Jugendliche treffen auf Passanten in Bern

Im Rahmen des Cooltour-Ferienlagers wollten sich sechs junge Menschen einen Einblick in den Journalismus verschaffen und die Erfahrung machen, ein Interview zu führen. Zwei davon könnt ihr hier nachlesen.

Interview von Noëlle (17), Juliette (14) und Eliah (15) über Mobilität

Wie empfinden Sie die Veränderung der Mobilität in den letzten Jahrzehnten durch zum Beispiel Autos oder öffentliche Verkehrsmittel?

Ziemlich ambivalent. Auf der einen Seite ist es extrem bequem, von einem Ort zum anderen zu gelangen, doch es gibt das Problem der Unfallhäufigkeit, des Umweltschutzes und der Nervosität. Nehmen wir als Beispiel den Gotthard: Nach fünfundvierzig Minuten Wartezeit im Stau, zählen Sie doch einmal die Schweizer, die dabei die Nerven verlieren.

Fahren Sie lieber Auto, oder benutzen Sie lieber den ÖV?

Im Moment lieber ÖV. Früher bin ich begeisterter Autofahrer gewesen.

Und warum haben Sie das jetzt geändert?

Weil meine Reaktionsfähigkeit nachgelassen hat. Ich fahre zwar immer noch Auto, doch in »Grosspapagemütlichkeit«.

Und wenn Sie mit dem Auto fahren, fahren Sie dann kleinere Strecken oder doch eher längere?

Ich fahre von hier nach Hamburg, oder nach Amsterdam, allerdings brauche ich dafür zwei bis drei Tage, also ich nehme es gemütlich.

Und bei den öffentlichen Verkehrsmitteln, bereitet Ihnen dort etwas Probleme?

Also ich habe ein Generalabonnement. Aber wenn ich jetzt die Tickets lösen müsste, wäre ich total verloren…

Und wie ist es mit diesen Touchscreens?

Dort wird es dann erst recht ungemütlich, versuchen Sie mal eine Tageskarte zu lösen, ich habe fünf Zürcher gefragt, niemand konnte es mir erklären.

Ist kompliziert, oder?

Ja, man findet nicht das, was man sucht.

Finden Sie denn die Preise zu teuer? Haben Sie sonst noch etwas am ÖV auszusetzen?

Wenn ich jetzt ehrlich bin, spielt der Preis für mich keine Rolle, weil ich sehr viel geerbt habe. Wenn ich dieses Geld nicht besitzen würde, hätte ich ein Problem.

Wie sieht die Mobilität für Sie in der Zukunft aus?

Es wird viel automatisiert, aber nicht alles kann von Maschinen übernommen werden, es braucht immer noch Menschen, die diese Arbeiten ausüben. Ich persönlich glaube nicht an selbstfahrende Busse, für mich braucht es einen Chauffeur.

Wir bedanken uns sehr für Ihre Zeit und wünschen Ihnen noch einen schönen Tag.

Danke gleichfalls.

Interview von Livia (14), Alisha (14) und Sergio (16) über Flüchtlinge

Zurzeit sind ja Sommerferien, viele reisen nach Italien oder Griechenland. In diesen Ländern ist die Flüchtlingskrise ein grosses Thema. Würden sie trotz den vielen Flüchtlingen ihre Ferien dort verbringen?

Die Flüchtlinge würden mich nicht davon abhalten.

Was denken Sie, wie viele Flüchtlinge leben aktuell in der Schweiz?

Schwierig… 20’000.

Also im Moment sind es etwas mehr als 100’000.
Haben Sie Angst vor Flüchtlingen?

Wenn sie sich anständig benehmen überhaupt nicht, nein

Sind Sie der Meinung, man sollte mehr von ihnen aufnehmen?

Das finde ich eine sehr schwierige Geschichte, da man auf alle Bevölkerungsgruppen Rücksicht nehmen muss. Ich persönlich habe keine Probleme mit Flüchtlingen, aber irgendwann gibt es Probleme mit der Bevölkerung als Ganzes und das finde ich sollte man vor Augen halten.

Was denken Sie, wie wird es in Zukunft mit der Flüchtlingskrise aussehen?

Das wird schlimmer werden. Die Situation in Afrika ändert sich nicht, vielleicht wird es mit Syrien besser aber mit Afrika, da sind so viele junge Leute unterwegs, die nach Europa wollen. Aus verständlichen Gründen wollen sie eine bessere Zukunft haben, also das wird sich nicht ändern, das wird noch intensiver werden, da bin ich überzeugt.

Denken Sie, dass die Schweiz mehr aufnehmen möchte oder nicht?

So wie es jetzt läuft wird es sehr restriktiv gehandhabt. Bis zu einem gewissen Punkt finde ich das auch richtig, weil es den Zusammenhalt der Bevölkerung gefährdet und da finde ich muss man aufpassen, dass das nicht auseinandergeht. Sonst haben wir plötzlich eine Situation wie in Amerika, wo Populisten wieder mehr Einfluss bekommen und dann haben wir die SVP, die wieder mehr Einfluss bekommt.

YB lässt seine Fans träumen

Foto: Thomas Hodel

Viele Zweikämpfe

Die erste Halbzeit war geprägt von vielen hart geführten Zweikämpfen und zwei stark aufspielenden Abwehrketten. Nur selten konnten die Offensivspieler beider Mannschaften in eine gefährliche Position gebracht werden.

Weder Steffen beim FCB, noch Sulejmani konnten ihre Freiheiten ausnützen und so war das logische Halbzeitresultat 0-0.

Einzelleistungen entscheiden das Spiel

Das Heimteam kam stärker aus der Kabine und spielte mit viel Druck nach vorne. In der 58. Minute passte der stark aufspielende YB-Verteidiger Benito auf Yoric Ravet. Dieser lässt mit seinem Dribbling Luca Zuffi alt aussehen und schlenzt den Ball herrlich an Vaclik vorbei ins Tor. Das ausverkaufte Stade de Suisse stand kopf. Keine Minute später hatte Sulejmani das nächste Tor auf dem Fuss, doch er verzog kläglich.

In der 80. Minute besiegte Sulejmani schliesslich endgültig das FCB. Einen Freistoss aus rund 25 Metern versenkte er nahezu perfekt ins Tor.

YB-Debütant Christian Fassnacht war nach dem Spiel zufrieden: «Es ist natürlich toll, gegen den Meister zu gewinnen, aber das war bloss das erste Spiel und jetzt kommt Dynamo Kiew, dies ist noch ein härterer Brocken. Nach der zweiten Halbzeit von heute dürfen wir jedoch zuversichtlich sein.»

Antizipation, Autorität und Authentizität: Chantal Donders und Benedikt Weibel übers ChefIn-sein

Moderation: Elias Rüegsegger (23), Technik: Samuel Müller (22)

Sie leitet seit anderthalb Jahren einen Familienbetrieb in der Region Bern – er war SBB-Boss: Chantal Donders (34) und Benedikt Weibel (70). Sie beide diskutierten im Generationentalk vom 10. Juli über die Aufgabe als ChefIn, die Unterschiede von Grossunternehmen zu einem Familienbetrieb und die fehlenden Frauen in Chefetagen.

Die beiden Talkgäste treffen schon eine knappe Stunde vor dem Talk im Berner Generationenhaus ein. Chantal Donders wird von ihrer Familie begleitet – Benedikt Weibel kennt die Familie Donders, auch deren Familienbetrieb. Der Umgang ist herzlich. Die Themen würden für den ganzen Abend nicht ausgehen.

Eine Frage im Generationentalk: Leiten die verschiedenen Generationen unterschiedlich? Es sei mehr eine Frage der jeweiligen Zeit, sind sich die beiden einig. Chantal Donders übernahm die Firma von ihrem Vater. Immer noch sitzen die beiden im selben Büro. Der Familienbetrieb ist klar auch ein Generationenbetrieb.

Warum so wenige Frauen?

In Geschäftsleitungen der grössten Schweizer Firmen sind laut dem aktuellen Schillingreport 8 Prozent Frauen vertreten. Nicht viel. Warum ist das immer noch so? Benedikt Weibel ist überzeugt: «Das ist eine Frage der Zeit. Es braucht einfach viel Zeit.» Chantal Donders glaubt, dass es auch an der Gesellschaft liegt. Es sei schwierig, Beruf und Familie zu verbinden.

Benedikt Weibel zeigt sich Quoten für Frauen in Führungsfunktionen nicht abgeneigt. Kritischer ist Chantal Donders: Zuerst müssten auch genügend Frauen dazu ausgebildet werden und die gesellschaftlichen Bedingungen geschaffen werden.

Benedikt Weibel

Benedikt Weibel (70) war bis 2006 SBB-Chef – er setzte zum Beispiel das Projekt Bahn 2000 um. Der studierte Betriebswissenschaftler ist heute als Publizist und Dozent tätig.

Chantal Donders

Chantal Donders (34) ist studierte Chemikerin und Wirtschaftsingenieurin. Sie übernahm 2016 die Geschäftsführung der Böhme AG von ihrem Vater. In der Farben- und Lackfabrik hat sie 25 MitarbeiterInnen unter sich.

Dieser Artikel wurde am 12. Juli 2017 auf unserem Partnermedium «und» das Generationentandem publiziert.

Gurtenfestival: Lo & Leduc besiegen Züri West

Für die Veranstalter hat sich das Festival auf jeden Fall gelohnt: Alle vier Tage des 34. Gurtenfestival waren ausverkauft. 61 Live-Acts und 63 DJs bespielten bei gutem Wetter den Berner Hausberg. Darunter auch Züri West.

Jüngeres Publikum

Diese gehören zum Gurtenfestival wie die Gurtenbahn. Auch bei ihrem diesjährigen Auftritt vor Heimpublikum war die Hauptbühne voll mit musikbegeisterten Besuchern. Wer sich in der Menge umsah, konnte sehen, dass die Masse sich auf die Berner Stammgäste freuten. Als die bekannten, älteren Lieder angespielt wurden, stimmten alle mit ein. Trotzdem konnte man eine gewisse Verhaltenheit ausmachen, welche die Gurtengänger zu bremsen schien. Um für mehr als eine Stunde zu überzeugen, dafür war der Auftritt zu wenig inspiriert. Er wirkte gewohnt, ja, routiniert.

Ein Grund für die fehlende Euphorie dürfte das Alter der Festivalbesucher sein. Die Zuhörer der neuen Alben von Züri West sind wohl eher älter als der Altersdurchschnitt der insgesamt 80’000 Festivalbesucher auf dem Berner Hausberg. Ganz anders bei Lo & Leduc: Die beiden Rapper sind ebenfalls in Bern aufgewachsen und ihr Auftritt war ein Genuss. Die grossartige Stimmung trug klar dazu bei. Sie erzeugten eine starke Dynamik und trieben die Zuschauer an. Das Publikum erklärte sie klar zum Sieger der beiden Berner Gruppen.

Antikaptialisten und einhändige Saxophonisten

Auch die bekannten zweisprachigen Antikapitalisten Irie Revolté wussten, wie man Stimmung erzeugt. Als am Freitagnachmittag die Hauptbühne noch halb leer war, halfen sie den schwächenden Festivalgängern, sich den Kater aus den Knochen zu schütteln. Immer wieder forderten sie die Leute erfolgreich zum Mitmachen auf. Auch wenn der Antifa-Auftritt mit linken Parolen etwas komisch auf einem sehr kommerziell ausgerichteten Festival wirkt, so überzeugten sie doch mit einem kurzen, aber kraftvollen Auftritt. Bei ihrem letzten Lied trat die ganze Band nach vorne und sang ohne Instrumente mehrstimmig «Merci». Das dürfte bei vielen Besuchern für einen Gänsehaut-Moment gesorgt haben.

Die vielseitige Bläserband der Lucky Chops konnte mit erfrischender Musik die Leute bei Laune halten. Mit vielen Soli- und einfallsreichen Showeinlagen gewannen sie die Herzen der Zeltbühnenbesucher. Als der Saxophonist mit einer Hand spielte und mit der anderen das Publikum zum Mitmachen einlud, wurde der Applaus hörbar lauter. Ein rundum gelungener Auftritt der New Yorker.

Die Gurtengänger zeigten sich sowieso von ihrer besten Seite: Die Security-Firma verzeichnete keinen grossen Zwischenfälle. Man darf sich schon auf nächsten Sommer freuen, wenn der Güsche erneut erbebt.

Zwitschernd wie ein Vogel

Bühne frei für eine Künstlerin, die es bereits in jungen Jahren geschafft hat, Hunderte von Menschen mit ihrer Musik zu berühren. In ihren Liedern spricht sie von Herzschmerz und dem Sinn des Lebens. Erstaunlich wie schon die Sängerin Birdy mit 20 Jahren ein so grosses Publikum mit Songtexten erreicht und berührt. Doch wer steckt eigentlich hinter dieser Sängerin mit den hohen Tönen?

Früh übt sich der kleine Vogel

Birdy bekam ihren Künstlernamen durch ihre Eltern, die sie schon als kleines Mädchen Birdy nannten, weil sie beim Essen den Mund wie einen Schnabel aufhielt. Ihr gebürtiger Name ist Jasmine van den Begaerde. Anders als man auf Grund ihres Namens denken könnte, kommt sie weder aus Belgien oder Holland sondern aus dem Süden Englands. Ihre Mutter brachte ihr das Klavierspielen bei und kurz daraufhin begann Birdy, ihre eigenen Songtexte zu schreiben. Mit nur 12 Jahren heimste sie an einem Musikwettbewerb gleich zwei Preise ein: Den Hauptgewinn und zusätzlich den Preis in der Kategorie der U18-Jährigen. Von da an ging es auf ihrer Karriereleiter immer weiter nach oben. Der Durchbruch gelang ihr mit dem Lied Skinny Love. Was viele jedoch nicht wissen: Das Lied stammt ursprünglich nicht aus ihrer Feder. Das Original wurde von Bon Iver geschrieben. Auch andere ihrer Lieder wie zum Beispiel Shelter oder People help the People sind Coverversionen, was ihrem Erfolg jedoch keinen Abbruch tat. Der Durchbruch im deutschsprachigen Raum gelang ihr im Jahre 2012, kurz vor ihrem Fernsehauftritt bei The Voice of Germany. Mit der Finalistin Isabell Schmidt sang sie gemeinsam das Lied People help the People. In diesem Jahr erschien ihr drittes Album und sie begab sich erneut auf Tournee.

Traurig und doch schön

Birdy trat am 27. September 2016 im Kongresshaus Zürich auf. Ihr Publikum begeisterte sie mit ihrer Vielfältigkeit. Ob am Klavier, mit Gitarre in der Hand oder einfach nur singend: Sie bietet ihrem Publikum von allem etwas an. Doch die meisten Momente während ihres Konzertes verbrachte sie, wie auch schon in vielen ihrer Musikvideos, am Klavier. Was macht ihre Musik eigentlich so besonders? Die Gegensätzlichkeit, die die Lieder in sich haben. Trotz sanften Tönen verbergen die Texte eine tiefere Bedeutung, die einen berührt. Beispielweise Skinny Love, das von Liebe handelt oder People help the People, das davon handelt, dass Gott weiss, was sich hinter all unseren Fassaden, Taten und Tränen verbirgt. Dieses Lied vermittelt auch, dass wir uns in traurigen Zeiten helfen sollen – manchmal sind es kleine Dinge, die helfen, wie das Händehalten, wenn das Heimweh einem aufsucht. In dem Musikvideo ihres Liedes Wings scheint sie mit einer Leichtigkeit durch die Welt zu schweben, die angesichts der düsteren und doch berührenden Melodie überrascht. In ihren Videos wirkt sie oft traurig und nachdenklich. Wer kann ihr das schon verübeln – bei Texten über Engel, Herzschmerz und in denen Wörter sich in Waffen verwandeln?

Ich will die Grenzen des Teilens hinterfragen

Was genau ist mit der Bezeichnung «co-» gemeint?

Grundsätzlich ist «co-» einfach ein Präfix mit der Bedeutung «zusammen mit, gegenseitig oder gemeinsam». Mir gefällt der Name für eine Gemeinschaft, weil er so einfach ist. Er verinnerlicht das Wesentliche der Idee des Teilens und lässt Platz für alles, was daraus organisch wächst: co-arbeiten, co-leben, co-spielen, usw.

Was ist die Philosophie hinter dem Projekt co-?

Das Projekt ist ein Experiment. Es ist gemeinschaftliches Zusammenleben gepaart mit einer nicht monetären Wirtschaft, die auf bedingungslosem Geben aufbaut. Alle Beteiligten sind frei, gemäss ihrer Motivation und ihren Fähigkeiten mitzuwirken. Dadurch können wir hoffentlich unsere Bedürfnisse gegenseitig stillen und glücklicher und erfüllter leben. Die Idee ist, dass wir die Gemeinschaft durch wechselseitige Verbindungen und Achtsamkeit stärken. So können wir vielleicht die Saat säen, aus der wir später die Antworten auf die grossen Fragen unserer Gesellschaft ernten können. Mir gefällt es, als Teil einer Graswurzelbewegung zu wirken – in direktem Austausch mit anderen Menschen. Skalierbarkeit, Wachstum und impact sind nicht so wichtige Faktoren, es sei denn sie entwickeln sich natürlich.

Welche Dinge werden beim Projekt geteilt?

Ganz unterschiedliche Sachen. Zum einen alle möglichen materiellen Gegenstände, wie zum Beispiel Haushaltsgeräte, Outdoor Material, Kleider. Zusätzlich aber auch Dienstleistungen wie Veloreparatur, Haare schneiden, Kochen oder Nähen. Und schliesslich diverse Aktivitäten, die wir gemeinsam tun möchten: Kochen und Lesegruppen, Musik und Unterhaltung, Meditationsgruppen. Einfach alles, was wir sinnvoll teilen können. Idealerweise hinterfragen wir die herkömmlichen Grenzen dessen, was das bedeuten könnte und eröffnen dadurch neue Perspektiven.

Wie ist die Gemeinschaft organisiert?

Der primäre Fokus ist auf der Gemeinschaft rund um das Individuum: Freund*innen, Familie, Nachbar*innen, Arbeitskolleg*innen. Aber im Prinzip ist jede*r willkommen, beim Projekt mitzumachen. Natürlich wäre es auch schön, wenn es Zusammenarbeit mit anderen Gemeinschaften mit ähnlichen Ideen geben würde. Wie erwähnt, interessiert mich die Skalierbarkeit aber nicht primär. Aber wenn ich mal darüber nachdenke, dann stelle ich mir eher ein Netzwerk von kleinen co-Knotenpunkten vor als eine einzige riesige co-Gruppe.

Woher kommt die Faszination für diese radikale Art des Teilens?

Nachdem ich meinen bequemen IT Job aufgegeben habe, nahm ich vor einigen Jahren einen abenteuerlicheren und ungewisseren Weg im Bereich der veganen Gastronomie in Angriff. Dabei stiess ich auf Fragen wie: Wie bewerten und belohnen wir in unserer Gesellschaft eigentlich unsere Arbeit? Wie viel und auf welche Ziele hin arbeiten wir? Arbeiten wir mit Leidenschaft oder bloss um durchzukommen? Mir fiel auf, dass vieles für mich keinen Sinn ergab. Es gibt riesige Lohngefälle und das ganze Lohnsystem ist auf den Kopf gestellt. Sollten die Menschen mit den schlechtesten Jobs nicht eigentlich am besten bezahlt werden? Und schliesslich hatte ich auch das unangenehme Gefühl, dass wir immer mehr und immer härter arbeiten, aber immer weniger glücklich und erfüllt sind.

Wie hängt deine Arbeit in der veganen Gastronomie mit diesen Einsichten zusammen?

Ursprünglich war das mit dem veganen Catering ein Hobby. Doch schon bald realisierte ich, dass es sich in eine echte Leidenschaft verwandelt hatte. Und die musste ich einfach richtig verfolgen. Die Erfahrungen, die ich in meiner Zeit in Berlin machte, haben mich unsere Gesellschaft und Wirtschaft mit neuen Augen sehen lassen. Ich wollte so leben, wie es für mich Sinn ergibt. Ich wollte nicht mehr einfach möglichst viel abstrakten Wohlstand akkumulieren. Stattdessen wollte ich mit der Herkunft und dem Wert unserer Waren und Dienstleistungen in Kontakt kommen. Ich wollte ein Leben, das sich direkt mit den echten Bedürfnissen von Menschen befasst.

Was würdest dem Vorwurf entgegnen, dass co- bloss ein verrücktes Nischenprojekt ist?

Mein Ansatz ist: Wenn du eine scheinbar verrückte oder unmögliche Veränderung in der Welt sehen möchtest, starte mit einer Transformation im täglichen Leben. Dadurch schlägt die Idee Wurzeln und wird von ganz allein ein eigenständiges Leben in unserer Gesellschaft entwickeln. Menschen sind in erster Linie komplizierte, emotionale Wesen und weniger rationale, analytische Maschinen. Willst du also einen Wandel erreichen, musst du aufs Herz zielen. Oder wie Antoine de Saint-Exupery schon meinte: «Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer.»

Das Interview wurde schriftlich und auf Englisch geführt.

Was passiert im Osten Europas?

Was passiert gerade in der Ukraine? Wie geht es der Bevölkerung und dem Staat selbst? Was denkt die Bevölkerung über die Besatzung der russischen Separatisten und der Propaganda beider Seiten? Diese Fragen stellte sich Tink.ch und befragte Sofiya Miroshnyk zur aktuellen Lage im fernen Land. Sofiya Miroshnyk reiste vergangenes Jahr zusammen mit Matthias Käser, der Fotograf beim Bielertagblatt ist, in die vom Krieg erschütterte Ukraine und wurde selbst auch dort geboren, genauer in Swetlovotsk.

Aus welchen Gründen seid ihr in die Ukraine gereist, um über das Land zu berichten?

Die Idee selbst kam von Matthias Käser, da er auch schon einmal in der Ukraine war und auch gewusst hat, dass ich von dort komme. Unseren Artikel veröffentlichten wir im Bieler Tagblatt.

Ein Jahr lang haben wir das Vorhaben aufgeschoben, in die Ukraine zu reisen da wir unter anderem dachten, der Krieg wäre bald vorbei. Letztes Jahr merkten wir dann, dass von den Medien nichts mehr über den Krieg berichtet wird, obwohl sich dieser gerade enorm wieder entfachte. Deshalb haben wir dann auch beschlossen, uns selber ein Bild davon zu machen.

Ihr habt dort viel mit den Menschen geredet und viel gesehen. Wie geht es aktuell den Menschen und dem Land selber?

Sehr viele Leute sind enorm enttäuscht, besonders diejenigen, die sich von der Maidanbewegung viel erhofft haben, da nur wenige von den Visionen, das Land umzukrempeln, Wirklichkeit wurden. Hingegen ist zu beobachten, dass sehr viele Leute beginnen, sich für das Land einzusetzen. Seien es ältere Damen, die Militäruniformen reparieren oder Popmusiker, die sich für gute Zwecke einsetzen. Auf dem Land selbst ist die Szenerie sehr trostlos, während in der Hauptstadt Kiev alles recht europäisch, modern und friedlich wirkt.

Weshalb kam es überhaupt zur Maidanbewegung?

Viktor Janukowytsch, ehemaliger Präsident der Ukraine, schoss das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union in den Wind. Dieses Abkommen hätte zu einer Annäherung zwischen der Ukraine und der EU geführt. Nachdem Janukowytsch das Abkommen ablehnte, ging die Bevölkerung auf die Strasse.

Wie kam es dann zur Eskalation?

Darauf reagierte die Regierung mit dem Einsatz von Militär, wobei es zu Strassenschlachten kam. Dies führte zu einer Kettenreaktion mit der Besetzung der Krim und den Kämpfen im Osten.

Was haben die Menschen gesagt, die eher Russland unterstützen und auf der anderen Seite die, die ihr eigenes Land unterstützen?

Menschen, die sich als Befürworter Russlands betitelten, haben wir nicht getroffen. Es gab niemanden der sagte, Russland hätte das volle Recht, die Krim zu besetzen. Für viele gelten Russland, aber auch die Ukraine, als Schuldige an der Situation. Indirekt erkennt man aber auch den Aufschwung des nationalistischen Denkens.

Beispielsweise bei einer Politikwissenschaftlerin, die wir interviewt haben. Sie kam uns vorerst wie jemand mit einer neutralen Position vor, redete aber plötzlich während des Gespräches davon, wie viele Russen bereits getötet wurden, in einer schon fast prahlerischen Stimme. Auch beim Interview mit der Schwester eines Soldaten von der ukrainischen Armee, bemerkten wir dies. Sie sprach während der Aufnahme Ukrainisch, wechselte aber auf Russisch, als die Aufnahme nicht lief.
Auch habe ich gehört, dass Menschen in manchen Orten, die nicht Ukrainisch sprechen, von faschistischen Gruppierungen zusammengeschlagen werden. Ich kann dies aber nicht zu 100% bestätigen.

Was tut die neue Regierung, um die Situation in der Ukraine zu verbessern?

Dazu muss ich sagen, dass ich seither nicht mehr auf dem neuesten Stand bin. Ich kann nur bezeugen, was ich gesehen habe, den Antikorruptionskampf etwa, oder das Erreichen der Visafreiheit für Ukrainer.

Warum denkst du, hört und liest man in letzter Zeit so selten vom Bürgerkrieg in der Ukraine?

Das hat mit der Nachrichten-Wert-Theorie zu tun und bedeutet, dass vor allem über die Ereignisse berichtet wird, die am nächsten sind. Die Ukraine ist zwar, verglichen mit anderen Kriegsgebieten, nah, jedoch eskaliert der Krieg nie richtig, weshalb das Thema für die Medien schnell mal an Wert verliert. Die gefährlichsten Kriege sind jedoch gerade die, die sich jahrelang hinziehen.Hinzu kommen die vielen anderen Aktualitäten, die für die Medien wichtiger sind, wie beispielsweise Donald Trump, über den man jederzeit etwas Neues liest oder hört.

Was denkst du, wie wird sich die Lage in der Ukraine verändern, jetzt mit Donald Trump als Präsident der USA, der ja enger mit Russland zusammenarbeiten will?

Ich denke, dass sich die Lage in der Ukraine in nächster Zeit kaum verändern wird. Vielleicht ist der Kampf der Ukrainer um den Osten ihres Landes aber auch schon längst verloren. Nicht wenige, die wir befragten meinten, man solle den Teil einfach Russland überlassen, um den Krieg zu beenden.

Vielen Dank Sofiya, für das spannende Interview.

Der nachhaltige Filmtipp – Planet Erde II

Zehn Jahre nach der Veröffentlichung von «Planet Erde» doppelt die BBC nach und stellt mit «Planet Erde II» bisherige Naturdokumentarfilme in den Schatten. Dank neuer Filmtechnik bringen die Kameraleute Aufnahmen auf die Leinwand, die überraschen und berühren. Das Publikum schaut nicht nur zu, sondern ist mittendrin.

Ein Film zum Staunen und Bibbern

«Planet Erde II» betört mit Detailaufnahmen von einmaliger Schönheit. Wenn sich eine Löwin an ihre Beute anschleicht, ihre Pfoten auf den Wüstenboden aufsetzt und dabei Kralle um Kralle in den Sand gräbt, vergisst man für einen Moment die Welt um sich herum.

Doch es sind nicht nur Szenen wie diese, die «Planet Erde II» einzigartig machen. Es sind auch solche wie die, in der eine junge Iguana-Echse von Dutzenden Schlangen über den Strand und die Felsen gejagt wird und nur mit knapper Not entkommt. Oder jene, in der sich Languren-Affen auf den Dächern von Jodhpur einen temporeichen Revierkampf liefern – Parkour at its best.

Neu: das Leben von Tieren in Städten

«Planet Erde II» bietet aber nicht nur neue Blicke auf Altbekanntes, sondern ist der erste Naturdokumentarfilm, der einen neuen Lebensraum porträtiert: derjenige von Tieren in Städten. Das Publikum wird Zeuge, wie Leoparden mitten in der Millionenstadt Mumbai domestizierte Schweine erlegen. Und als wäre das nicht genug, erläutert Sir David Attenborough, der auch diese BBC-Produktion kommentiert, dass die weltweit dichteste Leopardenpopulation ebendort in Mumbai lebt. Und das Gebiet mit der weltweit grössten Dichte nistender Wanderfalken? Nicht in der Wildnis, sondern – ach ja – in den Häuserschluchten in New York City.

Der Verein Filme für die Erde freut sich sehr, diese fantastische Doku-Reihe am Filme für die Erde-Festival rund 9`000 Schulkindern zu zeigen. Interessierte Lehrpersonen können sich hier für dieses gratis Angebot am 22. September 2017 in 20 Städten anmelden.

Dieser Film sowie weitere Filme zu diesem Thema sind auf der Filmseite Planet Erde aufgelistet.

Die DVD des Films mit allen 6 Episoden ist hier erhältlich.

Der monatliche Filmtipp wird von Filme für die Erde präsentiert. www.FILMEfürdieERDE.org ist die weltweit grösste Website zu Film und Nachhaltigkeit, mit über 100 Filmen, die direkt online angeschaut werden können.

Dieser Eintrag erschien am 04.07.2017 auf dem Blog von unserem Partner Filme für die Erde.