Gesellschaft | 24.11.2017

«Als würde die Welt brechen»

Text von Linda Tellenbach | Bilder von pixabay.com
Ein Erdbeben richtet grosse Schäden an. Das musste nun Mexico auf den Tag genau nach 32 Jahren wieder erleben. Ein Einblick in das Drama in Mexico.
Schreie, Lärm und Angst erfüllten die Strassen von Mexico City.
Bild: pixabay.com

Mexico City. «Stark und vereinigt», so beschreibt die Mexikanerin Naima (15) die Hauptstadt von Mexico nach dem Erdbeben.

«Ich hatte Englischunterricht und schrieb gerade meine Antworten im Buch auf, als alles begann», antwortet Naima auf die Frage, wo sie war, als die Erde zu zittern begann. Am 19. September verursachte ein Erdbeben der Stärke 7,1 grosse Schäden in Zentralmexico. Am stärksten traf es die Hauptstadt, Mexico City. Nach Angaben der Regierung starben mehr als 220 Menschen. Darunter gehören etwa auch 20 Schüler*Innen, die in einem eingestürzten Schulhaus starben. Naima erzählt: «Ich blieb zwei Wochen zu Hause, danach konnte ich endlich wieder in die Schule». Tausende Gebäude stürzten ein. Immer wieder wurde Mexico von Nachbeben heimgesucht. Das stärkste Nachbeben wurde mit 4,9 gemessen. Zwei Stunden vor dem ersten Erdbeben hatte es noch eine große Katastrophenübung mit Evakuierungen gegeben, um das Verhalten für den Fall eines erneuten Erdbebens zu trainieren.

Freiwillige Helfer suchten mit blossen Händen oder Schaufeln nach lebendigen Personen. Nach Gehör versuchten sie, Vermisste ausfindig zu machen. Es wurden Scheinwerfer aufgestellt, damit Einwohner und Hilfskräfte aus der ganze Welt, auch wenn es dunkel wird, weitersuchen können. Jede Sekunde zählt für ein Menschenleben. «Unsere Prioritäten sind, vermisste Personen zu finden und medizinische Vorsorge für Verletzte zu erhalten» verkündigte der Präsident von Mexico. Mit unter den Helfern war Frida.

Such Frida, such!

Die Labradorhündin kämpfte zwischen Trümmer und Schutt in Mexico um Menschenleben. Mit Aussicht auf Erfolg! In ihrem kurzen Leben hat sie bereits 52 Menschen aus den Trümmern in Mexico City das Leben gerettet. Sie suchte dort, wo die menschlichen Retter nicht hinkommen. Wegen ihres guten Spürsinnes werden Hunde oft bei solchen Naturkatastrophen eingesetzt. Mit speziell angefertigten Schutzbrillen und kleinen Schuhen machte Frida sich auf, Leben zu retten. Die Hündin wurde von der mexikanischen Marine ausgebildet. Wie viele Menschen sie bei diesem Katastrophenerdbeben gerettet hat, ist noch unklar. Im Netz ist sie bereits eine grosse Heldin. Frida bekam nicht nur von den Mexikaner ein Dankeschön, sondern sogar von dem Präsident.

Enrique Peña Nieto bedankte sich auf Twitter bei Frida. Ausserdem fordert der Präsident von Mexico in einer Videobotschaft: «Sofern die Häuser sicher sind, ist es wichtig, dass die Bevölkerung drinnen bleibt, um die Straßen für Krankenwagen freizuhalten und die Arbeit der Rettungshelfer zu erleichtern». Mexico City ist eine der grössten Städte der Welt und hat entsprechend viel Verkehr. Zu dem Verkehr gehört natürlich auch der Flughafen. Der Flugverkehr wurde eingestellt und es wurde von der Regierung davor gewarnt, Aufzüge zu gebrauchen.

Wiederholung der Geschichte

Exakt am selben Tag vor 32 Jahren, im Jahr 1985, wurde das Land von einem noch stärkeren Erdbeben erschüttert. Damals kamen 10’000 Menschen ums Leben. Das erste Erdbeben wurde mit der Stärke 8, 1 gemessen und das Erdbeben 36 Stunden später mit 7,5. Seit diesem Tag wurden die Bauvorschriften verschärft. «Ich konnte mir gut vorstellen, dass die Menschen sehr verängstigt waren. Meine Mutter erlebte das Erdbeben damals. Es gab kein Licht, kein Wasser und kein Telefon», meint Naima.

Zwölf Tage vor dem diesjährigen Erdbeben, am 7. September 2017, wurde bereits ein Gebiet 700 Kilometer von der Hauptstadt entfernt erschüttert. Dabei wurden mehr als 90 Menschen getötet. Die Stärke betrug sogar 8,2. «Ich erlebte bisher einmal ein kleineres Erdbeben. Wir haben in Mexico viele Erdbeben», sagt Naima. Aber warum wird Mexico oft von Erdbeben heimgesucht?

Grund der Katastrophen

Mexico hat weltweit die aktivsten Erdbebenzonen. Aber weswegen? Der Großteil des Landes liegt auf der sich westwärts bewegenden nordamerikanischen Erdplatte. Unter diese schiebt sich die langsam nach Nordosten wandernde Cocosplatte. Der Boden des Pazifischen Ozeans taucht so unter die mexikanische Landmasse ab. Das führt zu Reibungen und damit immer wieder zu Erschütterungen an der Südküste Mexikos.


Wie kann ich helfen?

Von Sachspenden direkt an betroffene Familien wird aufgrund von Diebstählen und Gewalttaten abgeraten. Aber Mexico braucht trotzdem Wasser, Essen und Medizin. Deshalb haben viele Organisationen Freiwillige, die am Einsatzort helfen. Auch www.savethechildren.ch oder www.cruzrojamexicana.org.mx sind angewiesen auf Spenden. Helft mit, Mexico zu helfen.

Das Interview wurde von unserer Tinkjunior-Reporterin auf Englisch geführt, mit Hilfe von Übersetzerin Alexandra Tellenbach.