Gesellschaft | 04.09.2018

Leben mit Omi

Text von Elena Maria Müller | Bilder von AFY Studio
 
Bild: AFY Studio

Omi hat eine dominante Eigenschaft. Sie ist eine unverbesserliche Tampeltante, sprich sie trödelt gerne – und damit verbunden ist sie auch sehr gut darin, sich selbst Stress zu machen.
Erst neulich hat sie darauf bestanden, dass ich sie um sieben Uhr in der Früh wecke. Immerhin hatte Omi um zehn Uhr einen Termin.
Gesagt, getan. Denn ich weiss, wie wichtig Oma ihr Morgenritual ist. Dieses besteht einerseits daraus, zu duschen und sich die Locken zu wickeln, und andererseits aus einem ausgiebigen Frühstück. Sprich, wenn ich mich innerhalb von 20 Minuten über mein Müsli hermache, hat sie in derselben Zeit vielleicht schon mal ihr Geschirr getischt und ihre Pülverchen angerührt. Von hinsetzen und Frühstücken ist jedoch noch keine Rede. Spätestens wenn ich fertig bin, mache ich sie höflich darauf aufmerksam, dass ihr Wasser fürs Frühstücksei schon längstens kocht.
Nachdem sie ihren Hunger gestillt hat, wird erstmal ausführlich die Zeitung studiert.
Irgendwann habe ich sie dann doch gefragt, ob sie die Zeit im Griff habe. Naja, ich glaube ich habe Omi noch nie zuvor in Unterwäsche durch die Wohnung rennen sehen.
Sie hat es schlussendlich doch noch pünktlich geschafft, obwohl sie nochmals zurückgeeilt ist, weil sie ihren Schirm nicht öffnen konnte. Und alles nur, um danach noch eine halbe Stunde beim Arzt zu warten.