Abhilfe gegen das Abstimmungskopfweh

Der Begriff »Überalterung« ist in aller Munde. Die Menschen werden dank schnellen Fortschritten in Medizin und Technik immer älter, während die Zahl der Neugeborenen stagniert oder sogar sinkt. Letzteres unter anderem, weil das Kinderkriegen immer teurer wird und die Vereinbarung von Beruf und Familie sehr schwierig ist. Während Betreuungskosten immer mehr steigen, verdienen laut Studien kinderlose Paare mehr. Weiter zeigt sich das Phänomen von steigendem Wohlstand und sinkender Geburtenrate in praktisch jedem Land, dessen Pro-Kopf-Einkommen steigt. Kinder sind in Entwicklungsländern eine Absicherung im Alter. Industrieländer brauchen eine solche Absicherung immer weniger oder gar nicht mehr.

Hinzu kommt, dass in den 1960er Jahren mehr Kinder zur Welt kamen als lange zuvor. Den Menschen ging es nach langen Jahren von Krieg und Armut endlich besser, die Geburtenrate stieg stetig an. Ein Babyboom. Nun gelangen alle dieser Generation in den nächsten Jahren ins Rentenalter, die Zahl der Pensionierten verdoppelt sich somit beinahe.
Da unsere AHV primär über das Umlageverfahren finanziert wird – die gegenwärtigen Arbeitnehmer*innen finanzieren die Renten der gegenwärtigen Rentner*innen – ist ein gewisses Gleichgewicht erforderlich. Dieses droht durch die Überalterung in naher Zukunft in Gefahr zu geraten.
Zu Beginn der AHV mussten sechseinhalb Erwerbstätige eine einzige Rente finanzieren. In 30 Jahren werden es noch ungefähr zwei Erwerbstätige sein.

Es scheint somit allen klar: Etwas muss sich ändern! Über was nun gestritten wird, ist das wie.

Die Vorlage »Altersvorsorge 2020« sieht folgende Massnahmen vor:

  • Die Rente wird um 70 Franken erhöht
  • Das Rentenalter der Frauen wird auf 65 erhöht.

Das bisherige Rentenalter für Frauen ist bei 64 Jahren. Bei Männern ist es bereits jetzt 65 Jahre.

  • Die Senkung des Mindestumwandlungssatzes

Die ausbezahlte Rente in der 2. Säule (Pensionskasse) sinkt um 0.8% (siehe AHV-ABC).

  • Die Erhöhung der Mehrwersteuer um 0.3%

Mehrwertsteuer bezahlt man so gut wie überall, also für jegliche Waren und Dienstleitungen. Die Mehrwertsteuer wird von 8% auf 8,3% steigen.

  • Die Lohnabgaben steigen um 0.3%

Die Beiträge zur AHV steigen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber um je 0.15%.

Denkt daran, es wird über zwei Vorlagen abgestimmt:

  1. »Zusatzfinanzierung der AHV durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer«
  2. »Reform der Altersvorsorge 2020«

Wird nur eine der beiden angenommen, kann die Altersvorsorge 2020 nicht umgesetzt werden.

Die Altersvorsorge wird sozialer – meinen die Befürworter

»Das Rentenniveau bleibt bei steigender Lebenserwartung erhalten und die Reduktion der Pensionskassen-Renten wird durch eine Erhöhung der AHV ausgeglichen. Somit verschiebt sich der Riegel von der 2. auf die 1. Säule«, sagt Ruth Dreifuss, ehemalige SP-Bundesrätin, in einem Interview mit der Zeitung «Links».

Gutverdienende und Vermögende brauchen die AHV nicht als Lebensgrundlage. Diese bevorzugen die berufliche Vorsorge, da sie diese nicht dazu zwingt, mehr einzuzahlen, als sie bei der Pensionierung brauchen. Da die AHV die Versicherung der kleinen Leute ist, käme die Reform vor allem diesen zugute und die Goldgrube der beruflichen Vorsorge würde durch eine Stärkung der AHV reduziert werden, argumentiert Dreifuss weiter.

Für einen grossen Teil der Mitte–Links Parteien und auch für einigebürgerliche Parteien wäre eine Annahme der Vorlage der Schritt in eine sozialere Richtung. Teilzeitarbeitende und Arbeitnehmer*innen, die weniger als 24’675 Franken pro Jahr brutto verdienen, sind momentan von der Pensionskasse ausgeschlossen. Dies würde sich ändern. Somit kommt die Reform vor allem Frauen, Menschen in Tieflohnbranchen und Selbstständigen zugute, die bis jetzt nur die AHV hatten um sich ein Leben im Pensionsalter finanzieren zu können.

Arbeitnehmer*innen, welche mit 58 Jahren ihre Stelle verlieren, werden heute aus der Pensionskasse ausgeschlossen. Auch dies würde bei einer Annahme nicht mehr geschehen. Menschen, die in diesem Alter ihren Job verlieren, wären nicht mehr gezwungen, ihr angespartes Kapital in der 2. Säule frühzeitig anzuzapfen. Will sich heute jemand frühzeitig pensionieren lassen, hat er es schwer. AHV- und Pensionskassenrenten können nur komplett bezogen werden. Dies würde sich künftig ändern: Eine flexible Frühpensionierung wird möglich, da sich Teilrenten mit reduziertem Arbeitspensum kombinieren lassen. Auch die AHV-Rente würde bei einem frühzeitigen Bezug weniger stark gekürzt werden als heute.

Alain Berset, SP-Bundesrat und Drahtzieher der Reform, setzt sich sehr für deren Erfolg ein. In einem Interview der Zeitung «Work» gegenüber sagt er: »Die AHV wäre bis über 2030 hinaus gesichert und die berufliche Vorsorge stabilisiert. Dies ist lange, wenn auch nicht für die Ewigkeit«.

Falsche Ansätze laut Gegenseite

Genau das ist ein grosser Grund der Gegner*innen, die Vorlage abzulehnen. Auf der Internetseite der Generationenallianz, einem breiten Komitee von Mitte-Rechts, also insbesondere SVP und FDP, wird sie als Scheinreform, welche das Ziel verfehlt, betitelt. Die Reform löse das Finanzierungsproblem nicht, sondern schiebe es nur in eine baldige Zukunft. Bereits ab 2027 stecke die AHV wieder in den roten Zahlen, heisst es auf der Seite. Weiter würden die laufenden Rentner nicht davon profitieren, sondern die Vorlage sogar durch höhere Mehrwertsteuern noch mitfinanzieren müssen. Dies sei genau so ungerecht den jetzigen Pensionär*innen gegenüber wie den Jungen, welche die Hauptlast tragen würden, ohne jemals mit Garantie davon profitieren zu können.

Wird die Vorlage angenommen, erhalten alle ab Jahrgang 1973 und älter einen Zuschuss aus dem BVG-Sicherheitsfonds (BVG = Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge), da es für diese Jahrgänge zu knapp werden würde, ihre Rente mit dem eigenen Kapital zu sichern. Alle ab 1974 und jünger, erhalten diesen Zuschuss nicht, sondern ersparen sich die Renten alleine durch höhere Abgaben in der beruflichen Vorsorge.

Dies alles sei ökonomisch Schwachen gegenüber nicht gerecht. Bezügern von Ergänzungsleistungen wird jeder Franken, denn sie zusätzlich von der AHV bekommen, bei den Ergänzungsleistungen wieder abgezogen. Die Rechnung würde nicht aufgehen.

Die Vorlage spaltet nicht nur Lager, sondern auch Parteien

Auch von linker Seite sind längst nicht alle für die »Altersvorsorge 2020«. So hat die Partei der Arbeit erfolgreich das Referendum gegen die Vorlage ergriffen.

Eines ihrer Hauptargumente ist die Erhöhung des Frauenrentenalters, mit der jährlich 1,3 Milliarden Franken auf dem Rücken der Frauen «eingespart» würden. Dies unter dem Vorwand einer Gleichstellung, die bis heute nicht umgesetzt wird.
Hiermit sprechen sie vor allem die Lohnungleichheiten zwischen Männern und Frauen an. Denn noch immer verdienen Frauen in der Schweiz rund 20 Prozent weniger als Männer.

»Ich verstehe den Zorn, wenn man sagt, eine Erhöhung des Frauenrentenalters sei nicht gerecht. Dies ist aber nur eine Massnahme und nicht das ganze Paket. Insgesamt würden viele Frauen aufgrund der Verbesserungen im Teilzeitsektor profitieren und endlich würde ein grösserer Teil ihres Lohnes versichert sein. Zudem können wir doch nicht auf eine Sicherung der Renten, eine Erhöhung der AHV um 70 Franken und auf zig Verbesserungen verzichten, nur weil wir noch keine Lohngleichheit haben« moniert Alain Berset gegenüber «Work».

Nebst einem steigenden Rentenalter würde mit grosser Wahrscheinlichkeit stärker auf private Vorsorge gesetzt werden, welche sich vor allem gutverdienende Menschen leisten können und deshalb umstritten ist.

Wird die Vorlage abgelehnt, könnte es laut Dreifuss in ein paar Jahren möglich sein, dass das Defizit im Altersvorsorgesystem als Vorwand dienen würde, Zukunftsangst und Wut zu schüren. Ebenso die Ungleichheit zwischen einzahlender und beziehender Generation könnte dazu benutzt werden.

Es ist eine schwierige Entscheidung und ein komplexes Thema, in dem es viele verschiedene Interessen und deren Vertreter zu berücksichtigen gibt. Soll die Solidarität zwischen den Generationen weiterhin bestehen, muss früher oder später eine längerfristige Lösung gefunden werden.


AHV-ABC

AHV

Die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) wurde am 1. Januar 1948 in der Schweiz als obligatorische staatliche Rentenversicherung eingeführt. Sie wird zu rund 80 % durch die Beiträge aller Versicherten und deren Arbeitsgeber*innen finanziert. Versicherte zahlen 4.2 % ihres Lohns ein, weitere 4.2 % werden von der Arbeitgeber*in übernommen. Für nicht Erwerbstätige – z.B. Student*innen oder Schüler*innen – gilt ein jährlicher Minimalbeitrag von 478 Franken. Die restlichen 20 % der Gesamtkosten der AHV kommen unter anderem aus den Einnahmen durch Mehrwertsteuer sowie Alkohol- und Tabaksteuern.

Ab dem 64. vollendeten Altersjahr haben Frauen Anspruch auf eine AHV-Rente – Männer ab dem 65. vollendeten Altersjahr. Je nach durchschnittlichem Jahreseinkommen und der Anzahl Beitragsjahre beläuft sich die Rente auf derzeit zwischen 1’175 und 2’350 Franken. Verheiratete Paare erhalten gegenwärtig zusammen maximal 150 % der Maximalrente. Das Geld wird dabei nach dem sogenannten Umlageverfahren umverteilt: die jetzigen Arbeitenden zahlen die Renten der jetzigen Pensionierten.

IV

Wer nicht voll arbeitsfähig ist, hat Anspruch auf Invalidenversicherung (IV). Grundsätzlich funktioniert das System ähnlich wie bei der AHV: Versicherte bezahlen einen Teil ihres Lohnes ein: nämlich zusammen mit der Arbeitgeber*in 1.4 %. Die Höhe der IV-Rente wird in einem komplexen Verfahren ermittelt und hängt von Eingliederungsmassnahmen und dem Grad der Arbeitsunfähigkeit zusammen. Im Jahr 2010 erhielten rund 450’000 Menschen eine IV-Rente im Gesamtumfang von rund 9.2 Milliarden Franken.

Ergänzungsleistungen

Für viele Menschen reicht die Rente aus der AHV oder der IV nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. In einem solchen Fall haben sie – unter bestimmten Bedingungen – Anspruch auf Ergänzungsleistungen (EL), um ihnen die Existenz zu sichern.

3 Säulen

Das Versicherungssystem der Schweiz lässt sich in 3 Säulen aufteilen. In der 1. Säule, der staatlichen Vorsorge, befinden sich AHV, IV, sowie Ergänzungsleistungen.

In der 2. Säule befinden sich die berufliche Vorsorge: vor allem die Pensionskasse aber auch die obligatorische Unfallversicherung oder die Arbeitslosenversicherung.

In der 3. Säule schliesslich finden wir die freiwillige, private Altersvorsorge. Die jeweiligen Säulen sind unabhängig und es können Renten aus allen drei Säulen gleichzeitig bezogen werden.

Pensionskasse

Für Arbeitnehmer*innen mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von mehr als 24’675 Franken ist eine sogenannte Pensionskasse als Teil der 2. Säule Pflicht. Viele Teilzeitarbeitende oder Niedrigverdienende sind deswegen nicht an eine Pensionskasse angeschlossen. Auch bei der Pensionskasse gilt, dass ein Teil des Lohns eingezahlt wird und von der Arbeitgeber*in ergänzt wird. Im Gegensatz zur AHV, bei der das Geld zwischen den Versicherten umverteilt wird, hat jede Person bei der Pensionskasse ihr eigenes «Konto«, wo sich über die Jahre ein für die spätere Rente massgebender Betrag anhäuft.

Umwandlungssatz

Der Umwandlungssatz bestimmt, wie viel jährliche Rente aus der Pensionskasse an die Versicherten ausgezahlt wird. Beträgt der angesparte Betrag zum Beispiel 100’000 Franken und der Umwandlungssatz, wie gegenwärtig, 6.8 %, dann erhält die versicherte Person lebenslänglich 6’800 Franken Rente pro Jahr. Ein tieferer Umwandlungssatz bedeutet, dass die Pensionskassen weniger Rente pro Jahr für das gleiche angesparte Kapital auszahlen.

Der nachhaltige Filmtipp – Chasing Coral

«Das Problem mit den Ozeanen ist: Aus den Augen, aus dem Sinn», sagt Richard Vevers (Mitinitiator Chasing Coral). Vielen Menschen bleibt die Unterwasserwelt verborgen und so ist ihre Motivation gering, dieses Ökosystem zu schützen. Aber warum bleichen die Korallen aus und sterben dann ab? «Der Ozean hat Fieber», erklärt Vevers. Die Wassertemperaturen steigen, da der Ozean beinahe die ganze durch den Klimawandel entstehende Wärme absorbiert. Wie bei Menschen: wenn das Fieber zu lange zu hoch ist, stirbt man. Zwei Grad mehr reichen auch bei Korallen schon aus und an vielen Orten ist die Wassertemperatur sogar noch höher. Die Auswirkungen des Korallensterbens sind auch für den Menschen verheerend. Korallenriffe bilden einen natürlichen Schutz vor Überschwemmungen, sie filtern CO2 aus der Luft, sie bieten tausenden von Fischarten ein Zuhause und stellen somit sicher, dass rund 100 Millionen Menschen mit Nahrung versorgt sind.

Zusammen mit Jeff Orlowski, dem Regisseur von «Chasing Ice», dokumentieren Vevers und sein Team mit 360°-Aufnahmen die Schönheit der Korallenriffe. Sie setzen sich zum Ziel, erstmals eine Korallenbleiche im Zeitraffer zu dokumentieren. Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten und einigen Rückschlägen, entschloss sich das Team, die Korallenbleiche auf dem Great Barrier Reef in Zeitraffer-Aufnahmen von Hand festzuhalten. Dazu machte jede Person bis zu 25 Tauchgänge pro Tag und verbrachte über 4 Stunden täglich unter Wasser – und das während eines ganzen Monats. Die Aufnahmen brachten die Mitglieder des Teams körperlich und emotional an ihre Grenzen. Doch ihre Mühe wurde belohnt: Es gelingt ihnen erstmals mit eindrücklichen Aufnahmen die weltweite Korallenbleiche im Zeitraffer zu dokumentieren.

Der Verein Filme für die Erde freut sich sehr, «Chasing Coral» am 22. September 2017 in 17 Standorten der Schweiz und in Liechtenstein am Filme für die Erde Festival zu zeigen. Eintritt ist frei. Mehr Infos und alle Austragungsorte unter: www.FILMEfürdieERDE.org/festival

Dieser Film sowie weitere Filme zu diesem Thema sind auf der Filmseite Ökosystem Meer aufgelistet.

Der monatliche Filmtipp wird von Filme für die Erde präsentiert. www.FILMEfürdieERDE.org ist die weltweit grösste Website zu Film und Nachhaltigkeit, mit über 100 Filmen, die direkt online angeschaut werden können.

Eine Serie bricht ein Tabu

Jung, hübsch und tot: Die Heldin der Netflix-Serie Tote Mädchen lügen nicht (englischer Originaltitel Thirteen Reasons Why, wörtlich: «Dreizehn Gründe warum») ist bereits ab der ersten Folge tot. Hannah hat sich das Leben genommen, an ihrem Spind in ihrer Highschool hängen Blumen und handgeschriebene Abschiedsbriefe. Warum ist Hannah gegangen? In der amerikanischen Kleinstadt streitet man sich um eine Erklärung. Hannah Baker, gespielt von Katherine Langford, hat vor ihrem Ableben eine Kiste mit 13 Kassetten vorbereitet und schickte sie an 11 Schüler und einen Lehrer – alles Menschen, die sie für verantwortlich für ihren Tod hält. Clay schwärmte für Hannah, doch er hatte den Mut nicht, es ihr zu sagen. Als er sich die Kassetten anhört, will er nur noch eins: Rache an den Menschen ausüben, die Hannah verletzt haben. Die 11 beschuldigten Schüler und Schülerinnen wollen nicht, dass die Wahrheit aufgedeckt wird, da dies für sie eine Strafe oder sogar das Gefängis bedeuten könnte. Sie wollen mit allen Mitteln Clay zum Schweigen bringen. So gerät Clay in ein gefährliches Abenteuer und auch er ist schon bald der Verzweiflung nahe.

Vom Buch zur Serie

Tote Mädchen lügen nicht kennen viele Leute nicht nur als Netflix-Serie sondern auch als Buch. Das Jugendbuch aus dem Jahr 2007 ist vom US-amerikanischen Schriftsteller Jay Asher. Es erschien 2009 in deutscher Übersetzung. Am 31. März 2017 veröffentlichte Netflix die Miniserie, die unter anderem von der Sängerin und Schauspielerin Selena Gomez produziert wurde.

Die Hauptdarstellerin: Katherine Langford

Die 21-Jährige Katherine Langford hatte vor dem Dreh der Serie noch nie eine Kassette gebraucht, kein Wunder, denn sie ist am 29. April 1996 in Peth, Australien geboren. Da waren die Kassetten schon nicht mehr «in» und schon fast ausgestorben. Viele Jahre später wurde sie an der Schauspielerschule akzeptiert. Sie entschied sich, für zwei Vorsprechen nach Los Angeles zu fliegen, jedoch bekam sie zu diesem Zeitpunkt keine Rolle. Schon glaubte sie, eine der schlimmsten Entscheidungen ihres Lebens getroffen zu haben, als sie einen Anruf von Tom McCarthy erhielt. Tom McCarthy hatte gerade 2 Oskars für den Film Spotlight bekommen, nun arbeitete er gerade an der Netflix-Serie und musste noch die Hauptrolle besetzten: die des totes Mädchen. Ein paar Skype-Anrufe später war Katherine Langford engagiert.

Eine Gefahr für junge Menschen?

Aufgrund des Themas und der Suiziddarstellung sprachen sowohl Zuschauer als auch Spezialisten aus der Medizin und der Psychologie ihre Bedenken gegenüber der Serie aus, die darin besonders für suizidgefährdete Jugendliche ein Risiko sehen. Netflix versah sie in einigen Ländern mit einem Warnhinweis und in Neuseeland dürfen junge Menschen die Folgen inzwischen ausschliesslich unter Aufsicht von Erwachsenen schauen. Die Produzentin Selena Gomez und Netflix verteidigen sich gegen die Vorwürfe und hoben hervor, dass sie auf ein wichtiges Thema aufmerksam machen wollten.

Trotz schwierigen Szenen eine sehenswerte Serie

Aus meiner Sicht ist die Serie «Tote Mädchen lügen nicht» toll, da nicht viel über das Thema Selbsttötung gesprochen wird. Es gibt in der Serie ein paar Szenen, bei denen man mit Taschentücher bewaffnet sein muss und auch ein paar die für junge Jugendliche nicht geeignet sind – wie eine Vergewaltigung und der Suizid. Doch trotzdem ist die Serie romantisch und sehenswert. Besonders fand ich die Idee mit den Kassetten cool. Dass die Serie gelungen ist, finde nicht nur ich, denn im Jahr 2018 erscheint bereits die 2. Staffel.


Betroffene frühzeitig unterstützen

In der Schweiz versuchen 15’000 bis 25’000 Menschen pro Jahr sich das Leben zu nehmen. Über 1’000 Personen sterben dabei – das ist das Dreifache wie Verkehrstote. Doch ist das Thema ein Tabu: Studien haben gezeigt, dass die Schweizer Bevölkerung sich der Problematik wenig bewusst ist.

Bei Jugendlichen werden in der Schweiz ungefähr 10’000 Suizidversuche pro Jahr aufgezeichnet, wobei jeder dritte Tag ein junger Mensch in der Schweiz ihn nicht überlebt. Depressionen oder Mobbing sind dabei oft eine Erklärung dafür. Organisationen machen darauf aufmerksam, dass es wichtig ist, die Signale frühzeitig zu erkennen und die Betroffenen zu unterstützen, insbesondere weil diese ihre Probleme oft für sich behalten.

Notfalladressen und Beratung bei Suizidgedanken

  • Beratungstelefon für Kinder und Jugendliche (24 Stunden) Telefonnummer 147
  • Die Dargebotene Hand (24 Stunden): Telefonnummer 143 / www.143.ch
  • Pro Mente Sana Beratungstelefon: 0848 800858
  • Elternnotruf (24 Stunden) 044 261 88 66
  • Beratung für Jugendliche von Jugendlichen im Internet: www.u25-schweiz.ch

Mit dem Abfall in den Wald

Als Abschlussarbeit des Propädeutikums an der Schule für Gestaltung habe ich ein Video zum Thema Littering gedreht. Der Begriff Littering stammt aus dem Englischen, er bezeichnet das achtlose Wegwerfen von Abfall im öffentlichen Raum und im Wald. Mein Auftrag war es, ein Video zu machen, welches Kinder, möglicherweise auch Erwachsene, dazu animieren soll, Littering im Wald zu vermeiden. In der Umsetzung dazu, wie ich vorgehe, welche Technik ich benütze, war ich frei. Ich zeichnete kein detailliertes Drehbuch, sondern schleppte einen Sack voller Abfall in den Wald, um dort mit ersten Animationsversuchen beginnen zu können. Ich inszenierte jegliche Abfallgegenstände, teste verschiedene Standorte und Kameraeinstellungen. Schliesslich fügte ich die entstandenen Filmfrequenzen am Computer zusammen und unterlegte sie mit Geräuschen und Musik.

Entstanden ist ein Stop-Motion Film, welcher die Botschaft des Naturschutzes auf eine kreative und hoffentlich bleibende Weise vermitteln sollte.

Dieses Video ist im Auftrag von WWF Bern entstanden.