Gesellschaft | 27.08.2018

Kleider machen Gymis

Text von Louisa Merten | Bilder von Louisa Merten
Eine «Kleiderempfehlung», die nur für Mädchen gilt, sorgt bei Langenthaler Gymnasien für Entrüstung. Zu Recht, wie unsere Autorin satirisch kommentiert.
Das Gymnasium könnte sich bei dieser Hitze bald der Badi angleichen.
Bild: Louisa Merten

Ein Rundmail der Schulleitung des Gymnasiums Oberaargau löste Anfang Juni einen regelrechten Shitstorm aus. Grund dafür waren Vorgaben zur Art der Hautbedeckung: Eine neue Kleiderordnung, beziehungsweise «Kleiderempfehlung», wie die Schulleitung es ausdrückt, soll durchgesetzt werden. Die Schulleitung «empfiehlt» damit den Gebrauch von durchsichtigen, trägerlosen oder bauchfreien Oberteilen zu unterlassen, sowie das Tragen von T-Shirts mit beleidigenden, diskriminierenden, sexistischen oder rassistischen Aufdrucken. Die Regelung gilt allerdings nur für die Mädchen. Die männlichen Gymnasiasten bleiben von der Kleider-Aktion verschont. Die Schulleitung begründet ihre Aktion unter anderem mit dem Argument, die Mädchen schützen zu wollen. Sie würden im Gegensatz zu den Jungs mit ihren Kleidern gezielte Aussagen machen und fremden Leuten einen falschen Eindruck des Gymnasiums vermitteln, denn scheinbar hat die Welt ein neues Hobby gefunden: Aus Bay Watch ist Gymi Watch geworden. Die Leute strömen in Scharen in ein zwar öffentliches, aber dennoch in sich geschlossenes Areal und beobachten bauchfreie Gymnasiastinnen, die Schultaschen und Geografiebücher über den Pausenhof schleppen. Dabei kann es natürlich schon sein, dass einige das Gymnasium mit einer anderen Institution verwechseln und den Schülerinnen zu nahe kommen.

Ebenfalls nicht gestattet sind ein sichtbarer Allerwertester und nackte Füsse, sowie Badeschlappen. Das Schwimmbad-Feeling wird damit ein für allemal aus dem Gymnasium verbannt. Selbstverständlich ist die Fläche der nackten Haut auch proportional zur Intelligenz eines Mädchens; je mehr Haut zu sehen ist, desto weniger Hirnkapazität ist vorhanden. Das wird ja alles mit der herunterbrennenden Sonne verbrutzelt. Daher auch der Imageschaden der Schule, sollte einmal jemand fremdes ein leicht bekleidetes Mädchen über den Pausenhof des Gymnasiums gehen sehen. Aber Spass beiseite: Das Barfusslaufen für Mädchen in den Schulhäusern zu verbieten hat schliesslich verständliche Gründe. Wo kämen wir denn da hin, wenn die Jungs immer durch attraktive Mädchenfüsse vom Unterricht abgelenkt würden. Besser, ein Mädchen lässt ihre Füsse in Sneakers zu Käse reifen, sodass alle dem Unterricht konzentriert folgen können.

Wir schauen den Fünfzigerjahren freudig entgegen, die Frau ist langsam auf dem Weg zur Emanzipation und rückt ab vom Status des Sexobjekts. Es kommen bereits wieder ärmellose Kleidungsstücke für Frauen auf. So etwas zu tragen ist in unserer Zeit allerdings sehr gewagt. Für den Fall, dass ein Mädchen derart pikant bekleidet in der Schule auftaucht, könnte man im Sekretariat ja eine Kiste mit Ordensbekleidung aufbewahren. Wer bereits im Unterricht die Blicke des anderen Geschlechts auf sich zieht, bedient sich vor der Pause bitte da. Bis oben geschlossene unifarbene Leinenkleider mit langen Ärmeln wären vielleicht eine Diskussion wert. Dann bekommt das ganze einen esoterischen Touch.

Diskriminierung und Sexismus sind des Weiteren Männerdomänen, weshalb Frauen es bitte unterlassen, mit solchen Sprüchen bedruckte Oberteile zu tragen, auch wenn auf den langen Röcken mehr als genug Platz dazu wäre.

Wenn dann an den langen warmen Tagen, in den langen warmen Kleidern die Konzentration und die Leistung gleich mit herausgeschwitzt werden, kann das Gymnasium Oberaargau aufatmen. Sie haben ihren guten Eindruck nach aussen gewahrt.