All posts by Mélanie Baierlé

Die spinnen, die Iren

Es ist Samstag Vormittag. Wir befinden uns in Greifensee ZH, genauer gesagt vor dem Sport- und Fitnesspark Milandia. Von allen Richtungen her kommen sportlich gekleidete, junge Menschen und versammeln sich neben den Fussballfeldern. Auf den ersten Blick scheint es ein ganz normaler Samstag an einem Sportplatz zu sein: Die Sportler ziehen sich um, machen sich warm, passen ein paar Bälle hin und her. Es könnte ein Fussballteam sein, doch plötzlich nehmen sie den Ball in die Hand, «tacklen » den Gegner – also versuchen auf eher robuste Art und Weise in Besitz des Balles zu kommen – und werfen den Ball zwischen zwei Stangen durch, die oben am Goal festgemacht sind. Es ist kein Fussball, es ist Gaelic Football! 175 Spieler und Spielerinnen aus verschiedenen Clubs der Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien und Tschechien sind hier zusammengekommen, um die irische Nationalsportart zum Besten zu geben und um den Turniersieg zu kämpfen. Die meisten von ihnen sind jedoch Iren – dies ist unmissverständlich den englischen Zurufen zu entnehmen. Sie werden den Milandia-Park für ein paar Stunden in eine kleine, irische Exklave verwandeln. Sogar das Wetter zollt den Iren Tribut und lässt Spätnachmittags dicke Regentropfen herunterfallen, sodass die Finale schon fast zur Schlammschlacht wird. Wie kommt es eigentlich dazu, dass eine solch internationale Gruppe hier mitten im Zürcher Oberland zusammenfindet?

Der Zurich Inneoin GAA Club

Die Geschichte beginnt im Jahre 2002, als Timo Powling von einem geschäftlichen Aufenthalt in Irland zurückkehrt und zusammen mit Freunden den Zurich Inneoin GAA Club gründet, um die in Irland kennengelernten Sportarten ausüben zu können. Sie beginnen über DVDs die Regeln des Hurling zu lernen. Hurling wird mit kellenförmigen Stöcken (Hurley) und einem kleinen, harten Ball – dem Sliotar – gespielt und zählt zu den schnellsten Sportarten auf dem Rasen. Es sieht aus wie eine Mischung aus Landhockey und Lacrosse. Die beiden Sportarten Hurling und Gaelic Football sind enorm traditionsreich. Die ersten Überlieferungen über ein Hurling-Spiel reichen zurück bis ins 14. Jahrhundert vor Christus. Mit Hilfe der Sportart wurden Zusammenbrüche der sozialen Strukturen überwunden, eine Art Nationalismus ausgelebt und so geht die Erfolgsgeschichte in Irland weiter bis heute.

Der Club heute

Heute zählt der Zurich Inneoin GAA Club in etwa 40 aktive Mitglieder und ist immer wieder auf der Suche nach neuen. Sie trainieren Montags und Freitags, abwechselnd eine der beiden Sportarten und organisieren immer wieder Sonntage im Park für eine Runde «Rounders» (eine Art Baseball), ein Bier oder zwei oder einfach gemütliches Zusammensein. Ein solches Turnier, wie jenes in Greifensee, ist keineswegs eine Ausnahme für die fleissigen Sportler und Sportlerinnen, denn über das ganze Jahr verteilt gibt es Turniere, die jeweils von einem anderen Team organisiert und von der Gaelic Athletic Association (GAA) unterstützt werden. Diesen Oktober werden einige Football-Spieler und Spielerinnen nach Maastricht reisen, um dort im «European Final» teilzunehmen. Dort hätten sie sogar die Chance in ihrer Liga Europameister zu werden! So kommen die Spieler immer wieder miteinander in Kontakt, man trifft alte Freunde und verbringt Abende in den lokalen, irischen Pubs und spricht über die alte und die neue Heimat. Ja, der soziale Aspekt darf nicht zu kurz kommen und gehört zum Sport, fast wie eine dritte Halbzeit. Wir sagen Prost – oder besser gesagt: Slàinte!

Geflüchtet in die Schweiz

Frau Aziz* lebt mittlerweile seit 3,5 Jahren in der Schweiz. Eigentlich ist sie Palästinenserin, aber sie hat in Syrien gelebt. Daher ist auch sie vor dem Krieg in Syrien geflüchtet. Sie hat den F-Ausweis, was bedeutet, dass sie nach dem Krieg wieder zurück nach Syrien gehen muss. Manchmal vermisst sie ihr Herkunftsland, aber Tinkjunior gegenüber sagt sie, dass es ihr hier in der Schweiz gefalle.

Ihr Leben in der Schweiz

Am Anfang war es für Frau Aziz schwierig, sich in der Schweiz zurechtzufinden: «Hier herrschen andere Gesetze, man spricht eine andere Sprache und das ganze Leben ist anders.» Heute fühlt sie sich dankbar, in der Schweiz zu sein und nutzt die Angebote, die ihr zur Verfügung stehen. «Es gibt hier ein Frauentreffen und wir machen regelmässig bei den Aktivitäten mit, welche die Gemeinde organisiert.» Frau Aziz lernt aktuell in einer Sprachschule in Bern Deutsch. «Danach möchte ich aber gerne arbeiten gehen.» Es sei nicht einfach, Deutsch zu lernen. Wenn man es aber unbedingt möchte, gehe es schon. Die Kinder von Frau Aziz gehen in einen Sportverein. Zudem gehen sie mindestens einmal in die Tagesschule, damit die Eltern entlastet werden.

Zufrieden, trotz den Schwierigkeiten

«Wir haben alles, was man zum Leben braucht.». Der einzige Nachteil sei, dass es bei ihnen zuhause sehr eng sei. Frau Aziz hat 4 Kinder und einen Mann, zusammen sind sie also 6 Personen, die in einer recht kleinen Wohnung leben. Die Kinder streiten oft, aber das sei ja normal. Auch Rassismus erlebe sie kaum. Manchmal schauen Menschen schon ein wenig komisch, aber das seien sehr wenige und vor allem ältere Menschen.

Das Interview wurde von unserer Tinkjunior-Reporterin auf Deutsch und Englisch geführt, es war keine Übersetzerin anwesend.

*Name von der Redaktion geändert

Der nachhaltige Filmtipp – Chasing Coral

«Das Problem mit den Ozeanen ist: Aus den Augen, aus dem Sinn», sagt Richard Vevers (Mitinitiator Chasing Coral). Vielen Menschen bleibt die Unterwasserwelt verborgen und so ist ihre Motivation gering, dieses Ökosystem zu schützen. Aber warum bleichen die Korallen aus und sterben dann ab? «Der Ozean hat Fieber», erklärt Vevers. Die Wassertemperaturen steigen, da der Ozean beinahe die ganze durch den Klimawandel entstehende Wärme absorbiert. Wie bei Menschen: wenn das Fieber zu lange zu hoch ist, stirbt man. Zwei Grad mehr reichen auch bei Korallen schon aus und an vielen Orten ist die Wassertemperatur sogar noch höher. Die Auswirkungen des Korallensterbens sind auch für den Menschen verheerend. Korallenriffe bilden einen natürlichen Schutz vor Überschwemmungen, sie filtern CO2 aus der Luft, sie bieten tausenden von Fischarten ein Zuhause und stellen somit sicher, dass rund 100 Millionen Menschen mit Nahrung versorgt sind.

Zusammen mit Jeff Orlowski, dem Regisseur von «Chasing Ice», dokumentieren Vevers und sein Team mit 360°-Aufnahmen die Schönheit der Korallenriffe. Sie setzen sich zum Ziel, erstmals eine Korallenbleiche im Zeitraffer zu dokumentieren. Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten und einigen Rückschlägen, entschloss sich das Team, die Korallenbleiche auf dem Great Barrier Reef in Zeitraffer-Aufnahmen von Hand festzuhalten. Dazu machte jede Person bis zu 25 Tauchgänge pro Tag und verbrachte über 4 Stunden täglich unter Wasser – und das während eines ganzen Monats. Die Aufnahmen brachten die Mitglieder des Teams körperlich und emotional an ihre Grenzen. Doch ihre Mühe wurde belohnt: Es gelingt ihnen erstmals mit eindrücklichen Aufnahmen die weltweite Korallenbleiche im Zeitraffer zu dokumentieren.

Der Verein Filme für die Erde freut sich sehr, «Chasing Coral» am 22. September 2017 in 17 Standorten der Schweiz und in Liechtenstein am Filme für die Erde Festival zu zeigen. Eintritt ist frei. Mehr Infos und alle Austragungsorte unter: www.FILMEfürdieERDE.org/festival

Dieser Film sowie weitere Filme zu diesem Thema sind auf der Filmseite Ökosystem Meer aufgelistet.

Der monatliche Filmtipp wird von Filme für die Erde präsentiert. www.FILMEfürdieERDE.org ist die weltweit grösste Website zu Film und Nachhaltigkeit, mit über 100 Filmen, die direkt online angeschaut werden können.

Eine Serie bricht ein Tabu

Jung, hübsch und tot: Die Heldin der Netflix-Serie Tote Mädchen lügen nicht (englischer Originaltitel Thirteen Reasons Why, wörtlich: «Dreizehn Gründe warum») ist bereits ab der ersten Folge tot. Hannah hat sich das Leben genommen, an ihrem Spind in ihrer Highschool hängen Blumen und handgeschriebene Abschiedsbriefe. Warum ist Hannah gegangen? In der amerikanischen Kleinstadt streitet man sich um eine Erklärung. Hannah Baker, gespielt von Katherine Langford, hat vor ihrem Ableben eine Kiste mit 13 Kassetten vorbereitet und schickte sie an 11 Schüler und einen Lehrer – alles Menschen, die sie für verantwortlich für ihren Tod hält. Clay schwärmte für Hannah, doch er hatte den Mut nicht, es ihr zu sagen. Als er sich die Kassetten anhört, will er nur noch eins: Rache an den Menschen ausüben, die Hannah verletzt haben. Die 11 beschuldigten Schüler und Schülerinnen wollen nicht, dass die Wahrheit aufgedeckt wird, da dies für sie eine Strafe oder sogar das Gefängis bedeuten könnte. Sie wollen mit allen Mitteln Clay zum Schweigen bringen. So gerät Clay in ein gefährliches Abenteuer und auch er ist schon bald der Verzweiflung nahe.

Vom Buch zur Serie

Tote Mädchen lügen nicht kennen viele Leute nicht nur als Netflix-Serie sondern auch als Buch. Das Jugendbuch aus dem Jahr 2007 ist vom US-amerikanischen Schriftsteller Jay Asher. Es erschien 2009 in deutscher Übersetzung. Am 31. März 2017 veröffentlichte Netflix die Miniserie, die unter anderem von der Sängerin und Schauspielerin Selena Gomez produziert wurde.

Die Hauptdarstellerin: Katherine Langford

Die 21-Jährige Katherine Langford hatte vor dem Dreh der Serie noch nie eine Kassette gebraucht, kein Wunder, denn sie ist am 29. April 1996 in Peth, Australien geboren. Da waren die Kassetten schon nicht mehr «in» und schon fast ausgestorben. Viele Jahre später wurde sie an der Schauspielerschule akzeptiert. Sie entschied sich, für zwei Vorsprechen nach Los Angeles zu fliegen, jedoch bekam sie zu diesem Zeitpunkt keine Rolle. Schon glaubte sie, eine der schlimmsten Entscheidungen ihres Lebens getroffen zu haben, als sie einen Anruf von Tom McCarthy erhielt. Tom McCarthy hatte gerade 2 Oskars für den Film Spotlight bekommen, nun arbeitete er gerade an der Netflix-Serie und musste noch die Hauptrolle besetzten: die des totes Mädchen. Ein paar Skype-Anrufe später war Katherine Langford engagiert.

Eine Gefahr für junge Menschen?

Aufgrund des Themas und der Suiziddarstellung sprachen sowohl Zuschauer als auch Spezialisten aus der Medizin und der Psychologie ihre Bedenken gegenüber der Serie aus, die darin besonders für suizidgefährdete Jugendliche ein Risiko sehen. Netflix versah sie in einigen Ländern mit einem Warnhinweis und in Neuseeland dürfen junge Menschen die Folgen inzwischen ausschliesslich unter Aufsicht von Erwachsenen schauen. Die Produzentin Selena Gomez und Netflix verteidigen sich gegen die Vorwürfe und hoben hervor, dass sie auf ein wichtiges Thema aufmerksam machen wollten.

Trotz schwierigen Szenen eine sehenswerte Serie

Aus meiner Sicht ist die Serie «Tote Mädchen lügen nicht» toll, da nicht viel über das Thema Selbsttötung gesprochen wird. Es gibt in der Serie ein paar Szenen, bei denen man mit Taschentücher bewaffnet sein muss und auch ein paar die für junge Jugendliche nicht geeignet sind – wie eine Vergewaltigung und der Suizid. Doch trotzdem ist die Serie romantisch und sehenswert. Besonders fand ich die Idee mit den Kassetten cool. Dass die Serie gelungen ist, finde nicht nur ich, denn im Jahr 2018 erscheint bereits die 2. Staffel.


Betroffene frühzeitig unterstützen

In der Schweiz versuchen 15’000 bis 25’000 Menschen pro Jahr sich das Leben zu nehmen. Über 1’000 Personen sterben dabei – das ist das Dreifache wie Verkehrstote. Doch ist das Thema ein Tabu: Studien haben gezeigt, dass die Schweizer Bevölkerung sich der Problematik wenig bewusst ist.

Bei Jugendlichen werden in der Schweiz ungefähr 10’000 Suizidversuche pro Jahr aufgezeichnet, wobei jeder dritte Tag ein junger Mensch in der Schweiz ihn nicht überlebt. Depressionen oder Mobbing sind dabei oft eine Erklärung dafür. Organisationen machen darauf aufmerksam, dass es wichtig ist, die Signale frühzeitig zu erkennen und die Betroffenen zu unterstützen, insbesondere weil diese ihre Probleme oft für sich behalten.

Notfalladressen und Beratung bei Suizidgedanken

  • Beratungstelefon für Kinder und Jugendliche (24 Stunden) Telefonnummer 147
  • Die Dargebotene Hand (24 Stunden): Telefonnummer 143 / www.143.ch
  • Pro Mente Sana Beratungstelefon: 0848 800858
  • Elternnotruf (24 Stunden) 044 261 88 66
  • Beratung für Jugendliche von Jugendlichen im Internet: www.u25-schweiz.ch

Mit dem Abfall in den Wald

Als Abschlussarbeit des Propädeutikums an der Schule für Gestaltung habe ich ein Video zum Thema Littering gedreht. Der Begriff Littering stammt aus dem Englischen, er bezeichnet das achtlose Wegwerfen von Abfall im öffentlichen Raum und im Wald. Mein Auftrag war es, ein Video zu machen, welches Kinder, möglicherweise auch Erwachsene, dazu animieren soll, Littering im Wald zu vermeiden. In der Umsetzung dazu, wie ich vorgehe, welche Technik ich benütze, war ich frei. Ich zeichnete kein detailliertes Drehbuch, sondern schleppte einen Sack voller Abfall in den Wald, um dort mit ersten Animationsversuchen beginnen zu können. Ich inszenierte jegliche Abfallgegenstände, teste verschiedene Standorte und Kameraeinstellungen. Schliesslich fügte ich die entstandenen Filmfrequenzen am Computer zusammen und unterlegte sie mit Geräuschen und Musik.

Entstanden ist ein Stop-Motion Film, welcher die Botschaft des Naturschutzes auf eine kreative und hoffentlich bleibende Weise vermitteln sollte.

Dieses Video ist im Auftrag von WWF Bern entstanden.

Menschliche und skulpturale Migrationsströme

Nicht als «white cube» sondern als «grey cube» präsentiert sich der Raum der Ausstellung «Migration – Bewegte Welt» im obersten Stockwerk des Museums der Kulturen Basel, für deren Konzeption sich die Direktorin Anna Schmid und die Co- Kuratorin von Kathrin Schwarz verantwortlich zeichnen. Eine graue Stellwand, deren Form und gewagte Inklination womöglich nicht ganz zufällig Assoziationen an Lärmschutzwände und Grenzwälle weckt, zieht beim Betreten des Ausstellungsraumes sogleich die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Den Auftakt bildet eine indonesische Skulpturengruppe aus zwölf Ahnenfiguren, von denen sich unter anderem Reisende Schutz erhofften. Dahinter eine aktuelle Installation «Migration» des Glaskünstlers Matteo Gonet: Eine mäandrierende Reihe durchsichtiger Glaszylinder mit blauem Kern in unterschiedlichen Grössen, deren prozessionsartige Anordnung Ahnungen von Flüchtlingsströmen evoziert. Die gläserne Arbeit korrespondiert auf reizvolle Weise mit der bunt durchmischten Anordnung ethnographischer Skulpturen aus unterschiedlichen Erdteilen auf der anderen Seite der Stellwand. Sie verdeutlichen, dass nicht nur Menschen sondern in gewissem Sinne auch Objekte den Status von Migranten tragen können.

Migration als Bereicherung

In thematisch locker miteinander verbundenen Stationen sucht die Ausstellung anhand von 120 ausgewählten Objekten unterschiedliche Facetten eines Themas von hoher Aktualität und Brisanz herauszustreichen, welches in medialen Repräsentationen vermehrt eine Reduktion auf seine rein negativen Aspekte erfährt. So handelt es sich bei dem Phänomen der Migration nicht um einen Ausnahmezustand, sondern um eine historische und soziale Konstante, die sich mitunter in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht auch als Bereicherung herausstellen kann. Die kleine aber feine Ausstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert einzelne Schlaglichter, die in der Zeitspanne vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart angesiedelt sind und in mehreren Fällen einen lokalen Bezug aufweisen. Protestantische Religionsflüchtlinge aus Frankreich zeichneten sich beispielsweise im 17. Jahrhundert für die Einführung des Gewerbes der Seidenbandfabrikation in Basel verantwortlich. Dieses verhalf zeitgleich dem Färberhandwerk zu einem Aufschwung, aus dem sich schliesslich die chemische und die pharmazeutische Industrie entwickelten.

Vom Krieg gezeichnet

Die tragischen Seiten der Migration werden jedoch keineswegs ausgeblendet oder schöngefärbt. Wahrhaft verstörend mutet der afghanische Kriegsteppich aus dem 20. Jahrhundert an – einerseits Überlieferungsträger einer traditionsreichen Handwerkskunst, andererseits bildhaftes Zeugnis von nahezu vierzig Jahre andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen, welche die Bewohner immer wieder zur Flucht in die benachbarten Länder und nach Europa zwangen. Entsprechend schöpft sein ikonographisches Programm nicht aus dem Fundus bewährter Motive, sondern aus dem zeitgenössischen Waffenarsenal: Handgranaten, Helikopter, Panzer und eine Kalaschnikow beanspruchen nun den Platz für sich.

Ethnologie wird fassbar gemacht

Komplementär zu den einzelnen Ausstellungen bietet das Museum der Kulturen thematisch verwandte Programmpunkte an, darunter das jeden ersten Mittwoch im Monat stattfindende Vermittlungsformat «Ethnologie fassbar», welches einem interessierten Publikum ethnologische und kulturwissenschaftliche Fragestellungen auf leicht verständliche Weise nahezubringen sucht. Im Rahmen dieser Reihe fand auch die Veranstaltung «Typically Swiss?» statt, bestehend aus einer kurzen dialogischen Führung, einem ebenfalls dialogisch gestalteten Vortrag und einer Gesprächsrunde. Tabea Buri, Kuratorin der Abteilung Europa im Museum der Kulturen, Eleonore Wettstein von der Fachstelle GGG Migration und Sabine Rotach, Leiterin Bildung und Vermittlung im Museum der Kulturen verhandelten mit dem Publikum die Fragen nach «typisch schweizerischen» Eigenschaften, nach der Eigen- und Fremdwahrnehmung von Schweizern, nach dem Einfluss stereotypischer Zuschreibungen und dem Bild, welches Auslandschweizer von ihrer ursprünglichen Heimat mit sich tragen.

Die Macht der Symbole

Als Aufhänger diente dabei jene Station der Ausstellung, welche der sogenannten «fünften Schweiz» gewidmet ist, also den Schweizer Staatsbürgern, die sich bewusst und aus vorwiegend positiven Beweggründen zur Auswanderung entschieden haben. Bei den Exponaten handelt es sich um Objekte, welche einzelne Auslandschweizer mit ihrer Heimatnation verbinden. Die Biederkeit der Auswahl überrascht einerseits, andererseits wiederum auch nicht: Neben der unverwüstlichen Kuhglocke finden sich auf dem Sockel auch das altbewährte Schweizer Taschenmesser, ein Fondue- Caquelon sowie eine Reihe hölzerner Spielzeugkühe. Tabea Buri betonte, dass der starke Symbolgehalt dieser archetypischen Repräsentanten von «Swissness» nicht unterschätzt werden darf. Gegenstände können als Träger von Kindheitserinnerungen fungieren und Vorstellungen erzeugen, welche mit der Realität zum Teil nur noch am Rande übereinstimmen.

Stereotype als Problem

Ähnlich machtvoll und problematisch erweisen sich stereotypische Zuschreibungen an eine bestimmte Menschengruppe. Dass Stereotypen eine menschliche Konstante und in allen Kulturen verbreitet sind, wurde in der von Sabine Rotach moderierten Diskussionsrunde herausgehoben. Zwar erleichtern sie die Kommunikation, tragen jedoch das Potential zur Ausgrenzung bestimmter Personen oder Personengruppen mit sich, wie Tabea Buri erklärt. Und Eleonore Wettstein spielt auf die Vermischung von Eigen- und Fremdzuschreibungen an, wenn sie verrät, dass Migranten in gewissen Fällen die mit ihrer Ethnie in Verbindung gebrachten Zuschreibungen auch akzeptieren und ihrerseits in Gesprächen darauf zurückgreifen.

Die Ausstellung «Migration – Bewegte Welt» läuft noch bis zum 21. Januar 2018 im Museum der Kulturen Basel.

Die Vierte Gewalt gerät ins Abseits

Was haben Maulwürfe und Journalisten* gemeinsam? Beide Spezies sind vom Aussterben bedroht, beide Spezies wühlen gerne: Die eine in der blanken Erde, die andere in den Untiefen der menschlich produzierten Informationsfülle. Allerdings sind Journalisten* am Ende des Monats froh, wenn der Kontostand höher ist als noch vier Wochen zuvor.

Das Problem ist schnell umrissen: In der Menge an Gratisnews, die im Internet verbreitet und in druckfertiger Form in der »Blick am Abend«-Box liegen, geht schnell vergessen, dass gut recherchierter Journalismus etwas kostet. Es geht vergessen, dass da Menschen sitzen, die Politikern* auf den Zahn fühlen und das Amtsdeutsch der Behörden für uns Laien übersetzen und aufbereiten. Produktionskosten bezahlen sich nicht von selbst: Druckerpressen, Marketing und Gebäudemieten kosten. Und ob man es glaubt oder nicht: Journalisten* arbeiten nicht umsonst. Weder für die Leser*, noch für den Verlag.

Leser* wollen keine Fake-New. Für eine fundierte Berichterstattung bezahlen wollen sie aber auch nicht. Verlage wollen nicht investieren, aber möglichst viel Gewinn einstreichen. Diese Rechnung geht allerdings nicht auf. Die Folge: überall wird gespart. So greift beispielsweise der Medienkonzern Tamedia tief in die Berner Medienlandschaft ein, indem die Titel «Berner Zeitung» und «Der Bund» zukünftig mit demselben Inhalt gefüllt werden sollen. Unterscheiden würden die Blätter sich nur noch durch den Titel und den Lokalteil. Statt in einen qualitativen Journalismus zu investieren, werden die Journalisten* entlassen. Die Quantität muss aber dieselbe bleiben. Weil dafür aber die Angestellten fehlen, macht man aus den beiden Zeitungen «Einheitsbrei». Statt sich selbst überdimensionale Boni einzuzahlen, könnten die CEO* in eine breit gefächerte Medienlandschaft mit verschiedenen Gewichtungen investieren.

Analog ist nicht mehr gefragt

Das digitale Zeitalter ist für die Branche eher ein Fluch als ein Segen. Für eine Berichterstattung auf Papier zu bezahlen, sind nur noch die Wenigsten bereit. Das zeigt die Schliessung der Papierfabrik in Utzenstorf im Kanton Bern. Die Produktion wird Ende Jahr aufgegeben. Dadurch werden 200 Angestellte ihren Job verlieren. Die CPH Chemie Papier Holding AG im luzernischen Perlen übernimmt auf 2018 die Kunden- und Altpapierlieferantenverträge. Somit wird die Fabrik in Perlen ab 2018 zur letzten und einzigen Papierfabrik für Zeitungsdruck- und Magazinpapiere in der ganzen Schweiz.

Die gedruckte Zeitung werden wir früher als gedacht unseren Kindern in Glasvitrinen im Museum zeigen müssen. Die meisten Leser* weichen heute auf das Internet aus, wo die gleichen Informationen ohne Gegenleistung zur Verfügung stehen. Da die Zeitungen und Verlage merken, dass sie sich das eigene Grab geschaufelt haben, muss für einige digitale Artikel nun auch ein kleiner Batzen gezahlt werden.

Eine differenzierte Berichterstattung gehört zu einer funktionierenden Demokratie. Dafür braucht es Leser* und Medienmanager*, die bereit sind, etwas zu investieren. Denn der Staat als Sugar-Daddy wäre auch nicht geheuer. Dann will er nämlich mitreden. Und das bringt die vierte Staatsgewalt erst recht in Gefahr.

«Einisch Gampel, immer Gampel»

Fährt man mit dem Auto von Bern in Richtung Wallis, so hat man oft Probleme mit dem Verkehr. Die Walliser haben aber genau für diese Situationen einen wunderbaren Ausblick auf eine idyllische Bergwelt zu bieten. Fährt man noch etwas weiter durch das Wallis, so kommt man irgendwann in Gampel an.

Riesen Andrang

Um 08:00 Uhr öffnete das Gelände des Open Air Gampel. Wer meinte, er wäre genug früh losgefahren, war jedoch nicht allein. Bereits kurz nach der Öffnung standen die Festivalbesucher vor den Toren des Geländes Schlange. Das Gampel ist bekannt dafür, dass viele nicht nur wegen des Line-Ups herkommen, sondern wegen der gesamten Party, die hier auch als «iischi Party» bekannt ist.

Der Zeltplatz war schnell gefüllt und mit der Zeit strömten die Besucher auf das Konzertgelände. Die Schweizer Rockband Redeem eröffnete das Festival. Viele der bereits am Donnerstag angereisten Besucher freuten sich auf den Headliner Lil Wayne. Diese wurden jedoch derbe enttäuscht.

Party trotz kurzfristiger Absage

Nach über einer Stunde Verspätung nahm das Warten auf den US-Rapper ein apruptes Ende. Bei einer medizinischen Untersuchung empfahl man ihm, nicht aufzutreten. Es hagelte von einigen Fans scharfe Kritik, da man für nichts gewartet habe, anstatt dass die Absage kommuniziert worden wäre. Der grösste Teil der Festivalbesucher machte jedoch dem Gampel wieder alle Ehre und liess sich den ersten Abend nicht vermiesen. Die Partyzelte füllten sich rasch und für die Rockfans traten The Kills auf der White Stage auf. Ein weiterer Höhepunkt stand um 23:00 Uhr auf dem Programm, als der Tomorrowland-DJ Paul Kalkbrenner auf der Red Stage auflegte.

Endlich Die Toten Hosen

Bereits vor zwei Jahren hätten Die Toten Hosen am Gampel auftreten sollen. Damals musste die deutsche Punk- und Rockband kurzfristig absagen, da der Leadsänger Campino erkrankt war. Für viele Besucher ging dieses Jahr also eine Wartezeit von zwei Jahren zu Ende. Die Band hatte vor kurzer Zeit ihr neues Album «Laune der Natur» veröffentlicht und dieses stürmte auf Platz eins der deutschen Charts. Viele Festivalgänger, die bereits einige Jahre dabei sind, meinten, dass dies der beste Act seit Jahren war. Am Samstag stand vor allem Hip-Hop und Rap auf dem Programm. Headliner war Cro und dieser wusste seine Fans mit einer spektakulären Performance zu begeistern. Auch die Broilers spielten Hits wie «Bitteres Manifest» und «Ist da jemand».

Wie bereits auf dem Heitere standen auch Nemo und Lo & Leduc auf der Red Stage. Auch dieses Wochenende konnten die Schweizer Musiker überzeugen.

Viele Traditionen

Das Gampel ist für die fantastische Stimmung unter den Besuchern bekannt. Tink.ch wollte die Traditionen der Festivalbesucher kennenlernen. Für einige, isst man vor einem Schweizer Act ein Raclette. Andere nehmen um 11 Uhr morgens in die Rockstr-Bar den traditionellen «11i Schuss». Eine Gruppe Männer vertreibt ihre Zeit mit einem Kartenspiel, wobei dabei «Alli trinke!», wohl der meistgesagte Satz ist. Was wie an vielen anderen OpenAirs auch nicht fehlen durfte, waren die Sticker der Band «KaButt». Wo man am Gampel auch hinging, fand man Sticker mit einer gelben Badeente drauf. Das Logo der Band KaButt wurde dadurch bekannter als deren Musik.

Die 32. Ausgabe des Gampel war ein voller Erfolg. Oder wie ein Festivalbesucher am Ausgang meinte: «Einisch Gampel, immer Gampel! Iischi Party!»

Ein erfolgreiches Heitere Open Air geht zu Ende

Familiär und dennoch ein grosses Fest

Das Heitere ist bestimmt keines der ganz grossen Open Airs in der Schweiz. Neben Festivals wie das Frauenfeld, Gampel, oder Gurten scheint das Heitere ein kleines Dorffest zu sein.
Das Heitere trotzt diesen Vorurteilen jedoch alle Jahre: Bereits Monate vor dem Festival sind die Tickets ausverkauft. Das Open Air erhielt 2016 den SRF-Festivalaward und dies kam nicht aus heiterem Himmel. Das Festival zeichnet sich durch seine grosse Vielfältigkeit aus. So sieht man Besucher jeglichen Alters auf dem Gelände, hört Musik jeglicher Richtungen auf den Bühnen und tritt auf dem Zeltplatz mit Menschen verschiedenster Charakterzüge in Kontakt.

Grenzwärtiger Auftritt von KIZ

Die deutsche Rap-Band, die am Samstagabend auftrat, vermochte mit ihrer klassischen Auftrittsart nicht bei allen zu überzeugen. So gehen die Meinungen über die Vorstellung bei den Festivalbesuchern weit auseinander. In den vordersten Reihen gaben die sogenannten Takatuka-Ultras alles und feierten den Auftritt ihrer Band. In den hinteren Reihen liefen die Leute jedoch reihenweise davon. Ganz anders war das bei Mark Forster, der mit Hits wie Chöre und Sowieso das gesamte Publikum zu begeistern vermochte. Auch Silbermond, die bereits 2010 am Heitere auftraten, liessen ihre Kritiker verstummen und lieferten ein grandioses Konzert ab.

Viele nationale Acts am Sonntag

Am Sonntag standen viele Schweizer auf der Bühne. Den Anfang machte die Band Traktorkestar, welche vor allem aus Bläsern besteht. Unterstützt wurden diese von Perkussionsinstrumenten. Sie coverten unter anderem Lieder von Rammstein und begeisterten das Publikum. Auch Nemo zeigte eine tolle Show und es ertönten Songs wie Ke Bock, Himalaya und Blockbuster aus den Boxen der Lindenbühne.

Lo&Leduc bildeten den Abschluss der Schweizer Acts. Die Berner Musiker zogen das Publikum bei heissem Sommerwetter gekonnt mit und spielten einige Lieder des neuen Albums Ingwer und Ewig sowie altbekannte Lieder wie «Räuber und Poli» und «Blaui Peperoni».

Das OpenAir verlief sehr erfolgreich und friedlich, so wie man es sich gewohnt ist vom Heitere. Hoffen wir auf viele weitere tolle Festivals am Zofinger Hausberg.

Erster Dämpfer für YB

Passives YB

Viel Sehenswertes bot die erste Halbzeit nicht und dennoch führten die Gäste aus Thun gleich mit 0-3. Die Oberländer konnten bislang kein Spiel gewinnen und so überraschte das Halbzeitresultat umso mehr. Bei YB passte nichts zusammen und die Kreativität in der Offensive, die aus den letzten Spielen gelobt wurde, kam nicht zum Vorschein.

So wurde YB von der eigenen Eckballvariante aus dem Spiel gegen Lausanne von Thun ausgehebelt. Sandro Lauper erzielte nach 13 Minuten die Führung für den FC Thun. Gefolgt war diese Ecke von einer weiteren, bei welcher Marco Bürki Gelmi gewähren liess. Der Verteidiger des FC Thun erzielte somit bereits das 0-2 für das Gästeteam.

Nun kam es aber in der 43. Minute noch dicker für den passiven Leader aus Bern: Spielmann wurde nach einem Fehlpass aus der YB-Verteidigung sofort lanciert und blieb Sieger im Duell gegen David von Ballmoos.

Offensivdruck ohne Erfolg

Adi Hütter brachte nach der Pause mit Guillaume Hoarau und Leo Bertone zwei geschonte Stammspieler. Diese brachten zwar etwas Schwung mit und YB spielte sich hochkarätige Chancen heraus, trotzdem scheiterten die Hauptstädter an ihrem eigenen Unvermögen oder am stark aufspielenden Thun-Goalie Ruberto.

Es kam wie es kommen musste und so erzielte der FC Thun nach einer schön herausgespielten Aktion sogar das 0-4. Die Berner waren bedient und mussten das erste Mal in dieser Saison Punkte liegen lassen. Die Art und Weise lässt jedoch die eine oder andere Frage offen.