Gesellschaft | 21.09.2018

Eine Wäscheklammer im Park

Text von Kristina Kraft | Bilder von mmarsupilami
 
Mehmet Ali Uysal, ‹Mandalbuyuk›, 2010
Bild: mmarsupilami

Da steht sie:  So absurd wie ihr Antlitz, so absurd ist auch all jenes, das sie symbolisiert.  Ihre Form und ihre Funktion, bis ins Detail aufeinander abgestimmt, bis ins Minimste reduziert. Sie – ein Erzeugnis aus Natur und Kultur, klammernd an ihrem Ursprung, tief in Schuld und Treue gegenüber ihrem Schöpfer.

Unübersehbar ist ihr Anmut, denn sie ist sich ihrer Funktion bewusst. Kerzengerade, stolz und stramm, mit eiserner Ausdauer, tut sie, wie ihr befohlen; hält sie, was sie verspricht. Ein wenig überheblich, denn ohne sie, was wären wir? Sie ist der Fortschritt, das Denken, das Streben und Erschaffen, das Ausfehlernlernen oder Reproduzieren, der Pragmatismus und die Koexistenz. Sie ist der Grössenwahn zu beherrschen, in Form zu bringen und zu kontrollieren. Sie ist die Liebe zum Detail, die pure Existenz.

Sie, sie ist, wie wir –  einfach hier, stetig im Dienste, stetig auf der Suche nach dem Sinn desselben. Und ist die Verbundenheit noch so klar, stehen ihre Wurzeln doch im Hintergrund. Und doch ist die Abwandlung so gross, dass sie sich als etwas Eigenes definiert.

Und unter ihr ein Riese, dessen Nasenlöcher sie hält – eine Schildkröte, auf dessen Rücken der Elefant die Erde trägt.


Kolumne: Die Begegnung