Menschliche und skulpturale Migrationsströme

Nicht als «white cube» sondern als «grey cube» präsentiert sich der Raum der Ausstellung «Migration – Bewegte Welt» im obersten Stockwerk des Museums der Kulturen Basel, für deren Konzeption sich die Direktorin Anna Schmid und die Co- Kuratorin von Kathrin Schwarz verantwortlich zeichnen. Eine graue Stellwand, deren Form und gewagte Inklination womöglich nicht ganz zufällig Assoziationen an Lärmschutzwände und Grenzwälle weckt, zieht beim Betreten des Ausstellungsraumes sogleich die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Den Auftakt bildet eine indonesische Skulpturengruppe aus zwölf Ahnenfiguren, von denen sich unter anderem Reisende Schutz erhofften. Dahinter eine aktuelle Installation «Migration» des Glaskünstlers Matteo Gonet: Eine mäandrierende Reihe durchsichtiger Glaszylinder mit blauem Kern in unterschiedlichen Grössen, deren prozessionsartige Anordnung Ahnungen von Flüchtlingsströmen evoziert. Die gläserne Arbeit korrespondiert auf reizvolle Weise mit der bunt durchmischten Anordnung ethnographischer Skulpturen aus unterschiedlichen Erdteilen auf der anderen Seite der Stellwand. Sie verdeutlichen, dass nicht nur Menschen sondern in gewissem Sinne auch Objekte den Status von Migranten tragen können.

Migration als Bereicherung

In thematisch locker miteinander verbundenen Stationen sucht die Ausstellung anhand von 120 ausgewählten Objekten unterschiedliche Facetten eines Themas von hoher Aktualität und Brisanz herauszustreichen, welches in medialen Repräsentationen vermehrt eine Reduktion auf seine rein negativen Aspekte erfährt. So handelt es sich bei dem Phänomen der Migration nicht um einen Ausnahmezustand, sondern um eine historische und soziale Konstante, die sich mitunter in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht auch als Bereicherung herausstellen kann. Die kleine aber feine Ausstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert einzelne Schlaglichter, die in der Zeitspanne vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart angesiedelt sind und in mehreren Fällen einen lokalen Bezug aufweisen. Protestantische Religionsflüchtlinge aus Frankreich zeichneten sich beispielsweise im 17. Jahrhundert für die Einführung des Gewerbes der Seidenbandfabrikation in Basel verantwortlich. Dieses verhalf zeitgleich dem Färberhandwerk zu einem Aufschwung, aus dem sich schliesslich die chemische und die pharmazeutische Industrie entwickelten.

Vom Krieg gezeichnet

Die tragischen Seiten der Migration werden jedoch keineswegs ausgeblendet oder schöngefärbt. Wahrhaft verstörend mutet der afghanische Kriegsteppich aus dem 20. Jahrhundert an – einerseits Überlieferungsträger einer traditionsreichen Handwerkskunst, andererseits bildhaftes Zeugnis von nahezu vierzig Jahre andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen, welche die Bewohner immer wieder zur Flucht in die benachbarten Länder und nach Europa zwangen. Entsprechend schöpft sein ikonographisches Programm nicht aus dem Fundus bewährter Motive, sondern aus dem zeitgenössischen Waffenarsenal: Handgranaten, Helikopter, Panzer und eine Kalaschnikow beanspruchen nun den Platz für sich.

Ethnologie wird fassbar gemacht

Komplementär zu den einzelnen Ausstellungen bietet das Museum der Kulturen thematisch verwandte Programmpunkte an, darunter das jeden ersten Mittwoch im Monat stattfindende Vermittlungsformat «Ethnologie fassbar», welches einem interessierten Publikum ethnologische und kulturwissenschaftliche Fragestellungen auf leicht verständliche Weise nahezubringen sucht. Im Rahmen dieser Reihe fand auch die Veranstaltung «Typically Swiss?» statt, bestehend aus einer kurzen dialogischen Führung, einem ebenfalls dialogisch gestalteten Vortrag und einer Gesprächsrunde. Tabea Buri, Kuratorin der Abteilung Europa im Museum der Kulturen, Eleonore Wettstein von der Fachstelle GGG Migration und Sabine Rotach, Leiterin Bildung und Vermittlung im Museum der Kulturen verhandelten mit dem Publikum die Fragen nach «typisch schweizerischen» Eigenschaften, nach der Eigen- und Fremdwahrnehmung von Schweizern, nach dem Einfluss stereotypischer Zuschreibungen und dem Bild, welches Auslandschweizer von ihrer ursprünglichen Heimat mit sich tragen.

Die Macht der Symbole

Als Aufhänger diente dabei jene Station der Ausstellung, welche der sogenannten «fünften Schweiz» gewidmet ist, also den Schweizer Staatsbürgern, die sich bewusst und aus vorwiegend positiven Beweggründen zur Auswanderung entschieden haben. Bei den Exponaten handelt es sich um Objekte, welche einzelne Auslandschweizer mit ihrer Heimatnation verbinden. Die Biederkeit der Auswahl überrascht einerseits, andererseits wiederum auch nicht: Neben der unverwüstlichen Kuhglocke finden sich auf dem Sockel auch das altbewährte Schweizer Taschenmesser, ein Fondue- Caquelon sowie eine Reihe hölzerner Spielzeugkühe. Tabea Buri betonte, dass der starke Symbolgehalt dieser archetypischen Repräsentanten von «Swissness» nicht unterschätzt werden darf. Gegenstände können als Träger von Kindheitserinnerungen fungieren und Vorstellungen erzeugen, welche mit der Realität zum Teil nur noch am Rande übereinstimmen.

Stereotype als Problem

Ähnlich machtvoll und problematisch erweisen sich stereotypische Zuschreibungen an eine bestimmte Menschengruppe. Dass Stereotypen eine menschliche Konstante und in allen Kulturen verbreitet sind, wurde in der von Sabine Rotach moderierten Diskussionsrunde herausgehoben. Zwar erleichtern sie die Kommunikation, tragen jedoch das Potential zur Ausgrenzung bestimmter Personen oder Personengruppen mit sich, wie Tabea Buri erklärt. Und Eleonore Wettstein spielt auf die Vermischung von Eigen- und Fremdzuschreibungen an, wenn sie verrät, dass Migranten in gewissen Fällen die mit ihrer Ethnie in Verbindung gebrachten Zuschreibungen auch akzeptieren und ihrerseits in Gesprächen darauf zurückgreifen.

Die Ausstellung «Migration – Bewegte Welt» läuft noch bis zum 21. Januar 2018 im Museum der Kulturen Basel.

Die Vierte Gewalt gerät ins Abseits

Was haben Maulwürfe und Journalisten* gemeinsam? Beide Spezies sind vom Aussterben bedroht, beide Spezies wühlen gerne: Die eine in der blanken Erde, die andere in den Untiefen der menschlich produzierten Informationsfülle. Allerdings sind Journalisten* am Ende des Monats froh, wenn der Kontostand höher ist als noch vier Wochen zuvor.

Das Problem ist schnell umrissen: In der Menge an Gratisnews, die im Internet verbreitet und in druckfertiger Form in der »Blick am Abend«-Box liegen, geht schnell vergessen, dass gut recherchierter Journalismus etwas kostet. Es geht vergessen, dass da Menschen sitzen, die Politikern* auf den Zahn fühlen und das Amtsdeutsch der Behörden für uns Laien übersetzen und aufbereiten. Produktionskosten bezahlen sich nicht von selbst: Druckerpressen, Marketing und Gebäudemieten kosten. Und ob man es glaubt oder nicht: Journalisten* arbeiten nicht umsonst. Weder für die Leser*, noch für den Verlag.

Leser* wollen keine Fake-New. Für eine fundierte Berichterstattung bezahlen wollen sie aber auch nicht. Verlage wollen nicht investieren, aber möglichst viel Gewinn einstreichen. Diese Rechnung geht allerdings nicht auf. Die Folge: überall wird gespart. So greift beispielsweise der Medienkonzern Tamedia tief in die Berner Medienlandschaft ein, indem die Titel «Berner Zeitung» und «Der Bund» zukünftig mit demselben Inhalt gefüllt werden sollen. Unterscheiden würden die Blätter sich nur noch durch den Titel und den Lokalteil. Statt in einen qualitativen Journalismus zu investieren, werden die Journalisten* entlassen. Die Quantität muss aber dieselbe bleiben. Weil dafür aber die Angestellten fehlen, macht man aus den beiden Zeitungen «Einheitsbrei». Statt sich selbst überdimensionale Boni einzuzahlen, könnten die CEO* in eine breit gefächerte Medienlandschaft mit verschiedenen Gewichtungen investieren.

Analog ist nicht mehr gefragt

Das digitale Zeitalter ist für die Branche eher ein Fluch als ein Segen. Für eine Berichterstattung auf Papier zu bezahlen, sind nur noch die Wenigsten bereit. Das zeigt die Schliessung der Papierfabrik in Utzenstorf im Kanton Bern. Die Produktion wird Ende Jahr aufgegeben. Dadurch werden 200 Angestellte ihren Job verlieren. Die CPH Chemie Papier Holding AG im luzernischen Perlen übernimmt auf 2018 die Kunden- und Altpapierlieferantenverträge. Somit wird die Fabrik in Perlen ab 2018 zur letzten und einzigen Papierfabrik für Zeitungsdruck- und Magazinpapiere in der ganzen Schweiz.

Die gedruckte Zeitung werden wir früher als gedacht unseren Kindern in Glasvitrinen im Museum zeigen müssen. Die meisten Leser* weichen heute auf das Internet aus, wo die gleichen Informationen ohne Gegenleistung zur Verfügung stehen. Da die Zeitungen und Verlage merken, dass sie sich das eigene Grab geschaufelt haben, muss für einige digitale Artikel nun auch ein kleiner Batzen gezahlt werden.

Eine differenzierte Berichterstattung gehört zu einer funktionierenden Demokratie. Dafür braucht es Leser* und Medienmanager*, die bereit sind, etwas zu investieren. Denn der Staat als Sugar-Daddy wäre auch nicht geheuer. Dann will er nämlich mitreden. Und das bringt die vierte Staatsgewalt erst recht in Gefahr.

«Einisch Gampel, immer Gampel»

Fährt man mit dem Auto von Bern in Richtung Wallis, so hat man oft Probleme mit dem Verkehr. Die Walliser haben aber genau für diese Situationen einen wunderbaren Ausblick auf eine idyllische Bergwelt zu bieten. Fährt man noch etwas weiter durch das Wallis, so kommt man irgendwann in Gampel an.

Riesen Andrang

Um 08:00 Uhr öffnete das Gelände des Open Air Gampel. Wer meinte, er wäre genug früh losgefahren, war jedoch nicht allein. Bereits kurz nach der Öffnung standen die Festivalbesucher vor den Toren des Geländes Schlange. Das Gampel ist bekannt dafür, dass viele nicht nur wegen des Line-Ups herkommen, sondern wegen der gesamten Party, die hier auch als «iischi Party» bekannt ist.

Der Zeltplatz war schnell gefüllt und mit der Zeit strömten die Besucher auf das Konzertgelände. Die Schweizer Rockband Redeem eröffnete das Festival. Viele der bereits am Donnerstag angereisten Besucher freuten sich auf den Headliner Lil Wayne. Diese wurden jedoch derbe enttäuscht.

Party trotz kurzfristiger Absage

Nach über einer Stunde Verspätung nahm das Warten auf den US-Rapper ein apruptes Ende. Bei einer medizinischen Untersuchung empfahl man ihm, nicht aufzutreten. Es hagelte von einigen Fans scharfe Kritik, da man für nichts gewartet habe, anstatt dass die Absage kommuniziert worden wäre. Der grösste Teil der Festivalbesucher machte jedoch dem Gampel wieder alle Ehre und liess sich den ersten Abend nicht vermiesen. Die Partyzelte füllten sich rasch und für die Rockfans traten The Kills auf der White Stage auf. Ein weiterer Höhepunkt stand um 23:00 Uhr auf dem Programm, als der Tomorrowland-DJ Paul Kalkbrenner auf der Red Stage auflegte.

Endlich Die Toten Hosen

Bereits vor zwei Jahren hätten Die Toten Hosen am Gampel auftreten sollen. Damals musste die deutsche Punk- und Rockband kurzfristig absagen, da der Leadsänger Campino erkrankt war. Für viele Besucher ging dieses Jahr also eine Wartezeit von zwei Jahren zu Ende. Die Band hatte vor kurzer Zeit ihr neues Album «Laune der Natur» veröffentlicht und dieses stürmte auf Platz eins der deutschen Charts. Viele Festivalgänger, die bereits einige Jahre dabei sind, meinten, dass dies der beste Act seit Jahren war. Am Samstag stand vor allem Hip-Hop und Rap auf dem Programm. Headliner war Cro und dieser wusste seine Fans mit einer spektakulären Performance zu begeistern. Auch die Broilers spielten Hits wie «Bitteres Manifest» und «Ist da jemand».

Wie bereits auf dem Heitere standen auch Nemo und Lo & Leduc auf der Red Stage. Auch dieses Wochenende konnten die Schweizer Musiker überzeugen.

Viele Traditionen

Das Gampel ist für die fantastische Stimmung unter den Besuchern bekannt. Tink.ch wollte die Traditionen der Festivalbesucher kennenlernen. Für einige, isst man vor einem Schweizer Act ein Raclette. Andere nehmen um 11 Uhr morgens in die Rockstr-Bar den traditionellen «11i Schuss». Eine Gruppe Männer vertreibt ihre Zeit mit einem Kartenspiel, wobei dabei «Alli trinke!», wohl der meistgesagte Satz ist. Was wie an vielen anderen OpenAirs auch nicht fehlen durfte, waren die Sticker der Band «KaButt». Wo man am Gampel auch hinging, fand man Sticker mit einer gelben Badeente drauf. Das Logo der Band KaButt wurde dadurch bekannter als deren Musik.

Die 32. Ausgabe des Gampel war ein voller Erfolg. Oder wie ein Festivalbesucher am Ausgang meinte: «Einisch Gampel, immer Gampel! Iischi Party!»

Ein erfolgreiches Heitere Open Air geht zu Ende

Familiär und dennoch ein grosses Fest

Das Heitere ist bestimmt keines der ganz grossen Open Airs in der Schweiz. Neben Festivals wie das Frauenfeld, Gampel, oder Gurten scheint das Heitere ein kleines Dorffest zu sein.
Das Heitere trotzt diesen Vorurteilen jedoch alle Jahre: Bereits Monate vor dem Festival sind die Tickets ausverkauft. Das Open Air erhielt 2016 den SRF-Festivalaward und dies kam nicht aus heiterem Himmel. Das Festival zeichnet sich durch seine grosse Vielfältigkeit aus. So sieht man Besucher jeglichen Alters auf dem Gelände, hört Musik jeglicher Richtungen auf den Bühnen und tritt auf dem Zeltplatz mit Menschen verschiedenster Charakterzüge in Kontakt.

Grenzwärtiger Auftritt von KIZ

Die deutsche Rap-Band, die am Samstagabend auftrat, vermochte mit ihrer klassischen Auftrittsart nicht bei allen zu überzeugen. So gehen die Meinungen über die Vorstellung bei den Festivalbesuchern weit auseinander. In den vordersten Reihen gaben die sogenannten Takatuka-Ultras alles und feierten den Auftritt ihrer Band. In den hinteren Reihen liefen die Leute jedoch reihenweise davon. Ganz anders war das bei Mark Forster, der mit Hits wie Chöre und Sowieso das gesamte Publikum zu begeistern vermochte. Auch Silbermond, die bereits 2010 am Heitere auftraten, liessen ihre Kritiker verstummen und lieferten ein grandioses Konzert ab.

Viele nationale Acts am Sonntag

Am Sonntag standen viele Schweizer auf der Bühne. Den Anfang machte die Band Traktorkestar, welche vor allem aus Bläsern besteht. Unterstützt wurden diese von Perkussionsinstrumenten. Sie coverten unter anderem Lieder von Rammstein und begeisterten das Publikum. Auch Nemo zeigte eine tolle Show und es ertönten Songs wie Ke Bock, Himalaya und Blockbuster aus den Boxen der Lindenbühne.

Lo&Leduc bildeten den Abschluss der Schweizer Acts. Die Berner Musiker zogen das Publikum bei heissem Sommerwetter gekonnt mit und spielten einige Lieder des neuen Albums Ingwer und Ewig sowie altbekannte Lieder wie «Räuber und Poli» und «Blaui Peperoni».

Das OpenAir verlief sehr erfolgreich und friedlich, so wie man es sich gewohnt ist vom Heitere. Hoffen wir auf viele weitere tolle Festivals am Zofinger Hausberg.

Durch den Berg rutschen

Vor uns tut sich ein schmales dunkles Loch auf. Langsam nimmt die sogenannte Grubenbahn Fahrt auf und transportiert uns ins Innere des Berges. Während es draussen schwül und heiss ist, wird es immer kühler, je tiefer wir in den Berg fahren. An hölzernen Stützen hängen in regelmässigen Abständen Lampen, die ein wenig Licht spenden und gleichzeitig gespenstische Schatten in den Stollen werfen. Die Gänsehaut kommt daher wenig überraschend. Wir befinden uns im alten Salzbergwerk Hallein etwa 120 Meter unter der Erdoberfläche.

Hallein liegt zwischen dem Fluss Salzach und dem Dürrnberg etwa 20 Kilometer südlich von Salzburg. Hier wird seit über 2500 Jahren Salz abgebaut. Anfangs waren es keltische Siedelnde, die nach dem weissen Gold schürften und dazu gefährliche Stollen 300 Meter tief in den Berg gruben. Das mit Salz angereicherte Gestein wurde mit Werkzeugen herausgemeisselt und dann weiter verarbeitet. Eine gefährliche Arbeit, bezeugt durch mehrere auf natürliche Weise mumifizierte keltische Bergleute, die im 16. Jahrhundert in verschütteten Stollen entdeckt wurden. Aber auch eine notwendige Arbeit. Denn Salz bedeutete die Konservierung von Lebensmitteln und Reichtum.

Tourismus seit 400 Jahren

Die Grubenbahn rattert noch ein letztes Mal, bevor wir anhalten und zu Fuss weiter gehen. Der Stollen ist hier gut ausgebaut und etwas mehr als einen Meter breit. Am Boden verlaufen schmale rostige Schienen, auf denen früher die Bahn noch fuhr. Wände und Decke werden durch dicke Baumstämme gestützt. Ein gewaltiger Druck wirkt hier unter der Erdoberfläche – unvorstellbare zwei Tonnen pro Quadratzentimeter sollen es an manchen Stellen sein. Jedes Jahr wird der Stollen deswegen um einige Millimeter zusammengequetscht. Das lässt sich an den gebrochenen Stützen in einem kleinen Seitengang eindrücklich beobachten. Dies ist einer der Gründe, weshalb nach wie vor vierzehn Bergleute hier arbeiten. Sie kontrollieren die Bewegungen des Berges, ersetzen Stützen und nehmen Ausbesserungen vor.

Seit 400 Jahren kommen Besucher*innen nach Hallein, um die Welt der Bergleute zu erkunden und zu erleben. Damit ist das Salzbergwerk Hallein das älteste Schaubergwerk Europas. Anfangs wurden die Führungen noch parallel zum regulären Bergbau durchgeführt. «Früher waren diese höher gestellten Persönlichkeiten vorbehalten. Irgendwann ist man darauf gekommen, dass das eine lukrative Sache ist», erklärt Standortleiter Rudolf Meisl. Als die Salzförderung 1989 aufgegeben werden musste, stieg man darum voll auf Erlebnistourismus um. Seither erhalten Schulklassen, Reisegruppen und andere einen eindrücklichen Einblick in das Leben unter dem Berg.

Untergang einer wegweisenden Tradition

Doch warum steht die Produktion heute still? Die Geschichte der Schliessung des Salzbergwerks vor fast 30 Jahren liest sich wie ein Fallbeispiel der Ökonomie. Im Salzkammergut rund um Salzburg gab es immer schon viel vom namengebendem Salz in den Bergen. An mehreren Orten entstanden über die Jahrhunderte kleinere und grössere Bergwerke und dazugehörige Salinen. In den Bergwerken wurde meist in unterirdischen Seen Wasser mit dem im Stein gebundenen Salz zu Sole angereichert und hinausgepumpt. In den Salinen wurde diese Sole dann in riesigen Pfannen verkocht und das uns bekannte Kristallsalz hergestellt.

Das Salzbergwerk in Hallein war dabei hauptverantwortlich für den Reichtum der Stadt Salzburg. «Salzburg würde ohne das Salz vom Dürrnberg in dieser Pracht nicht bestehen», weiss Meisl. In der Tat war das Salz derart wichtig, dass deswegen mehrere Kriege mit dem benachbarten Bayern ausgefochten wurden. Doch die moderne Zentralisierung und Rationalisierung holt auch traditionsreiche Orte irgendwann ein. Im Jahr 1979 wurde etwa 70 km östlich von Salzburg eine neue, grosse Saline in Ebensee gebaut. In deren unmittelbarer Nähe liegen die Salzbergwerke Bad Ischl, Hallstatt und Altaussee – nicht aber Hallein. Die Transportwege waren zu gross und die Erträge zu klein. Hallein wurde wirtschaftlich abgehängt und musste aufgeben. Mit der unvermeidlichen Schliessung ging auch eine jahrtausende alte Tradition verloren.

Magische Welten entdecken

Seither setzt man stark auf den Faktor Spass. Viele Menschen kommen hauptsächlich aufgrund des ungewöhnlichen Erlebnisses hierher. Auf unserer Führung erreichen wir dann auch bald das erste Highlight. Eine traditionelle Bergleuterutsche führt uns in rasantem Tempo eine Ebene tiefer. Dort wartet eine multimedial aufbereitete Flossfahrt über einen der unterirdischen Salzseen. Von Musik und einer Lichtshow untermalt gleiten wir in einem hölzernen Floss über den unterirdischen Salzsee. Die Decke ist so tief, dass wir sie problemlos anfassen können.

Für eine Lehrperson aus Dornbirn im Vorarlberg und die Schüler*innen ist das Rutschen das Beste am Bergwerk. Natürlich sollen die Schüler*innen auch etwas lernen. Denn das Salzbergwerk ist kein reiner Vergnügungspark. «Bei uns gibt es auch Bereiche, wo man den Wissensdurst stillen kann», meint Meisl. Dieses Wissen wird jedoch allenfalls nebenbei vermittelt. Es ist ein Wissen über die geheimen Welten, die sich in den Bergen dieser Welt befinden, wo Menschen in der Dunkelheit nach Schätzen graben. So begleitet uns auch das Gefühl der Einsamkeit und Abschottung im Dunkeln der Stollen auf Schritt und Tritt. Und auch ein Wissen über die geschichtsträchtige Vergangenheit, die man hier «hautnah erleben» könne.

Am Ende unseres etwa eineinhalb Kilometer langen Marsches durch verschiedene Stollen und Kammern haben wir die Orientierung komplett verloren. Wären wir auf uns alleine gestellt, kämen wir wohl nie wieder ans Tageslicht. Jeder Stollen sieht wie der letzte aus. Sie winden sich im Dunkel dieser Erde durch den Berg und verlaufen mal auf österreichischem mal auf deutschem Boden. Doch irgendwann holt uns die Zivilisation wieder ein. Mitten im Berg bringt uns eine gute alte Rolltreppe wieder zurück zur Grubenbahn, die gerade die nächste Besuchsgruppe abgeladen hat. Und so fahren wir wieder mit einigem Gerumpel dem Ausgang und dem Licht entgegen.

Erster Dämpfer für YB

Passives YB

Viel Sehenswertes bot die erste Halbzeit nicht und dennoch führten die Gäste aus Thun gleich mit 0-3. Die Oberländer konnten bislang kein Spiel gewinnen und so überraschte das Halbzeitresultat umso mehr. Bei YB passte nichts zusammen und die Kreativität in der Offensive, die aus den letzten Spielen gelobt wurde, kam nicht zum Vorschein.

So wurde YB von der eigenen Eckballvariante aus dem Spiel gegen Lausanne von Thun ausgehebelt. Sandro Lauper erzielte nach 13 Minuten die Führung für den FC Thun. Gefolgt war diese Ecke von einer weiteren, bei welcher Marco Bürki Gelmi gewähren liess. Der Verteidiger des FC Thun erzielte somit bereits das 0-2 für das Gästeteam.

Nun kam es aber in der 43. Minute noch dicker für den passiven Leader aus Bern: Spielmann wurde nach einem Fehlpass aus der YB-Verteidigung sofort lanciert und blieb Sieger im Duell gegen David von Ballmoos.

Offensivdruck ohne Erfolg

Adi Hütter brachte nach der Pause mit Guillaume Hoarau und Leo Bertone zwei geschonte Stammspieler. Diese brachten zwar etwas Schwung mit und YB spielte sich hochkarätige Chancen heraus, trotzdem scheiterten die Hauptstädter an ihrem eigenen Unvermögen oder am stark aufspielenden Thun-Goalie Ruberto.

Es kam wie es kommen musste und so erzielte der FC Thun nach einer schön herausgespielten Aktion sogar das 0-4. Die Berner waren bedient und mussten das erste Mal in dieser Saison Punkte liegen lassen. Die Art und Weise lässt jedoch die eine oder andere Frage offen.

Der nachhaltige Filmtipp – The Borneo Case

Fast 90 Prozent des Primärregenwaldes auf Sarawak, Malaysia, wurden abgeholzt und als Rohstoff in alle Welt verkauft. Damit wurde nicht nur ein einzigartiges Ökosystem zerstört, sondern auch die Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung. Dagegen kämpfte Bruno Manser bis zum Zeitpunkt seines Verschwindens. Die Abholzung des Regenwaldes ging danach ungebremst weiter.

Schnitt zur Gegenwart: Das unabhängige Radio «Radio Free Sarawak» gibt den Menschen auf Borneo seit 2010 eine Stimme und kritisiert die lokale Regierung. Kopf und Gründerin des Radios ist die auf Sarawak geborene britische Journalistin Clare Rewcastle Brown. Zusammen mit dem Schweizer Lukas Straumann, dem Geschäftsführer des Bruno-Manser-Fonds, recherchiert sie über die weltweiten Verstrickungen der Regierung auf Sarawak. Sie entdecken, dass sich der Regierungschef von Sarawak, Taib Mahmud, mit Korruption und Geldwäsche am illegalen Abbau des Regendwaldes bereichert und ein milliardenschweres Vermögen angehäuft hat. Trotz Morddrohungen veröffentlicht Rewcastle die Resultate der Recherchen auf ihrem Blog «Sarawak Report».

Dieser Film zeigt eindrücklich, wie sich Aktivisten dank Hartnäckigkeit und guter Recherche international Gehör verschaffen und einen Diktator in die Knie zwingen können.

Der Verein Filme für die Erde freut sich sehr, «The Borneo Case» am 22. September 2017 in 17 Standorten der Schweiz und in Liechtenstein am Filme-für-die-Erde-Festival zu zeigen. Mehr Infos und alle Austragungsorte unter: www.FILMEfürdieERDE.org/festival

Dieser Film sowie weitere Filme zu diesem Thema sind auf der Filmseite Ressourcen-Abbau aufgelistet.

Der monatliche Filmtipp wird von Filme für die Erde präsentiert. www.FILMEfürdieERDE.org ist die weltweit grösste Website zu Film und Nachhaltigkeit, mit über 100 Filmen, die direkt online angeschaut werden können.

Dieser Eintrag erschien am 02.08.2017 auf dem Blog von unserem Partner Filme für die Erde.

Alchemie am Dürrnberg

Fernab der geschäftigen Salzburger Altstadt gibt es einen Ort, wo die Zeit ein bisschen stehen geblieben ist. Es ist ein Ort, wo sich das traditionelle Handwerk der industriellen Massenproduktion widersetzt. Dieser Ort ist die Siedehütte im Garten der Familie Brudl. Einem magischen Prozess gleich verwandelt sich hier klare Sole aus dem benachbarten Dürrnberg in weisses Gold – das uns allen bekannte Speisesalz.

Auf den ersten Blick ist alles unscheinbar. Am Rande des kleinen Dorfes Oberalm – rund 20 Kilometer südlich von Salzburg gelegen – stehen einsam zwischen zwei Bächen und der Autobahn zwei Häuser und eine Scheune. Die Brudls wohnen hier in einem Mehrgenerationenhaushalt: Grosseltern, Eltern und Kinder wohnen alle unter einem Dach. Denn die Familie hat hier einen besonderen Stellenwert. «Das Salz soll rein familiär hergestellt werden», meint Eva Brudl.

Die Weisheit der Bergleute

Die Magie selbst findet in einer kleinen Holzhütte statt. In einer zwei Quadratmeter grossen Pfanne werden jeweils etwa 120 Liter Sole über mehrere Wochen hinweg über offener Flamme bei etwa 60 bis 70 °C eingekocht. Am Schluss können dann die kunstvollen und filigran anmutenden Salzkristalle geerntet werden. «Je niedriger die Temperatur, desto schöner werden die Kristalle. Ich finde es wichtig, dass es auch optisch schön ist», erklärt Eva Brudl. Für das Sieden ist ihr Mann Helmuth zuständig, der sich das Handwerk selbst beigebracht hat.

Ein Salzrechen

 

Im Gespräch mit ehemaligen Bergleuten sowie aus Büchern hat er sich das nötige Wissen angeeignet. Er tüftelte und experimentierte bis alles stimmte: erst am eigenen Küchenherd, später in einer eigens dafür geschaffenen grösseren Pfanne. Ohne Leidenschaft und Vision wäre das wohl nie möglich gewesen. Denn Problemquellen gibt es zuhauf. Die Temperatur muss wochenlang gleichmässig sein, was mit der Holzfeuerung am Anfang schwierig war. Irgendwann stieg man auf das verlässlichere Gas um. Und auch das Siedematerial wurde in Mitleidenschaft gezogen. Das Salz korrodierte die Metallpfannen. Es gab immer wieder Löcher und Rost. Mittlerweile hat man eine Lösung, die sich hoffentlich bewährt.

Ein Stück Heimat in der Dose

Warum tut sich das jemand an? Am Anfang stand der einfache Wunsch, den Gästen des eigenen Kaffeehauses Salitri in Hallein echtes lokales Salz zu schenken. Das führte zu einer kleinen Reise in die Vergangenheit. Denn am Dürrnberg gibt es eine Tradition der Salzgewinnung, die bereits vor über 2500 Jahren ihren Anfang und mit der Schliessung der Saline 1989 ein abruptes Ende nahm. Das Salzsieden der Brudls ist also auch eine Besinnung auf die eigene Heimat, die eigene Herkunft. Denn «ohne das Salz würde Salzburg in dieser Form nicht stehen», weiss Eva Brudl.

Das fertige Salz

 

Als kondensierte Heimat geht das Halleiner Salz auch auf Weltreise. Bei den vielen Tourist*innen in Salzburg ist es als Andenken oder Mitbringsel sehr beliebt. Die Brudls schätzen das. Und trotzdem möchten sie sich nicht dem Gebot des Wachstums unterwerfen, um möglichst viele Menschen mit Salz zu versorgen. Es wird genau so viel produziert, wie sie selbst erledigen können. Dann ist Schluss. Wichtiger als Expansion ist ihnen die Qualität und das Handwerk an sich. So entsteht etwas, was bleibt, auch wenn es sich im Essen auflöst: die Erinnerung an eine scheinbar längst verflossene Welt.

“Il meccanico non è un lavoro da donne”

Miranda è cresciuta con il papà meccanico di barche che però “mi ha sempre un po’ negato questo lavoro, perché, secondo lui, essendo donna non era l’attività adatta a me”.

“Quando finalmente ho deciso di voler intraprendere questa strada, perché ero abbastanza grande da prendere le mie decisioni ed avevo i soldi per, in parte, autogestirmi, ho cambiato gli studi”, mi racconta decisa la giovane. Miranda studia ora come apprendista meccatronico alla SPAI di Biasca. Si occuperà della sostituzione di pezzi e di elettronica facendo piccole diagnosi.

Seduta a gambe incrociate in un motoscafo sul lago di Lugano, la giovane di 22 anni mi guarda con i suoi grandi occhi verdi. Il vento le sposta i lunghi capelli neri mentre mi racconta il perché la scelta del suo studio è spesso una sorpresa per le altre persone.

“Finite le medie avevo chiesto di fare il meccanico, ma i miei genitori non volevano ed ero un po’ piccolina per impormi”. Così Miranda ha optato per la scuola di commercio, ha preso il diploma e ha lavorato un anno come impiegata per risparmiare un po’ di soldi e pagarsi le piccole spese senza dover gravare sulle spalle dei genitori.

Foto di Juliane Roncoroni.

Passione per la meccanica

“Da piccola passavo tanto tempo nell’officina sotto casa a fare benzina ai clienti”. Dai 12 anni Miranda stava in cantiere, ma poteva solo osservare, perché alla domanda “cos’è questo?” suo padre non dava molte spiegazioni. “Tanto non lo capisci, mi diceva”.

La persona più contraria alla passione per la meccanica di Miranda era però la madre. Anche se è contenta per Miranda, ancora oggi crede che la figlia perda tutta la propria femminilità con questo lavoro e che sia diventata molto più ‘grezza’. “Lei vorrebbe che mi vestissi ogni giorno da ufficio, elegante”. “Penso che mia mamma veda quanto lavora mio papà e il carico di lavoro che ha… comunque è un lavoro pesante e lei avrebbe voluto un lavoro più ‘leggero’ per me, grazie al quale avrei potuto dedicare anche più tempo alla famiglia”.

A proposito del meccanico di barche, Miranda mi confessa di adorarle e di aver da poco preso la patente nautica. Non sta studiando per diventare meccanica di barche, ma di automobili, perché in Ticino non c’è la possibilità di formarsi e lei pensa che suo papà non gradirebbe che lei lavorasse o imparasse “dalla concorrenza”.

Mentre arriva qualche onda più grande che sposta il motoscafo, Miranda sorride: “sono cresciuta sul lago, fin da piccola e queste onde per esempio mi piacciono tanto”.

Gli amici

Sono curiosa di sentire come hanno reagito a questo cambiamento i suoi amici e, prima ancora di affrontare il discorso, penso che le ragazze possano essere rimaste ancora più sorprese; invece mi sbaglio: le sue amiche l’hanno supportata tantissimo per questa decisione e l’hanno sempre incoraggiata. “Avevo paura di essere sempre messa a confronto con un uomo, ma le mie amiche dicevano che vedevano la scintilla nei miei occhi, quando parlavo di questo mio sogno e che non avrei avuto nessun problema”.

Invece gli amici maschi si sono divisi in due categorie: coloro che sono già meccanici la sostenevano, perché sapevano che non si tratta di un mondo nuovo per le donne, mentre gli altri erano più diffidenti. “Dicevano che non ce l’avrei fatta e che non è un lavoro da donna”.

“Mi dicono sempre che sono molto grezza ma io mi sento così e mi piace”. Già da giovane Miranda era interessata alle moto e faceva parte di un gruppo metal. Miranda racconta di questa parte della sua vita, ma ammette che appena stacca dal lavoro le piace essere “pulita e curata”. Oggi indossa uno smalto e un eyeliner azzurro che le illumina i tratti delicati del viso. Appena glielo faccio notare, mi mostra i segni neri delle gomme sulle mani.

Foto di Lorenzo Prosperi.

Con gli uomini

“Tanti vedono questo lavoro fatto da una donna come una cosa eccitante, come nel film in cui Megan Fox fa la meccanica. Ma io non sono lei”, afferma Miranda ridendo. Poi, più seria, spiega che invece spesso ha l’impressione che gli uomini siano interessati solo al fatto che lei sia un meccanico e non a cosa sia lei realmente. “Sono tante cose, oltre questo aspetto del meccanico, mi piace la fotografia, mi piace andare in barca, faccio snowboard, vado in moto…”.

Adesso a casa hanno tutti cambiato idea perché “mi vedono tutti più felice”. La mamma di Miranda vede che studia tanto perché le piace e questo la rende contenta, e “appena arrivo a casa mio papà mi spiega tante cose anche facendo mille disegni”.