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Armee oder Zivildienst?

Wie sehen die heute in der Schweiz lebenden 17-Jährigen ihre Zukunft und die Zukunft der Schweiz? Wie wichtig sind ihnen Ausbildung, Beruf, Freizeit und Familie? Welche Haltung nehmen sie gegenüber der EU und der Einwanderung ein?

Am Dienstag, den 10.November, fand eine Tagung der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) statt. Die EKKJ stellte an diesem Tag die Resultate einer Meinungsumfrage mit 17-Jährigen vor. Die Ergebnisse der Studie sind hier zu finden.

Doch halten die Ergebnisse auch einer Strassenumfrage stand? Tink.ch hat sich auf die Suche nach Antworten begeben.

Schnitt und Ton: Matthias Cotting
Schnitt: Alexandre Babin
Umfrage: Cyrill Pürro, Riccardo Schmidlin, Michael Scheurer, Lukas Blatter, Sofiya Miroshnyk, Anne-Lea Berger
Bild: Anne-Lea Berger
Text: Sofiya Miroshnyk

Moderne Jugend?

Wie sehen die heute in der Schweiz lebenden 17-Jährigen ihre Zukunft und die Zukunft der Schweiz? Wie wichtig sind ihnen Ausbildung, Beruf, Freizeit und Familie? Welche Haltung nehmen sie gegenüber der EU und der Einwanderung ein?

Am Dienstag, den 10.November, fand eine Tagung der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) statt. Die EKKJ stellte an diesem Tag die Resultate einer Meinungsumfrage mit 17-Jährigen vor. Die Ergebnisse der Studie sind hier zu finden.

Doch halten die Ergebnisse auch einer Strassenumfrage stand? Tink.ch hat sich auf die Suche nach Antworten begeben.

Schnitt und Ton: Matthias Cotting
Schnitt: Alexandre Babin
Umfrage: Cyrill Pürro, Riccardo Schmidlin, Michael Scheurer, Lukas Blatter, Sofiya Miroshnyk, Anne-Lea Berger
Bild: Anne-Lea Berger
Text: Sofiya Miroshnyk

Wünsch dir was!

Wie sehen die heute in der Schweiz lebenden 17-Jährigen ihre Zukunft und die Zukunft der Schweiz? Wie wichtig sind ihnen Ausbildung, Beruf, Freizeit und Familie? Welche Haltung nehmen sie gegenüber der EU und der Einwanderung ein?

Am Dienstag, den 10.November, fand eine Tagung der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) statt. Die EKKJ stellte an diesem Tag die Resultate einer Meinungsumfrage mit 17-Jährigen vor. Die Ergebnisse der Studie sind hier zu finden.

Doch halten die Ergebnisse auch einer Strassenumfrage stand? Tink.ch hat sich auf die Suche nach Antworten begeben.

Schnitt und Ton: Matthias Cotting
Schnitt: Alexandre Babin
Umfrage: Cyrill Pürro, Riccardo Schmidlin, Michael Scheurer, Lukas Blatter, Sofiya Miroshnyk, Anne-Lea Berger

Bild: pixelio.de (Marvin Siefke)
Text: Sofiya Miroshnyk

Zukunft der Politik

Wie sehen die heute in der Schweiz lebenden 17-Jährigen ihre Zukunft und die Zukunft der Schweiz? Wie wichtig sind ihnen Ausbildung, Beruf, Freizeit und Familie? Welche Haltung nehmen sie gegenüber der EU und der Einwanderung ein?

Am Dienstag, den 10.November, fand eine Tagung der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) statt. Die EKKJ stellte an diesem Tag die Resultate einer Meinungsumfrage mit 17-Jährigen vor. Die Ergebnisse der Studie sind hier zu finden.

Doch halten die Ergebnisse auch einer Strassenumfrage stand? Tink.ch hat sich auf die Suche nach Antworten begeben.

Schnitt und Ton: Matthias Cotting
Schnitt: Alexandre Babin
Umfrage: Cyrill Pürro, Riccardo Schmidlin, Michael Scheurer, Lukas Blatter, Sofiya Miroshnyk, Anne-Lea Berger
Bild: Anne-Lea Berger
Text: Sofiya Miroshnyk

Jugendansichten

Die immer multikulturellere Jugend überrascht mit konservativen Ansichten. Jung und Alt waren dabei, um die Resultate der repräsentativen Umfrage “Ich und meine Schweiz” unter 17-jährigen in der Schweiz zu diskutieren und Zukunftspläne zu schmieden, wie die Vorstellungen der jüngeren Generationen berücksichtigt werden können.

Die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) hat zur nationalen Tagung geladen – nicht gerade ein Event, für das Jugendliche von weit her anreisen würden. Oder vielleicht doch? An der Bar mit Kaffee, Orangensaft und Gipfeli sind jedenfalls auch viele jugendliche Gesichter anzutreffen: einige Schüler, die bei der Umfrage mitgemacht haben, Studenten und Lehrlinge aus Münsingen oder Lugano. Sie sind nach Bern gereist, um sich die Ergebnisse der Studie “Ich und meine Schweiz” anzuhören.

Dafür interessieren sich nicht nur Jugendliche, sondern besonders auch Jugendarbeiter, Politiker, Mitarbeiter diverser Fachstellen wie die der Jugendpartizipation, der Suchtprävention oder der Integration. Es ist ein gemischtes Volk, das sich im Konferenzsaal an der Fabrikstrasse in Bern versammelt hat.

Nach der Präsentation der Ergebnisse und einer Fragerunde fast ohne Fragen betreten junge Waadtländerinnen und Waadtländer die Bühne, als Vertreter ihrer kantonalen Jugendkommission. Beeindruckend redegewandt und selbstsicher präsentieren sie ihre persönlichen Ansichten. Der Kommissionspräsident Alexander Omuku sagt, wie überrascht und besorgt er über die ablehnende Haltung der Jugendlichen gegenüber einer Herabsetzung des Stimmrechtsalters sei. Als möglichen Grund sieht er das politische System, das in vielen jugendlichen Augen zu kompliziert und negativ belastet sei.

Für einen stärkeren Einbezug von Jugendlichen in politische Entscheidungsvorgänge plädiert auch Alexandre Legrain: “Wenn unsere Stimmen gehört werden, werden wir eher das Wort ergreifen” (“si notre voix est ecoutée, on a plus de tendence de parler”). Zwei andere Rednerinnen, Sara Pinar und Marta Zaragoza Navarro, wünschen sich die Schule als einen Ort, an dem man auf das Leben vorbereitet wird. Praktische Dinge wie der Umgang mit Geld und Medien, aber auch ein Verständnis für Politik sollen gelehrt werden.

An grossen Tischen, die wie Inseln im Raum der Fabrikhalle in Bern liegen, setzen sich die Teilnehmenden der Tagung nun in kleineren Gruppen zusammen. In deutschen und französischen Diskussionsrunden wird leise getuschelt, argumentiert, einander zugehört. Ausgearbeitet werden sollen konkrete Massnahmen für die Zukunft. Wie kann Integration gefördert werden? Welche Massnahmen muss die Schule ergreifen, um den Anforderungen der Jugendlichen gerecht zu werden? Welche Familienmodelle sollen in Zukunft gefördert und unterstützt werden? Laut der Studie favorisieren immer noch viele junge Männer eine traditionelle Aufteilung, bei der der Mann Vollzeit arbeitet, die Frau höchstens Teilzeit.

In einer Diskussionsrunde, der nur ein Mann beisitzt, wird das lachend mit einem “kommt nicht in Frage” abgelehnt. Das deckt sich auch mit dem Resultat der Studie: Viele junge Frauen lehnen dieses Familienmodell ab.

Obwohl die Gespräche sehr zielgerichtet verlaufen, finden sich unter den konkreten Massnahmenvorschlägen keine revolutionären Ideen. Die Forderung der Möglichkeit, an den Arbeitsplatz neben dem Hund auch das Kind mitzunehmen, ist da noch der gewagteste Vorschlag.

Am frühen Nachmittag wird es ganz leise in der Fabrikhalle. Mit einer kleinen Verspätung trifft Bundesrat und Innenminister Alain Berset ein. Das Publikum lauscht gespannt, Berset geniesst volle Aufmerksamkeit. Wie die Frauen während der Diskussionsrunde, ist auch er etwas besorgt über das Ideal junger Männer einer traditionellen Rollenteilung. Er nennt die heutigen 17-Jährigen eine “paradoxe Generation”: Einerseits seien sie vernetzt, international und informiert wie keine Generation vor ihr.

Andererseits lege sie eine konservative Haltung an den Tag und gewichte den Beruf stärker als das soziale und politische Engagement. Berset betont, wie wichtig es sei, Jugendliche zu informieren und in politische Prozesse einzubeziehen: “Damit sie vermeintlich naive, aber tief schürfende Fragen stellen.” Der Bundesrat hält seine Rede zweisprachig – er wechselt zwischen Deutsch und Französisch. Dabei schafft er es, das Publikum immer wieder zum Lachen zu bringen. Der Bundesrat halte jung, sagt er. “Wenn man sich mit älteren umgibt, fühlt man sich immer jung!”

Nicht nur Alain Berset spricht sowohl Deutsch als auch Französisch. Die ganze Tagung wird zweisprachig gehalten, Deutsche Panels werden auf Französisch simultan übersetzt und umgekehrt. An der nationalen Tagung der EKKJ scheint nicht nur der Röstigraben zu schwinden, auch andere Grenzen scheinen aufgehoben. Die zwischen der Lehrlingstochter aus dem Emmental und dem Geschäftsführer aus Zürich zum Beispiel. Maurus Blumenthal, Geschäftsleiter des Verbands Schweizer Jugendparlamente, bringt es auf den Punkt: “Wenn ich normalerweise so viele verschiedene Leute treffen möchte, muss ich mindestens zehn Termine ansetzen. Hier kommen sowohl fachliche Partner als auch Jugendliche zusammen.”

Es sind wohl nicht nur die Resultate der Studie, die rund 150 Personen aus der ganzen Schweiz angelockt haben. Mindestens ebenso wichtig ist das Programm zwischen dem Programm: Sich vernetzen, austauschen, Kontakte knüpfen. So verwundert es nicht, dass sich die Leute nach der (knapp bemessenen) Pause Zeit lassen, wieder an ihre Plätze zurückzukehren. Die nationale Tagung der EKKJ enthält mehr Programmpunkte, als in diesen Artikel passen würde. Jeder für sich ist interessant – alle zusammen sind wohl dem ein oder anderen Teilnehmenden etwas zu viel.

Adoray – Bunter Katholiken-Konservativismus

Am Anfang war der Entstehungsmythos. Die Gründung von «Adoray» geht nämlich auf eine Legende zurück: Mehrere Jahre lang haben Brüder in einem Zuger Kloster dafür gebetet, dass sich eine junge und frische Gebetsgruppe bilden werde, die die katholischen Werte vertreten würde. Bis eines Tages zwei junge Männer an die Klostertür geklopft und die Brüder um Unterstützung bei der Gründung einer ebensolchen Gebetsgruppe gebeten haben.

 

Das war 2004. Heute, elf Jahre später, präsentiert sich die Adoray-Gebetsgruppe als bunt verpacktes Erzkatholiken-Geschenk, das trotz oder gerade wegen seiner Farbvielfalt kaum auffällt neben all den evangelikalischen Geschenken unter dem Freikirchen-Weihnachtsbaum der Schweiz.

 

Elegantis Feder

In den Adoray-Gebetsgruppen wird katholisches Gedankengut vermittelt und auch in dem diesjährigen Festival-Flyer scheinen die Organisatoren nur knapp daran vorbeizuschrammen, von einer römischen Linie und Papsttreue zu sprechen: «Adoray wird von engagierten, vom Glauben an Jesus Christus begeisterten, katholischen, jungen Menschen organisiert. Adoray untersteht dem Jugendbischof der Schweizerischen Bischofskonferenz, der die Statuten bestätigt hat.»

 

Auffallend ist, dass der Jugendbischof der Schweizerischen Bischofskonferenz nicht namentlich erwähnt wird. Nur im Programm des Flyers findet man dessen Namen beim Abschlussgottesdienst am Sonntag: Marian Eleganti. Zur Erinnerung: Marian Eleganti ist jener Bischof, der im Mai dieses Jahres dazu aufgerufen hat, den modernen Menschen zur Umkehr zu bewegen und dass sich nicht die Kirche der heutigen Zeit anpassen solle, sondern umgekehrt.

 

Die Schweizer Bischofskonferenz ist dafür bekannt, dass sie in sozial-ethischen und prophetischen Fragen für den römischen Revolutionsgeist Franziskus-˜ nicht empfänglich ist. Unter dieser Prämisse wird sich Adoray nur schwer als zeitgemässe Institution mit katholischem Gedankengut etablieren können.

 

Schönborns Rede

Was Adoray dennoch schon jetzt von der römisch-katholischen Kirche abhebt, ist, dass «fehlerhafte» Menschen überall und immer willkommen sind. Unter Fehlerhaftigkeit versteht man beispielsweise Sex vor der Ehe oder Homosexualität.

 

So haben die Veranstalter des diesjährigen Adoray-Festivals in Christoph Schönborn den perfekten Kandidat für die Kanzel  gefunden: der 70-jährige Erzbischof von Wien ist ein Kardinal ganz im Sinne von Franziskus. Vordergründig fährt er eine liberale Schiene (ja zu Empfängnisverhütung, offen für Dialog mit anderen Glauben, etc.), hintergründig würde er jedoch auf ebendieser Schiene das Papstmobil gegen die Wand fahren (Stillschweigen zu Missbrauchsskandalen, Stillschweigen zu Vatileaks, etc.). Diese Zerrissenheit und Unschlüssigkeit widerspiegelt sich, zumindest gegen aussen, auch in den derzeitigen Adoray-Wertvorstellungen.

 

Adorays Jugend

Die junge Adoray-Community wird sich in den nächsten Jahren bestimmt noch formen, entwickeln, spezifizieren und mit grosser Wahrscheinlichkeit auch ausdehnen. Die Frage ist, ob sie im Laufe dieses Prozesses noch offener wird oder sich unter der Führung der Schweizer Bischofskonferenz noch strenger auf den Hauptgehalt der katholischen Kirche stütz.

 

Und wie synchron sie den Kurs mit Rom fahren wird. Und wie gewissenhaft sich das jugendliche Publikum überhaupt an den gepredigten Grundsätzen orientiert, oder ob es für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur eine «neo-traditionellere» Form eines Jugendtreffs ist. Die Entwicklung der Religiosität in der Schweiz deutet darauf hin, dass es eher Letzteres ist.

 

Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf sandrobucher.com


 

Dummheit messen?

Kaspar fragt: Wie dumm ist der Mensch wirklich?

 

Lieber Kaspar,

 

Von welcher Dummheit sprichst du? Tiefer IQ? Niedriger EQ? Mangel an Kausalitätsbewusstsein? Fehlen von Verstand? Geistlosigkeit? Dummheit als universelles Schimpfwort?

 

(Diese Liste lässt sich endlos fortführen.)

 

Dumm ist, wer keinen natürlichen Menschenverstand besitzt. Dümmer ist, wer einen hat, den er nicht braucht. Dumm ist, wer blind den Gesetzen folgt. Dumm ist, wer sich langweilt. Dumm ist, wer faul ist.

 

(Diese Liste lässt sich ebenso endlos fortführen.)

 

Nicht selten versteckt sich Dummheit hinter Arroganz, einer durch das Individuum gefühlten Überlegenheit, die im Grunde nichts anderes als die eigene Geistlosigkeit verbirgt. Der Dummheit wird nachgesagt, sie sei mit dem Glück verheiratet, denn das Wesen niederen Geistes merkt ja gar nicht, wie es um es steht.

 

Das Mass an Dummheit lässt sich immer wieder übertreffen. Spannend wird es, wenn Dumme Schlaues sagen. Ja, in der Dummheit liegt manchmal die Schönheit begraben.

 

Die Daseinsberechtigung erhalten die Dummen jedoch aus einem anderen Grund. Sehr gerne umgeben wir uns mit einem Dummkopf, um uns überlegen zu fühlen. Doch genau da liegt der Fehler. Wir sollten uns nicht mit Dummköpfen, sondern mit inspirierenden Personen umgeben.

 

Dies ist auch der Grund warum Trash-TV so beliebt ist. Wir stopfen nicht nur unseren Magen, sondern auch unser Hirn mit Junkfood voll. Das Resultat ist unschön mitanzusehen und noch viel hässlicher zu ertragen. Die Menschen sind faul, wählen den leichten Weg. Konsumieren lieber, statt selbst etwas zu kreieren. Sie denken einen Gedanken nach, statt ihn selbst zu formen.

Wie wundervoll unsere Welt doch wäre, würden die Torheiten durch die Faszination für eigene Gedanken jedes Einzelnen ersetzt werden.

 

Zwischenstopp: Haben wir erstmal die begrifflichen Definitionen geklärt, kann ich nun auf deine Frage eingehen.

 

Der Mensch ist unendlich dumm.

 

So dumm, dass er sich nicht mal die Unendlichkeit vorstellen kann. Geschweige denn die Unendlichkeit seiner Dummheit.

 

Ein Messversuch

 

Dummheit bemisst sich am ehesten im Vergleich mit der Gesellschaft. Hierbei geht es nicht darum wie einer handelt, sondern wie er seine Handlungen und Ansichten begründet und reflektiert: Dumm ist nicht wer Dummes tut, sondern wer Dummes aus dümmeren Gründen tut.

 

Nehmen wir an, ich wollte beweisen, dass ich schlauer bin als du, lieber Kaspar. Das zu tun wäre dumm. (Die schlauste Lösung wäre, es gar nicht zu versuchen.)

 

Nehmen wir an, ich wollte beweisen, dass ich schlauer bin als du, um dir zu zeigen, wie dumm ich wirklich bin. (Das wäre eine etwas elegantere Begründung.)

 

Ich würde es wie folgt versuchen.

 

Ich sage nicht: “Ich schlau, du dumm.”

 

Auch behaupte ich nicht: “Ich dumm, du dümmer.”

 

Vielleicht würde ich sagen: “Ich bin im Bewusstsein meiner Dummheit, du tappst im Dunkeln.”

 

Oder aber ich behaupte, dass wir beide dumm sind. Unendlich dumm auf endlos viele Arten und Weisen. (Dies wiederrum ist zu einfach.)

 

Aber ich will hier nicht vom hohen Ross hinuntersprechen. Sich für schlauer als die anderen zu halten ist dumm. Und Dummheit messen zu wollen ist in etwa so schlau, wie zu behaupten, dass ein hoher IQ allein die Abwesenheit von Dummheit beweist.

 

In diesem Sinne, lieber Kaspar, lass uns dumm und fröhlich sein.

 

Sofiya

 

PS: Wer oder was regiert die Welt?

Redefreiheit – Erlebnisse aus Bali

Im Oktober 1965 begann in Indonesien im Auftrag des neuen Präsidenten Suharto eine Kommunistenverfolgung.

In den etwa ein Jahr andauernden Massakern wurden über 500 000 unbewaffnete Kommunisten und angebliche Sympathisanten der Kommunisten ausgelöscht. Auch viele chinesische Immigranten fielen den Massakern zum Opfer.

 

Mindestens 700 000 Indonesier wurden in Konzentrationslager und Gefängnisse gesteckt. Die New York Times veröffentlichte diese Zahlen am 30.9.2015, zum fünfzigsten Jahrestag der Massaker. Andere Quellen wie corpswatch.org und wikipedia.com sprechen von bis zu 3 Millionen Toten. Die genauen Zahlen werden wohl nie bekannt werden, weil dieses Kriegsverbrechen in Indonesien ein Tabuthema ist. Die Kriegsverbrecher wurden nie bestraft.

 

Offizielle Redefreiheit

Indonesien ist eine der grössten Demokratien der Welt und offiziell herrscht Rede- und Meinungsfreiheit. Zwischen dem 28.10.15 und dem 1.11.15 findet auf Bali das international bekannte “ubudwritersfestival” statt. Neben weltweit renommierten Schriftstellern und Journalisten sollen auch einige Künstler auftreten, die über die indonesischen Kommunistenmassaker reden wollen.

 

Die balinesische Polizei droht, das ganze Festival zu verbieten, falls diese Vorträge nicht aus dem Programm genommen würden. Der offizielle Angriff auf die öffentliche Redefreiheit in Indonesien trifft eine der beliebtesten Destinationen des balinesischen Massentourismus: Ubud. Die Organisatoren des Festivals müssen sich fügen und haben die Vorträge nun gestrichen. Auch zum fünfzigsten Jahrestag bleiben die Massaker unaussprechbar.

 

Kriegsverbrecher und ihre Macht

Noch immer besetzen Kriegsverbrecher in Indonesien hohe politische und wirtschaftliche Positionen. Die Verbrecher der Massaker von 1965 werden bald das Zeitliche segnen oder haben es schon getan. Doch was passiert mit den Verantwortlichen für die Massaker im Unabhängigkeitskrieg Osttimors? Laut globalissues.org wurden dort seit 1975 um die 200 000 Menschen ermordet.

 

Was passiert mit den Verantwortlichen für die noch immer andauernden Massaker an Eingeborenen in West-Papua? West Papua ist das rohstoffreichste Gebiet Südostasiens. Alle, die dort dem finanziellen Gewinn im Wege stehen, werden vertrieben oder umgebracht. Journalisten kriegen auf West-Papua keine Einreiseerlaubnis. Die indonesische Politik kann es sich trotz offizieller Redefreiheit nicht leisten, öffentliche Gespräche über indonesische Kriegsverbrechen zu erlauben. Auch auf der weltweit bekannten Trauminsel Bali nicht.

“Der Bart muss weg, Lucas!” – Teil 2

Mein zweiwöchiger Trip durch das Baltikum kostete mich gerade mal hundert Franken (ohne die überteuerten Flugtickets). Im ersten Teil meines Reiseberichts habt ihr bereits Einiges über das Couchsurfen erfahren.  Couchsurfing ist einer der Gründe für die geringen Reisekosten. Eine weitere, äusserst lukrative Strategie ist das Autostoppen.

 

Die Autofahrer

Meine Reisepartnerin Ania und ich wussten praktisch nie, wo oder wann wir am Abend ankommen würden. Anfangs haben wir noch gedacht, wir würden es von Warschau direkt nach Tallinn schaffen und von dort aus das Baltikum bereisen. Eine grobe Fehleinschätzung. Ania ist schon auf eigene Faust durch Europa getrampt und hatte dabei viel mehr Glück. Ihr Erfolgsrezept: Frau kann sich auf LKW-Fahrer verlassen, die gerne Gesellschaft haben und lange Strecken fahren. Auf diese wertvolle Ressource konnten wir leider nicht zurückgreifen. Kein einziger Brummi hat auch nur Anstalten gemacht, uns mit zunehmen.

 

Als wir einmal fünf Stunden an einer Strasse warteten, meinte Anja, es liege wohl an meinem Bart. Ich würde einfach verdächtig aussehen. Sie schlug vor, mich zu rasieren. Ich lehnte dankend ab – zu lange hatte ich ihn wachsen lassen! Mir wurde klar, dass man beim Autostoppen so nett wie möglich erscheinen muss, will heissen: keine Sonnenbrille, helle Kleider und immer ein Lächeln auf den Lippen. Und wie gesagt: Frauen haben es wohl leichter als Männer.

 

Bevor ihr “echte Kultur” an einem Touristenort suchen geht, steigt lieber in ein wildfremdes Auto. Auch wenn man manchmal Einiges in Kauf nehmen muss, um die Ortsansässigen und ihre Geschichten kennenzulernen. Vom russischen Folklore-Groupie über den Boss einer lettischen Biker-Gang (ausnahmsweise im Auto unterwegs) bis zum Kettenraucher, welcher sich alle fünf Minuten eine neue Zigarette drehte; mit beiden Händen natürlich. Ania und ich haben sie alle erlebt.

 

Meine Reisepartnerin

“Was, du stehst auch auf Festivals?! Cool! Welches Genre? Rock? Aha.” Ania und ich teilten zwar nicht denselben Musikgeschmack, aber was soll’s, dachte ich mir. Abgesehen davon, hatten wir eigentlich ziemlich viel gemeinsam. Wenn wir über Filme oder Kunst sprachen, waren wir immer gleichermassen Feuer und Flamme.

 

Meine Reisepartnerin, sieben Jahre älter als ich, hat mich vom ersten Augenblick an fasziniert. Sie war eine richtige Globetrotterin. Alles Geld, das sie verdiente, floss sofort in eine neue Reise. Doch meine Faszination für ihren Lebensstil reichte nicht aus, um die immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen zu verhindern. Bald zankten wir uns wegen jeder Kleinigkeit.

 

Rückblickend verstehe ich, worin das Problem wahrscheinlich lag. Wir hatten unterschiedliche Erwartungen an diese Reise. Ania, welche schon etliche Male trampen war, wollte so viel sehen wie möglich. Mir hingegen ging es um das Erlebnis Autostopp. Ich hatte somit also auch kein Problem damit, länger auf eine Mitfahrgelegenheit zu warten oder sogar eine Stadt auszulassen.

 

Was ich sicher gelernt habe ist: Reisepartner müssen nicht die ganze Zeit aneinander kleben. Es ist immer gut, eine Bezugsperson zu haben, wenn man von A nach B reist. Aber es ist überhaupt nicht schlimm, von Zeit zu Zeit mal getrennte Wege zu gehen. Das taten wir dann auch. Ania raste von Kirche zu Kirche, während ich im Park mit einem Buch auf sie wartete.

 

Mein Fazit

Zwei Wochen ohne Rückzugsmöglichkeit, nonstop unter (fremden) Leuten, das ist anstrengend. Doch dieses Bad in der Fremde hat mir einen völlig neuen Blick auf mich selbst gegeben. Ich durfte Grenzen kennenlernen und das wahre Reisen, jenseits von Reisebüros und Ferienressorts, erleben. Mehr Planung hätte Vieles leichter gemacht. Doch wäre das Spontane, das Abenteuerliche verloren gegangen.

 

Ania erzählte mir, wie sie einmal für eine Woche nach Norwegen reiste, um die Polarlichter zu beobachten. Alles was sie sah, war ein grüner Dunst. Als wir nach zweistündigem Warten in einem Kaff an der Grenze zu Estland aufgeben wollten, weil es bereits dunkel wurde, nahm uns, im letzten Moment, ein Geschäftsmann aus Tallinn mit. Er lud uns sogar ein, bei ihm und seiner Familie zu übernachten und mit ihnen die Stadt zu besichtigen.

 

Wir fuhren mit ihm durch die Nacht und unterhielten uns gelegentlich. Plötzlich tauchten vor uns, völlig unerwartet, die Polarlichter auf. Sie waren klar erkennbar und bewegten sich sogar. Als ich diese Geschichte Zuhause erzählte, fragte man mich: “Hast du ein Foto gemacht?” und darauf konnte ich nur antworten: “Nein, sicher nicht!”

 

Weitere Informationen für die Umsetzung eines derartigen Trips:


 

Vom Reisepartner bis zum Gastgeber: www.couchsurfing.com

Alles Wichtige rund ums Autostoppen: hitchwiki.org

Mitfahren und Benzinkosten teilen: www.blablacar.com