Gesellschaft | 29.11.2016

Den Zibelemärit-Mythen auf der Spur

Text von Riccardo Schmidlin | Bilder von Anne-Lea Berger
Der Zibelemärit ist der wohl grösste Brauch in der Stadt Bern. Doch um ihn ranken sich unzählige Mythen. Damit du das nächste Mal deinen Aufenthalt sorgenfrei geniessen kannst, ist Tink hingefahren und den Mythen auf den Grund gegangen.
Die Konfetti-Schlacht beginnt schon früh am Morgen.
Bild: Anne-Lea Berger

Mythos 1: Die Konfetti sind die reinste Ressourcenverschwendung.

Bereits am frühen Morgen liegen auf den Gassen von Bern hunderttausende Konfetti. Manche haben sich auch in den Glühwein oder Punsch verirrt. Woher die Konfetti kommen, fragen sich wohl die wenigsten.

Die Konfetti-Verkäufer reagierten zumeist irritiert auf die Frage der Herkunft. Antworten waren rar. Italien war zumindest zwei Mal die Antwort. Ein Verkäufer mit Samichlaus-Mütze antwortete da schon detaillierter: Er behauptete, die Konfetti würden in einer Fabrik eines Freundes in Italien hergestellt. Die Konfetti seien aus Restpapieren produziert, nicht beschichtet und ökologisch abbaubar, so wie dies auch eine Vorschrift der Stadt will. Nach ausgiebigen Internetrecherchen haben sich die Informationen als richtig herausgestellt. Wichtig ist zudem, dass das Konfetti-Papier laut der Herstellerin vor der Produktion zweifach gelüftet und entstaubt wird.

Ob die Konfetti eine gravierende Ressourcenverschwendung darstellen, muss jeder für sich entscheiden. Ökos kann man zumindest beruhigen, dass mit der farbigen Papierschlacht keine Regenwälder abgeholzt werden.

Mythos 2: Die Zuckerzwiebelketten bestehen nur aus künstlichen Aromastoffen.

Auch woher die Zuckerzwiebelketten kommen, ist eine wichtige Frage. Antworten waren zunächst schwer rauszukriegen, dann verdichteten sich die Hinweise auf Basel als Geburtsstätte der Zuckerzwiebel. Und tatsächlich: die Süssigkeit ist keine bernische, sondern wird von einer Firma namens «Sweet Basel» aus Birsfelden hergestellt.

Gesundheitlich sind die Zwiebel-Täfeli neben typischen Zwiebelmarkt-Spezialitäten wie Churros und Belgische Waffeln sicher nicht weiter bedenklich. Man muss ja auch nicht alle 26 Zuckerzwiebeln nach dem ersten Stück Zwiebelkuchen essen.

Mythos 3: Der Zibelemärit wird stark von der Polizei bewacht.

Die Polizei ist wie bei allen Grossanlässen präsent. Am Käfigturm gab es sogar einen Infostand, wo die Bevölkerung die dringensten Fragen an die beiden Polizisten stellen konnten. Auf die Frage, wie viele Polizisten im Einsatz sind, gab es freundlich, aber bestimmt keine Auskunft. Das Aufgebot sei aber für einen solchen Grossanlass nicht zu klein. Polizisten in Uniform waren jedenfalls keine zu entdecken. Einige Personen sahen zumindenst ein bisschen nach Undercover-Gesetzeshüter aus.

Mythos 4: Der Zibelemärit wurde lediglich aus Überschuss an Zwiebeln erfunden.

Auf die Frage an Passanten, wie der Zibelemärit eigentlich entstanden ist, und warum, kamen wenige müde Antworten. Am häufigsten wurde vermutet, dass es vor 100 Jahren einen Überschuss an Zwiebeln gab und diese um jeden Preis an den Berner und an die Bernerin gebracht wurden. Ein Passant Mitte zwanzig war äusserst kreativ: Gemäss ihm wurden die übriggebliebenen Zwiebeln zuerst in den Bärengraben geworfen. Doch dummerweise hatten die Berner Bären keine Lust darauf. Die Bauern und Bäuerinnen suchten nach einem anderen Weg, da es ja zu schade wäre, wenn die Zwiebeln neben hinuntergeworfenen Plastiksäcken und Nuggis vergammeln würden. Die Antwort darauf war der Zibelemärit.

So schön diese Idee auch klingen mag, die Entstehungsgeschichte ist ein bisschen bünzliger. Dazu gibt es mehrere Theorien. Entweder ist das heutige kunterbunte Stadtfest der Nachfolger eines Marktes, der jeweils am Martinstag stattfand. Oder der Zibelemärit ist eine Art Mercischön für die lieben Freiburger, die den Bernern nach dem Stadtbrand im 15. Jahrhundert und den Burgunderkriegen geholfen haben.

So, jetzt sind hoffentlich alle Mythen geklärt und du kannst dich nächstes Jahr auf die wirklich wichtigen Dinge, Glühwein und die nervigen Plastikhämmerli, konzentrieren.