Gesellschaft | 09.04.2018

Kolumne: Fragen wagen

 
Bild: Sophie Germanier

Liebe Auline

Für unser erstes Frage-Antwort-Spiel habe ich gleich eine schwierige Frage für dich. Darf ein Mann eigentlich über Frauenrechte schreiben? Zum Beispiel eine Kolumne in der er sagt, dass er die aktuelle #metoo -Bewegung ganz toll findet oder eben dann doch nicht so? Ist er dann nicht viel angreifbarer als eine Frau, die über dieses Thema schreibt? Meiner Meinung nach lehne ich mich schon mit dieser Frage weit aus dem Fenster. Es geht mir hier aber nicht darum, irgendeine weibliche Bewegung oder Errungenschaft schlecht zu machen, oder zu sagen, dass «Frauen zwar weniger verdienen, dafür müssen sie ja auch nicht ins Militär». Solche klischierten Aussagen entsprechen nicht meiner Meinung. Meine genauen Ansichten zu diesem Thema möchte ich aber trotzdem eben nicht öffentlich machen, denn, Hand aufs Herz: Wenn ich etwas über die Rechte der Frau schreibe, denkt sich ein Grossteil der weiblichen Leserschaft doch direkt: «Er hat doch keine Ahnung, schliesslich ist er ein Mann und hat dieses oder jenes noch nie erleben müssen.» Vielleicht haben sie damit ja auch Recht. Möglicherweise kannst du mir mit deiner Antwort etwas die Unsicherheit nehmen oder sie eben für immer zementieren, damit ich das Thema abhaken kann.

Liebe Grüsse
Carlo


Lieber Carlo

Vielen Dank für deine wichtige Frage. Ich hoffe fest, dass du das Thema Feminismus bitte nicht für immer abhakst, sondern dich mehr und mehr damit auseinandersetzt. Denn im Feminismus geht es sowohl um die Frau, als auch um den Mann und im Übrigen auch um alle anderen Geschlechter. Wenn du «als Mann» Mühe hast, deine Meinung kundzutun, so kann ich nur sagen, dass ich auch «als Frau» Schwierigkeiten damit habe. Denn wir sprechen jeweils nicht im Namen unseres ganzen Geschlechts, sondern vor allem als Individuum. Ich finde es extrem wichtig, dass wir alle unsere Anliegen, Fragen, Unsicherheiten aber auch Aussagen zu diesem wirklich wichtigen Thema miteinander teilen können und somit weiterkommen und irgendwann vielleicht an einem Punkt angelangen, an dem wir nicht mehr «als Frau» oder «als Mann» darüber sprechen müssen. Um auf deine Frage zurückzukommen; ja klar kannst du über Frauenrechte und den Feminismus schreiben, du sollst sogar! Offenbar fühlst du dich jedoch eher unwohl darin, und das ist meiner Meinung nach das Problem. Wenn du eine gute Art hast darüber zu diskutieren, und du dir bewusst bist, dass du über einige Dinge nicht aus Erfahrung sprechen kannst, und an diesen Punkten voller Respekt zuhören kannst, dann hast du meiner Meinung nach die richtigen Voraussetzungen mitzureden. Angreifbar sind wir doch alle, immerhin kann jeder und jede alles anonym kommentieren. Doch davor sollten wir uns nun wirklich nicht abschrecken lassen über solch wichtige Dinge zu sprechen, wie die Befreiung von stereotypischen Geschlechterrollen, die uns übrigens allen dienen soll.

Liebe Grüsse
Auline