Gesellschaft | 29.10.2016

Wir lassen uns nicht wegwirtschaften

Text von Sonja Gambon | Bilder von Raphael Hünerfauth
Die Jugendmedien werden Schritt für Schritt vom Kapitalismus verschlungen. Die Verlage geben sie auf, weil sie nicht rentieren. Das ist nicht okay. Umso mehr Gründe für uns, das Feld nun zu übernehmen.
Wir setzen uns für guten Journalismus von jungen Leuten ein: Das Team von Tink.ch
Bild: Raphael Hünerfauth

Grösser hätte die Ironie nicht sein können: An einem ganz normalen Donnerstagnachmittag trafen sich drei junge Medienleute vor dem Gebäude von Radio SRF, um im «Medientalk» über die Sicht der jungen Journalisten und Journalistinnen zu reden.

Dann, auf dem Weg nachhause, entdecke ich die Schreckensmeldung in meinem Postfach: «NZZ Campus wird abgesetzt», schreibt das Branchenportal persoenlich.com. Grund sei «zu wenig Erfolg auf dem Werbemarkt». Moment – was?! «NZZ Campus», ein wunderbares Magazin, das jeden Studenten und jede Studentin auf seinem bzw. ihrem Weg begleitet (hat) und ein wichtiges, stark institutionalisiertes Magazin ist (war), soll nun einfach nicht mehr produziert werden. Weil zu wenig beliebt auf dem. Werbemarkt. Wow. Ich kann das nicht fassen. Will es erst recht nicht verdauen. Geschweige denn akzeptieren. Wie kann das sein? Vergessen die Verleger nicht das Wichtigste, den Leser? Ist es ihnen egal, dass die jungen Leute dieses Magazin so sehr geschätzt, geliebt, jedes Mal beim Erscheinen verschlungen haben? Dass der Blog eine tolle Plattform war für viele angehende Journalistinnen und Journalisten, oder solche, die sich Gedanken zu Studium und Karriere machen?

Ich fühle mich vor den Kopf gestossen. Es ist ein Schlag ins Gesicht: Wir zählen nichts. Nichts. Was zählt, sind die Werbeeinnahmen.

Dasselbe Schicksal widerfuhr dem Jugendsender «Joiz» erst vor einigen Wochen. Schon da konnte ich es nicht fassen. Was ist denn nur los? Ich verstehe eines nicht: Warum beklagt man, die jungen Leute würden sich für nichts interessieren, hätten kein Interesse an Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Journalismus, und dann nimmt man ihnen ihre Medien weg? Weil sie nicht wirtschaftlich genug sind.

Das lassen wir uns nicht gefallen. Wir sind gekommen, um zu bleiben. Wir wollen nicht weggewirtschaftet werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, bei uns müsst Ihr keine Angst haben, eines Tages ohne Medium dazustehen. Und Ihr, liebe Leserinnen und Leser, steht bei uns immer an erster Stelle!

Die Zukunft des Journalismus gehört denen, die jetzt starten. Wir zeigen euch, dass wir all diesen düsteren Entwicklungen trotzen und bereit sind, alles zu geben – damit solche katastrophalen strategischen Entscheidungen grosser Medienhäuser der Vergangenheit angehören. Denn wie hiess es schon bei den «wilden Kerlen»: Alles ist gut, solange du wild bist!