Politik | 18.02.2018

Alles beginnt mit einem Kinderwunsch

Text von Linda Tellenbach | Bilder von Muriel Kilchenmann
Was passiert eigentlich alles vor einer Adoption? Und inwiefern konnte die Religion vor knapp 50 Jahren eine Schwierigkeit im Adoptionsprozess darstellen? Eine Tinkjunior-Reporterin wollte diese Fragen beantworten und sprach mit einer Frau, die aus erster Hand erzählen kann.
Alles beginnt mit einem Kinderwunsch- doch am Ende ist das Kindswohl entscheidend.
Bild: Muriel Kilchenmann

Immer wieder wird über das Adoptionsrecht gesprochen und über Veränderungen debattiert. Aber wie verlief eine Adoption vor knapp einem halben Jahrhundert Jahren? Desirée und ihr mittlerweile verstorbener Mann haben vor 47 Jahren ein Kind adoptiert. Desirée erzählt.

Erzähl mir von eurer Entscheidung, ein Kind zu adoptieren.

Es stand schon früh fest, dass ich und mein Partner keine eigenen Kinder bekommen konnten. Wir wollten aber unbedingt ein Kind. So war für uns klar, dass wir ein Kind adoptieren möchten.

Was geschah bis zum ersten Treffen?

Zuerst haben wir uns beim entsprechenden Amt in Zürich angemeldet. Nach etwa zwei Jahren haben wir durch Zufall erfahren, dass unser Antrag beiseitegelegt wurde, da mein Mann katholisch und ich reformiert war. Das sah man im Jahr 1970 nicht gerne. Da es seinerzeit so war, dass auf ein Kind fünf Ehepaare fallen, dauerte die Adoption in unserem Fall viel länger. Das Amt hat unsere Akte schliesslich doch wieder hervorgeholt und dann hiess es plötzlich, dass wir unser Kind besuchen gehen können.

Was waren die Schritte bis zur Adoption?

Nach dem Treffen konnten wir entscheiden, ob wir Cyril adoptieren möchten. Wir fanden es gut. Wir haben Cyril so aufgenommen, als wäre er unser leiblicher Sohn. Es ist eigenartig, wir hatten beide keine Probleme damit. Damals war er bei Pflegeeltern untergebracht. Wir haben Cyril mit zwei Monaten kennengelernt. Wir, also vor allem ich, haben ihn jeden Tag besucht, gewickelt, gefüttert und so weiter, damit wir uns kennenlernen konnten. Als künftige Eltern wurden wir auf Herz und Nieren geprüft, ob wir fähig sind, ein Kind zu erziehen. Mein Mann und ich mussten viele schriftliche Fragen beantworten, und wir wurden ständig kontrolliert, bis die Adoption zustande gekommen ist. Nach etwa vier Monaten konnten wir unseren Sohn zu uns nach Hause holen. Es lief von Anfang an sehr gut, aber wir hatten zwischendurch auch harte Zeiten.

Sollten die Eltern bei einer Adoption ein gewisses Alter haben?

Wir waren damals seit fünf Jahren verheiratet. Ich war 32 Jahre alt und mein Mann 39 Jahre alt. Ein gewisses Alter ist sicher eine gute Voraussetzung. Aber meiner Meinung nach kann man auch mit 30 Jahren ein Kind adoptieren. Diese Adoption hatte uns nicht nur einen Sohn gebracht, sondern auch eine grosse Erfahrung.

Tinkjunior dankt Desirée für das Gespräch.


Adoption- noch ein Trend?

Die Adoptionsanfrage geht stark zurück zum Vergleich von den letzten Jahren- Schweizer adoptieren immer weniger.

Voraussetzungen für eine Adoption in der Schweiz:

  • Adoptionsinteressierte müssen mindestens 28 Jahre alt sein sowie 16 Jahre älter als das zu adoptierende Kind.
  • Ehegatten können nur gemeinschaftlich adoptieren.
  • Sie müssen seit mindestens drei Jahren einen gemeinsamen Haushalt führen. Geschwistern ist die gemeinschaftliche Adoption nicht erlaubt.
  • Gleichgeschlechtlichen Paaren ist in der Schweiz nur die Stiefkindadoption erlaubt.