Der nachhaltige Filmtipp – Code of Survival

«Eigentlich sollte man den besten Anzug anziehen, wenn man auf den Acker geht. Man muss Ehrfurcht vor dem Boden haben, denn er ist unsere Lebensgrundlage», sagt Bio-Bauer Franz Aunkofer im Film. Er war einer der ersten Bio-Bauern Deutschlands und erwirtschaftet inzwischen praktisch denselben Ertrag wie im konventionellen Anbau – ohne Gift und im Einklang mit der Natur. Der Alltag in der industriellen Landwirtschaft sieht anders aus. Dort bauen die Landwirte seit vielen Jahren Gentech-Pflanzen an und behandeln sie mit Glyphosat-haltigen Herbiziden wie Roundup. Die Resultate: resistentes Unkraut, das sich unkontrolliert vermehrt und harte Böden, auf denen nichts mehr wächst.

Regisseur Bertram Verhaag stellt der industriellen Landwirtschaft in den USA drei Beispiele aus Deutschland, Ägypten und Indien gegenüber. Er zeigt, wie die biologische Landwirtschaft dort aus kaputten Böden fruchtbare Äcker macht, welche hohe Qualität produzieren und die Artenvielfalt steigern. Die Formel des Überlebens – der Code of Survival – liegt in der nachhaltigen und biologischen Bewirtschaftung des Bodens, wie es Jane Goodall am Ende des Films formuliert: «Wir sollten mit der Natur zusammenarbeiten, nicht gegen sie. Nur dann können wir es schaffen, die Natur und das Land wiederherzustellen»

Dieser Film sowie weitere Filme zu diesem Thema sind auf der Filmseite Gentech + Saatgut aufgelistet.

Die DVD des Films ist hier erhältlich.

Dieser Eintrag erschien am 06.06.2017 auf dem Blog von unserem Partner Filme für die Erde.

Der Generationentalk: Luzia Tschirky und Casper Selg

Moderation: Elias Rüegsegger (23), Technik: Samuel Müller (22)

Eine junge Nachwuchsjournalistin und ein ehemaliger Radiomann: Das ist der Generationentalk mit Luzia Tschirky (26) und Casper Selg (67).

Der Generationentalk wurde am Montag, 19. Juni im Berner Generationenhaus vor Publikum aufgezeichnet. Im Anschluss konnten die ZuschauerInnen die beiden Gäste befragen.

Radiomann durch und durch

Casper Selg (67) – im Innenhof des Berner Generationenhauses. Bild: Demian Thurian

Er war als Korrespondent in den USA und Deutschland für das Schweizer Radio. Er moderierte während Jahrzehnten das «Echo der Zeit» und leitete 12 Jahre die Echo-Redaktion.

Nachwuchsjournalistin mit klarem Ziel

Luzia Tschirky (26) – vor dem Talk in Bern. Bild: Demian Thurian

Sie ist Stagiaire bei der SRF-Sendung 10vor10. Ihre Faszination für den postsowjetischen Raum entdeckte sie kurz nach der Matura und hat seither aus Russland, Belarus und der Ukraine berichtet. Schon als kleines Kind wollte sie Journalistin werden: Sie verfasste eine selbstgemachte Familienzeitung.

Dieser Artikel wurde am 21. Juni 2017 auf unserem Partnermedium «und» das Generationentandem publiziert.

Ein Busfahrer als «Bernmobil-Sohn»

Auch ich steige häufig in den Bus ein. Insbesondere im Winter, wenn es kalt ist und ich keine Lust habe, in der Schule halb erforen anzukommen. Mit den Busfahrern und Busfahrerinnen habe ich bis anhin noch nie gesprochen, zumindest in Bern nicht.

Als ich letzten Sommer in einer Kleinstadt an der Ostküste Irlands für einen Sprachaufenthalt war, benutzte ich täglich den Bus. Zur Schule gings mit dem Schulbus, in dem ich den Fahrern lediglich ein freundliches «How are you?» zurief. Am Abend benutzte ich jeweils den öffentlichen Bus. Ich bemerkte, dass die Einheimischen mit den Busfahrern immer intensive Gespräche begannen, anders als ich es von Bern kannte. Schliesslich wurden jeweils auch wir Sprachstudentinnen und Sprachstudenten in die Konversation eingebunden und diskutierten über das Wetter, über unsere Heimatländer oder über den Brexit, der damals noch ein frischer Schock für die Iren war.

Mein Gespräch mit einem Busfahrer in Bern fand nicht im Bus, sondern in der Bernmobil-Garage am Eigerplatz statt. Es war später Nachmittag und somit waren die meisten Busse auf den Strassen und Kurven Berns unterwegs. In der Garage standen einige Busse zur Reperatur bereit. Ich hatte die Gelegenheit, mit Mariano Altomonte zu sprechen. Mariano Altomonte arbeitet seit September 2012 bei Bernmobil, wo er auch seine Ausbildung gemacht hat. Er bezeichnet sich deshalb als «Bernmobil-Sohn». Die Ausbildungen für Tram, Bus und Trolley-Bus hat er bestanden und er ist jeden Tag für verschiedene Linien und an verschiedenen Uhrzeiten im Einsatz.

Weshalb es in den Berner Bussen kaum Gespräche zwischen den Busfahrern und Fahrgästen gibt, wollte ich als erstes von Mariano Altomonte wissen. Er beobachte, dass es bei diesem Thema einen Stadt-Land-Unterschied gebe: «In der Stadt steigt der Fahrgast ein, steigt aus und das war’s.» Im Aussennetz, in dem Altomonte zu Beginn arbeitete, sei es viel familiärer zu- und hergegangen. Von manchen Passagieren wisse man mit der Zeit, wer sie sind und man komme mit ihnen immer wieder ins Gespräch. In der Stadt komme das viel weniger vor. Zu Neujahr oder zum Valentinstag komme es häufig vor, dass Leute extra vorne aussteigen, kurz mit den Fahrern reden und manchmal sogar einen Schoggi als Zeichen der Dankbarkeit schenken. Das freut Altomonte jeweils ganz besonders.

Der lustigste Busfahrer-Moment für Mariano Altomonte passierte in Konolfingen, als jemand seinen vollen Migros-Wagen im Bus vergessen hatte. Ein Mitarbeiter der BLS am Bahnhof Konolfingen teilte ihm mit, dass dieser Fahrgast an einer Haltestelle auf ihn warten würde. Und tatsächlich stand der Mann an abgemachter Haltestelle zu abgemachter Uhrzeit und konnte seinen Wagen entgegennehmen. Als Dank schenkte dieser dem Busfahrer Altomonte eine Flasche Rotwein. «Das ist wirklich cool gewesen», fügte Altomonte beim Erzählen der Geschichte lachend hinzu.

Unangenehme Situationen seien vor allem auf den Verkehr zurückzuführen – zum Beispiel wenn er eine Vollbremsung machen müsse. Wenn es zu heiklen Situationen komme, etwa mit Betrunkenen, sei dies vor allem für die anderen Fahrgäste unangenehm. Für allfällige Schlichtungen seien aber nicht die Busfahrer, sondern anderes Personal zuständig.

Ich sprach den Busfahrer auf folgende Situation an, die ich schon öfter beobachtet habe oder ich gar selbst davon betroffen war: Wenn man zu spät dran ist und auf den Bus zurennt, gibt es manche Fahrer, die warten, andere fahren vorher ab. Altomonte betonte, dass dies nicht aus bösem Wille geschehe. Teilweise sei das Warten nicht möglich, insbesondere zu Stosszeiten, da zu dieser Zeit ein Bus nach dem anderen fährt und man den Fahrplan einhalten muss. Ansonsten versuche er, so oft wie möglich zu warten. Enttäuscht musste ich feststellen, dass die Busfahrer keine Wetten untereinander abschliessen, wie oft ein Busfahrer den Passagieren vor der Nase wegfährt.

Es scheint, dass für die Busfahrer trotz der Hektik immer genügend Zeit vorhanden ist, um deren Kollegen zu grüssen. Das Zeichen sei schlicht ein verbindendes Ritual, das sie vom ersten Tag an vermittelt bekämen. Von den ungefähr 600 Fahrern kennt Mariano Altomonte längst nicht alle, gegrüsst werde von ihm jedoch jeder.

Zum Schluss wollte ich noch von ihm wissen, warum er zusätzlich auch noch die Tramausbildung gemacht hat (welche er erst kurz vor unserem Interview erfolgreich absolviert hatte). Dies habe nichts damit zu tun gehabt, dass momentan immer wieder diskutiert werde, ob Bus- durch Tramlinien ersetzt werden sollen. «Ich finde es einfach gut, wenn ich die Auswahl zwischen Bus, Trolleybus und Tram habe. Tram und Bus sind zwei Paar Schuhe; man kann diese nicht vergleichen».

Mit Graffiti Freiräume schaffen

Das Wichtigste am Eingang ist die Unterschrift. Ohne einen Haftungsausschluss zu unterschreiben, kommt niemand legal aufs Gelände: Auf dem Teufelsberg mitten im Berliner Grunewald herrschen zwar eigene Regeln, doch Sicherheit muss trotzdem sein. Immerhin betreten wir hier marodes Bauwerk – original aus dem Kalten Krieg. Und dennoch geht es auf dem Teufelsberg nicht bloss um den Kult des Verlassenen, Zerfallenen und Überwucherten. Es geht auch um künstlerische und gesellschaftliche Freiheit.

Vom Trümmerberg zur Lauschstation

Den Teufelsberg gibt es erst seit dem Ende des zweiten Weltkriegs. Damals lag in der Hauptstadt jede Menge Schutt und Trümmer. Um Neuem Platz zu machen, türmte man am Rand der Stadt alles auf einen Haufen. Dieser Haufen ist jetzt 120 Meter hoch und nebst der Berliner Mauer eines der eindrücklichsten Kultur- und Zeitdenkmäler aus dem Kalten Krieg.

Lange Zeit wurde der ehemals höchste Berg Berlins durch die Alliierten als Abhörstation verwendet. Die ersten mobilen Anlagen wurden 1961 aufgefahren, ab 1963 baute man die noch heute stehenden Gebäude mitsamt den unverwechselbaren Radomen – grosse Antennenkuppeln, unter denen früher das Spionagegerät eingebaut war. Was dort oben genau gemacht wurde, weiss niemand so genau. Es ging wohl um Signalstörung und die Abhörung des sowjetischen Funkverkehrs. Vielleicht werden wir es im Jahr 2022 erfahren, wenn die Akten der Geheimdienste der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Mit der deutschen Wiedervereinigung verlor man das Interesse am Abhören. Erst wurde in den Anlagen noch der zivile Luftverkehr überwacht, doch um die Jahrtausendwende wurde das ganze Gelände an private Investor*innen verkauft. Der ursprüngliche Plan, dort ein Tagungshotel, ein Spionagemuseum, Wohnungen und eine Gaststätte zu bauen, ging nicht auf. Es gab Widerstand aus der Bevölkerung und irgendwann folgten auch finanzielle Probleme. Und so stand das Gelände viele Jahre brach.

Ein Freiraum für Kunstschaffende

Es sollte bis 2010 dauern, bis sich mit Shalmon Abraham ein Pächter fand, der Besuche im mittlerweile ziemlich heruntergekommen verlassenen Ort ermöglichte. Durch die ungenutzten Jahre waren die Gebäude und die auffälligen Radome teilweise beschädigt. Noch heute ist vieles zerfetzt und zerfallen. Gleichzeitig mit dem Neustart wurde auch eine grosse Graffiti Galerie initiiert. Die hohen Räume und die vielen neu hochgezogenen Wände waren wie geschaffen für Murals und Street Art. So entwickelte sich die ehemalige Abhörstation in den letzten Jahren zu einem Freiraum der Kreativität.

 

Doch es gab auch Konflikte. Einige befürchteten, dass es mit dem verlangten Eintritt bloss ums Geld ginge. Was ehemals ein Ort der Entdeckens, der Einsamkeit und der Abenteuerlust war, drohte stattdessen im Kommerz zu versinken. Auch darum wurde Marvin Schütte – Sohn eines der Eigentümer – 2015 neuer Pächter des Teufelsbergs. Im Gegensatz zu früher sollte es nun nicht mehr um den Profit gehen. Dies entspräche auch dem Wunsch einiger aus der Bevölkerung, welche den Teufelsberg «zu einer modernen, überregionalen Austauschplattform und Denkfabrik für Kultur, Kunst, Geschichte, Technik, Natur und neue Wirtschaftsmodelle« machen möchten, wie der unabhängige Verein Initiative Kultur-DENK-MAL Berliner Teufelsberg in seinem Manifest schreibt. Trotzdem zahlen Besucher*innen auch heute noch Eintritt.

Rundgang zwischen Vergangenheit und Zukunft

Als einzigartiges historisches Kulturdenkmal hat der Teufelsberg einen grossen Wert für die allgemeine Bevölkerung. Durch die geregelte Nutzung ist es möglich, dass alle dieses Zeugnis der alliierten Besatzung erleben können. Ein blosses Denkmal der Vergangenheit ist der Teufelsberg aber trotzdem nicht. Im Gegenteil: Vieles ist hier lebendig und im Entstehen begriffen. Es gibt ein kleines Kaffeehäuschen, einen Essensstand und natürlich jede Menge zu entdecken. Im ersten Stock des Hauptgebäudes haben sich Künstler*innen in eigenen Ateliers eingerich

tet und verkaufen vor Ort ihre Werke. Nicht zuletzt zeigen die über 300 Graffiti und Kunstinstallationen wie unglaublich vielseitig und aktiv dieser Ort ist.

Natürlich gibt es auch solche, für die der Teufelsberg ein Schandfleck ist. Die ausgefallene Street Art gefällt nicht jedem und jeder. Und noch immer sind die Zeichen des Zerfalls und der jahrelangen Vernachlässigung zu sehen. Vieles ist wohl für immer zerstört. Doch vielleicht ist gerade das der grosse Reiz dieses Ortes, wo man die dicke Luft des Kalten Krieges förmlich einatmen kann.

«Wir haben schon viel zu lange gewartet!» – Der Generationentalk

Moderation: Elias Rüegsegger – Technik: Samuel Müller

Selbstbestimmung, Gleichberechtigung, Menschenwürde, und kein Sexismus – die beiden Frauen im neusten Generationentalk setzen sich für diese Werte ein. Ursula Haller (68) und Virginia Köpfli (22) diskutieren über Feminismus.

Die Lohnungleichheit von Frauen und Männern, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Rollen der Geschlechter – im zweiten Teil des Generationentalks diskutieren die beiden politisch engagierten Frauen darüber: «Wir haben schon viel zu lange gewartet», sagt Virginia Köpfli in Bezug auf die Lohnungleichheit.

Ursula Haller ist der Meinung, dass Frauen nicht unbedingt Haare an den Beinen, aber Haare auf den Zähnen brauchen. Bild: Mélanie Baierlé

Persönlich, politisch: Ursula Haller

Ursula Haller (68) ist ehemalige Nationalrätin der BDP und ehemalige Gemeinderätin der Stadt Thun. Sie schmiedete als Politikerin Allianzen über Parteigrenzen hinweg. So engagierte sie sich 2004 im Abstimmungskampf für einen bezahlten Mutterschaftsurlaub gegen die SVP – ihre eigene damalige Partei. Vor 10 Jahren gehörte sie nach der Abwahl von Christoph Blocher zur sogenannten Gruppe «Bubenberg», die eine Abspaltung von SVP-ExponentInnen von ihrer Partei einleitete. Haller reiste mit ihrem Mann nach der Pensionierung auf der Seidenstrasse.

Virginia Köpfli betonte während dem Generationentalk, dass mehr über sexuelle Übergriffe gesprochen werden muss. Bild: Mélanie Baierlé

Betont feministisch: Virginia Köpfli

Virginia Köpfli (22) ist Gleichstellungsverantwortliche der JungsozialistInnen und sitzt in der Geschäftsleitungsmitglied SP Frauen*. In Bern studiert sie Geschichte und Islamwissenschaften – allerdings habe sie dafür kaum Zeit. Sie selber erlebte auf ihrer Maturareise einen sexuellen Übergriff. Erst im Nachhinein wurde ihr bewusst, was sie erlebt hatte. Im Generationentalk berichtet sie offen darüber – sie will, dass über sexuelle Übergriffe nicht mehr geschwiegen wird. Sie hat im März 2017 den Womans March organisiert und stand hinter einer Fotoaktion der JUSO, die schweizweit für ein riesiges mediales Echo sorgte.

Dieser Artikel wurde am 31. Mai 2017 auf unserem Partnermedium «und» das Generationentandem publiziert.