Gesellschaft | 29.11.2016

Kleine Zwiebeln am grossen Märit

Text von Annina Häusli | Bilder von Anne-Lea Berger
662 Marktstände, 178 Zwiebelverkäufer und 57 Tonnen Zwiebeln: Das war der Zibelemärit 2016.
Für Udo Pötzschke ein Jubiläum: Zum zehnten Mal verkauft er am Zibelemärit.
Bild: Anne-Lea Berger

Um sechs Uhr morgens herrschte in der Berner Altstadt dichtes Gedränge, die Besucher bewegten sich im Schneckentempo durch die Strassen, an den Zwiebelständen vorbei. Während die Märitbesucher die Zwiebelzöpfe und -kränze begutachteten und dazu Glühwein schlürften, kämpften einige Zwiebelverkäufer mit dem Wind, der durch die Gassen pfiff.

Die Zwiebelverkäufer waren sich indes nicht ganz einig, was die diesjährige Zwiebelsaison betrifft: «Es war keine schlechte Saison, aber im Juni hat es zu wenig geregnet», erzählte Udo Pötzschke. Der Deutsche war bereits zum zehnten Mal am Berner Zibelemärit anzutreffen. «Wegen der Trockenheit sind unsere Zwiebeln eher klein ausgefallen.» Wieviele Kilo Zwiebeln er an den Märit mitgebracht hatte, wollte er aber nicht verraten.

Anders sah es bei Zwiebelverkäufer Rolf Hediger aus Kerzers aus. «Bei uns war es sehr nass» – Aber auch Hedigers Zwiebeln fielen dieses Jahr kleiner aus als normal. «Es war mühsam, die Zwiebeln zu trocknen, damit wir sie dann flechten konnten», ergänzt er. Trotzdem konnte der Bauer aus Kerzers mit rund einer Tonne Zwiebeln an den Zibelemärit reisen – Er trug also rund einen 57stel des gesamten Angebots bei. Rund 57 Tonnen Zwiebeln konnten die Besucher nämlich heuer auf dem Markt erwerben, teilte die Stadt Bern am Nachmittag mit. Die Rekordmenge von 2014 mit fast 60 Tonnen wurde allerdings verfehlt. Von den insgesamt 662 Marktständen verkauften 178 Zwiebeln in allen Variationen. Die Standplätze am Zibelemärit war dieses Jahr so beliebt, dass 88 Bewerber abgelehnt werden mussten, schrieb die Stadt weiter.

Heinz Bamer aus Aarberg berichtet unterdessen von einer durchzogenen Saison. Während es anscheinend in Deutschland zu trocken war, fiel in der Schweiz zu viel Regen, so musste auch er mit einer kleineren Ernte zurechtkommen. Weil er aber seine Zwiebeln von mehreren Bauern bezog, konnte er die Ausfälle kompensieren. So schlimm wie letztes Jahr, als sogar einige Zwiebelverkäufer wegen der schlechten Ernte ihre Teilnahme am Märit kurzfristig absagen mussten, war es also nicht. Bamer und die anderen Zwiebelverkäufer hoffen trotzdem, dass die nächste Saison wieder «zwiebelfreundlicher» wird.