Gesellschaft | 22.11.2016

Warum Hilfe so wichtig ist

Text von Cyrill Pürro | Bilder von Cyrill Pürro
Menschlichkeit. Die Menschlichkeit verlangt, einander zu helfen - und zwar unabhängig von Landes- oder Kontinentalgrenzen. Leider scheint uns diese Eigenschaft in der modernen Gesellschaft immer mehr abhanden zu kommen.
Grenzstädtchen Boncourt (JU), zwischen der Schweiz und Frankreich. Finden die Flüchtlinge hinter den Zäunen wirklich den erhofften Schutz?
Bild: Cyrill Pürro

Heutzutage kommen die Momente, in denen Menschen füreinander einstehen und einander helfen, leider viel zu selten vor. Ja, ich höre eigentlich fast nie, dass Menschen einander helfen und wenn, dann nur im ganz kleinen Masse – so klein, wie ein Sandkorn in einer Wüste. Doch, was wäre, wenn man es schaffen würde, etwas Grösseres zu bewirken? Wenn nicht nur ein Mensch allein für eine Sache einsteht, sondern gleich eine ganze Gruppe? Ich bin überzeugt, dass Menschen viel bewirken können, wenn sie sich für eine gemeinsame Sache einsetzen.

Die Flüchtlingspolitik

Oftmals sind es nicht schöne oder erfreuliche Neuigkeiten, die in den Medien stehen. In letzter Zeit lese ich praktisch in jeder Zeitungsausgabe über die Flüchtlingskrise. Oft steht darin, dass flüchtende Menschen auf tragische Art und Weise ums Leben kommen – wie im Mittelmeer, wo beinahe täglich viele Flüchtlinge ertrinken. Auch an den Grenzen sind Flüchtlinge unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt: Sie hungern und leben auf sehr engem Raum. An der türkischen Grenze wird auf Menschen geschossen, an der spanischen Grenze verletzen sich Flüchtlinge an den Zäunen, wenn sie versuchen, darüberzuklettern. Weshalb aber verschärfen die Länder ihre Grenzvorschriften?

Angst um die nationale Sicherheit

In letzter Zeit waren viele Terroranschläge in den Nachrichten. Während ich meinen Artikel verfasste, wuchs die Liste der betroffenen Städte ständig: Paris, Brüssel, Istanbul, Dresden, Maiduguri, Ankara, Nizza…um nur einige davon aufzuführen. Es erstaunt nicht, dass sich die Menschen zunehmend unwohl fühlen. Sie fühlen sich unwohl, denn sie sorgen sich um die nationale Sicherheit. Flüchtlinge kommen nicht nach Europa, um Anschläge zu verüben, oder um Leuten zu schaden. Sie suchen bei uns im Westen Schutz vor dem Krieg. Sie suchen Unterschlupf für ihre Kinder und wollen hier in der Schweiz einen Neuanfang starten oder zumindest hier einen Job ausführen können, bis sich die Lage in ihrer Heimat wieder ein wenig beruhigt hat.

Die Menschen suchen die Lösung für das Problem der Flüchtlingskrise an der falschen Stelle. Eine gute und gründliche Grenzkontrolle ist sicher wichtig, man sollte aber nicht Angst haben, anderen Menschen zu helfen, denen es wirklich schlecht geht.

Weshalb es wichtig ist, zu helfen

Ein wichtiger Punkt ist die bereits erwähnte gegenseitige Hilfe unter den Menschen. Es sollte unser Ziel sein, ein gemeinsames globales, friedliches Leben zu führen und nicht das Gegenteil anzustreben. Die Ignoranz, die Gleichgültigkeit und die Selbstverliebtheit sind leider Bestandteil unseres Lebens. Jedoch sind diese Dinge nur eine Blockade, die uns politisch, aber vor allem auch menschlich, nicht weiterbringt. Mein persönliches Motto ist: Wenn es anderen Menschen gut geht, geht es mir auch gut.

Flüchtlinge entsprechen oft nicht den Klischees. Anstatt aus einem verkommenen, armen Dorf zu kommen und keinerlei Anstand zu besitzen, haben Flüchtlinge oft in ihrer Heimat eine gute Ausbildung absolviert oder vielleicht sogar studiert. Sie haben Erfahrungen in verschiedenen Gebieten der Technik, Industrie oder Dienstleistung. Grosse Schweizer Konzerne, wie Nestlé oder Rolex, stammen von Ideen von Einwanderern. Flüchtlinge können für unsere westlichen Länder wichtige Arbeitskräfte sein, die unser Land und auch die EU weiterbringen könnten.

Wie können wir nun helfen?

Auch ohne sich für Politik zu interessieren, kann man sich für Flüchtlinge einsetzen. Mir geht es darum, dass man sich darüber bewusst ist, wie viel die Menschen aus Syrien, Äthiopien oder anderen Ländern durchmachen mussten, bis sie hier angekommen sind. Um die jetzige Situation zu ändern, müssen wir uns als Erstes gut informieren, zweitens nur sachlich mit unseren Mitmenschen diskutieren -vor allem vor einem grösseren Publikum – und uns drittens Gedanken darüber machen, wo der Einzelne seine Hilfe anbieten kann. Sei es in der Stadt oder im Dorf: man kann fremde Jugendliche und Erwachsene einbeziehen, ihnen bei sprachlichen Hindernissen behilflich sein, oder mit ihnen Kleider, Esswaren und andere Güter teilen. Besonders jetzt, da die Weihnachtszeit bald beginnt, wäre es umso schöner zu sehen, wenn Menschen für Menschen einstehen.