All posts by Giulia Bernardi

Wölfe in der Schweiz

Der Wolf in der Schweiz, ein grosses Streitthema. Für das Problem mit dem Nutztierreissen gibt es aber einfache Lösungen. Man kann die Tiere nachts einzäunen. Eine weitere Lösung sind Herdenschutzhunde. Pyrenäenberghunde sind dafür gut geeignet. Nach ihrer Ausbildung sind sie ein wirkungsvoller Schutz gegen Wölfe.

Gegenargumente sind, dass das kostet und der Aufwand grösser ist. Allerdings werden die Kosten meist durch den Bund gedeckt. Ja, der Aufwand ist grösser, ich finde aber, man kann das doch machen. Denn der Mensch hat nicht das grössere Recht hier zu sein, als der Wolf. Nur weil wir, das glauben wir zumindest, zuoberst stehen, haben wir nicht mehr Rechte, eher umgekehrt: Der Wolf war schliesslich zuerst hier. Wenn wir also so leben, ist es das Mindeste, dass wir den Aufwand auf uns nehmen und die Schafe am Abend in eine Umzäunung sperren.

Hinzu kommt, dass viele Menschen immer noch Angst vor Wölfen haben. Das ist aber völlig unbegründet. Wolfsangriffe sind äusserst selten. Sie geschehen eigentlich nur, wenn die Wölfe angefüttert werden und dann ist ja auch wieder der Mensch schuld.

Ein weiterer Punkt ist, dass durch die Wölfe die Jäger weniger Rehe schiessen können. Auch das ist Unsinn: Statistiken zeigen, dass eher das Gegenteil der Fall ist.

Mich interessiert dieses Thema sehr, ich bin ein Fan von Wölfen und möchte gerne, dass es sie in der Schweiz weiterhin gibt und zwar ohne dass sie dauernd erschossen werden. Das klappt am besten, wenn die Leute mehr darüber wissen. Oft ist erstmals eine Meinung da, die immer weitergegeben wird. Informiert man sich darüber, muss man seine Meinung nochmals überdenken.

Für Menschen, welche das Thema Wölfe interessiert, empfehle ich das Buch «Die Weisheit der Wölfe» von Ellie H. Radinger. Es erzählt zwar von Wölfen in Amerika, es zeigt aber sehr gut wie die Wölfe im Rudel zusammenleben. Es ist mein absolutes Lieblingsbuch.


Dieser Artikel entstand im Rahmen eines Workshops am Dorfmattschulhaus in Bätterkinden mit Schülerinnen und Schüler der Klasse 8S.

Jugitag: Spass für Gross und Klein

Der Jugitag ist für Gross und Klein. Jedes Jahr kommen Jugendvereine aus dem ganzen Kanton Bern zusammen. Am Samstag sind die Jungs an der Reihe, am Sonntag die Mädchen. Die Spannung ist gross.

Der Jugitag steht vor der Türe. In diesem Jahr findet er vom 16. bis 17. Juni in Bätterkinden statt. Dieser wurde auch schon in Burgdorf, Hasli Rüegssau, Truebsauschachen und noch an vielen anderen Orten veranstaltet.

Der Tag beginnt früh am Morgen mit Leichtathletik, die aus fünf verschiedenen Disziplinen besteht: aus Sprint, Weit- und Hochsprung, Kugel- und Ballweitwurf. Hochsprung und Kugelweitwurf sind Disziplinen für die älteren Mittstreiter. Am Nachmittag werden immer Spiele gespielt, die Jüngsten werden für den Vierkampf angemeldet. Das ist wie eine Stafette: Man ist zu viert in einer Gruppe und muss vier kleine Wettkämpfe bestreiten, zum Bespiel auf einem Beachballschläger einen Tennisball balancieren, ohne dass dieser herunterfällt. Die Sportler ab der vierten Klasse spielen Tchoukball und Unihockey, Seilziehen und Stafette. Für die erwachsenen Turner gibt es noch die Disziplin Korbball. Es gibt bei jeder Altersgruppe eine Rangverkündigung, was für alle ein Grund ist noch mehr zu kämpfen, den eigenen Verein zu repräsentieren und sich gegenseitig zu messen.

Zum Jugitag haben wir eine Jugileiterin interviewt, die seit 24 Jahren immer mit dabei ist. Neun davon als Teilnehmerin und 15 Jahre als Leiterin. «Solange die Organisation perfekt ist, ist der Jugitag eine tolle Sache», erzählt uns die Leiterin. Der Jugitag kann anstrengend werden, wenn es Zickenkrieg gibt. Das Schreien gehört zu jedem Jugitag. Trotzdem ist die Veranstaltung eine tolle Sache, da sich die Mädchen und Jungs an diesem Tag messen können.


Dieser Artikel entstand im Rahmen eines Workshops am Dorfmattschulhaus in Bätterkinden mit Schülerinnen und Schüler der Klasse 8S.

75 Millionen pro Jahr

1853 wurden die Chips erfunden. Ein Koch, der damals einen sehr wählerischen Gast hatte, schnitt ihm die Kartoffeln so dünn, dass man sie nicht mehr Aufspiessen konnte. Die Zweifel-Chips entstanden rund 100 Jahre später. Anfang der 1950er-Jahre frittierte Hans Meier, ein Cousin von Heinrich Zweifel, auf seinem Bauernhof in einer Feldküchen-Pfanne die ersten Chips. Dieses Experiment war von Beginn an sehr erfolgreich – so erfolgreich, dass 1958 die leckeren Chips unter der Marke Zweifel lanciert wurden. Der unvergleichbare Geschmack, der ab 1962 schweizweit in den Verkaufsregalen zu finden war, machte die Chips schnell bekannt und beliebt.

Über 400 Bauern bauen die fünf speziellen Kartoffelsorten für Zweifel an. Zweifel pflegt eine enge Beziehung zu den Bauern, denn ihre Arbeit und ihr Wissen sind entscheidend für die Qualität der Chips. Im Frühjahr werden die Kartoffeln gesetzt und im Herbst dann geerntet. Die Kartoffeln werden anschliessend nach Spreitenbach geliefert und dort verarbeitet oder gelagert; letzteres im Dunkeln, bei kühlen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit.

Vor der Verarbeitung werden die Kartoffeln gründlich mit Wasser gewaschen. Dies geschieht in grossen Trommeln, die sich drehen und deren Wände mit etwas Schleifpapier ähnlichem ausgestattet sind so werden die Kartoffel geschält. Mit Hilfe von Maschinen werden die Kartoffeln in hauchdünne Scheiben geschnitten. Auf ihren Oberflächen entstehen Stärketropfen, die danach nochmals abgespült werden. Die Kartoffelscheiben werden in einem reinen, ungehärtetem Rapsöl, welches ebenfalls von Schweizer Bauern stammt, goldig gebacken bis sie perfekt knusprig sind. Die Chips, die am Rand dunkel geworden sind, werden von einem feinen Luftstrahl weggeblasen und aussortiert. Das Salz, das noch hinzugefügt wird, ist aus reinem Schweizer Alpensalz; damit werden die Chips veredelt. Viele raffinierte Gewürzmischungen verleihen den noch warmen Chips ihren einzigartigen Geschmack. Nun werden die Chips in den Beutel gefüllt, der mit einer besonderen Folie ausgestattet ist, welche die Chips besonders lange frisch hält.

So werden die leckeren Chips hergestellt. Pro Jahr werden ca. 23 000 Tonnen Kartoffeln verwendet; übereinander gestapelt gäbe das eine Höhe von 16 Metern.


Dieser Artikel entstand im Rahmen eines Workshops am Dorfmattschulhaus in Bätterkinden mit Schülerinnen und Schüler der Klasse 8S.

Leben mit Omi

Omi war schon immer ein grosser Sportfan. Zumindest seit ich sie kenne, hat sie kaum einen Match von Roger Federer verpasst. Zu den unmöglichsten Zeiten fieberte sie vor dem Fernseher mit. So kommt es, dass ich eigentlich auch nur Sport mit Omi gucken kann – mit Sendungen wie «Brisant» oder «Wer weiss denn sowas» habe ich nicht sonderlich viel am Hut. Genauer gesagt konnte ich eigentlich nur die Fussballweltmeisterschaft mit Omi mitverfolgen. Es war herrlich ihr zuzusehen, wie erstaunt sie über die Geschwindigkeit der Japaner war oder wie grob die Spieler miteinander umgingen. Sie war so verwundert, dass sie jeweils durchs gesamte Spiel von nichts anderem mehr sprach.

Natürlich ist Omi auch sonst aktiv. Früher ging sie viel wandern und auch heute macht sie wöchentlich ihre Wanderroute. Hinzu kommt, dass Omi ein grosser Tierfreund ist. (Ausser mit den Schnecken bleibt sie wohl auf Kriegsfuss). So hielt sie hintereinander drei Dalmatiner. Alle mit dem Namen Cipsy. Auch später ging sie oft mit den Hunden einer Bekannten Gassi, wodurch Omi fit blieb. Die typische Begegnung mit Hunden sieht dann auch immer gleich aus. Sie bückt sich und dann hört man nur noch «ja Sali, Sali, Sali, Sali, …»

Leben mit Omi

Kannst du über den Tod sprechen? Glücklicherweise kann ich es mit Omi. Oft habe ich sie schon Todesanzeigen in der Zeitung studieren sehen und immer mal wieder war jemand darunter, den sie kannte. Es muss schrecklich sein, wenn Freunde und Bekannte um einen herum aus dem Leben scheiden.
Doch Omi ist ziemlich pragmatisch. Solange sie gesund ist, und während ihren gelegentlichen Besuchen im Altersheim mit den Betagten singen kann, ist alles gut. Manchmal bezeichnet sie die «Alten» auch als «Insassen» – versehentlich natürlich.
Die ersten Dinge, die mir in den Sinn kommen, wenn Omi ebenfalls ins Altersheim gehen müsste: Sie könnte nicht mehr die ganze Küche auf den Kopf stellen, wenn sie für uns Spinat und Kartoffeln kocht. Sie könnte nicht mehr für jeden Topf und jedes Abschmecken neues Besteck hervornehmen, um dieses anschliessend feinsäuberlich zu verstauen. Und sie würde nicht mehr gelegentlich Dinge anbrennen lassen. Darin ist sie echt gut.
Zudem würde sie ihrem Morgenritual nicht mehr nachkommen können. Sie sammelt nämlich sehr gerne die Schnecken im Garten zusammen und übergiesst sie mit heissem Wasser. Schliesslich würden diese ja ihren grossen Schatz, den Garten, zerstören. Besser, sie bleibt also so lange wie möglich in ihrem wohlbehüteten Zuhause.

«Die Meere zu reinigen ist kaum zu bewerkstelligen»

Plastik ist so allgegenwärtig, dass wir schon gar nicht mehr wahrnehmen, wenn wir es in den Händen halten. Der verschwenderische Umgang mit Plastik hat für alle von uns Folgen. Besonders leiden die Ozeane und deren Bewohner darunter. Auch als Binnenland sind wir in der Schweiz mitverantwortlich, dass jährlich 100’000 Meereslebewesen und mehr als 1 Million Seevögel an der direkten Folge von Plastik sterben. Denn auch unsere Flüsse fliessen schlussendlich ins Meer und werden bereits hierzulande durch Littering und Abwasser verschmutzt.

Die Plastikverschmutzung der Ozeane ist kaum aufzuhalten. Jedes Jahr werden 300 Millionen Tonnen Kunstoff hergestellt; davon landen 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen im Meer, wie das Wissenschaftsjahr in einem Bericht von 2016/17 schrieb. Zwischen 60 und 90 Prozent von allem Müll in den Ozeanen ist Plastikmüll; geschätzt wird, dass sich momentan 86 bis 150 Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen befinden. Dieser sammelte sich seit 1950 an, als das Material erstmals auf den Markt kam. Inzwischen haben sich riesige «Plastikinseln» in den Meeren gebildet.

Plastik birgt mehrere grosse Probleme für die Umwelt: Das Material ist nicht abbaubar und zieht Umweltgifte an. Zudem wird es von Tieren oft für Nahrung gehalten, die dann mit vollem Magen verhungern.

Ein Schweizer Verein macht sich für die Weltmeere stark

Der Verein OceanCare machte es sich zur Aufgabe, sich für unsere Ozeane einzusetzen. Der Verein mit Hauptsitz in Wädenswil, Zürich wurde Ende der 1980er-Jahre von Sigrid Lüber, die seit 1993 auch Präsidentin ist, gegründet. Anfangs widmete sich OceanCare der Befreiung von Delfinen in Gefangenschaft in der Schweiz. Heute engagiert sich die Organisation für vieles mehr, wie zum Beispiel Plastikverschmutzung, Unterwasserlärm, Walfang, Eisbärentrophäenjagd oder chemische Verschmutzung. «Unser Einsatzbereich ist sehr gross, denn unsere Ozeane brauchen dringend Hilfe», sagt Rahel Beck von OceanCare. Das Ziel von OceanCare ist «der langanhaltende Schutz der Meere und deren Lebewesen» zu gewährleisten.

Um der Plastikverschmutzung entgegenzuwirken führt OceanCare weltweit Strandsäuberungen durch. Mit Sensibilisierungskampagnen rufen sie dazu auf, Einwegplastik zu reduzieren. Auch konnte OceanCare das Anliegen auf internationaler Ebene thematisieren sagt Beck: «Wir waren in der EU-Arbeitsgruppe zur Implementierung der neuen europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie aktiv beteiligt.»

So reduzieren wir den Plastikverbrauch im Alltag

«Die Meere zu reinigen ist kaum zu bewerkstelligen – bisher gibt es dafür keine zufriedenstellende Lösung», sagt Beck. Und trotzdem kann jeder etwas gegen die Plastikverschmutzung tun – auch in einem Binnenland wie der Schweiz.

Was wir tun können:

  • Keine PET-Flaschen benutzen, stattdessen zum Beispiel eine Edelstahl-Flasche kaufen und diese mit unserem sauberen Leitungswasser auffüllen.
  • Für die Wäsche einen speziellen Wäschebeutel verwenden. So wird verhindert, dass Mikroplastik in die Gewässer gelangt.
  • Auch in Kosmetika steckt Plastik, darum Naturkosmetika mit Label vorziehen.
  • Nachhaltiger leben – ist jedes Jahr ein neues Smartphone wirklich nötig?
  • Lokal einkaufen: Der Salat auf dem Markt wird nicht – wie im Supermarkt – in Plastik verpackt.
  • Kein Littering, sprich: Müll nicht liegen lassen.
  • Recycling, recycling, recycling! Denn nur so gehen Rohstoffe nicht verloren und können wiederverwendet werden.
  • Und natürlich noch viel mehr, die Liste endet hier noch lange nicht…

Ein Lichtblick gibt es jedoch: Seit der Einführung der 5-Rappen-Gebühr ist der Verbrauch von Plastiksäcken in der Schweiz um 84 Prozent zurückgegangen.

Kolumne: Leben mit Omi

Omi ist für ihre achtzig Jahre noch echt rüstig. Trotz kleiner chronischer Gebrechen, die man im Alter wohl oder übel hat, ist sie geistig wie körperlich noch sehr fit.
So war kurz nach meinem Einzug bei ihr jedes Kleidungsstück, dass nicht bei drei im Schrank lag, feinsäuberlich gewaschen und versorgt, wenn ich von der Arbeit nach Hause kam.
Nun – das ging mir zu weit. So einigten wir uns nach einer Debatte über den Eingriff in meine Privatsphäre und den ökologischen Schwachsinn einer halbleeren Waschmaschine doch noch. Seither hält sich jeder stillschweigend und reibungslos an die Gewohnheiten des anderen.

Omi unterstützt mich, wo sie nur kann. So bin auch ich manchmal froh, wenn sie mich um einen Gefallen bittet. Meistens betrifft das aber bloss ihr iPhone. Auch wenn WhatsApp bei ihr eher nach «Whabäb» klingt, kann sie mühelos Bilder verschicken, endloslange Texte senden, für die sie ungefähr zehn Minuten benötigt, sowie Emojis im sinnvollen Kontext verwenden. So werde ich regelmässig mit kitschigen Katzenbildern, Kettenbriefen und Küsschen überhäuft.
Manchmal landet dann doch ein Foto ungewollt in ihrer Story, was sie mit Humor und Verwirrung aufnimmt. Sie würde doch einfach auch gerne so ein schönes Selfie als Anzeigebild haben, wie es meine Schwester immer hat. Sie ist so fasziniert davon, dass sie letztens sogar meinte, sie müsse sich doch noch einen Selfiestick besorgen.

Kolumne: Leben mit Omi

Handschuhe sind im Winter die wohl am meisten verloren gegangenen Gegenstände. So gehöre auch ich zu der Sorte von Menschen, chaotisch wie ich bin, denen ein Handschuh schon mal abhandenkommen kann. Natürlich trage ich Sorge zu all meinen Besitztümern. Oma hat es mich schliesslich gelehrt und mir vorgelebt. Doch gibt es eben immer mal wieder solche Tage, an denen dann trotzdem so ein Handschühchen verloren geht. Manchmal gleich beide. Die Dinger sind ja auch so leicht und unscheinbar.

Wie auch immer. Oma wäre eben nicht meine Oma, wenn sie nicht ein ganzes Arsenal an Handschuhen in ihrer Schublade gesammelt hätte. Von dieser Sammlung gibt sie mir dann auch immer wohlwollend ein neues Paar ab, wenn ich in Not bin. Passend dazu liegen für mich immer Stirnbänder griffbereit. Falls nicht passend, wird eben schnell eines gestrickt. Im besten Falle sogar aus der Wolle des Pullovers, den sie mir zu Weihnachten gestrickt hat.

Auf die Frage, ob mir diese Handschuhe nicht zu klein wären, antwortet sie mir: «Ach was, die kannste bis zu den Ellbogen ziehn, so gross sind die.» So ist sie eben, die Oma.

«Mir kam gar nie erst der Gedanke, etwas nicht machen zu können, weil ich eine Frau bin»

In der Geschichte des Feminismus, der kritischen Analyse der Geschlechterrollen, ist Kunst nicht wegzudenken. Heute sind es Künstlerinnen wie Kiki Smith oder Jenny Holzer, die das Frauenbild thematisieren und neu darstellen. Im Deutschen sprach man bis etwa 1950 von der «Frauenemanzipation». Danach wurde der Ausdruck immer öfter durch den des «Feminismus» ersetzt. Gewichtig wie der Begriff, der die Frauenbewegung beschreibt, sind auch ihre Trägerinnen und Träger. Man misst ihnen, ob zustimmend oder ablehnend, Bedeutung bei.

Heute steigt die Präsenz der Frauen in der Kunst. Es gibt mehr Museumsdirektorinnen als früher. Auch einflussreiche Galeristinnen sind keine Seltenheit. Natürlich sind Frauen nicht plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht, sie waren schon immer da. Eine Studie zeigt, dass Kunsthochschulen etwa zu 60 Prozent von Frauen besucht werden, bei der Verteilung von Stipendien und Preisen herrscht Gleichstand. Die Schere öffnet sich dann aber beim Einkommen: Während dieses bei Künstlerinnen stagniert, steigt es bei den Männern.

Wie ist es für Frauen, die den Eintritt in die Welt der Kunst gewagt haben und erfolgreich sind? Eine von ihnen ist Lea Wäckerlin (*1987), besser bekannt als Kooni. Die Schaffhauserin hat sich mit ihren Illustrationen einen Namen gemacht und erzählt wie es ist, sich selbst treu zu bleiben und trotzdem von der eigenen Kunst leben zu können.

Fulya: Kooni oder Lea, wer bist du?

Kooni: Ich bin Kooni, getauft auf Lea. Ich bin Illustratorin. Das habe ich studiert, aber eigentlich war ich es vorher schon. Ich mache ausserdem eigene Bilder, tätowiere und töpfere. Nebenbei arbeite ich in einem Café und wohne seit drei Jahren in Hamburg. Mein Lieblingsessen ist Butterbrot oder Pommes.

F: Du sagst, du warst schon vor dem Studium Illustratorin. Ist man das oder wird man das?

K: Ich wusste schon früh, dass ich das machen will, obwohl mir nicht ganz klar war, dass es einen solchen Beruf überhaupt gibt. Das sagt einem ja niemand in der Schule. Aber die Bilder in meinen Kinderbüchern sind mir immer noch präsent. Ich war schon sehr früh sehr fasziniert von Zeichnungen.

F: Wie viel Lea steckt in deiner Arbeit?

K: Lea steckt nicht so viel drin – auf diesen Namen empfange ich eigentlich nur noch Rechnungen. Aber von Kooni steckt sehr viel drin. Ich bin keine Zeichnerhand für Leute, die es selbst nicht können, aber genau wissen was sie auf dem Bild wollen. Meine Lieblingsaufträge sind solche, bei denen es um eine Stimmung geht. Ich habe das Glück, mir aussuchen zu können, welche Aufträge ich annehme. Ich muss dahinterstehen können.

F: Hattest du das Gefühl, dass du dich als Frau mehr beweisen musst?

K: Eigentlich nicht. Ich hatte eine ziemlich gender-neutrale Erziehung und wuchs mit Jungs auf. Daher kam mir gar nie erst der Gedanke, etwas nicht machen zu können, weil ich eine Frau bin. Ungleichbehandlung ist etwas, das in meiner Welt nie wirklich existierte. Aber man darf mich jetzt nicht falsch verstehen: Ich finde, dass das in unserer heutigen Zeit schon längst kein Thema mehr sein dürfte!

F: Von der Kunst erhoffen wir uns oftmals, dass sie die Gesellschaft sensibilisiert. Im Rahmen meiner Recherchen erzählten mir Künstlerinnen und Kulturschaffende von ihren Erfahrungen mit Diskriminierung. Vom Machogehabe von Dozenten oder Mitstudenten an Kunstakademien, von Einschüchterung und Sexismus. Von Schauspielerinnen, die nicht «schön genug» sind. Hast du auch ähnliche Erfahrungen gemacht?

K: Zum Glück nicht. Ich hatte nie das Gefühl, als Frau anders zu sein, das strahle ich wohl auch so aus. Man merkt schnell, dass ich mir solche Ungerechtigkeiten gar nicht erst gefallen lasse und mich sofort wehren würde. Ausserdem empfinde ich den Illustratorenberuf als sehr ausgewogen. Es gibt viele Frauen, die in dieser Branche arbeiten. Auch das Thema des Feminismus kann mit Illustrationen sehr gut dargestellt werden. Das macht zum Beispiel Tara Booth. Sie zeichnet lustige Comics. Man sieht sie mit gespreizten Beinen auf dem Boden sitzen, auf ihrer Unterhose hat es einen roten Fleck. Ihr ist alles ziemlich scheissegal. Ich denke, das funktioniert wirklich sehr gut in der Illustration.

F: Warum?

K: Es ist dieser Hau-drauf-Humor, der Frauen wie Kerle darstellt und lustig ist. Das macht es für viele zugänglich.

F: Welche Tipps hast du an Menschen, die sich gegen Diskriminierung wehren wollen?

K: Sagt etwas und lasst es euch nicht gefallen! Klar, das ist leichter gesagt, als getan. Und die superguten Argumente fallen einem in solchen Situationen auch nicht sofort ein. Aber je öfter man sich dieser Situation stellt, desto leichter wird es.

Leben wir in schlimmen Zeiten?

«In was für schlimmen Zeiten wir doch leben!» Ein Satz, den ich in Zug, Bus, Kaffees und vielen anderen öffentlichen Orten immer wieder aufschnappe, wenn ich zum unfreiwilligen Zuhörer von lauten Konversationen werde. Die Grundlage für diese Behauptungen ist breit gefächert. Von Terroranschlägen, bewaffneten Konflikten bis hin zu Flüchtlingsströmen, ergibt sich eine bunte Palette als Ursprung für Angst und Verunsicherung. Dürfen wir aber, in der ruhigen Schweizer Alpenidylle, mit genügend Sicherheitsabstand zu obigen Problematiken, die Gegenwart überhaupt als «schlimme Zeit» betiteln? Wir leben im Herzen eines Europas, das gerade die längste Friedensphase seiner Geschichte durchlebt, auch wenn der Begriff «lang» eine fast schon zynisch kurze Zeitspanne umfasst. Der Generationenwechsel lässt die Erfahrungen und Erinnerungen an das Leid und die Entbehrungen, die während den beiden Weltkriegen durchgestanden werden mussten, langsam verschwinden. 2014 wurden die letzten Sprengstoffladungen entschärft, welche die Armee während des Kalten Krieges installiert hatte, um Strassen, Tunnels und Brücken, im damals durchaus berechtigten Szenario eines Einmarsches von Truppen des Warschauer Paktes, in die Luft jagen zu können. Auch Terroranschläge sind keineswegs ein Phänomen, mit dem sich die Schweiz erst in den letzten Jahren konfrontiert sah. So kostete beispielsweise ein Paketbombenanschlag der «Volksfront zur Befreiung Palästinas» (PFLP) auf eine Swissair-Maschine 1970 über Würenlingen 47 Menschen das Leben. Als letzter Punkt dieser tristen Aufzählung sind auch Flüchtlingsströme nicht erst seit dem Beginn des syrischen Bürgerkriegs eine Problematik. Der Jugoslawienkrieg der 1990er-Jahre, mit seinen zivilen Opfern, Massenvertreibungen, ethnischen Säuberungen, Völkermord und diversen anderen Kriegsverbrechen, der Hunderttausende zur Flucht zwang, ist der traurige Beweis dafür, dass sich die Geschichte wiederholt.

Dieser Vergleich der Vergangenheit mit der Gegenwart bedarf einer Anmerkung: Keineswegs soll aktuelles Leid und die damit verbundenen Opfer relativiert werden. Vielmehr bedarf es einer Klärung der Frage, was uns dazu bewegt gerade unsere Gegenwart so pessimistisch und bedrohlich wahrzunehmen. Eine mögliche Erklärung findet sich dabei in der veränderten Art und Weise wie wir uns informieren. Während sich Tragödien und Katastrophen vor wenigen Jahrzehnten für viele nur in Druckertinte und auf Papier widerspiegelten, bieten uns heute die Errungenschaften der Digitalisierung die Möglichkeit audiovisuell und in Echtzeit Geschehnisse mitzuerleben. Livestreams mit Bildern von blutüberströmten Opfern des Terroranschlags am Flughafen Brüssel-Zavantem oder der tote syrische Flüchtlingsjunge am Strand der die sozialen Medien bewegt, sind nur einige Beispiele wie sehr sich der technologische Fortschritt auf unsere Wahrnehmung auswirkt. Auch unsere ursprüngliche Rolle als passiver Informationskonsument hat sich radikal verändert. Smartphones ermöglichen jeder und jedem Video- und Bildmaterial aufzunehmen um dieses via Internet und sozialen Medien in kürzester Zeit einem riesigen Publikum zugänglich zu machen. Die Funktion das Geschehene dann gleich auch noch mit einer riesigen Community zu diskutieren, fördert das Empfinden der direkten Betroffenheit.

Die Gegenwart verdient die Bezeichnung als «schlimme Zeit» nicht. Die Menschheit, mit ihrer dünnen Gradwanderung von Genie und Wahnsinn, hat die Geschichte zu jedem Zeitpunkt mit selbstgeschaffenem Leid und Elend geprägt, wobei die Gegenwart keinesfalls eines ihrer dunkelsten Kapitel ist. Schon vor 400 Jahren bei der Urraufführung von «Wie es euch gefällt», lässt Shakespeare einen seiner Protagonisten nüchtern feststellen, dass die ganze Welt nichts als eine Bühne ist und alle Frauen und Männer blosse Schauspieler. Das Körnchen Wahrheit in dieser Aussage trifft auch heute noch zu, mit dem feinen Unterschied, dass der Rest der Menschheit, der gerade nicht für die aktuell aufgeführte Tragödie auf der Bühne steht, mit bester Aussicht in der ersten Reihe sitzt.