Gesellschaft | 25.04.2018

«Mir kam gar nie erst der Gedanke, etwas nicht machen zu können, weil ich eine Frau bin.»

Text von Fulya Bozaci | Bilder von zvg
Beim Betrachten der Geschichte des Feminismus, kann die Kunst nicht unbeachtet gelassen werden. Wie geht es den Künstlerinnen heute? Die Illustratorin Kooni erzählt im Gespräch von ihren Erfahrungen.
Lea Wäckerlin aka Kooni (31) ist Illustratorin und lebt heute in Hamburg (c) Kooni
Bild: zvg

In der Geschichte des Feminismus, der kritischen Analyse der Geschlechterrollen, ist Kunst nicht wegzudenken. Heute sind es Künstlerinnen wie Kiki Smith oder Jenny Holzer, die das Frauenbild thematisieren und neu darstellen. Im Deutschen sprach man bis etwa 1950 von der «Frauenemanzipation». Danach wurde der Ausdruck immer öfter durch den des «Feminismus» ersetzt. Gewichtig wie der Begriff, der die Frauenbewegung beschreibt, sind auch ihre Trägerinnen und Träger. Man misst ihnen, ob zustimmend oder ablehnend, Bedeutung bei.

Heute steigt die Präsenz der Frauen in der Kunst. Es gibt mehr Museumsdirektorinnen als früher. Auch einflussreiche Galeristinnen sind keine Seltenheit. Natürlich sind Frauen nicht plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht, sie waren schon immer da. Eine Studie zeigt, dass Kunsthochschulen etwa zu 60 Prozent von Frauen besucht werden, bei der Verteilung von Stipendien und Preisen herrscht Gleichstand. Die Schere öffnet sich dann aber beim Einkommen: Während dieses bei Künstlerinnen stagniert, steigt es bei den Männern.

Wie ist es für Frauen, die den Eintritt in die Welt der Kunst gewagt haben und erfolgreich sind? Eine von ihnen ist Lea Wäckerlin (*1987), besser bekannt als Kooni. Die Schaffhauserin hat sich mit ihren Illustrationen einen Namen gemacht und erzählt wie es ist, sich selbst treu zu bleiben und trotzdem von der eigenen Kunst leben zu können.

Fulya: Kooni oder Lea, wer bist du?

Kooni: Ich bin Kooni, getauft auf Lea. Ich bin Illustratorin. Das habe ich studiert, aber eigentlich war ich es vorher schon. Ich mache ausserdem eigene Bilder, tätowiere und töpfere. Nebenbei arbeite ich in einem Café und wohne seit drei Jahren in Hamburg. Mein Lieblingsessen ist Butterbrot oder Pommes.

F: Du sagst, du warst schon vor dem Studium Illustratorin. Ist man das oder wird man das?

K: Ich wusste schon früh, dass ich das machen will, obwohl mir nicht ganz klar war, dass es einen solchen Beruf überhaupt gibt. Das sagt einem ja niemand in der Schule. Aber die Bilder in meinen Kinderbüchern sind mir immer noch präsent. Ich war schon sehr früh sehr fasziniert von Zeichnungen.

F: Wie viel Lea steckt in deiner Arbeit?

K: Lea steckt nicht so viel drin – auf diesen Namen empfange ich eigentlich nur noch Rechnungen. Aber von Kooni steckt sehr viel drin. Ich bin keine Zeichnerhand für Leute, die es selbst nicht können, aber genau wissen was sie auf dem Bild wollen. Meine Lieblingsaufträge sind solche, bei denen es um eine Stimmung geht. Ich habe das Glück, mir aussuchen zu können, welche Aufträge ich annehme. Ich muss dahinterstehen können.

F: Hattest du das Gefühl, dass du dich als Frau mehr beweisen musst?

K: Eigentlich nicht. Ich hatte eine ziemlich gender-neutrale Erziehung und wuchs mit Jungs auf. Daher kam mir gar nie erst der Gedanke, etwas nicht machen zu können, weil ich eine Frau bin. Ungleichbehandlung ist etwas, das in meiner Welt nie wirklich existierte. Aber man darf mich jetzt nicht falsch verstehen: Ich finde, dass das in unserer heutigen Zeit schon längst kein Thema mehr sein dürfte!

F: Von der Kunst erhoffen wir uns oftmals, dass sie die Gesellschaft sensibilisiert. Im Rahmen meiner Recherchen erzählten mir Künstlerinnen und Kulturschaffende von ihren Erfahrungen mit Diskriminierung. Vom Machogehabe von Dozenten oder Mitstudenten an Kunstakademien, von Einschüchterung und Sexismus. Von Schauspielerinnen, die nicht «schön genug» sind. Hast du auch ähnliche Erfahrungen gemacht?

K: Zum Glück nicht. Ich hatte nie das Gefühl, als Frau anders zu sein, das strahle ich wohl auch so aus. Man merkt schnell, dass ich mir solche Ungerechtigkeiten gar nicht erst gefallen lasse und mich sofort wehren würde. Ausserdem empfinde ich den Illustratorenberuf als sehr ausgewogen. Es gibt viele Frauen, die in dieser Branche arbeiten. Auch das Thema des Feminismus kann mit Illustrationen sehr gut dargestellt werden. Das macht zum Beispiel Tara Booth. Sie zeichnet lustige Comics. Man sieht sie mit gespreizten Beinen auf dem Boden sitzen, auf ihrer Unterhose hat es einen roten Fleck. Ihr ist alles ziemlich scheissegal. Ich denke, das funktioniert wirklich sehr gut in der Illustration.

F: Warum?

K: Es ist dieser Hau-drauf-Humor, der Frauen wie Kerle darstellt und lustig ist. Das macht es für viele zugänglich.

F: Welche Tipps hast du an Menschen, die sich gegen Diskriminierung wehren wollen?

K: Sagt etwas und lasst es euch nicht gefallen! Klar, das ist leichter gesagt, als getan. Und die superguten Argumente fallen einem in solchen Situationen auch nicht sofort ein. Aber je öfter man sich dieser Situation stellt, desto leichter wird es.