Gesellschaft | 05.06.2018

Kolumne: Leben mit Omi

 
Bild: Yazmin Alanis, Noun Project

Omi ist für ihre achtzig Jahre noch echt rüstig. Trotz kleiner chronischer Gebrechen, die man im Alter wohl oder übel hat, ist sie geistig wie körperlich noch sehr fit.
So war kurz nach meinem Einzug bei ihr jedes Kleidungsstück, dass nicht bei drei im Schrank lag, feinsäuberlich gewaschen und versorgt, wenn ich von der Arbeit nach Hause kam.
Nun – das ging mir zu weit. So einigten wir uns nach einer Debatte über den Eingriff in meine Privatsphäre und den ökologischen Schwachsinn einer halbleeren Waschmaschine doch noch. Seither hält sich jeder stillschweigend und reibungslos an die Gewohnheiten des anderen.

Omi unterstützt mich, wo sie nur kann. So bin auch ich manchmal froh, wenn sie mich um einen Gefallen bittet. Meistens betrifft das aber bloss ihr iPhone. Auch wenn WhatsApp bei ihr eher nach «Whabäb» klingt, kann sie mühelos Bilder verschicken, endloslange Texte senden, für die sie ungefähr zehn Minuten benötigt, sowie Emojis im sinnvollen Kontext verwenden. So werde ich regelmässig mit kitschigen Katzenbildern, Kettenbriefen und Küsschen überhäuft.
Manchmal landet dann doch ein Foto ungewollt in ihrer Story, was sie mit Humor und Verwirrung aufnimmt. Sie würde doch einfach auch gerne so ein schönes Selfie als Anzeigebild haben, wie es meine Schwester immer hat. Sie ist so fasziniert davon, dass sie letztens sogar meinte, sie müsse sich doch noch einen Selfiestick besorgen.