Gesellschaft | 12.04.2018

Paralympisches Gold

Text von Julia Kunz | Bilder von Michael Fund
 
Theo Gmür nach seinem Gewinn an den Paralympics in Pyeongchang
Bild: Michael Fund

Während zwei Wochen war ich fast jede Nacht wach, habe mitgefiebert, mitgejubelt, mitgeweint. Jede Medaille, die ein Athlet für die Schweiz holen konnte, war eine Freude. Sport war das Zentrum meines Alltags: Dieser war geprägt von schlafen im Unterricht, unzählige Tassen Kaffee und dunklen Augenringen. Die olympischen Spiele in Pyeongchang zogen mich völlig in ihren Bann. Und dann, vom einen Tag auf den andern, war alles vorbei.
Olympia ist zu Ende, die Athletinnen und Athleten kehren zurück in ihre Heimat. Das Wintersporthighlight 2018 scheint vorbei zu sein. Alle, mich eingeschlossen, konzentrieren sich wieder auf den üblichen Alltag. Das Olympische Feuer ist wortwörtlich erloschen. Nicht erloschen ist jedoch meine Leidenschaft für den Sport und mein Drang, sportlich immer auf dem neuesten Stand zu sein. Dies führte mich auf die Spuren der noch nicht vergebenen Medaillen. Auf die Spuren des Olympischen Feuers, das zwei Wochen später noch einmal voller Ehrfurcht brennt.
Die traurige Wahrheit ist jedoch, dass ich zu einer erschreckenden Minderheit gehöre. Was ich meine? Die breite Öffentlichkeit denkt, Olympia ist vorbei. Doch das ist nicht wahr! Beat Feuz ist nicht mehr der einzige Schweizer Skifahrer, der in der Königsdisziplin eine Medaille holen konnte: Theo Gmür ist Abfahrtsolympiasieger in der Kategorie stehend! Sie kennen ihn nicht? Dies erstaunt mich nicht.
Denn Theo Gmür wird nicht jede Woche im Fernsehen gezeigt, und dies trotz seines grossen Erfolges in der Kategorie stehend im Behinderten-Weltcup. Er reiste als Gesamtweltcupsieger nach Pyeongchang und niemand wusste es.
Das Thema Paralympics wird in unserer Gesellschaft so gut wie gar nicht behandelt. Es steht am Rande der Gesellschaft, wie auch die Behinderten selbst. Ich bitte euch, liebe Leserinnen und Leser, schaut nicht nur zweimal hin, wenn euch im Alltag eine behinderte Person begegnet, schaut auch zweimal hin wenn eine behinderte Person eine sportliche Glanzleistung vollbringt.