Merry Christmas

Caroline aus Gümligen:

Wir feiern Weihnachten immer vor dem 24. Dezember, da wir danach in den Ferien sind. Eigentlich ganz traditionell mit Tannenbaum, den meine Kinder schmücken. Nach dem Essen zünden meine Kinder die Kerzen an, dann packen wir die Geschenke aus.

Adarsh aus dem Tessin, indische Wurzeln:

Ich feiere am 25. Dezember. Ich feiere Weinachten mit der Familie. Wenn man weit von einander lebt ist diese Zusammentreffen schon eine riesiges Fest. Es ist keine religiöse Tradition weil ich nicht gläubig bin, aber es ist eine Familientradition.

Mélanie aus Uri:

Ich werde Weihnachten mit meiner Familie im Kanton Uri feiern, normalerweise essen wir viel und spielen Brettspiele. Ich werde ungefähr eine Woche dort sein. Unsere Traditionen sind hauptsächlich die Brettspiele und dass wir Geschenke austauschen. Auch macht meine Mutter jedes Jahr leckere Datteln, die mit Marzipan gefüllt sind…das ist sooo fein. An Weihnachten selbst werde ich wohl nicht arbeiten, aber die Tage danach, ja…ich werde sicherlich ein paar Sachen für Tink.ch planen und E-mails beantworten.

Janka aus Erlach:

Am 24. Dezember mit meiner Familie Weihnachten und spiele spät abends in der Weihnachtsmesse in der Kirche Bruder Klaus im Ostring in Bern. Am 25. Dezember feiere ich nochmals mit vielen Verwandten. Die Tradition ist das Zusammenkommen, zum Essen wird jedes Jahr etwas Anderes zubereitet.

Josephine aus Gümligen:

Wir feiern am 24. bis 26. Dezember Weihnachten. Mit der Familie von meinem Vater gehen wir in den Wald essen, bevor wir bei meinen Grosseltern singen und weiter essen. Wahrscheinlich liest dann jemand noch etwas vor und meine Schwester spielt Flöte. Was auch dazu gehört: Lotto spielen. Jeder bringt Preise mit. Dann feiern wir noch bei den Eltern meiner Mutter. Meine Grossmutter macht ein Festessen, es kommen viele Leute dazu, meine Tante verteilt die Geschenke und wir packen aus.

Cécile aus Bolligen:

Dieses Jahr ist es am 25. Dezember. Wir lesen zuerst eine Weihnachtsgeschichte aus einem alten Buch vor, singen, später gibt es ein feines Abendessen und dann packen wir die Geschenke aus.

 

Konav aus Bern, syrische Wurzeln:

Ich feiere Weihnachten mit meiner Familie am 31. Dezember mit Neujahr. Dazu gehören Tanten und Onkel. Wir essen zusammen und hören zusammen Musik, wir tanzen auch dazu. Wir kleinen Kinder bekommen auch Geschenke.

Laura aus Rüeggisberg:

Ich feiere am 24. Dezember und am 25. Dezember. Ich feiere mit meiner Familie und Freunden, da ich am 24. Dezember auch Geburtstag habe. Mit Familien und Freunden fahre ich ins Graubünden. Dort singen wir und haben einen grossen Weihnachtsbaum beim Stall und meistens hat es ganz viel Schnee. Manchmal wichteln wir in der Familie. (Tink.ch wünscht alles Gute zum Geburtstag :))

Heidi Baumgartner spricht für die Kinderpatienten aus dem Universitätspital Bern:

In der Kinderklinik gibt es viele Aktivitäten zu Weihnachten. Es feiern nicht alle Kinder Weihnachten, da viele Kinder anderer Religionen bei uns sind. Alle Kinder, die nicht dringend im Spital sein müssen, entlassen wir oder gewähren wenigstens für ein paar Stunden Urlaub. Das heisst, die Kinder, die da sind, sind wirklich krank und haben wenig Energie für lange Zeremonien.

Die Kinder können basteln oder Güetzi backen. Das ganze Haus wird festlich dekoriert, jede Abteilung hat einen Tannenbaum mit elektrischen Kerzen. Eltern, die alleine mit ihren Kindern feiern möchten, erhalten dafür einen Raum. Viele Personen möchten uns an Weihnachten beschenken. Wir wählen dann die besten Geschenke aus und schenken sie den Kindern.

Das Personal feiert Weihnachten so gut wie möglich. In der Regel ist sehr viel los, da ja Winter und somit die Saison der Infektionen ist. Zum Feiern bleibt oft nicht viel Zeit. Aber am Mittagsrapport gibt es einen weihnachtlichen Snack.

Kathrin Jordi spricht für das Jugendheim Lory mit 14-20-jährigen jungen Frauen:

Die Jugendlichen feiern in ihren Wohngruppen Weihnachten. Die Räumlichkeiten sind weihnächtlich dekoriert – mit Tannenbaum. Je nach Entwicklungsphase haben die Jugendlichen auch die Möglichkeit, Weihnachten zu Hause bei ihren Familien zu verbringen. Bei uns gibt es ein Festmenü und selbstgebackene Weihnachtsgüezi. Wenn möglich wird an diesen Tagen auch ein spezielles Tagesprogramm angeboten. Jedes Jahr wird ein gemeinsamer Weihnachtsanlass mit allen Mitarbeitenden und Jugendlichen organisiert. Einige Jugendliche laden ihre Verwandten zu einem Weihnachtsessen ins Loryheim ein.

«Das Geld ist dafür verantwortlich, dass es keine Nachhaltigkeit geben kann.»

Herr Fuhrer, was halten Sie von der Vision einer nachhaltigen Entwicklung?

Die Vision ist absolut notwendig, weil so, wie die Entwicklung im Moment funktioniert, werden wir zwar den Planeten nicht auslöschen – da habe ich überhaupt keine Bedenken, der Planet ist viel stärker – aber wir werden insbesondere das Leben von vielen Generationen von Menschen massiv einschränken – sofern diese das überleben.

Und wie stehen Sie zu unserem aktuellen Gesellschafts- und Wirtschaftssystem?

Kritisch. Ich glaube, ich bin schon seit der Schulzeit kritisch und glaube das hat damit zu tun, dass ich einen Geschichtslehrer hatte, den meine Eltern ganz unverhohlen als schlimmen Marxisten bezeichneten. Was mich immer fasziniert und irgendwie auch gestört hat, ist, wie Macht zum persönlichen Vorteil von Wenigen auf dem Buckel von Vielen ausgenutzt wird. Ich kann es auch einfach formulieren: Ungerechtigkeit hat mich schon immer massiv gestört.

Und wo konkret sehen Sie das Problem?

Ich sehe die Problematik vor allem darin, dass man viel zu oft versucht, die Probleme einseitig zu bearbeiten und in sogenannte Silos zu stecken. So hat man Nachhaltigkeit lange auf die Ökologie beschränkt und von anderen Problemen dissoziiert, welche meiner Meinung nach ebenso wichtig sind. Als Institutionalist verstehe ich die soziale, wirtschaftliche und ökologische Systeme als eng miteinander verwoben. Und sobald man so einen – wie man so schön sagt – holistischen Ansatz hat, steht man «Silo«-Lösungsansätzen oder Forderungskatalogen eher skeptisch gegenüber.

Können Sie mir ein Beispiel nennen?

Nehmen wir das Beispiel eines afrikanischen Landes mit einem Problem in der Gesundheitsversorgung. Es wird eine wunderbare Initiative lanciert, um in diesem Land ein neues Spital zu errichten. Es vergehen nach der Fertigstellung des Baus zwei Jahre und man stellt fest, dass im brandneuen Spital nur sehr selten Patienten sind. Und irgendwann merkt man, dass die Gegend des neuen Spitals von einer Miliz kontrolliert wird und diese Miliz entweder Eintrittsgelder kassiert – damit man überhaupt ins Spital kann – oder die besagte Miliz den Zugang für Angehörige verfeindeter Gruppen grundsätzlich unterbindet. Das ist typisches Silo-Denken. Man hat ein Problem nur isoliert betrachtet – die schlechte Gesundheitsversorgung – und dabei Sicherheitsaspekte völlig ausgeblendet. Das passiert sehr häufig: es werden tolle Lösungen präsentiert, aber später stellt sich heraus, dass sie eigentlich gar keinen Effekt haben.

Wo würden Sie also ansetzen, um die Welt ein bisschen nachhaltiger zu machen?

Es gibt keine silver bullets, es gibt nicht eine einzige Lösung. Aber ich denke, es gibt Prioritäten. Die Prioritäten sind sicher auch bei unseren Denkmustern. Das ist sehr wichtig, denn wir leben alle, ohne uns dessen bewusst zu sein, mit bestimmten Wahrheiten. Es gibt Sachen, die wir nicht weiter in Frage stellen. Zum Beispiel, dass die Welt hart ist, die Konkurrenz übel und sich daher jeder selbst wehren muss. Das sind solche Bilder, welche wir mit uns herumtragen und nicht weiter hinterfragen. Es wäre jedoch durchaus interessant zu fragen, ob diese überhaupt stimmen. Es ist bestimmt wichtig, bei den Ideen der Menschen über die Bildung anzusetzen. Aber ich denke nicht, dass das reicht, denn ein System ist nicht frei von Machtverhältnissen. Vielfach ist man zu naiv, wenn man solche rein bildungsfokussierte Änderungsvorschläge macht. Man geht dann immer davon aus, dass eine gute Idee sich automatisch durchsetzen wird und sich schon niemand dagegen sträuben wird, denn schliesslich ist es ja eine gute Idee, nicht wahr? Aber in vielen Fällen haben gute Ideen mit sozialer Gerechtigkeit zu tun. Und soziale Gerechtigkeit steht vielfach im Widerspruch zu ökonomischen Interessen von wenigen einflussreichen Leuten. Und diese wissen sich gegen solche Ideen zu wehren.

Wie meinen Sie das?

Jemand, der ohne gross zu arbeiten im Jahr Millionen verdient und mit einer Initiative für eine bessere Einkommensverteilung konfrontiert wird, wird sich wahrscheinlich dagegen wehren. Und weil dieser Jemand viele Ressourcen zur Verfügung hat, wird die Gegenwehr relativ heftig ausfallen. Deswegen sage ich, dass man nicht nur auf dem Niveau der Ideen bleiben kann, weil viele Ideen unter Umständen durch bestehende Machtverhältnisse im Keim erstickt werden. Man muss also auch dafür sorgen, dass man bestimmte Konfigurationen – für mich sind es solche Basisinstitutionen wie das Geld – schlicht neu konfiguriert werden. Die Frage ist, ob dies möglich ist, ohne dass es vorher zu einer Systemkrise gekommen ist.

Wieso sprechen Sie hier ausgerechnet das Geld an?

Weil Geld eine Institution ist, welcher Menschen mehr oder weniger blind vertrauen, aber gleichzeitig nicht wissen, wie es funktioniert. Zudem ist das Geldsystem aktuell sehr sonderbar konfiguriert. Dies hat historische Gründe. Für mich ist das Geld auch fundamental dafür verantwortlich, dass es keine Nachhaltigkeit geben kann. Aktuell bestimmen die Banken über ihre Kreditvergabe die Geldmenge im System. Da das geliehene Geld plus Zinsen zurückgezahlt werden muss, definieren die Geldmenge und die Zinsen den «Wachstums-Druck» auf die Zukunft. Je höher die Geldmenge und je höher die Zinsen, desto grösser der Druck. Das wäre kein Problem, wenn der Wachstumsdruck im Einklang mit dem endogen möglichen Wachstum wäre.

Was ist endogenes Wachstum?

Das endogene Wachstum ist jenes Wachstum, das durch Steigerung der Produktivität, über verbesserte technologische Lösungen und so weiter, möglich ist. Dieses endogene Wachstum hat sich zwar durch die Hochtechnologie verändert, aber nicht massiv. Und die Kredite, welche heute von Banken generiert werden, spekulieren aus purem Eigeninteresse darauf, dass das Wachstum viel höher wird, als es durch endogenes Wachstum möglich wäre. Und wenn es nicht mehr genug endogenes Wachstum gibt, um all die Kredite zurückzuzahlen, dann muss man Wachstum anderweitig steigern. Eine solche Steigerung des Wachstums ist nur noch durch die nicht-nachhaltige Ausbeutung von Ressourcen möglich.Folglich sollte man das Geldsystem so umgestalten, dass die Geldmenge und die Zinsen so festgelegt werden, dass sie dem endogenen Wachstum entsprechen und nicht darüber hinausgehen. Spekulieren auf ein übertriebenes Wachstum muss unterbunden werden, wenn man eine nachhaltige Entwicklung anstrebt. Zu viel Geld, respektive zu viel Kredit, mündet automatisch in eine nicht-nachhaltige Entwicklung.

Das ist ein sehr interessanter Punkt.

Sie kennen ja denn Spruch »Geld regiert die Welt«, oder? Man könnte auch sagen: »Wer das Geldmachen regiert, regiert die Welt.« Zwar glauben die Menschen nicht, dass es die Banken sind, welche bestimmen, wie viel Geld im System zirkuliert. Leider ist es aber so und das ist absurd. Natürlich gibt es auf dem Papier Regeln, welche die Banken einhalten müssen, um zu verhindern, dass sie zu viel Geld »produzieren«, also zu viele Kredite vergeben. Aber sie unterlaufen diese Regeln fortwährend, denn ihre Gewinne sind proportional zum vergebenen Kreditvolumen. Sie haben also ein ureigenes Interesse, möglichst viel Geld ‚zu produzieren’. Sie unterlaufen die Regeln meistens, indem sie Teile ihres Kreditgeschäftes in ‚Nicht-Banken’ sogenannte Shadow Banks auslagern. Diese speziellen juristischen ‚Vehikel’ waren entscheidend am Aufbau und am Platzen der US-Kreditblase 2008 beteiligt.

Könnten Sie nochmals kurz erläutern, wie das eine nachhaltige Entwicklung verhindert?

Ein Beispiel mit einfachen Zahlen: Das endogene Wachstum liegt je nach Epoche zwischen ein und zwei Prozent. Nehmen wir für heute einmal sehr optimistische 2% an. Um die Rechnung zu vereinfachen, nehmen wir auch an, dass die Bevölkerung konstant bleibt. Die Summe aller vergebenen Kredite für das Folgejahr dürften in einem Nachhaltigkeits-Szenario nicht mehr betragen als die zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts des Vorjahres. Im heutigen System steigen die Kredit-Volumina aber deutlich stärker – es wird mindestens ein doppelt so hohes Wachstum angenommen, als de facto über das endogene Wachstum möglich ist. Und um dieses Wachstum zu erreichen, muss man Ressourcen ausbeuten. Nur so lässt sich so ein starkes Wachstum erzielen. Auch muss man davon ausgehen, dass man die sogenannten externalities nicht bezahlen muss: Wenn Umweltverschmutzung nichts kostet, lässt sich zumindest kurzfristig ein höheres Wachstum erzielen und man kann damit die gewährten Kredite plus Zinsen bedienen. Aber dieses zusätzliche Wachstum geht auf Kosten von etwas – in diesem Fall auf die Kosten der Umwelt. Sobald Sie über das endogene Wachstum hinaus spekulieren – also auf noch stärkeres Wachstum – dann zahlen die Umwelt und auch sehr viele Leute dafür einen hohen Preis…

Gibt es noch etwas, was Sie der Leserschaft mitteilen möchten?

Ich plädiere dafür, dass man das Geld- und Finanzsystem grundsätzlich im Sinne der Nachhaltigkeit reformiert. Leider trauen wir uns gar nicht, dies anzupacken, weil viele das Gefühl haben, dass man es gar nicht anders machen kann. Es ist wie eine interne Blockade, man wagt es nicht, Etabliertes in Frage zu stellen. Aber es ist das Privileg und die Aufgabe kritischer Studierender solche Denkblockaden zu überwinden. Um es mit Gottfried Schatz zu sagen: »Es ist unser Aufgabe das zu sehen, was andere sehen, aber etwas zu denken, was andere noch nicht gedacht haben«.

Dr. Bernhard Fuhrer studierte Geschichte, Geographie und Englisch an der Universität Basel. Seine Doktorarbeit verfasste er im Bereich der Wirtschaftsgeographie zum Thema Biotechnologie Cluster an der Universität Hamburg. Heute ist er Direktor des Swiss Network for International Studies und doziert unter anderem an der Universität Fribourg.

Dieses Interview erschien zuerst auf dem Blog des Vereins NEUF (Nachhaltige Entwicklung Universität Fribourg).

Generationentalk: Moritz Leuenberger und Frédéric Urech

Moderation: Elias Rüegsegger (22)

Er war 15 Jahre lang Bundesrat. Heute, sechs Jahre nach seinem Rücktritt, ist er vielen Menschen in der Schweiz immer noch in Erinnerung. Im Generationentalk trifft der 70-jährige Moritz Leuenberger auf den 17-jährigen Frédéric Urech. Die beiden verbindet das Engagement für die Politik. Urech hilft bei der Jugendsession mit.

Ein rasanter Generationentalk über den Stil von Donald Trump, «Brösmeli» auf Interviewtischchen und Grautöne in der Politik.

Technik: Samuel Müller (22)

Moritz Leuenberger

Für seine Reden bekannt, für seine spitze Ironie mal begriffen, mal missverstanden worden – das ist Moritz Leuenberger. Der ehemalige Bundesrat will heute nicht nur mit seinem früheren Job in der Regierung der Schweiz identifiziert werden. Leuenberger moderiert heute die Bérnhard-Matinée in Zürich.

Frédéric Urech

Der 17-jährige Kantonsschüler aus der Ostschweiz engagiert sich bei der Jugendsession. Als Co-Präsident des Forums schaut er dafür, dass die Forderungen der Jungen nicht einfach im Nichts verpuffen. Frédéric Urech ist etwas frustriert, dass seine Altersgenossen nicht alle politisch engagiert – ja oft nicht einmal interessiert sind. Urech will später vielleicht internationale Beziehungen studieren – oder doch Volkswirtschaft?

Dies ist eine Kurzversion eines Artikels unseres Partnermediums «und» das Generationentandem, der am 14. November 2016 erschien.

Mann, Frau und darüber hinaus

Der Mensch will einordnen, kategorisieren, schubladisieren. Deshalb ist unsere Gesellschaft in vielen Aspekten des täglichen Lebens geschlechtergeteilt. Dass dies den Alltag von Personen erschweren kann, ist den meisten von uns nicht bewusst. Grundlegende Bedürfnisse wie der Gang auf eine öffentliche Toilette werden zum Beispiel für Lukas N. zu einer wiederkehrenden Stresssituation. Denn Lukas wurde nicht seit seiner Geburt mit diesem Namen gerufen.

Ein Neuanfang

«Vor drei Jahren, kurz vor meinem Studienbeginn an der Pädagogischen Hochschule (PH) in Bern, habe ich mich für diesen Namen entschieden. Es würde ein Neuanfang werden und ich musste mich natürlich für den Studiengang einschreiben. Das habe ich dann mit Lukas N. getan», erzählt Lukas in einem Büro an der PH, das er für seine Mitarbeit an der Institution benutzen darf. Warum aber wollte er seinen Geburtsnamen ablegen und einen neuen Namen annehmen?

Zum ersten Mal im Gespräch mit Lukas fällt der Begriff «Transidentität». In einem weiblichen Körper geboren und als Mädchen in der Gesellschaft sozialisiert, hatte sich Lukas stets darum bemüht, sich nicht mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen. «In meiner Jugend war ich unzufrieden mit meinem Leben und musste mir schliesslich eingestehen, dass ich mich von mir selbst distanzierte. Erst nach dem Gymnasium, als ich ein Zwischenjahr in der Westschweiz absolvierte, stellte ich mich der Frage, ob ich zufrieden bin mit der Geschlechterrolle, die ich in der Gesellschaft einnehme. Und das war ich nicht.»

In der Vergangenheit wühlen

Lukas fragte sich, ob es in seiner Kindheit bereits Indizien für seine Transidentität gegeben haben könnte. Als Kind und Jugendlicher habe er oft an Bauchschmerzen gelitten, da es ihm psychisch häufig nicht gut ging. Sogar sein Essverhalten litt darunter: «Wenn ich die Möglichkeit hatte, habe ich manchmal auch Mahlzeiten ausgelassen. So wie viele Jugendliche hatte auch ich Probleme, mich mit meinem eigenen Körper auseinanderzusetzen.»

In der Vergangenheit zu wühlen, half Lukas aber vor allem, einen Zusammenhang mit der heutigen Situation zu finden. Er habe zwar eine Transidentität, dennoch verabscheue er nicht alles an seinem Körper. Er würde sich nicht als im «falschen Körper geboren» bezeichnen. Nicht alles an seinem Äussern lehne er ab aufgrund des Geschlechts, das ihm durch seine Anatomie zugewiesen wird und mit dem er sich nicht identifizieren kann.

Ein Geschlechterspektrum

Transidentität definiert also, dass ein Mensch sich nicht – oder nicht ausschliesslich – mit dem Geschlecht identifizieren kann, welches ihm aufgrund seiner biologischen Merkmale bei der Geburt zugeschrieben wurde. Transidentität und Transgender (engl. «soziales Geschlecht») beschreiben den Sachverhalt treffend, während der Begriff Transsexualität meist pathologisierend wirkt und den irreführenden Schluss zulässt, die Bezeichnung habe mit Sexualität statt mit Identität zu tun. Unter Transidentität fallen aber nicht nur Menschen, die sich mit dem entgegengesetzten Geschlecht identifizieren, das ihnen zugewiesen wurde, sondern auch alle Personen, die sich dazwischen oder gar keinem Geschlecht zugehörig fühlen. «Unter dem Strich geht es darum, dass es ein Geschlechterspektrum ist und es gibt zwischen den zwei Polen «Mann» und «Frau» unzählige Identitäten. Die Vielfalt ist riesengross», fasst Lukas zusammen.

Sich einordnen

Auch Lukas sah das Problem darin, dass er sich nicht in der Geschlechterrolle wohlfühlte, die er in der Gesellschaft innehatte. Daher war für ihn die Schlussfolgerung: Ich fühle mich nicht wohl als Frau in der Gesellschaft, also bin ich ein Mann. Er versuchte dementsprechend, in dieser männlichen Rolle aufzugehen, merkte aber bald, dass er auch dort an seine Grenzen stiess. «Ich wurde als Frau sozialisiert und lehne nicht alles davon ab. Als Mädchen wurde mir von meinem Umfeld vorgelebt, dass ich Emotionen zeigen darf, was bei Jungen oft nicht der Fall ist. Ich will nicht rollenkonforme Verhaltensweisen annehmen müssen, nur damit ich in der Gesellschaft als Mann akzeptiert werde. Aber damit ich mich in unserem binären System von Mann und Frau bewegen kann, ordne ich mich formell der männlichen Seite zu», führt Lukas weiter aus. «Zu Beginn, als ich es nicht besser wusste, habe ich mich in dieser zweipoligen Gesellschaft einzugliedern versucht. Doch mit den gemachten Erfahrungen habe ich erkennen dürfen, wie vielfältig Geschlecht sein kann. Auch ich muss mich noch immer informieren über Identitäten, die ich noch nicht kenne und verstehen möchte.»

Elastische Geschlechteridentität

Obwohl bestimmte Interessen einem Geschlecht zugeordnet werden, zum Beispiel klischeehaft das Fussballspielen den Buben und das Ballett den Mädchen, wollen sich auch Menschen nicht «geschlechterkonform» verhalten, die sich mit ihrem zugewiesenen Geschlecht identifizieren können. Nur sind die Hemmungen dabei oft sehr gross. Um den Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen, unterlassen wir dann Dinge, die wir eigentlich gern tun würden. Der Gedanke, mit der eigenen Geschlechteridentität zu experimentieren und wie elastisch das gelebte Geschlecht eigentlich sein sollte, ist sehr inspirierend. «Leider ist dieser Gedanke eine Illusion», weist Lukas darauf hin, «denn der Mensch ist sich zu sehr an das bipolare System von weiblich und männlich gewöhnt, als dass einfach jeder daraus ausbrechen könnte oder wollte.» Wenn Personen, die Lukas kennt, ihn manchmal mit dem falschen Pronomen ansprechen, ist das für ihn kein Problem. «Im Gegenteil, viele haben dann das Gefühl, dass sie sich rechtfertigen müssen.» Das zeige ihm aber nur noch mehr, dass diese Personen gewisse Verhaltensweisen entweder mit Mann- oder Frau-Sein in Verbindung bringen und in diesem System festsitzen.

Seltene Happy Ends

Lukas‘ Umfeld habe sich seit seiner Entscheidung, mit einer männlichen Identität zu leben, ziemlich verändert. Einerseits habe er Freunde verloren, die ihn nicht unterstützen konnten in seinem Prozess, sei es aus Unverständnis oder aus Überforderung. Andererseits gewann er durch seine neue Ausbildung an der PH Bern einen neuen Freundeskreis hinzu. «Es war kein Verlust, sondern eher eine Ablösung von Freunden.» Bei seinen Eltern stiess Lukas zuerst auf Enttäuschung, weil er die Erwartungen, die sie an ihn hatten, nicht mehr erfüllte. «Ich war nicht das Mädchen, als das ich geboren wurde und würde den Vorstellungen auch nie gerecht werden. Obwohl es schwer für sie war, erhalte ich aber heute ihre volle Unterstützung.» Lukas stellt aber sofort klar, dass dies eines der nicht häufigen Happy Ends ist.

Personen mit einer Transidentität werden oft von ihren Familien verstossen. Oder Eltern versuchen, ihr Kind von der Identität, die es ausleben möchte, abzubringen. «Kinder können schon früh selbst erkennen, dass ihnen die Geschlechterrolle, die ihnen zugeteilt wurde, nicht gefällt. Wenn ein Kind dieses Problem in irgendeiner Weise äussert, sei es direkt oder durch ungewöhnliches Verhalten, ist es wichtig, zuzuhören und nicht zu versuchen, dem Kind den eigenen Willen aufzuzwingen», so Lukas. Leider gibt es in der Schweiz keine Anlaufstelle für Transkinder und deren Eltern, wo sie sich beraten lassen könnten, ohne dass es auf eine pathologische Erklärung für das Verhalten des Kindes hinausläuft. Es fehlt an der Repräsentation des Themas. Wie sollen Kinder mit Vielfältigkeit aufwachsen, wenn sie nichts davon mitbekommen?

Durch Sprache zur Identität

Ein an Geschlechterrollen angepasster Geschlechtsausdruck kann Transmenschen dazu verhelfen, von ihren Mitmenschen gemäss ihrer Geschlechtsidentität anerkannt zu werden, was von aussen nicht selten als klischeehafte Darstellung empfunden wird.

Transmenschen haben sich nie mit dem Geschlecht identifiziert, das ihnen bei ihrer Geburt zugewiesen wurde. Deshalb sollte nicht von einer Geschlechtsumwandlung gesprochen werden. Als korrekter Begriff gilt derjenige der Geschlechtsangleichung. Sprache ist beim Thema Transgender wichtig, weil diese Menschen ihre Identität oft nur durch sie ausdrücken können. «Damit andere mich so sehen, wie ich mich sehe, müsste ich vieles an meinem Äusseren ändern. Das heisst, mein ich auf mein Äusseres reduzieren.» Wer sich nicht seinem Geschlecht entsprechend kleidet, ist der Diskriminierung durch seine Mitmenschen ausgesetzt. Männer erstaunlicherweise mehr als Frauen. Warum wird ein Mann, der in einem Kleid durch die Stadt geht, als schräger Vogel angesehen, während Frauen in «Männerklamotten» viel eher akzeptiert werden? «Im Rahmen eines Praktikums der PH wurde mir einmal von einer Lehrperson gesagt, ich solle meine Rolle als Mann vor den Kindern gut spielen. Ich wurde in meiner Identität nicht ernst genommen, sondern als jemand, der etwas vorspielt. Ich sollte mich dem binären System fügen und nicht provozieren. Ich sollte den klischeehaften Mann verkörpern.»

Offenheit für die Vielfalt

Als Transmann ist Lukas stets mit dem Urteil der Gesellschaft konfrontiert, dass sein Äusseres nicht mit seiner Identität übereinstimme. Garderoben und Toiletten sind für Lukas Räume, die er entweder gar nicht oder nicht ohne Unwohlsein benutzen kann. Warum gibt es keine geschlechterneutralen Toiletten in öffentlichen Gebäuden? Oder einfach abgeschlossene Einzelkabinen für alle statt der getrennten Garderoben? Die Vielfalt der Gesellschaft ist so gross, warum müssen wir sie also auf ein zweipoliges System reduzieren?

«Transmenschen wollen die Bedeutung mindern, die dem sozialen und biologischen Geschlecht zugeschrieben wird. Wir wollen leben wie wir uns fühlen, egal mit welchen anatomischen Voraussetzungen», spricht sich Lukas über die Wünsche der Trans-Bewegung aus. Ausserdem sind Transmenschen überhaupt nicht rechtlich abgestützt. Als Lukas das Gesuch für seine Namensänderung einreichte, musste er Beweisdokumente einsenden, dass er diesen Namen schon verwendet hatte. Bei anderen Personen wurde das Gesuch ohne Schwierigkeiten bewilligt. Es gibt also kein einheitliches rechtliches Verfahren bei der Namensänderung oder dem Personenstand bezüglich Transidentität. Transidentität wird im Klassifizierungssystem der Krankheiten von der WHO nach wie vor unter «Störung der Geschlechtsidentität» aufgeführt. Die Transgender Community ist jedoch aktiv und konnte in kurzer Zeit enorm viel bewirken: Eine Revision der Klassifizierung steht bevor.

Lukas und andere Transmenschen wünschen sich mehr soziale Offenheit für die Vielfalt des Geschlechts. Das Gespräch mit Lukas soll die Elastizität der Geschlechteridentität vor Augen führen. Dass es nicht nur Mann und Frau gibt und nichts dazwischen. Sondern dass es einen Reichtum an Identitäten gibt, die unabhängig von ihren anatomischen Äusserlichkeiten anerkannt werden wollen. Menschen, die beweisen, dass Identität und anatomisches Geschlecht voneinander losgelöst sind. So dass es eines Tages für keinen mehr einen Kompromiss zwischen Authentizität, Wohlfühlen und sich einfügen sein muss.

Weiterführende Informationen findest du hier:

Architektur ohne Vorwissen, ein No-Go?

Heute probiert man, offen für alles zu sein. Fremdes sollte akzeptiert und mit Vergnügen ausprobiert werden. Doch ist es auch so einfach? Kann man überall teilnehmen, ohne sich verloren zu fühlen? Tink wollte es an der eigenen Haut erfahren und nahm am zürcher Architektur-Event Open House teil, um zu testen, ob man dort auch ohne Vorwissen mithalten kann.

Architektur – nur schöne Fassaden?

Architektur ist eine Branche, in der viele Disziplinen aufeinander treffen und für ein gemeinsames Resultat zusammenarbeiten. Es geht nicht nur um hübsche Gebäude, es geht auch um deren Planung; es geht um Ideen und deren Ausführung. Viele schrecken zurück, wenn sie erfahren, dass hinter der Architektur auch viel Theorie steckt. Wenn man ein beeindruckendes Gebäude anschaut, möchte man sich nicht überlegen müssen, wie es entstanden ist. In der Baukunst geht es aber auch um Symbolik: Nur die Architekt*in kann die Bedeutung ihres oder seines Werkes erklären, jedoch kann jede*r sich überlegen, weshalb zum Beispiel ein Haus grün ist oder weshalb es so schräg ist – und das ist genau das Prickelnde. Doch darf Mann und Frau Vermutungen zur versteckten Bedeutung eines Gebäudes äussern, oder dürfen es nur die Profis? Muss man auf den Architekturgenuss verzichten, wenn man das Gefühl hat, dass die Theorie dazu zu verdichtet ist? Open House Zürich zeigte uns, dass man Architektur auch ohne Vorwissen geniessen kann. Bei dieser Veranstaltung konnte Mann, Frau und Kind über 60 Gebäude in Zürich kostenlos besuchen: Spannend auf höchstem Niveau! Führungen erlaubten dem Publikum, nähere Informationen zu den Häusern zu erhalten. Doch was wenn jemand mitmachen wollte, der absolut keine Ahnung von Architektur hat?

Eine Veranstaltung für alle

Die Führungen wurden so gestaltet, dass auch die Kleinsten daran teilhaben konnten. Niemand kam zu kurz: Die Kenner*innen erhielten ihren Architekturschnaps und die Neulinge bekamen Architekturdurst. Alles lief bestens. Laut einer der 130 Helfer*innen spazierten am Wochenende allein durch das Tamedia Haus über 2000 Besucher*innen. Wenn man sich am Open House umschaut, sieht man unterschiedliche Menschen, welche uns zeigen, dass jedermann dorthin gehen kann, wo er will. Das hat sich jetzt geklärt. Doch muss man trotzdem ein gewisses Flair dafür haben?

Wir stellten genau diese Frage einem Architekten, den wir vor Ort trafen. Er musste schmunzeln: « Ihnen muss einfach ein Haus gefallen oder eben nicht. Das ist die einzige Voraussetzung. Vorwissen existiert nicht. Sie müssen sich nur eine eigene Meinung bilden können und schon gehören Sie dazu.» Da blieb noch eine letzte Frage übrig: Dürfen wir über die Bedeutung eines Gebäudes philosophieren oder ist dies ein Tabu? Der Architekt sah uns perplex an und sagte: «Was wäre denn der Zweck der Symbolik, wenn sie uns nicht anregt, nachzudenken?»

Über blaue Farbe und depressive Architekten

Auf einmal machte alles Sinn. Die Reise ging für uns weiter – eine architektonisch-fantastische Reise. Und so stellten auch wir eine Theorie auf: Architekten sind ein wenig depressiv, wenn sie ein Gebäude dunkelblau anmalen lassen. Das ist nur ein Beispiel, wir können gerne darüber streiten, ob das stimmt oder nicht. Auf jeden Fall ziehen wir jetzt ein Fazit: Bleibt offen für Neues, scheut euch nicht vor Unbekanntem und philosophiert, bitte!

Nicolas, der stille Verkäufer der Uraniabrücke

Sie laufen aneinander vorbei, ihre Blicke kreuzen sich, sie wenden sie augenblicklich ab. Beide leben in ihrer Blase, sie wissen was sie wollen, was sie zu erledigen haben. Das Risiko, einander anzuschauen, wäre zu gross: ihre Pläne könnten durcheinander geraten, sie könnten davon abgehalten werden, ihr selbstverfasstes Drehbuch auszuführen. Sie sind zwei von vielen.

Passanten überholen einander auf der zürcher Uraniabrücke, Autos fahren in beide Richtungen, zwischendurch erscheint eine Person auf einem Fahrrad. Wortfetzen mischen sich mit dem Geräusch der Limmat und der Motoren. Am Trottoirrand steht ein grosser, schlanker Mann mit Brille und einer roten Kappe. In aufrechter Haltung streckt er beide Arme zum Himmel, langsam schwenkt er sie hin und her. In beiden Händen hält er ein Exemplar eines Magazins: das Surprise.

Anfangs ist er misstrauisch: die beste Verkaufszeit sei jetzt, wir würden die Kunden vertreiben, wenn wir so rumstehen. Doch bald vergisst er den Stapel, der neben ihm auf dem Boden liegt. Italienische Zitate, Buchtipps und Diskussionen über Studienrichtungen: Nicolas ist breit interessiert und hat zu Vielem etwas zu sagen.

Seit langem arbeitet er für das Strassenmagazin Surprise: «So lange wie die Unglückszahl!». Während seiner Arbeitszeit kümmert er sich um die Passant*innen, er möchte vermeiden, dass jemand auf der Brücke verunfallt. Aber auch sonst liegen ihm die Menschen am Herzen. So besucht er seine Mutter regelmässig im Pflegeheim. «Alte Menschen werden oft vergessen, obwohl wir viel von ihnen lernen können.»

Der Verkäufer weiss das Surprise zu schätzen, er mag die Porträts, die er darin lesen kann. Und er ist nicht der einzige: Das Magazin wurde in den letzten Jahren professionalisiert, viele kaufen es für seine hohe Qualität. Die Verkaufszahlen steigen von Jahr zu Jahr – eine gute Nachricht für Nicolas und seine Arbeitskolleg*innen.

Von Weitem beobachte ich Nicolas. Er ist zurück auf Position. Seine ausgestreckten Arme bewegen langsam zwei Surprise-Exemplare hin und her. An ihm laufen Menschen vorbei, die Autos fahren in regelmässigem Takt durch. Von hier erscheint seine Bewegung wie ein Ritual – als ob er versuchte, die Passanten aus ihrer Blase zu locken und sie einen Moment lang vergessen zu lassen, dass sie bereits den nächsten Schritt geplant haben.


Surprise im Überblick

Das Strassenmagazin Surprise wurde 1997 gegründet mit dem Ziel, sozial randständigen Menschen eine Zukunft zu ermöglichen. Das Magazin erscheint vierzehntägig und erhält keine staatlichen Mittel. Surprise finanziert sich komplett aus Spendegeldern und dem Verkauf des Magazins.

Obwohl der Verein vor einigen Jahren durch Spenden vom drohenden Bankrott gerettet werden musste, geht es dem Magazin heute blendend. Im Gegensatz zu anderen Magazinen spürt es die Medienkrise nicht: Von Jahr zu Jahr werden mehr Surprise verkauft.

2015 haben 383 Verkäufer*innen, davon 115 Frauen, zusammen 407’750 Exemplare verkauft. Sie verkaufen das Magazin für sechs Franken wovon sie 2.70 Franken behalten können, 30 Rappen gehen an die AHV. Die restlichen 3 Franken werden für die Produktionskosten des Magazins verwendet. Obwohl die Mehrheit der Verkäufer*innen Männer sind, sind fast zwei Drittel des Leser*innen weiblich.