Gesellschaft | 16.04.2018

Aglaya – Das aussergewöhnliche Hochhaus

In Rotkreuz kommt ein in der Schweiz einmaliges Bauprojekt zustande. Das Gartenhochhaus Aglaya befindet sich inmitten der autofreien und gemischt genutzten Suurstoffi. In diesem Gebäude wird die Natur mit zentralem Wohnen verbunden.
Das geplante Hochhaus Aglaya
Bild: Raumgleiter

Nahe dem Bahnhof Rotkreuz im Kanton Zug und nur einige Fahrminuten von der Autobahn entfernt, befindet sich die Suurstoffi. Es ist ein Dorf im Dorf. Man kann darin wohnen, arbeiten und studieren. In der Suurstoffi findet man vielfältige Architektur, umgeben von einer grünen, autofreien Umgebung. Dabei wird die Energieversorgung möglichst ohne Kohlenstoffdioxid produziert. Der Strom wird mit Hilfe von Solaranlagen hergestellt. Um Serviceleistungen zu organisieren und den Bewohnerinnen und Bewohnern beispielsweise mit den Einkäufen, der Spitex und der Kinderbetreuung zu helfen, gibt es im Haus Aglaya eine Concierge für das gesamte Areal. Aglaya ist ein 70 Meter hohes Gebäude mit vertikaler Begrünung. In den unteren Etagen werden Büro- und Gewerbeflächen untergebracht, auf den restlichen Stockwerken bieten 85 Eigentumswohnungen Platz zum Leben. Der Grundriss ähnelt der Ziffer 8, wodurch jede der sechs Wohnungen pro Etage eine Eckposition mit zwei Blickrichtungen erhält. Die Idee von begrünten Häusern kommt langsam immer mehr auf. Das Projekt Aglaya ist das erste dieser Art in der Schweiz. Das Haus orientiert sich an der Umgebung und nimmt diese in Form der Begrünung auf. So wird das Wohnen in der Höhe mit dem Besitz eines eigenen Hauses mit Garten kombiniert. Durch grosse Fenster mit Panoramablick werden die Grenzen von innen und aussen soweit als möglich aufgelöst. Das Interieur ist dabei möglichst naturbelassen, es wurden für die Möbel, Böden und Wände verschiedene grün-und brauntöne gewählt. Im 17. Obergeschoss gibt es einen Dachgarten zur Nutzung durch die Wohnungseigentümer des Gebäudes. Das Erdgeschoss bietet ein Restaurant sowie Büro- und Nebenflächen. Dadurch entsteht eine weitere Begegnungszone. Von innen und aussen kann man den saisonalen Wandel der Pflanzen gut beobachten. In die fest installierten Tröge sind kleine bis mittelgrosse Bäume und Sträucher, Stauden sowie Kletterpflanzen gesetzt, sie sind dabei aufeinander abgestimmt. Die Bepflanzungen der einzelnen Fassaden sind trotzdem unterschiedlich. Der Unterhalt der Begrünung wird von einem Gärtner fachmännisch in die Hand genommen. Diese Arbeit ist in den Nebenkosten inbegriffen. Auch die Bewässerung läuft automatisch. Dafür wird das Regenwasser auf dem Dach gesammelt. Mit diesem Wasser werden die Pflanzen über eine Bewässerungsanlage gegossen.
Anfangs bis Mitte des 20. Jahrhunderts hatte der Schweizer Architekt Le Corbusier bereits eine sehr ähnliche Projektidee, die er schliesslich mit dem Bau der «Unité d’Habitation» in Marseille endgültig verwirklichte. Das Konzept des Hochhauses war eine vertikale Stadt mit einem naturnahen Landschaftsraum und einer Dachterrasse für alle Bewohnerinnen und Bewohner. Da nach dem zweiten Weltkrieg Wohnungsmangel herrschte, versuchte Le Corbusier das Problem mit diesem Bau zu lindern. Die Aglaya in der Suurstoffi hat sich an diesem Konzept ein Beispiel genommen. Das Gebäude ist noch im Bau, wird aber voraussichtlich im Sommer 2019 fertiggestellt.