Politik | 13.11.2016

Wer sind die Jugendsessions-Teilnehmenden?

200 Jugendliche treffen sich zur diesjährigen Jugendsession. Während vier Tagen diskutieren sie über ein zugeteiltes Thema und erarbeiten einen Petitionstext, über den am Sonntag im Plenum debattiert wird. Doch wer sind sie? Und wie hat die Jugendsession ihre Meinung beeinflusst? Tink hat dazu vier Teilnehmende befragt.
  • Dominik: «Die Schweiz soll nicht der EU beitreten»

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  • Olivia: «Jeder Mensch hat das gleiche Leben verdient»

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  • Vita: «Manchmal ist eine gewisse Kompromissbereitschaft nötig»

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  • Thomas: «Die Schweiz braucht eine Armee»

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Samstag-Nachmittag im Freien Gymnasium Bern. In der Menge der Teilnehmenden entdeckt man müde, aber zufriedene Gesichter. Nach der Jubiläumsfeier nehmen sich Teilnehmende Zeit, um unsere Fragen zu beantworten. Die Meinungen unterscheiden sich stark. Während die eine sich gegen Militanz ausspricht, fordert der andere eine starke Armee. Doch alle kommen auf einen gemeinsamen Nenner: sie haben sich während den vier Tagen Jugendsession mit dem Thema «Waffenexporte» befasst.

Dominik (17), aus Rossrüti SG

Engagierst du dich in deiner Freizeit politisch – abgesehen von der Jugendsession?

Ja, ich bin seit fast zwei Jahren Mitglied der Jungen SVP St. Gallen, da sie sich unter anderem für eine unabhängige und neutrale Schweiz einsetzt. Ich bin dorthin gekommen, da bereits meine beiden Eltern bei der SVP sind.

Bei der Jugendsession treffen Jugendliche verschiedener politischer Meinungen aufeinander. Hat sich in der Diskussion mit den anderen Teilnehmenden deine Meinung verändert?

Ich gehe immer noch mit der gleichen Meinung nachhause, mit der ich angekommen bin. Aber man macht sich halt schon Gedanken, wenn man die Argumente der Andersdenkenden hört. Aber davon lasse ich mich nicht beeinflussen.
Bezüglich Waffenexporten finde ich, dass man an der derzeitigen Gesetzeslage nichts ändern muss.

Was ist dein grösstes politisches Anliegen?

Mir ist wichtig, dass die Schweiz weiterhin unabhängig bleibt. Sprich, dass sie nicht der Europäischen Union beitritt! So dass wir uns nicht vom Ausland vorschreiben lassen, was wir tun sollen und uns auch keine Gesetztesartikel vorschreiben lassen.

Olivia (19), aus dem Berner Oberland

Engagierst du dich in deiner Freizeit politisch – abgesehen von der Jugendsession?

Ja, das auch. Aber ich bin vor allem in der Freiwilligenarbeit tätig. In sozialen Bereichen wie zum Beispiel bei «Amnesty» oder bei «Young Caritas».

Bei der Jugendsession treffen Jugendliche verschiedener politischer Meinungen aufeinander. Hat sich in der Diskussion mit den anderen Teilnehmenden deine Meinung verändert?

Am Anfang der Jugendsession war ich recht illusorisch. Nun denke ich, dass ich mit einem realistischeren Bild nachhause gehe. Aber meine Grundhaltung hat sich nicht stark verändert.
Bei Waffenexporten finde ich die einzige Lösung gar keine zu exportieren. Aber wenn man es trotzdem machen muss, dann bitte mit strengen Regulierungen.

Was ist dein grösstes politisches Anliegen?

Das ist eine gute Frage (lacht). Ich möchte, dass jeder Mensch so leben kann, wie er es sich verdient hat – und alle Menschen haben sich das gleiche Leben verdient!

Vita (17), aus Bern

Engagierst du dich in deiner Freizeit politisch – abgesehen von der Jugendsession?

Ja, sehr oft sogar! Ich bin bei der JUSO im Vorstand der Stadt Bern. Dort organisiere ich Demonstrationen und Aktionen und kümmere mich auch um burokratische Arbeiten, die anfallen. Ansonsten engagiere ich mich noch in der Schüler*innen-Organisation meiner Schule.

Bei der Jugendsession treffen Jugendliche verschiedener politischer Meinungen aufeinander. Hat sich in der Diskussion mit den anderen Teilnehmenden deine Meinung verändert?

Inhaltlich bin ich immer noch auf der gleichen Linie. Aber ich habe gelernt, dass eine gewisse Kompromissgemeinschaft nötig ist – im Speziellen ist das im Parlament wichtig. Und deshalb denke ich auch, dass es wichtig ist, sich auch ausserparlamentarisch zu engagieren.
Waffenexporte machen nach meinem Wissen lediglich 0,1 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukt aus. Deshalb finde ich es nicht angemessen, dass wir für diesen Bruchteil Waffen in Länder wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Staaten oder den Oman exportieren, in denen es keine Garantie gibt, dass alle Menschenrechte eingehalten werden. Deswegen bin ich klar gegen den Export von Waffen, so wie auch im Allgemeinen gegen Militanz und Gewalt. Und wenn man doch Waffen exportiert, bitte nur in Länder, in denen es eine Garantie gibt, dass Standards eingehalten werden.

Was ist dein grösstes politisches Anliegen?

Alle Menschen dieser Welt sollen in allen Ebenen gleichberechtigt sein. Sei es in ökonomischer, sozialer, ethnischer oder kultureller Sicht. Ich bin auch ganz klar feministisch, da Menschen auch aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Sexualität gleichberechtigt sein sollen. Zudem vertrete ich eine antikapitalistische Linie.

Thomas (19), aus dem Bünderland

Engagierst du dich in deiner Freizeit politisch – abgesehen von der Jugendsession?

Momentan noch nicht, da es aufgrund meiner Ausbildung schwierig ist, alles unter einen Hut zu bringen. Jedoch versuche ich mein Pensum an politischem Engagement zu steigern, da ich Politik sehr spannend finde und man sich bei uns an der Hotelfachschule stark mit politischen Themen befasst, insbesondere mit Themen, die den Tourismus betreffen. Ich bin eher rechts orientiert und würde mich ganz klar für die SVP entscheiden.

Bei der Jugendsession treffen Jugendliche verschiedener politischer Meinungen aufeinander. Hat sich in der Diskussion mit den anderen Teilnehmenden deine Meinung verändert?

Bezüglich Waffenexporten habe ich durch die Jugendsession gemerkt, dass es gewisse Gesetzeslücken gibt, doch das Hauptproblem liegt beim Staat, welcher Fehler bei Kontrollen macht, oder teilweise nicht merkt, wenn ihm Steuergelder entgehen. Wirtschaftlich sind Waffenexporte ein grosser Absatzmarkt, welcher 1,78 Milliarden Franken des Bruttoinlandsprodukt ausmacht. Dementsprechend bin ich gegen ein Verbot von Waffenexporten, allerdings müsste man sie besser konzipieren.
Im Grunde genommen hat sich meine Meinung nicht verändert.

Was ist dein grösstes politisches Anliegen?

Wir brauchen eine Armee, deshalb sollte man diese unbedingt in Stand halten, um unsere Landesverteidigung zu sichern und um auch die Zivilbehörden zu unterstützen. Dafür sollte man die Aufgaben der Armee klar definieren.