Gesellschaft | 25.02.2017

Ich bin dafür und dagegen

Text von Mila Laager | Bilder von Mila Laager
Nach den Geschehnissen rund um die Hausbesetzungen in Bern, äussert sich Mila Laager kritisch gegenüber den verhärteten Fronten und plädiert für mehr Kommunikation und Selbstreflexion.
Man kann sich für Freiräume einsetzen, ohne Gewalt gutzuheissen. Ein Kommentar von Mila Laager.
Bild: Mila Laager

Ich setze mich dafür ein, dass Freiräume und leerstehende Gebäude für Kultur, Bildung und Projekte aller Art genutzt werden. So entstehen Orte der Begegnung und Inspiration. Lebensfreude wird geteilt und Ideen können voller Enthusiasmus umgesetzt werden. Analog der Konzepte institutioneller Gemeinschafts- und Begegnungszentren.

Gleichzeitig bin ich klar gegen jegliche Sachbeschädigung und Anwendung von Gewalt. Mit verbalen und handgreiflichen Aktionen gegen Menschen und Dinge zerstören wir Hoffnungen, Ressourcen und Sympathien. Enttäuschungen und Verletzungen führen bloss dazu, dass die Bereitschaft für friedliche und konstruktive Kommunikation sinkt. Die Folge sind oft Wut, Unverständnis und aggressive Reaktionen.

Ich bin dafür, dass wir uns alle Mühe geben, die Interessen, Bedürfnisse und Ängste unserer Mitmenschen ernst zu nehmen. Unter Berücksichtigung der Hintergründe, Erfahrungen und auch Enttäuschungen unseres Gegenübers, wird es manchmal plötzlich möglich, Einstellungen und Meinungen nachzuvollziehen. So kann ein konstruktiver und lösungsorientierter Dialog entstehen. Ich finde es elementar, dabei zu realisieren, dass auch wir nur Empathie erfahren, wenn wir uns die Zeit nehmen, mit klaren Worten und Respekt unsere eigenen Interessen, Bedürfnisse und Ängste zu formulieren. Das bedingt Selbstreflexion und braucht Mut.

«Fuck the police« und zerbrochene Schaufenster entsprechen meiner Meinung nach also überhaupt nicht einem «No borders« Gedanken, sondern sinnlosem, aggressivem Verhalten, dass Fronten verhärtet, Dialog verhindert und Ängste schürt. Auf der anderen Seite kann ich durchaus verstehen, dass ein unverhältnismässiger Polizeieinsatz genau solche Aktionen provozieren kann. Wasserwerfer und Polizist*innen in Vollmontur sind ja auch nicht dafür bekannt, dass sie offen über Ihre persönlichen Interessen, Bedürfnisse und Ängste sprechen.

Ich bin gegen Fronten, gegen das «wir und ihr«-Denken und dagegen, Gruppen als homogene Massen von identisch denkenden und fühlenden Menschen wahrzunehmen.

Ich bin dafür, dass wir alle lernen, uns zu exponieren und unsere eigenen Interessen mit reflektierten, konstruktiven Worten und Taten zu vertreten. Ich setze mich ein für ein respektvolles Zusammenleben in einer wunderbar diversen Welt in allen Regenbogenfarben.

Ich setze mich dafür ein, dass Freiräume und leerstehende Gebäude (zwischen-)genutzt werden.

Für ein lebendiges, lebenswertes Bern.

Mila