Sport | 21.09.2017

Die spinnen, die Iren

Text von Mirella Candreia | Bilder von Mirella Candreia
Zürich ist bekannt für seine unzähligen Möglichkeiten, sich in seiner Freizeit zu betätigen. Unter anderem gibt es auch einen Club für Gaelic Football und Hurling, wo sich wöchentlich Iren und Irinnen und auch Schweizer und Schweizerinnen mit einem Flair für Irland treffen, um deren Nationalsportart auszuüben.
Die Spieler vom Zurich Inneoin GAA Club (in blau) in Aktion.
Bild: Mirella Candreia

Es ist Samstag Vormittag. Wir befinden uns in Greifensee ZH, genauer gesagt vor dem Sport- und Fitnesspark Milandia. Von allen Richtungen her kommen sportlich gekleidete, junge Menschen und versammeln sich neben den Fussballfeldern. Auf den ersten Blick scheint es ein ganz normaler Samstag an einem Sportplatz zu sein: Die Sportler ziehen sich um, machen sich warm, passen ein paar Bälle hin und her. Es könnte ein Fussballteam sein, doch plötzlich nehmen sie den Ball in die Hand, «tacklen » den Gegner – also versuchen auf eher robuste Art und Weise in Besitz des Balles zu kommen – und werfen den Ball zwischen zwei Stangen durch, die oben am Goal festgemacht sind. Es ist kein Fussball, es ist Gaelic Football! 175 Spieler und Spielerinnen aus verschiedenen Clubs der Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien und Tschechien sind hier zusammengekommen, um die irische Nationalsportart zum Besten zu geben und um den Turniersieg zu kämpfen. Die meisten von ihnen sind jedoch Iren – dies ist unmissverständlich den englischen Zurufen zu entnehmen. Sie werden den Milandia-Park für ein paar Stunden in eine kleine, irische Exklave verwandeln. Sogar das Wetter zollt den Iren Tribut und lässt Spätnachmittags dicke Regentropfen herunterfallen, sodass die Finale schon fast zur Schlammschlacht wird. Wie kommt es eigentlich dazu, dass eine solch internationale Gruppe hier mitten im Zürcher Oberland zusammenfindet?

Der Zurich Inneoin GAA Club

Die Geschichte beginnt im Jahre 2002, als Timo Powling von einem geschäftlichen Aufenthalt in Irland zurückkehrt und zusammen mit Freunden den Zurich Inneoin GAA Club gründet, um die in Irland kennengelernten Sportarten ausüben zu können. Sie beginnen über DVDs die Regeln des Hurling zu lernen. Hurling wird mit kellenförmigen Stöcken (Hurley) und einem kleinen, harten Ball – dem Sliotar – gespielt und zählt zu den schnellsten Sportarten auf dem Rasen. Es sieht aus wie eine Mischung aus Landhockey und Lacrosse. Die beiden Sportarten Hurling und Gaelic Football sind enorm traditionsreich. Die ersten Überlieferungen über ein Hurling-Spiel reichen zurück bis ins 14. Jahrhundert vor Christus. Mit Hilfe der Sportart wurden Zusammenbrüche der sozialen Strukturen überwunden, eine Art Nationalismus ausgelebt und so geht die Erfolgsgeschichte in Irland weiter bis heute.

Der Club heute

Heute zählt der Zurich Inneoin GAA Club in etwa 40 aktive Mitglieder und ist immer wieder auf der Suche nach neuen. Sie trainieren Montags und Freitags, abwechselnd eine der beiden Sportarten und organisieren immer wieder Sonntage im Park für eine Runde «Rounders» (eine Art Baseball), ein Bier oder zwei oder einfach gemütliches Zusammensein. Ein solches Turnier, wie jenes in Greifensee, ist keineswegs eine Ausnahme für die fleissigen Sportler und Sportlerinnen, denn über das ganze Jahr verteilt gibt es Turniere, die jeweils von einem anderen Team organisiert und von der Gaelic Athletic Association (GAA) unterstützt werden. Diesen Oktober werden einige Football-Spieler und Spielerinnen nach Maastricht reisen, um dort im «European Final» teilzunehmen. Dort hätten sie sogar die Chance in ihrer Liga Europameister zu werden! So kommen die Spieler immer wieder miteinander in Kontakt, man trifft alte Freunde und verbringt Abende in den lokalen, irischen Pubs und spricht über die alte und die neue Heimat. Ja, der soziale Aspekt darf nicht zu kurz kommen und gehört zum Sport, fast wie eine dritte Halbzeit. Wir sagen Prost – oder besser gesagt: Slàinte!