03.07.2018

Leben mit Omi

 
Bild: Alexander Skowalsky, Noun Project

Kannst du über den Tod sprechen? Glücklicherweise kann ich es mit Omi. Oft habe ich sie schon Todesanzeigen in der Zeitung studieren sehen und immer mal wieder war jemand darunter, den sie kannte. Es muss schrecklich sein, wenn Freunde und Bekannte um einen herum aus dem Leben scheiden.
Doch Omi ist ziemlich pragmatisch. Solange sie gesund ist, und während ihren gelegentlichen Besuchen im Altersheim mit den Betagten singen kann, ist alles gut. Manchmal bezeichnet sie die «Alten» auch als «Insassen» – versehentlich natürlich.
Die ersten Dinge, die mir in den Sinn kommen, wenn Omi ebenfalls ins Altersheim gehen müsste: Sie könnte nicht mehr die ganze Küche auf den Kopf stellen, wenn sie für uns Spinat und Kartoffeln kocht. Sie könnte nicht mehr für jeden Topf und jedes Abschmecken neues Besteck hervornehmen, um dieses anschliessend feinsäuberlich zu verstauen. Und sie würde nicht mehr gelegentlich Dinge anbrennen lassen. Darin ist sie echt gut.
Zudem würde sie ihrem Morgenritual nicht mehr nachkommen können. Sie sammelt nämlich sehr gerne die Schnecken im Garten zusammen und übergiesst sie mit heissem Wasser. Schliesslich würden diese ja ihren grossen Schatz, den Garten, zerstören. Besser, sie bleibt also so lange wie möglich in ihrem wohlbehüteten Zuhause.