Gesellschaft | 28.02.2018

Soll man die Medien dem Freien Markt überlassen?

Text von Fulya Bozaci | Bilder von zvg
Diese Frage stellte Tink.ch im Rahmen der No-Billag-Reihe an Camille Lothe, Präsidentin der Jungen SVP aus dem Kanton Zürich. Warum sie für eine Medienlandschaft ohne staatlich erhobene Gebühren ist, erklärt sie Tink.ch im Interview.
Camille Lothe studiert Politikwissenschaften und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Zürich.
Bild: zvg
Camille, du hast dich für ein Ja zur Abschaffung geäussert. Worum geht es denn bei der No-Billag Initiative genau?

Die Initiative möchte die Billag-Gebühren abschaffen. Wir bezahlen jährlich 451 Franken, damit werden hauptsächlich die SRG und ihre Radio- und Fernsehsender finanziert.

Bei den Diskussionen um diese Gebühr wird schnell auch die SRG ins Spiel gebracht. Warum?

Das ist so, weil sie die meisten Billag-Gelder bekommen, also über 90%. Ein anderer, kleiner Teil geht an Andere, wie die regionalen Fernseh- und Radiosender. Daher steht die SRG im Fokus.

Lokale Fernsehsender und Radios bangen um ihre Existenz und wollen die Billag nicht abschaffen. Ist ihre Angst berechtigt?

Ja. Es gibt Radio- und Fernsehsender, die sehr stark von diesen Gebühren profitieren, das macht teilweise über 50% von ihrem Budget aus. Diese müssten sich ganz klar neu orientieren, falls die Initiative angenommen würde.

Gibt es für die betroffenen Medien auch etwas Gutes an ihrer Situation?

Auf jeden Fall! Ich bin davon überzeugt, dass es falsch ist, dass für die Medien durch den Staat Geld gesammelt wird. Das ist aus meiner Sicht sehr problematisch, eben genau, wenn man an die Unabhängigkeit der Medien denkt. Ich fände es besser, würde man nach anderen, selbstständigen Finanzierungsmöglichkeiten Ausschau halten.

Soll man die Medien dem freien Markt überlassen?

Ich finde, man sollte sie komplett dem freien Markt überlassen! 
Es herrscht ein Abhängigkeitsverhältnis, wenn der Staat das Geld für die Medienhäuser einsammelt und das ist für die Berichterstattung nicht gesund.

Laura Zimmermann, Co-Präsidentin der Operation Libero warnte in einer Arena-Sendung vor einer Medienlandschaft, in der nur die Stärksten oder die Meistbietenden das Informationsangebot bestimmen würden…

Ich glaube, das ist ein Horror-Szenario. Die, die sich auf dem Markt halten werden, sind auch die, die gute Berichte machen und nachgefragt werden. Der Konsument ist mündig und sensibel. Er kann sehr gut entscheiden, was er möchte. Deshalb glaube ich nicht, dass es darauf hinauslaufen wird, dass nur die Grössten und Stärksten berichten, sondern die, die das beste Angebot haben.

Wie unabhängig können die lokalen Medien berichten, wenn sie zum Beispiel kritisch über ihre eigenen Werbekunden berichten müssten?

Ich sehe den Punkt, aber ich appelliere an die Journalisten und glaube an sie und daran, dass sie grundsätzlich unabhängig berichten. Sie haben ein Berufsethos. Und hat man starke Werbekunden, ist es gefährlich, ja. Aber Finanzierung geht nicht nur über Werbung. Man kann das über den Konsumenten machen und daher sehe ich keine Gefahr vor dem grossen Einfluss der Werbung. Ich möchte anfügen, dass das der Glaubwürdigkeit extrem schaden würde. Konsumenten merken schnell, wenn hinter einem Medium ein Konzern steckt und darüber nicht kritisch berichtet wird. Der Konsument bestraft dann ganz klar das Medium dafür und wechselt zu denen, die darüber berichten.

In Bezug auf Randgruppen sprechen die Initiativgegner von Solidarität. Sie gehöre zur Schweiz, weil zum Beispiel hohe Kosten für Randgruppen aufgeteilt werden. Diese kämen bei einer Privatisierung zu kurz.

Man spricht immer von diesem Solidaritätsvorwurf und von der Angst, dass die Schweiz auseinanderfallen würde. Wir sind eine Willensnation, weil wir diese Nation bilden wollten. Das ist nicht von einem einzigen Sender abhängig! Klar, es gibt Randgruppen, für die die SRG ein Angebot bietet, das nicht so stark auf dem Markt angeboten wird. Aber mit den Technologien haben wir ja immer neue Entwicklungen, zum Beispiel die Untertitelfunktion. Die ist ausgereift und funktioniert mittlerweile gut. Auch Netflix bietet das zu allen Filmen an. Die technische Entwicklung kommt uns da also sehr entgegen.

Aber Netflix bietet Unterhaltung und keine Nachrichten für die Schweizer Bevölkerung.

Ja. Aber es geht mehr darum zu zeigen, dass es Angebote gibt, mit denen man gut mit Untertiteln arbeiten kann. Netflix bringt so ein Angebot, obwohl kein kommerzielles Interesse dahintersteckt.

Wie können sich Hör- oder Sehbehinderte denn in der Schweiz informieren?

Zum Beispiel mit automatischen Untertiteln. Die Zeiten, in denen man Nachrichten geschaut hat, haben sich verändert. Viele lesen sie online. «20 Minuten» bietet eine Diktierfunktion an, die den Inhalt vorliest. Es gibt also ganz klar auch auf dem privaten Markt Angebote für solche Randgruppen.

Wie informierst du dich?

Primär schaue ich während des Tages immer wieder in Onlinezeitungen rein. Ich schaue manchmal Nachrichten. «Tele Züri» berichtet über den Wahlkampf. Das ist für mich interessant, weil ich hier in Zürich kandidiere. Ansonsten informiere ich mich auch über die sozialen Medien, wie zum Beispiel Twitter.

Hier findet ihr das Interview mit der Gegnerin Wilma Rall, die als Moderatorin beim Radiosender Rabe arbeitet.