Sport | 08.05.2017

«Dr SCB isch dr geilscht Club»

Text von Annina Häusli | Bilder von Anna Renner
Martin Megert gehört zum SCB wie die Zytglogge zu Bern. Der eingefleischte SCB-Fan erklärt uns in seinem neu erschienen Buch die Gründe für seine Liebe zum "grossartigsten Hockeyclub der Welt."
Martin Megert kann auf ein Sammelsurium von SCB-Anekdoten zurückgreifen. 111 sind nun in seinem neuen Buch nachzulesen.
Bild: Anna Renner

Er wartet schon, an diesem Mittwochmittag, in einem Café in Bern, notabene zwei Tage nachdem sich der SCB in Zug zum zweiten Mal in Folge zum Eishockey Schweizer Meister küren lassen konnte. Von seinem Gipfeli ist schon fast nichts mehr übrig. «Tinu», stellt er sich vor. Martin Megert, wie er mit bürgerlichem Namen heisst, ist Informatiker. Neben seinem Beruf gibt es eine grosse Konstante in seinem Leben. Sie heisst SCB. Ich setzte mich ihm gegenüber hin. Wie sich herausstellt, ist Tinu genau wie ich in Burgdorf aufgewachsen. Während mich mein Vater an meinen ersten Match nach Langnau mitnahm, ging es für Tinu in die andere Richtung, nach Bern.

Das war der Beginn einer grossen Liebe. Heute ist der 56-Jährige der wahrscheinlich grösste SCB-Fan und ziemlich sicher auch der Bekannteste. Er ist Betreiber der Facebook-Seite «Hardboiled SCB», welche mittlerweile über 8000 Fans zählt. Auf dieser veröffentlicht er an jedem Spieltag spätestens eine Stunde nach dem Schlusspfiff einen Matchbericht, in dem er sich unzensiert seine Emotionen vom Leib schreibt. Diese Emotionen hat er nun auch in Buchform niedergeschrieben: «111 Gründe, den SCB zu lieben», heisst das gute Stück. Auch wenn sich Tinu für das Buch etwas zurückhalten musste, was die Sprache anging, ist sein Schreibstil deutlich erkennbar. «Ich bin wahnsinnig stolz auf das Buch, und auch auf mich», erzählt Tinu.

Seitenhiebe für Fribourg-Gottéron

«Der wichtigste Grund, den SCB zu lieben, ist ganz einfach: Der SCB ist ein geiler Club», sagt Tinu. Diesen einen, alles überspannenden Grund habe er dann, «wie ein Forensiker», aufgespalten in 111 Gründe. Drei Monate habe er jede Nacht daran geschrieben, immer mit der Deadline im Nacken. Er sei froh, dass er das Buch nicht während der Eishockeysaison schreiben musste, schmunzelt er. «Zusammen mit einem 100%-Job bin ich schon an meine Grenzen gekommen».

Das Buch ist eine Liebeserklärung an den SCB. Nicht immer sehr objektiv geschrieben, doch ausnahmslos ehrlich, interessant und auch lehrreich. Was auffällt: Gefühlt auf jeder zweiten Seite ist ein Seitenhieb gegen Fribourg-Gottéron versteckt. Diesen Club kann Tinu nicht ausstehen. «Weil es den HC Fribourg-Gottéron gibt», ist sogar der 39. Grund, den SCB zu lieben. Tinu erklärt, dass die Fribourger Fans «ekligi Cheibe» seien. Seine Erinnerungen an Fribourg seien nicht die besten, gibt er zu. Doch man könne sie auch nicht wirklich ernstnehmen, die chronisch erfolglosen Zähringer, die als einen der grössten Erfolge der Vereinsgeschichte den Vize Schweizer-Meister-Titel angeben, führt er weiter aus. Da seien ja sogar die Langnauer erfolgreicher – einen Titel gab es für die Langnauer 1976 zu feiern.

Der SCB als Kontaktbörse

Selbst der eingefleischteste SCB-Fan wird bei der Lektüre einige neue Dinge über seinen Lieblingsclub lernen. Etwa, dass die Band Europe extra für den SC Bern eine Ausnahme machte und ihren Hit «The Final Countdown», welcher nach jedem Berner Tor erklingt, zur Einweihung des neuen Stadions 2009 live spielte. Denn seit ihrem Comeback im Jahre 2004 weigerten sie sich standhaft, ihren grössten Hit live zu spielen. Auch Privates findet im Buch Platz: Martin Megert hat seine Frau an einem SCB-Spiel kennengelernt. Auch Randgeschichten von Spielern, Trainern und Schiedsrichtern finden in Tinus Werk Platz. In über 40 Jahren als SCB-Fan hat er vieles erlebt und kann so aus dem Nähkästchen plaudern. Die Liebe und Leidenschaft für den SCB ist in jeder Zeile spürbar.

Der Meisterfeier im Berner Stadion am Ostermontag blieb Tinu übrigens fern. «Bisher haben sie noch immer verloren, wenn ich an ein Public Viewing gegangen bin», so Tinu. Auch als der Titel im Trockenen war, blieb er zuhause: «Das war für mich ein schöner Abschluss der Saison». Er sei halt nicht mehr der Jüngste. Doch den Umzug durch die Berner Altstadt und die Feier auf dem Bundesplatz liess er sich nicht entgehen. «Das ist Ehrensache», meint der wohl grösste SCB-Fan, bevor er sich verabschieden muss. Er werde jetzt den Sommer geniessen.