Gesellschaft | 11.06.2018

«Die Meere zu reinigen ist kaum zu bewerkstelligen»

Text von Corina Mühle | Bilder von OceanCare
Bis zu 12,7 Millionen Tonnen Plastik landen jährlich in unseren Ozeanen. Der Schweizer Verein OceanCare engagiert sich dafür, den Meeresbewohnern einen plastikfreien Lebensraum zu ermöglichen.
Strand-Aufräumkation in Mallorca
Bild: OceanCare

Plastik ist so allgegenwärtig, dass wir schon gar nicht mehr wahrnehmen, wenn wir es in den Händen halten. Der verschwenderische Umgang mit Plastik hat für alle von uns Folgen. Besonders leiden die Ozeane und deren Bewohner darunter. Auch als Binnenland sind wir in der Schweiz mitverantwortlich, dass jährlich 100’000 Meereslebewesen und mehr als 1 Million Seevögel an der direkten Folge von Plastik sterben. Denn auch unsere Flüsse fliessen schlussendlich ins Meer und werden bereits hierzulande durch Littering und Abwasser verschmutzt.

Die Plastikverschmutzung der Ozeane ist kaum aufzuhalten. Jedes Jahr werden 300 Millionen Tonnen Kunstoff hergestellt; davon landen 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen im Meer, wie das Wissenschaftsjahr in einem Bericht von 2016/17 schrieb. Zwischen 60 und 90 Prozent von allem Müll in den Ozeanen ist Plastikmüll; geschätzt wird, dass sich momentan 86 bis 150 Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen befinden. Dieser sammelte sich seit 1950 an, als das Material erstmals auf den Markt kam. Inzwischen haben sich riesige «Plastikinseln» in den Meeren gebildet.

Plastik birgt mehrere grosse Probleme für die Umwelt: Das Material ist nicht abbaubar und zieht Umweltgifte an. Zudem wird es von Tieren oft für Nahrung gehalten, die dann mit vollem Magen verhungern.

Ein Schweizer Verein macht sich für die Weltmeere stark

Der Verein OceanCare machte es sich zur Aufgabe, sich für unsere Ozeane einzusetzen. Der Verein mit Hauptsitz in Wädenswil, Zürich wurde Ende der 1980er-Jahre von Sigrid Lüber, die seit 1993 auch Präsidentin ist, gegründet. Anfangs widmete sich OceanCare der Befreiung von Delfinen in Gefangenschaft in der Schweiz. Heute engagiert sich die Organisation für vieles mehr, wie zum Beispiel Plastikverschmutzung, Unterwasserlärm, Walfang, Eisbärentrophäenjagd oder chemische Verschmutzung. «Unser Einsatzbereich ist sehr gross, denn unsere Ozeane brauchen dringend Hilfe», sagt Rahel Beck von OceanCare. Das Ziel von OceanCare ist «der langanhaltende Schutz der Meere und deren Lebewesen» zu gewährleisten.

Um der Plastikverschmutzung entgegenzuwirken führt OceanCare weltweit Strandsäuberungen durch. Mit Sensibilisierungskampagnen rufen sie dazu auf, Einwegplastik zu reduzieren. Auch konnte OceanCare das Anliegen auf internationaler Ebene thematisieren sagt Beck: «Wir waren in der EU-Arbeitsgruppe zur Implementierung der neuen europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie aktiv beteiligt.»

So reduzieren wir den Plastikverbrauch im Alltag

«Die Meere zu reinigen ist kaum zu bewerkstelligen – bisher gibt es dafür keine zufriedenstellende Lösung», sagt Beck. Und trotzdem kann jeder etwas gegen die Plastikverschmutzung tun – auch in einem Binnenland wie der Schweiz.

Was wir tun können:

  • Keine PET-Flaschen benutzen, stattdessen zum Beispiel eine Edelstahl-Flasche kaufen und diese mit unserem sauberen Leitungswasser auffüllen.
  • Für die Wäsche einen speziellen Wäschebeutel verwenden. So wird verhindert, dass Mikroplastik in die Gewässer gelangt.
  • Auch in Kosmetika steckt Plastik, darum Naturkosmetika mit Label vorziehen.
  • Nachhaltiger leben – ist jedes Jahr ein neues Smartphone wirklich nötig?
  • Lokal einkaufen: Der Salat auf dem Markt wird nicht – wie im Supermarkt – in Plastik verpackt.
  • Kein Littering, sprich: Müll nicht liegen lassen.
  • Recycling, recycling, recycling! Denn nur so gehen Rohstoffe nicht verloren und können wiederverwendet werden.
  • Und natürlich noch viel mehr, die Liste endet hier noch lange nicht…

Ein Lichtblick gibt es jedoch: Seit der Einführung der 5-Rappen-Gebühr ist der Verbrauch von Plastiksäcken in der Schweiz um 84 Prozent zurückgegangen.