Gesellschaft | 26.03.2017

Kommunistisches Trio versus linkes Bern

Text von Riccardo Schmidlin | Bilder von Ramona Unterberg
Wie richtig gegen rechte und rassistische Äusserungen argumentieren? Diese Frage war am Freitagabend Gegenstand beim Workshop "Argumentieren gegen Rechts", der im Rahmen der Aktionswoche der Stadt Bern gegen Rassismus stattfand. Der Anlass wurde von der Jugendgruppe der Gewerkschaft Unia organisiert. Die Leitung des Workshops lag bei drei Herren des kommunistischen Kollektivs "Versus Politik" aus Deutschland.
  • Die Thesen des Kollektivs «Versus Politik» kamen nicht bei allen gut an.

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  • Am Anfang war das Publikum von «Argumentieren gegen Rechts» noch ruhig und hörte interessiert zu.

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  • Der Workshop «Argumentieren gegen Rechts» artete in eine hitzige Diskussion zwischen Publikum und Referenten aus.

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Ein kleiner Raum im Berner Kulturzentrum Progr an einem Freitagabend um 18 Uhr. Nach und nach treffen immer mehr Leute ein. Die Organisatoren rechneten wohl nicht mit so vielen Gästen und stellen immer mehr Stühle hin. Nachdem die letzten Gäste im mittlerweile überfüllten Saal eingetroffen sind, werden die Fenster geschlossen und der Anlass beginnt mit einem kurzen Vorwort der Projektleiterin der Aktionwoche.

Zwischen Gemeinschaft und Nationalismus

Der Workshop startet mit einem halbstündigen Input. Dieser behandelt zunächst nicht wie erwartet Rassismus, sondern die im März 2012 gescheiterte Volksinitiative, die sechs Wochen Ferien für alle forderte. Der Herr von «Versus Politik» vorne am Tisch erklärt, dass die Stimmbürger beim Abstimmen stets überlegten, welcher Entscheid besser für ihre Gemeinschaft wäre. Die Befürworter der Ferieninitiative sahen das Problem bei den steigenden Gesundheitskosten, die Gegner der Initative fürchteten sich vor einem Verlust an Arbeitsplätzen. Die Blickwinkel beider Seiten seien somit nationalistisch, beide entscheiden sich für «das Richtige» im Sinne der Gemeinschaft. Jede Politik würde somit immer die Gemeinschaft ansprechen und zu dieser Gemeinschaft gehörten nur die Staatsangehörigen des jeweiligen Landes. Eine wahre Gemeinschaft, zu der jede und jeder gehöre, gäbe es demnach gar nicht.

Erste Stimmen aus dem Publikum werden laut. Eine Sozialarbeiterin ist mit den Thesen nicht einverstanden. Sie kontert mit Gegenbeispielen, welche jedoch in der Diskussion untergehen, da die Referenten auf diese Argumente kaum eingehen. Jemand anderes verweist freundlich aber bestimmt darauf, man solle doch bitte in den Voten auch die weibliche Form mitverwenden.

Danach werden Grundpositionen der SVP anhand von zwei Beispielen diskutiert: Die Nationalfeiertagsrede von Ueli Maurer 2015 und die kommende Selbstbestimmungsinitiative. Auch hier erkennen die Referenten in Phrasen wie «wir können unsere Rechte als freie Bürger verteidigen» den Nationalismus. Die Analyse ist nicht für alle im Saal verständlich. Gelegentlich werden auch Forderungen laut, man solle doch etwas zügiger vorangehen.

Diskussion auf «Sandkastenniveau»

Währenddessen hat sich die Sozialarbeiterin wieder eingebracht. Sichtlich enttäuscht vom Abend stellt sie die Frage, ob Argumentieren vielleicht die falsche Massnahme gegen Rechts sei. Sie habe an diesem Abend nur gelernt, was falsche Gegenargumente sind, dass diese laut den Referenten «Sandkastenniveau» seien. Die Referenten erwidern, die Erklärung, wie die rechten Argumente funktionieren, sei das Gegenargument. Und fügen an: «Wenn wir ein Geheimrezept hätten, welches wir in 10 Minuten erklären könnten, hätten wir das schon längst getan».

Gegen Schluss meldet sich eine Frau, offenkundig genervt, zu Wort und beschwert sich, dass auf die Gendering-Bitte nicht eingegangen worden sei. Ohnehin zeige der Abend wieder einmal, dass Männer Frauen ständig unterbrechen würden und deren Argumente nicht ernst nehmen würden. Was folgte, war ein emotionales und hitziges Wortgefecht im ganzen Saal. Die Referenten dementierten, dass sie Frauen nicht ernst nehmen würden: «Ich sehe gar nicht, ob jemand eine Frau oder ob jemand dunkelhäutig ist.» Gegendert wird weiterhin nicht: «Das hat mich jetzt wenig überzeugt zu gendern», heisst es seitens der drei referierenden Herren.

Einzelne Personen haben zu diesem Zeitpunkt den Saal bereits verlassen. So auch die Sozialarbeiterin. «Nehmt die Kritk doch einfach an», ruft sie noch in Richtung der drei Herren beim Verlassen des Saals. Kurze Zeit später wird die Veranstaltung mit einem müden Applaus offiziell beendet.

Zufrieden waren wohl nur wenige nach diesem Workshop, der strenggenommen kein Workshop war, sondern eher ein Referat mit Zwischenrufen aus dem Publikum. Die Veranstalter hatten sich zu viel vorgenommen. Es waren noch mehr Analysen von SVP-Positionen und zu linken Gegenargumenten geplant. Der Abend konnte lediglich einige Denkanstösse geben. Wie wirklich argumentiert werden kann, wurde nicht erklärt. Der Grund war wohl, dass die Referenten sehr provokante Thesen aufführten, mit denen viele nicht einverstanden waren. So wurde mehrheitlich über deren Thesen diskutiert als darüber, wie erfolgreich gegen Rechts argumentiert werden kann.