeinschaft in den meisten islamischen Ländern nicht als Muslime anerkannt werden. Als Junge siedelte er mit seiner Mutter in die Ostschweiz über, wo sein Vater bereits im Exil lebte. Obwohl die AMJ eigentlich eine kleine Minderheit der sunnitischen Glaubensgemeinschaft ist, sieht sie sich als die einzige Vertreterin des wahren Islams. Nur die Ahmadiyya Gemeinschaft praktiziere den wahren Islam. Der Koran werde «viel gedruckt und verteilt, aber nicht befolgt», sagt der Imam mit Bedacht. Aufgrund von Fehlinterpretationen des heiligen Buches sieht er die warnende Prophezeiung Mohammeds in vieler Hinsicht eingetroffen, die er schon am Vortragsabend erwähnt hatte:

«Die Moscheen werden voll sein von Menschen, aber leer von Rechtschaffenheit.»

Damit meint er jedoch nicht seine Moschee, sondern diejenigen, welche von Radikalen grossen Zulauf haben. Der Imam sieht die AMJ dagegen als wichtiges Glied in einer harmonischen muslimischen Gemeinschaft. Sie veranstalten Jugendcamps, führen Erziehungskurse durch und predigen einen ursprünglichen und friedlichen Islam.

Der Schleier als Bewusstsein

Zum kontroversen Thema Kopftuch verteilte die Ahmadiyya Bewegung etwa Flyer, um die Diskussion in ein anderes Licht zu rücken. Eine Frau, die ein Kopftuch trägt, ist laut der Gemeinde nicht unterdrückt, sondern zeigt lediglich, dass sie weder an Flirten noch an anzüglichen Blicken von Männern interessiert ist. Als Schutz ihrer Keuschheit quasi, weil die Haare ein Ausdruck der Schönheit sind. «Für mich ist es anständiger, wenn eine Frau ein Kopftuch trägt», sagt Abdul. Weshalb? «Eine Kopfbedeckung ist ein Bewusstsein für den Glauben.» Bei einer Nonne werde ja auch nicht gesagt, dass sie unterdrückt werde.

Auch wenn Wahab Tayyab seine friedlichen Absichten durchaus überzeugend darstellt, wird klar, dass sich seine Ansicht der Gleichberechtigung stark von derjenigen im Westen unterscheidet.

«Hier mussten die Frauen für ihre Rechte kämpfen, Mohammed gab ihnen diese Rechte schon bei der Gründung des Islams.»

Auch die Zwangsheirat existiere im Islam eigentlich nicht. Wie eine Heirat nach seiner Überzeugung ablaufen sollte, erklärt Herr Wahab so: Es würden zunächst Empfehlungen der Eltern abgegeben. Danach gebe es eine Art Vermittlung. Bevor man sich schlussendlich entscheidet, darf der Mann die Frau auch ohne Kopftuch sehen. Und wie frei ist die Frau bei der Partnerwahl?

«Eine Muslima darf keinen Mann heiraten, der eine andere Religion ausübt, denn normalerweise hat der Mann mehr Einfluss.»

Umgekehrt sei dies jedoch mit dem Volk der Schrift, also Juden und Christen, möglich. Auf meine Bemerkung, seine Auffassung von Gleichberechtigung sei eher eine «Andersberechtigung» meint er: «Gleichberechtigung ist eine spirituelle Sache. Im Islam haben Mann und Frau den gleichen Wert, aber gemäss ihrer Natur verschiedene Rechte und Verpflichtungen.»

Mexiko: Die komplette Diktatur

Die Serie zu vergessenen Konflikten führt Mokant.at zu dem blutigen Drogenkrieg nach Mexiko. Kartelle kämpfen dort mit der Regierung und anderen kriminellen Vereinigungen um Geld und Territorium, die USA und Europa haben dabei ebenfalls ihre Finger im Spiel.

Verbrechen in Mexiko ist konstant. Täglich. Zu einem Brauch geworden. Die Situation in unserem Land entspricht einer kompletten Diktatur -Daniel

Kartelle, Drogen und Organhandel

Offiziell herrscht in Mexiko seit 2006 ein Drogenkrieg, der vom damaligen Präsidenten Felipe Calderón gestartet wurde. Er findet auf zwei Ebenen statt: Einerseits hat es sich die Regierung zur Aufgabe gemacht mehrere Kartelle zu bekämpfen, andererseits kämpfen diese auch gegeneinander. Offiziell gibt es sieben große Kartelle. Laut Recherchen des Spiegels ist der mächtigste Zusammenschluss  das Sinaloa-Kartell, welches schon seit den 1990ern besteht und 45 Prozent des Drogenhandels beherrscht. Ihre Erzfeinde sind Mitglieder des 2010 entstandenen Kartells Los Zetas, welche eher im Osten des Landes angesiedelt sind und für ihre brutale Vorgehensweise und Massenexekutionen bekannt sind. Die interne Organisation ist sehr verschieden. Während Los Zetas militärisch straff organisiert sind, gleichen die Strukturen des Sinaloa-Kartells einem modernen multinationalen Konzern. Andere Beispiele, wie das Tijuana-Kartell fallen durch ihre guten Beziehungen zu Vertretern der Justiz und Exekutive auf. Auch wird dieses Kartell als einziges von einer Frau geleitet.

Die Drogenkartelle sind über das gesamte Land verstreut. Dabei haben Vertreter der Sinaloa-Gruppe mit zwei weiteren kriminellen Verbänden eine Allianz namens «La Federación», gegründet, die einzelnen Kartelle bleiben dabei jedoch eigenständige Organisationen. Auch wenn sich alle Gruppierungen hauptsächlich auf Drogenhandel spezialisiert haben, geht es bei den Kämpfen zwischen den Gruppierungen oft auch um regionale Vorherrschaften im Land. Weitere Einkommensquellen sind Schutzgelderpressungen und Organhandel, die beide auf der gewaltvollen Verschleppung von Menschen basieren. Etwa 85.000 Menschen sind bereits als Opfer des Drogenkrieges gestorben. Laut Statistiken verschwindet alle zwei Stunden eine Person in Mexiko, was mittlerweile schon 26.000 Vermisste ausmacht.

Das Collectivo Acción Solidaria con México-Austria (CASMA), eine politisch unabhängige Organisation, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Informationen, die jenseits der üblichen Berichterstattung über Gewalttaten liegen, zu sammeln. «Den Mitgliedern der Drogenkartelle, kurz narcos, geht es nicht nur um den Drogenhandel. Das Problem hat sich ausgeweitet und umfasst beispielsweise auch Menschenhandel, der noch profitabler als das Geschäft mit den Drogen ist», erklärt ein Mitglied der Organisation, der lieber anonym bleiben möchte. Der Preis für eine Niere liege ungefähr bei 100.000 Euro, diese Zahl verdeutlicht den finanziellen Reiz des illegalen Organhandels.  Außerdem haben die Kartelle bereits zwischen 13.6 und 49.4 Milliarden US-Dollar durch den Drogenhandel verdient, damit könnte man sich mindestens zwanzig Reisen zum Mond leisten. Um zu verstehen, wie es so weit kommen konnte, muss vor allem eine Sache geklärt werden: Es handelt sich bei der Gewalt nicht nur um kriminelle Organisationen, die aus Eigeninteresse handeln. Das Problem ist geschichtlich und psychologisch viel tiefer verankert.

Als Mexikaner will ich weder darauf warten, noch interessiert es mich, dass fremde Länder unsere internen Probleme lösen -Artemio

Koloniales Erbe: Drogenkrieg als Spitze des Eisbergs

Die Experten des CASMA erklären, dass die Probleme schon vor dem offiziellen Beginn des Krieges da waren. Der Krieg habe es nur komplizierter gemacht, die Drogenkartelle sich multipliziert. Aber auch die koloniale Geschichte Europas und der USA habe maßgeblichen Einfluss auf die heutige Situation. «Mexiko kann als eines der grausamsten Beispiele gesehen werden, bei dem an der Schnittstelle von Korruption, Kolonialismus und Neoliberalismus einiges auf so viele Weisen schief gegangen ist.» Dabei zieht sich ein roter Faden der Unterdrückung und Abhängigkeit durch die Geschichte Mexikos. Beginnend bei der Versklavung und Ermordung der Urbevölkerung im 16. Jahrhundert durch die Spanier, wodurch die Zahl der Indigenen von 25 auf 2,5 Millionen sank, bis zum Mexikanisch-Amerikanischen Krieg im 19. Jahrhundert, bleibt die Gewalt ein Teil des Landes.

CASMA sieht das koloniale Erbe als einen der Hauptauslöser für die prekäre Situation heute, mit dem Drogenkrieg als Spitze der Ereignisse. Dieser begann in seiner modernen Form bereits unter dem Präsidenten Vicente Fox (Mitglied der konservativen Partei PAN, Amtszeit 2000-2006, Anm.), als die ersten blutigen Konflikte im Zusammenhang mit dem Drogenhandel entstanden. Erst unter seinem Nachfolger Felipe Calderón (Mitglied PAN, Amtszeit 2006-2012) wurde die Regierung aktiv, und erklärt den Kartellen den Krieg. Seither hat die Kriminalität noch mehr zugenommen.

Die politische Situation in meinem Land ist abstrakt: Sobald du an einen Politiker denkst, denkst du auch an Korruption -Aldrin

USA: Methamphetamin an Amerikanische Soldaten

Eine maßgebliche Rolle spielt die geografische Lage des Staates. Die USA, die weltweit Spitzenreiter im Kokain Konsum sind, beziehen 90 Prozent davon aus Mexiko, durch das die meist in Kolumbien hergestellte Droge geschmuggelt wird. Auch ist das Land für die Vereinigten Staaten die größte ausländische Quelle für Marihuana und stillt zusätzlich auch einen großen Anteil der Methamphetamin-Nachfrage. «Wir sind der Hinterhof der USA und werden permanent nur über den Tisch gezogen und ausgenützt» sagen Vertreter der in Wien basierten Organisation CASMA. «Wir führen einen Krieg, den wir nicht designt haben, der uns von den USA auferlegt wurde und der für sie einen großen Profit bedeutet.» Neben dem illegalen Drogenhandel profitieren die Vereinigten Staaten vor allem von einem: Waffenhandel. Über 2000 Waffen sollen täglich über die Grenze nach Mexiko gebracht werden. Restriktionen gibt es keine, da die Waffen legal in den USA gekauft werden, und erst dann illegal transportiert werden.

Offiziell arbeiten die Regierungen beider Länder zusammen. Eine, von den USA ausgehende Initiative unterstützt die mexikanische Regierung finanziell im Kampf gegen die Kartelle. Was laut CASMA dabei nicht bedacht werde, sei die weit fortgeschrittene Korruption, die in Mexiko herrsche. Laut der Human Rights Watch werden vermehrt Menschenrechtsverletzungen durch Militär und Polizei gemeldet. Die Mexikaner selbst sprechen sogar von einem Versagen des Rechtssystems und einem generellen Misstrauen, bis zu Gefühlen der Angst gegenüber der Polizei, besonders auf munizipaler Ebene.

Aufgrund fehlender Jobs werden viele Menschen kriminell, oder schließen sich sogar Organisationen wie den narcos an, die riesige Gebiete dem Erdboden gleich machen -Aldrin

Social Media: Rohe Gewalt für vergoldete Waffen

Der Krieg und die Kriminalität haben sich bereits so weit im System verankert, dass von einer «Narcokultur» (also einer Kultur des Drogenhandels=Narcotráfico, Anm.) die Rede ist. Schon im jungen Alter werden hauptsächlich Menschen mit trüben Zukunftsaussichten für eines der großen Kartelle rekrutiert. Laut dem Colectivo Acción Solidaria con México seien sie auf Grund von Armut, niedriger Bildung, und Korruption bereit, sich den Kartellen anzuschließen. Die Zugehörigkeit zur Narcokultur wird beinah glorifiziert, und umfasst dabei fast alle Lebensbereiche, von einer eigenen Musik, bis hin zu einem eigenen Slang. «Die Gewalt hat sich als Teil unseres Wesens etabliert. Es geht schon so weit, dass nicht mehr nur ein einzelnes Leben keinen Wert mehr hat, sondern dass es den Menschen Spaß zu machen scheint andere zu ermorden und ihnen Schmerzen zuzufügen», versucht der Vertreter von CASMA zu verstehen, was in den Köpfen der narcos vor sich geht.

Auch hier ziehen manche Experten Parallelen zu den USA. So soll während des zweiten Weltkriegs eine temporäre Legalisierung von Rauschgiften nur deshalb stattgefunden haben, um die Morphin-Nachfrage der amerikanischen Soldaten zu stillen. Diese Periode soll die Entwicklung des Drogenhandels zwischen den zwei Staaten maßgeblich geformt haben, da auch erstmals Morphine, und später andere Drogen in großen Mengen produziert wurden – der mögliche Start einer Narcokultur. Heute sind die Kartelle an die weltweite Nachfrage angepasst und konnten sich laut dem Colectivo sogar schneller an die neoliberale Logik anpassen, als so manche Firmen. Die Modernität ihres Vorgehens zeigt sich auch in ihrem Lebensstil: Die Kommunikation erfolgt großteils über soziale Medien; viele der narcos leben in Luxus und teilen Fotos von ihren Haustier-Tigern, oder vergoldeten Waffen unter den Hashtags «narco» und «narcostyle», was wiederum ein verfälschtes Bild des Lebens als narco produziere.

Die politischen Führer scheinen weder das Potential, noch das Interesse daran zu haben, die dringendsten Thematiken des Landes zu lösen. Aber wenn wir die politischen Führer wechseln – was kommt danach? -Artemio

Studenten und Bürgerwehr: Widerstand im Narcoland

Zu den an die Moderne gut angepassten Drogenhändlern, den Menschenverschleppungen und der Korruption kommt noch dazu, dass in Mexiko bis dato eine Unterdrückung der Pressefreiheit herrscht. Unabhängige Medien und Journalisten werden laut CASMA zum Schweigen gebracht und oft auch ermordet. Es sei sogar von einer demokratischen Diktatur, einem Narcostaat die Rede. Zwischen 2000 und 2014 sollen dabei über hundert Journalisten umgebracht, über zwanzig verschleppt worden sein.

Am 26.September 2014 schafft es eine der grausamen Meldungen bis zu uns. Ein Bus mit 100 Studenten fährt von der Universität Ayotzinapa, die ca. 400km südlich von Mexiko-Stadt liegt, Richtung Hauptstadt, um an einer Demonstration teilzunehmen. 43 der Studenten verschwanden; wie der genaue Ablauf vor sich ging, ist bis heute ungeklärt. Die offizielle Version, es sei zu einem Zusammenstoß mit der Polizei und folgend zu einer Übergabe an das Drogenkartell «Guerreros unidos» gekommen, weißt Lücken auf. Unter dem Hashtag #hastaencontrarlos, was so viel bedeutet wie «bis wir sie finden», engagieren sich zahlreiche Initiativen für die Thematik die dieser Fall aufgeworfen hat. Er ist symbolisch geworden für den anscheinend grenzen- und skrupellosen Konflikt, der zwischen den Drogenkartellen herrscht. Das meinen auch die Mitglieder des Colectivo: «Ayotzinapa hat alles was wir wissen so klar aufgezeigt und auch viele andere Fälle von Verschleppungen und Menschenhandel zum Vorschein gebracht. Spezialisten sind auf die Lücken der offiziellen Version gestoßen und zeigten, wie der Staat Sachen verdreht hat.»

Weitere Demonstrationen zeigen, dass sozialen Bewegungen sich nicht auflösen, sondern nur kurzzeitig von der Bildfläche verschwunden sind. Dabei werden von den Protestierenden nicht nur laute, sondern auch leise Maßnahmen gegen die Probleme im Land getroffen: Viele kleine Städte in Mexiko haben begonnen, die Polizei aus ihrem Gebiet zu verbannen und sich selbst zu verwalten, ihre eigene Regierung zu bilden, da sie der offiziellen Seite nicht mehr vertrauen wollen. Am Ende des Tages bleibt für die Männer und Frauen des CASMA eine Frage offen, die erneut die Komplexität des Problems aufzeigt: «Wie soll man einen Krieg gewinnen, für den das Kapital aus dem mächtigsten Staat der Welt, den USA kommt und nicht aus der Region, in der gekämpft wird? Wie einen Krieg führen in dem es keinen klaren Feind gibt?»

GewaltinMexiko (1)

Mexicohistory

 

Die Autorin verbrachte ein Jahr im Süden von Mexiko und hörte beinah täglich über zahlreiche Zwischenfälle und alltäglich gewordene Gewalt. Alle Zitate stammen von Freunden vor Ort und wurden, so wie die Informationsquellen, von ihr übersetzt.

Dieser Artikel ist am 08. Dezember 2015 auf Mokant.at erschienen.

Heute schon gelacht?

Gemäss Untersuchungen des Begründers der moderner Lachforschung, William Fry, ist erwiesen, dass Lachen einen positiven Effekt auf unsere Gesundheit hat. Kinder lachen ungefähr 400 Mal pro Tag, Erwachsene lediglich 15 Mal. Wer den Humor und das Lachen in seinen Alltag integriert, steigert seine Lebensqualität enorm. Ein indischer Arzt ist sogar der festen Überzeugung, dass zwei Minuten Lachen den gleichen Effekt auf die Gesundheit von Körper und Geist haben wie 20 Minuten Jogging. Dadurch wird deutlich, wie wichtig die Arbeit der Traumdoktoren im Spital ist.

Wer lacht, lebt länger!

Gerade für Kinder im Spital beinhaltet dieser Spruch viel Wahrheit – denn wenn sie lachen, können sie ihre Sorgen für eine Weile vergessen. Die Stiftung Theodora schickt seit 22 Jahren lustige, poetische Artisten in die Spitäler, um den Kindern humorvolle Momente zu schenken.

Die Stiftung wurde 1993 von den Brüdern Jan und André Poulie, in Erinnerung an ihre Mutter Théodora, ins Leben gerufen. In Jugendjahren musste André nach einem schweren Unfall monatelang im Spital liegen. Théodora verbrachte jeden Tag die wenigen erlaubten Besucherzeiten am Bett ihres Sohnes. Sie erzählte ihm und den anderen kleinen Patienten Geschichten, erfand Spiele und zauberte. Ihre Fröhlichkeit rückte den Schmerz und die Angst für eine Weile in den Hintergrund und erheiterte den schwierigen Spitalalltag der Kinder.

Mit diesem Glücksrezept schenken die Brüder Poulie den Kindern im Spital und Kindern mit Behinderung in spezialisierten Institutionen farbige und zauberhafte Augenblicke. Die enge Zusammenarbeit mit den Ärzten und dem Pflegepersonal erlaubt den Spitalclowns, behutsam und sehr individuell auf jedes Kind einzugehen, so dass es im Mittelpunkt des Besuches steht. Auch für das Umfeld des Kindes, die Eltern, die Geschwister und das Fachpersonal ist der Besuch sehr wertvoll und bringt etwas Sonne in die besorgten Herzen. «Was ich nie vergessen werde, sind die dankbaren, zu Tränen gerührten Eltern, wenn sie ihre Kinder beim Besuch der Traumdoktoren wieder lachen sehen.» Erzählt Simona Waldburger, Projektmanagerin der Stiftung. «Einmal sah ich in der Onkologie ein Mädchen, das wegen Kortison stark geschwollene Augen hatte. Das Mädchen war überglücklich, als Dr. Trallalla ein Lied extra für sie sang. Solche Ereignisse sind immer sehr bewegend.» Simona Waldburger bewundere, mit welchem Mut Kinder und Eltern schwierige Situationen meistern und sich trotz allem zum Lachen und Träumen mitreissen lassen. Ebenfalls bewundere sie das Pflegepersonal, das unermüdlich und mit viel Empathie für das Wohl der kleinen Patienten sorge.

Bei der Stiftung Theodora ist die Abgrenzung zwischen Arzt und ‚Humorolge‘, ein von der Stiftung Theodora kreiertes Wort für die tätigen Traumdoktoren, allerdings ganz strikte. Jeder hat seinen Moment, der Arzt, das Pflegepersonal und die Traumdoktoren. Wenn die Ärzte da sind, müssen die Traumdoktoren gehen. Damit soll verhindert werden, dass der Artist mit Schmerzen in Verbindung gebracht wird und das Kind dadurch enttäuscht ist und sich vom ihm hintergangen fühlt.

Über die therapeutische Heilkraft des Lachens wird seit Urzeiten berichtet und genau jenes Lachen zaubert der Traumdoktor Kindern ins Gesicht. Sein grösster Wunsch bleibt aber trotzdem, den Kindern Gesundheit schenken zu können. 

Weitere Informationen

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Wer die Stiftung Theodora unterstützen und Kindern ein Lachen schenken möchte, findet weitere Infos unter www.theodora.org

Spendenkonto PC 10-61645-5

Dritte Welt: Erlebnisse aus Bali

Von meiner Terrasse aus blicke ich über meinen wunderschönen Garten und geniesse mein Bier. Mein Lebensgefühl ist grossartig. Währenddessen sammelt mein Nachbar Gartenabfälle bei mir. Er ist nicht mein Gärtner, sondern will die Abfälle später in der Stadt verkaufen. Für ein Kilo vertrocknete Frangipaniblüten kriegt er umgerechnet 1.50 Franken. Er ist 62 Jahre alt. Sein rechtes Bein von einem Motorradunfall völlig deformiert, weshalb er seit mehreren Jahren chronische Schmerzen hat. Für Medikamente oder gar eine chirurgische Behandlung fehlt das Geld. Immer wieder kommen Nachbarn zu mir und bitten darum, sich einige Früchte pflücken zu dürfen, die sie zum Kochen verwenden können. Es hat zum Glück genug für alle.

Mein Fischerfreund

Am Abend kommt ein Freund von mir vorbei. Er ist Fischer. Er hat Geldsorgen, weil die Nebensaison begonnen hat. Wenn die Touristen ausbleiben, bricht eine wichtige Nebeneinkommensquelle ab. Um den täglichen Bedarf von ihm und seiner Familie zu decken, braucht er mindestens 7 Franken. Das Bezahlen der Schuldgelder für die Kinder wird zum Kampf werden. Zu allem Überfluss braucht sein ältestes Kind ein Motorrad, weil der Weg in die neue Schule 14 Kilometer beträgt. Ein Fahrrad käme nicht in Frage, weil sein Sohn dann zum Gespött der Leute würde. Fahrräder sind auf Bali sehr selten, hier hat fast jede Familie mindestens ein Motorrad. Das Fahrrad wäre ein Zeichen dafür, dass seine Familie nicht einmal über das Geld für ein Motorrad verfügt. Er hofft, dass ein Freund aus Frankreich ihn finanziell unterstützt. Vor einer Woche hatte er noch so viel Arbeit, dass er drei Tage am Stück nicht geschlafen hat. In der Nacht ging er fischen und tagsüber hat er seine Ausrüstung repariert, im Haus geholfen und vereinzelte Touristen aufs Meer geführt. Von seinem Fang kann er nur einen Bruchteil behalten. Die Hälfte geht an den Bootsbesitzer. Wer die Fischerausrüstung beisteuert, bekommt auch noch einen Viertel des Ertrags. Viele Fischer können sich die teure Ausrüstung nicht selbst leisten und müssen sie deshalb teuer ausleihen. Nur das letzte Viertel wird unter den Fischern aufgeteilt. Die Menschen auf Bali helfen sich gegenseitig, ohne diese Unterstützung würden viele nicht über die Runden kommen. Für den Fischer ist das Leben zurzeit trotzdem ein Kampf ums Überleben.

Auf Bali werden grosszügige Touristen nicht selten auch als Geldgeber benutzt. Die Anfragen für Unterstützung überschatten dann die Freundschaft. Der Fischer hat mich aber noch nie um Geld gebeten. Er sieht mich als Freund, um Zeit, Essen und Palmwein zu teilen.

Die Gärtnergeschwister

Mein Garten wird von einem 18-jährigen Balinesen zusammen mit seiner 12-jährigen Schwester bearbeitet. Seine Schwester kommt sehr gerne vorbei, weil sie hier Abstand von ihrem Zuhause hat, sagt sie. Ihr Haus hat kein Badezimmer, sie waschen sich mit einem Eimer und einer Kelle. Ihre Mutter ist geistig behindert und kann deshalb zum Familieneinkommen nicht beitragen. Der 18-jährige Gärtner träumt von Reichtum. Als ein Tourist ihm vor zwei Wochen 100 Franken schenkte, hat er es seiner Familie verheimlicht und sich mit dem Geld ein Smartphone gekauft. Für ihn sei das zumindest ein winziger gefühlter Zugang zur Welt der reicheren Leute, sagt er.

Text: Kaspar Anderegg